The children's novel Pippi Longstocking (1945) was first published 70 years ago in Sweden. Above, a later German edition and photos of Astrid Lindgren (1907-2002) as a young woman in the 1920s, and on the filmset in the late 1960s

1945 wurde das erste Pippi Langstrumpf Buch veröffentlicht. Links, Walter Scharnwebers Cover für die deutsche Ausgabe die erstmals 1949 erschien. Unser Buch ist aus den 70er Jahren. Rechts, ein Foto von den Aufnahmearbeiten für die Verfilmung. Hier die Autorin mit der jungen Darstellerin Inger Nilsson, die mittlerweile 56 ist. Die Langstrumpf-Filme wurden auf der schwedischen Insel Gotland gedreht und wirken immer noch sehr idyllisch, reflektieren den ländlichen Hintergrund von Astrid Lindgrens Kindheit auf einem Bauernhof. Aber sie lernte nicht nur die idyllischen Seiten des Lebens kennen. Das Schwarzweißfoto links im Bild hat traurige Konnotationen – von denen man, wenn man genau hinsieht, auch etwas in der Geschichte von Pippi Langstrumpf findet. Ein zentraler Aspekt von vielen Lindgren-Büchern ist Sympathie für gesellschaftliche Außenseiter. Zum Beispiel Rasmus und der Landstreicher, deren schwierige Situation Lindgren in ein positives Licht setzt: Obdachlos und ohne Geld zu sein bedeutet bei ihr nicht Endstation sondern Freiheit. Lindgren ist der ultimative Don’t give up Botschafter. Auch Pippi Langstrumpf ist, bei allem Slapstick-Spaß den die Bücher und Filme enthalten, de facto in einer tragischen Situation: Ein neunjähriges Mädchen ohne Eltern, in einem alten Haus in einem verwahrlosten Garten. So die Anfangszeilen des Romans. Lindgren erwähnt sogar die realen Konsequenzen der Situation. Pippi wird von Polizisten verfolgt die sie in eine Kinderheim bringen sollen. Selbst hier schafft Lindgren es, den Leser zum Lachen zu bringen. Die Polizisten sagen Pippi dass ‘gute Menschen in der Stadt dafür gesorgt hätten dass sie einen Platz im Kinderheim bekommt. Daraufhin sagt Pippi den Polizisten dass sie sich von anderswo Kinder für ihr Kinderheim besorgen sollen. Astrid Lindgrens eigene Bekanntschaft mit sozialem Außenseitertum kam als sie 19 war. Es ist heute schwer nachzuvollziehen, aber ein uneheliches Kind war 1926 ein enormes Stigma für Frauen. Astrid war bei ihrem ersten Job bei einer Lokalzeitung schwanger geworden. Zu den Details dieser Episode scheint Lindgren zeitlebens nicht viel öffentlich gesagt zu haben. Erst vor Kurzem sind Gerichtsakten aufgetaucht die darauf hindeuten dass Reinhold Blomberg, Chefredakteur vom Vimmerby Tidning, der Vater des Kindes war.

Wobei sich die Frage aufdängt ob Blomberg, der ca. 30 Jahre älter als Astrid war, seine Machtposition als Chef ausnutzte? Offenbar wollte die schwangere Autorin nichts weiter mit dem Mann zu tun haben, verließ Vimmerby und ging nach Stockholm. Zur Geburt des Kindes ging sie nach Kopenhagen – wo man im Gegensatz zu Schweden Kinder anonym zur Welt bringen konnte – und ließ dann den 1926 geborenen Sohn Lasse bei dänischen Pflegeltern. Etwas das die Autorin anscheinend ihr Leben lang bereut hat. Obwohl sie Lasse drei Jahre später in die Obhut ihrer Eltern übergab und ihn 1931, als sie Sture Lindgren geheiratet hatte, wieder ganz zu sich nahm. Die Ehe mit Sture, einem leitenden Angestellten des schwedischen Automobilclubs KAK, war anfangs glücklich aber Sture war dem Alkohol zugetan und hatte außereheliche Affairen, was Astrid sehr verletzte. Sture starb mit 53 und Astrid war allein mit ihren Kindern. Obiges Foto links zeigt die junge Astrid mit Lasse, wir schätzen im Alter von etwa drei Jahren. Der Gedanke liegt nahe dass Lindgrens Geschichten von Kindern in schwierigen Situationen zumindest zum Teil von ihren eigenen Erfahrung als junge Mutter geformt wurden. Dieser Aspekt von Lindgrens Leben bekommt tragische Züge dadurch dass Lasse fünfzehn Jahre vor seiner Mutter Astrid Lindgren (1907-2002) im Jahr 1986 an den Folgen von Alkohol starb. Die Autorin hatte zuvor in ihr Tagebuch geschrieben: Lasse ist deprimiert, krank und arbeitslos. Lasses Tod und vermutlich auch die Jahre die dazu hinführten waren ein schwerer Schlag für Astrid Lindgren. Wir persönlich sind nicht der Meinung dass Eltern grundsätzlich und ewig für sämtliche Probleme verantwortlich sind die ihre Kinder im Laufe des Lebens haben. Aber manche von Lindgrens Büchern wirken als ob die Autorin darauf hofft, darum ringt, dafür betet dass Kinder in schwierigen Situationen eine Chance haben, glücklich zu werden und sich durchzusetzten. So wie es Pippi Langstrumpf tut – obwohl sie übernatürliