Kulturmagazin

Lieber Leser!

Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Tag: Musik

Musik Sigur Rós Live Album & Film: Inni (2011)

Goodbye woolly jumpers & windswept hilltops. Hello Ally Pally

Wir haben das Album schon ein paar Wochen, aber dies ist eine unserer Lieblingsbands und wir wollten Zeit nehmen, uns richtig reinzuhören und auch den etwas gewöhnungsbedürftigen Film genauer ansehen. Unser Fazit: Inni ist gutes Livealbum. Auf unserer Version mit 2 CDs plus DVD, siehe unser Foto, sind 15 Lieder unter denen, so weit wir sehen können, von allen Sigur Rós Alben etwas dabei ist. Und so ziemlich das Beste. Obwohl Inni auch mehrere ruhige Tracks enthält, wirkt es insgesamt metallischer und auch düsterer als man anhand der letzten zwei Alben Takk (2005) und ‘Með suð í eyrum…’ (2008) erwartet hätte. Auf Inni (2011) sind gigantische Gitarrenpassagen die so manche Metalband alt aussehen lassen. Jón Þór Birgisson wirkt, mit seinen Gitarren-Künsten, seiner Stimme und selbst erfundener Gesangssprache, manchmal wie eine one man army. Und es wundert kaum dass er als Jónsi mittlerweile eine Solokarriere hat. Wobei Sigur Rós es gut vermag, Spannung und Kontraste zu schaffen: Wenn auf einmal das Gitarren-Inferno abbricht, als Echo nachhallt und nur noch ein Xylophon oder altmodische Keyboardklänge á la Drehorgel übrigbleiben. Typisch Sigur Rós halt. In der Tat, Inni wirkt wie ein Schlussstrich unter die Musik der letzen 15 Jahre. Eine Ewigkeit im Musikgeschäft, wobei Sigur Rós – ähnlich wie Pink Floyd – trotz allem Erfolg tiefgründiger und interessanter waren als die meisten ihrer musikalischen Zeitgenossen. Was den Konzertfilm Inni anbelangt: Hier hätten die vier Isländer einfach eine Variante ihres Musikfilm-Klassikers Heima (2007) drehen können. Wieder mit Wollpullovern und Wind in den Haaren. Vielleicht diesmal auf den Klippen von Irlands Dun Aonghala. Aber die Band hat genau das Gegenteil gemacht und einen düsteren, anfangs fast klaustrophobisch wirkenden Film in Londons altem Alexandra Palace gedreht. Umgangssprachlich Ally Pally genannt. Klingt wie ein Sigur Rós Liedtitel.
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Flamenco Gitarrist Paco de Lucía in den 70er Jahren

Wir haben uns anlässlich seines heutigen Geburtstags eine gute Doku-DVD über den Flamenco-Star angesehen: Francisco Sánchez – Paco de Lucía (2003). Der Titel bezieht sich darauf dass Paco de Lucía, wie viele Flamenco-Musiker, einen Künstlernamen hat und als Francisco Sánchez geboren wurde. Hier in Andalusien, nicht allzu weit von uns entfernt, in der andalusischen Küstenstadt Algeciras. Auf dem Foto ist unsere alte LP-Version von dem Album Fuente y Caudal (1973), was soviel wie Quelle & Strömung bedeutet. Es verschaffte dem Gitarristen seinerzeit internationale Beachtung, nicht zuletzt wegen dem fast 6 Min. langen Lied Entre Dos Aguas (Zwischen zwei Wassern) in dem erstmals die traditionelle Flamenco-Gitarre vom elektrischem Bass begleitet wurde, was heute gang und gäbe ist. Ein weiterer Meilenstein, was internationale Beachtung betrifft, war das Album Friday Night in San Francisco (1981) auf dem Paco de Lucía zusammen mit John McLaughlin und Al Di Meola spielte. Gutes Album, das bei Amazon.de viele positive Bewertungen hat. Uns persönlich gefallen die Soloalben von Paco de Lucía allerdings noch etwas besser. Sachen wie Almoraima, wo die mittelöstlichen Einflüsse des
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Mission bells ringing: The Chairman of the Board & Nancy with the Laughing Face

Nach seinen Anfängen in den 40er Jahren bei Columbia Records, wechselte Sinatra 1954 zu Capitol, und die Alben aus dieser Zeit werden oft als sein künstlerischer Zenith angesehen. Mit Alben wie ‘Songs for Swingin’ Lovers!‘ (1956) prägte Sinatra musikalisch und stilistisch den Mythos der 50er Jahre, Man könnte sagen, Sinatra erfand diesen Mythos: Die TV-Serie Mad Men ist Swingin’ Lovers auf Film, auch wenn die Serie ein paar Jahre später spielt. Sinatra sang über Madison Avenue bevor die Filmemacher geboren wurden. Sinatras ultra cooler Status in den 50er Jahren hat allerdings bewirkt dass seine späteren Aufnahmen und Konzerte manchmal unterschätzt werden. Ein Fehler. Denn während Swingin’ Lovers als Einzelwerk betrachtet, sein bestes Album sein mag, sind die späteren Reprise Jahre, in Hinblick auf die Liederauswahl, die Musik und seine reifere, etwas rauhere Stimme in den 60ern, und sogar noch in den 70er Jahren, als Gesamtwerk für uns das Beste von Sinatra: Das eigens von Sinatra gegründete Plattenlabel Reprise (sprich re-pries) veröffentlichte alle Aufnahmen von Sinatra ab 1961. Mit vielen unserer Lieblingslieder. Bei Sachen wie It Was A Very Good Year (hier ein Clip von Sinatra im Studio) verschmelzen Komposition, Arrangement, Text und Sinatras Stimme zu etwas epischem, zu  einer Lebensgeschichte…zu Kunst. Auch wenn Sinatra sich am Ende beschwert dass das Lied mit 4:12 Min. länger ist als der erste Akt von Hamlet. Gut an den Reprise Jahren, die allein an Studioaufnahmen über 400 Lieder umfassen, ist auch dass Sinatra viele seiner Klassiker aus früheren Zeiten neu aufnahm. Für unseren Geschmack, oftmals mit besserer Stimme, wie Nancy with the Laughing Face das Sinatra zuerst in den 40er Jahren aufnahm aber das in späteren Fassungen, speziell in den schlichteren Liveversionen ohne Streicher, eins unserer Lieblingslieder ist. Viele von Sinatras frühen Aufnahmen, die mit seiner jüngeren, wohl noch von Bing Crosby beeinflussten Stimme,  hier und da etwas schnulzig klingen, bekommen bei späteren Aufnahmen mehr Tiefe, mehr Nachdenklichkeit. Sinatra war, damals  Ende 40, nicht mehr voll im Mainstream, sondern stand einer gigantischen Welle neuer Popkultur, wie den Beatles und den Stones gegenüber. Nicht einfach. Aber während Sinatras Plattenverkäufe etwas zurrückgingen, machte er einfach mit der Sache weiter in der er unschlagbar war: Live vor einem Publikum.

Albumklassiker: Sinatra at the Sands (1966)

Obwohl es viele Best-of CDs gibt, ist unser Tipp um die Reprise Jahre kennenzulernen, das phänomenale Live-Doppelalbum Sinatra at the Sands (1966). Viele Klassiker, wie Come Fly with Me und I’ve Got You Under My Skin mit vollem Swing-Sound, courtesy of Count Basie und einem gewissen Quincy Jones. Aber auch Stücke bei denen Sinatra zeigt dass er, wenn’s drauf ankommt, nicht viel mehr an Unterstützung benötigt als ein Piano um zu beeindrucken, wie er es hier auf One for My Baby oder Angel Eyes tut. Ein starkes Album, und ein Fall wo das digitale Format den handfesten Vorteil hat dass man die ehemals zwei LPs nicht andauernd umdrehen muss sondern, wie ein Konzert, an einem Stück, auf einer CD hören kann. Alle glorreichen 76 Minuten davon. Denn die CD enthält neben einem Booklet mit Fotos und umfangreichen Liner Notes von Stan Comyn auch den vorher nicht enthaltenen Track Luck be a Lady. Der Ort des Konzerts, das Sands Hotel das einst Howard Hughes gehörte und wo die Originalfassung des Films Ocean’s Eleven mit Sinatra gedreht wurde, ist Geschichte. Es steht heute nicht mehr. Wer mehr von diesen Zeiten mitkriegen will, kann sich für ca. 60 Euro den posthum veröffentlichten 5-Disc-Boxset Sinatra: Vegas (2006), inklusive einer exzellenten Konzert-DVD kaufen. Aber obige CD Sinatra at the Sands (1966) ist ein guter Anfang und preiswert erhältlich. Zwischen den Liedern enthält dieser Albumklassiker auch viele Kommentare, Stories und Gags von Sinatra. Mindestens einer davon verdammt gut: Über einen seiner notorischen Trinkkumpanen sagt er, wir zitieren frei und ohne Gewähr aus unserer  Erinnerung, ‘Dean Martin is stoned more often than US-Embassies’. Wirklich? Falls wir richtig gehört haben, kann der nächste der bei Frank Sinatra (12. Dez. 1915 – 14. Mai 1998) vorbeischaut, Bescheid geben dass sich, in Bezug auf amerikanische Botschaften, nicht viel geändert hat.

 

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Wussten Sie schon? Sinatra im neuen Film Blade Runner (2017) Der Kultstatus des Sängers ist in guter Verfassung. Im neuen Film Blade Runner 2049 sind zwei Sinatra-Klassiker ziemlich ausgiebig zu hören. Erst Summer Wind, in einer Liebesszene zwischen Ryan Gosling und seiner holographischen Partnerin Joi. Das Lied beruht übrigens auf einer deutschen Komposition namens Der Sommerwind. Zweitens, das Lied One for My Baby (and One More for the Road), bei dem im Film sogar ein Hologramm vom singenden Sinatra zu sehen ist. Das Lied basiert auf dem Gespräch, oder Selbstgespräch, eines von der Liebe entäuschten Trinkers mit seinem Barkeeper. Der Film lässt es sich nicht nehmen, hier ein Produkt-Placement für den Whisky Johnnie Walker einzubauen. Soweit ich sehen konnte, war es ein Flasche Black Label. Bedeutet das Auftauchen von einem Klassiker wie Sinatra dass Blade Runner, trotz aller moderner Technik, im Kern eine ziemlich nostalgische Betrachtung über menschliche Vergänglichkeit ist? Set’em up, Joe!

Foto-Info Auf obigem Foto ist eine alte spanische Single mit Sinatra und Tochter Nancy, der er das Lied Nancy with the Laughing Face widmete. Unser Bildtext, ‘mission bells ringing‘ bezieht sich auf eine Zeile vom Lied. Und Chairman of the Board nannte man Sinatra als Boss von Reprise Records.

Mehr über Sinatra  Unser Artikel über Songs for Swingin’ Lovers (1956), vielleicht sein bestes Album

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Musik In Erinnerung an Duane Allman

ABB Gitarrist Duane Allman (20. Nov. 1947 - 29. Okt. 1971)

Heute wäre der 65. Geburtstag von Duane Allman. Für uns einer der besten Gitarristen aller Zeiten. Zu Duane’s Geburtstag liegen auf unseren Plattentellern und CD-Spielern im Auto praktisch nonstop die beiden Alben die Sie auf dem Foto sehen: The Allman  Brothers Band at Fillmore East ( 1971) und Eat A Peach (1972). Beides Klassiker. Beide mittlerweile auch als Deluxe Edition mit viel extra Musik erhältlich. Für uns als Vinyl-Fans, einer der seltenen Fälle wo die CD-Versionen und MP3s einen handfesten Vorteil haben: Nämlich dass man ein 33:38 Min. langes Lied wie Mountain Jam an einem Stück hören kann, ohne die Schallplatte umzudrehen. Neben den exzellenten Gitarrenklängen von Duane, ist die Allman Brothers Band mit der starken Gesangsstimme von Gregg Allman gesegnet. Und einer Band bei der die komplimentäre Gitarre von Dickey Betts, der Bass von Berry Oakley und die zwei Schlagzeuger Butch Trucks und Jaimoe eine faszinierende Symbiose von ausgefeilten Arangements und völlig abgehobenen Improvisationen liefern. Musik die beim ersten Mal gut, beim zehnten Mal fantastisch klingt, mitunter weil es darin immer neue Details zu entdecken gibt. Auf Anhieb erscheint es rätselhaft wie Duane Allman, der im Alter von nur 24 Jahren bei einem Motorradunfall starb, solch einen legendären Status erreichen, und so ein umfangreiches musikalisches Werk hinterlassen konnte. Deshalb fanden wir das Buch ‘Skydog, The Duane Allman Story‘ (2006) von  Randy Poe, lesenswert und aufschlussreich. Duane und Bruder Gregg Allmans Erfolg beruhte nicht besonders auf glücklichen Zufállen. Ihr Vater wurde ermordet als 
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Unser Foto von Pattie Boyds 'Wonderful Today' (2007) und der Rückseite der LP Layla and Other Assorted Love Songs (1970)

Man ist geneigt, Büchern die über das Privatleben von Rockstars erzählen, mit Zynik zu begegnen. Aber Pattie Boyds ‘Wonderful Today‘ (2007) hat unsere Erwartungen übertroffen und ist in der Tat eins der aufschlußreichsten Bücher über die Popkultur der 60er und 70er Jahre das wir gelesen haben. Wir haben einiges dieser Art, inklusive der Autobiografie von Boyds früherem Ehemann Eric Clapton. Die Tatsache dass Clapton trotz der Scheidung eine hohe Meinung von Pattie zu haben scheint, bekräftigt den Eindruck dass ‘Wonderful Today‘ ein ehrliches aber kein revanchistisches Buch ist. Eine der für uns überraschendsten Erkenntnisse aus dem Buch ist dass Pattie es rückblickend bereut, nicht intensiver versucht zu haben, ihre vorherige Ehe mit George Harrison zu retten. Obwohl man den Eindruck bekommt dass diese Ehe, aufgrund Harrisons Drogenproblemen und seiner ehelichen Untreue (u. a. mit Ringo Starrs Ehefrau Maureen), nicht einfach war. Die ehemalige Klosterschülerin Pattie Boyd hatte mit ihrer gutgläubigen und unkomplizierten Natur scheinbar eine magnetische Wirkung auf problematische Rockstars. Wir erwarteten Anekdoten, und es gibt sie. Die notorische Unfähigkeit von Rockmusikern, alltägliche Probleme zu meistern, hat auch hunmorvolle Seiten: Dass Clapton zur Bestehung seiner Fahrprüfung einen Mann schickte der ihm etwas ähnlich sah, klingt plausibel. Auch die Warnung dass stundenlanges, tagelanges Singen von hinduistischen Mantras nicht immer hilfreich in einer Ehe ist, werden wir uns zu Herzen nehmen. Aber es überwiegen Passagen die nachdenklich stimmen. Der Buchtitel spielt auf Claptons
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The cover of Floyd's album Ummagumma (1969) features the so called Droste effect, the picture within the picture. We look at it's occurrence in art, advertising...and other Floyd LPs

Das Doppelalbum Ummagumma (1969) ist musikalisch sehr experimentell, hat Elemente von Musique concrète und Stockhausen. Pink Floyd waren damals fast noch ein Geheimtipp, nicht die Stars die sie mit Dark Side of the Moon (1973) werden sollten. Wir haben endlich eine Vinyl-LP gefunden und werfen einen genaueren Blick auf das Design das im LP-Format viel besser zur Geltung kommt als auf CD. Es ist ein aufklappbares Gatefold-Album. Auf Innen- und Rückseite sind viele interessante Sachen zu entdecken, so wie Pink Floyds gesamtes Musik-Equipment, die Roadcrew…und Roger Waters’ damalige Ehefrau. Anhand von Band-Biografien, haben wir auch Infos über die Foto-Location und die Entstehung des Albums. Die LP-Vorderseite basiert auf dem Droste-Effekt, so nennt man das Prinzip vom Bild im Bild…etwas das man theorethisch endlos weitermachen kann. Pink Floyd und LP-Designer Storm Thorgerson (1944-2013) waren nicht die ersten und nicht die letzten die vom Droste-Effekt Gebrauch machten. Es gibt ihn auf Filmpostern, Magzinen, in der Kunst, auch auf Alben von anderen Bands, sogar auf anderen Floyd-Alben. Und in der Werbung. In der Tat, der Droste-Effekt ist nach einer 100 Jahre alten Werbekampagne für Kakao benannt.

Links in this paragraph illustrate the Droste effect. The LPs gatefold inside has photos of the band and Roger Waters' former wife, the art teacher Judy Trim (1943-2001)

Auf der Packung von der holländischen Kakao-Marke Droste hat die Krankenschwester ein Tablett mit einer Kakao-Packung – auf der sie wiederum selbst zu sehen ist etc. pp. Das selbe Prinzip bei der französischen Bier-Werbung für Bière Titan. Optische Endlosschleifen die man Selbstreferenzialität nennt, ein Begriff der auch in Bereichen von Philosophie, Politik, Sprache, Mathematik…und in der Kunst verwendet wird. Bei dem Grafiker M. C. Escher (1898-1972) wird z. B. eine Hand von einer Hand gezeichnet, die wiederum von der anderen Hand gezeichnet wird. Der Droste-Effekt ist ein Gedankenspiel. Die Rolling Stones hatten 1969 den damals noch lebenden M. C. Escher um ein Cover für ihr Greatest Hits Album gebeten. Escher lehnte ab und die Stones-LP Hot Rocks 1964-1971 bekam stattdessen einen hausgemachten Droste-Effekt, mit einem Kopf in einem Kopf etc. Weitere Beispiele für den Droste-Effekt in der Popkultur sind Filmposter wie das für Christopher Nolans Thriller Memento (2000) und Big Eyes (2014) von Tim Burton. Auch viele Magazin-Cover, z. B. von Mad Magazine, Life Magazin und der Jugendzeitschrift Dynamite. Das Prinzip vom Bild im Bild ist auch Basis von einem der berühmtesten Gemälde aller Zeiten, Las Meninas (1656) von Diego Velázquez. Um auf Floyd zurückzukommen: Verschiedenen Varianten des Droste-Effekts, bzw. Selbstreferenzialität, gibt es auf den Best-Of-LPs Echoes: The Best of Pink Floyd (2001) und Oh, by the Way (2007). Letztgenannter Box-Set hatte auf der Rückseite sogar ein alternatives Cover mit dem Effekt. Um Streit zu vermeiden, wer im Vordergrund ist? David Gilmour hatte ja auf Ummagumma die Ehre.

Back cover for musicians: Fender guitars, Hiwatt amps etc. The road crew guys, Alan Styles and Peter Watts (right), have died. The latter's daughter Naomi became a Hollywood star

Haus und Garten auf dem Ummagumma-Cover haben übrigens Signifikanz in der Geschichte von Pink Floyd. Es ist das Landhaus Trinity House im Dorf Great Shelford, einem Vorort von Cambridge. In diesem Haus trafen sich 1965 erstmals die zwei Bands aus denen Pink Floyd entstehen sollte. Anlass war die Geburtstagsfeier von Designer Storm Thorgersons Freundin Libby deren Vater das Trinity House gehörte. Die zwei Bands die damals Musik auf der Gartenparty spielten waren Jokers Wild (mit David Gilmour) und The Tea Set (mit Waters, Barrett, Mason und Wright). Vier Jahre später schlug Thorgerson das Haus als Foto-Location für Ummagumma (1969) vor. Bei den Fotos im Inneren der Gatefold-LP ist übrigens Roger Waters’ damalige Ehefrau, die Töpferin und Kunstlehrerin Judy Trim zu sehen. Richard Wright sitzt neben einem Piano und David Gilmour schaut aus einem Baum hervor. Was Drummer Nick Mason anbelangt, fragt man sich ob er sauer war dass er kein großes Starfoto bekam? Schlagzeuger ziehen in Bands immer den Kürzeren! Dafür ist auf der Rückseite der LP sein komplettes Premier Drum-Kit zu sehen, mit dem gesamten Equipment der Band auf dem Asphalt des Londoner Biggin Hill Airport, der 1917 eröffnet wurde und früher der Royal Air Force diente. Das Foto enthält schöne Details für Musik-Freaks: Fender Stratocaster, Telecaster, Precision Bass, sogar Waters’ früherer Rickenbacker Bass, Verstärker von Hiwatt und Sound City, WEM-Boxen etc. Ebenfalls im Bild, die beiden Floyd-Roadmanager Alan Sykes (links) und Peter Watts (rechts), dessen Tochter Naomi Watts Jahre später zum Hollywoodstar werden sollte. Man sagt ja: ‘Every picture tells a story‘. Dazu waren Gatefold-LPs besser geeignet als das CD-Format. Nennen wir es den Vinyl-Effekt.

Who's the boss now? Found a vinyl LP of Gigi (1958), seen on the cover of Ummagumma (1969). In the US Gigi was airbrushed away. Either for 1. fear of copyright problems, or 2. because Capitol Records didn't want to advertise MGM

Ein erfreuliches kleines Update zum Artikel: Ich habe das Album Gigi (1958), das auf dem Cover von Ummagumma zu sehen ist, als Vinyl-LP gefunden. Das an der Wand lehnende Gigi-Album auf Ummagumma wirkt wie ein subtiles Echo vom Droste-Effekt: ein LP-Cover auf einem LP-Cover. Wie kam Gigi – der Soundtrack von Vincente Minnellis Filmkomödie die Ähnlichkeit mit dem Musical My Fair Lady (1956) hat - auf das Cover? Storm Thorgerson sagte, es hätte keinen bestimmten Sinn, es sei einfach ein red herring gewesen, also eine falsche Fährte. Mit der Absicht, Debatten zu schaffen. Gigi ist auf alle Fälle ein gut designtes LP-Cover das auffällt, obwohl es nur einen kleinen Teil der Floyd-LP einnimmt. Für US-Ausgaben von Ummagumma wurde Gigi übrigens wegretuschiert. Dafür sind mir zwei verschiedene Erklärungen bekannt. Erstens, Sorge vor Copyright-Problemen seitens des Floyd-Labels. Zweitens, dass die Plattenfirma Capitol Records, die das Floyd-Album in Amerika veröffentlichte, keine Werbung für Schallplatten von einer anderen Firma, in diesem Fall MGM, machen wollte. Letzteres ist nicht ganz unplausibel – denn bei mir hat die Werbung für Gigi tatsächlich funktioniert, ich habe Gigi erst durch Floyd kennengelernt. Dass jetzt im Foto ein CD-Cover von Ummagumma ganz klein am Bildrand von Gigi ist, hat auch einen Hauch von Droste-Effekt an sich. Jedenfalls hat die zwinkernde Gigi den Jungs von der Band endlich mal gezeigt wer der Boss ist.

 

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Musik-Info  Das Doppelalbum Ummagumma (1969) ist in Live- und Studioaufnahmen aufgeteilt. Auf der Studio-LP hat jedes Bandmitglied eine halbe Albumseite mit experimentellen Solokompositionen. Die Live-LP besteht aus vier atmosphärischen Liedern mit der ganzen Band. Von dem Lied A Saucerful of Secrets gibt es auf YouTube einen starken Live-Filmclip der zwar 2 Jahre später (live in Pompeii) aufgenommen wurde, aber die Band und die Musik der experimentellen Ummagumma-Ära exzellent repräsentiert

Mehr von uns über Floyd-LPs Artikel über ein Hörspiel das von Dark Side of the Moon inspiriert wurde

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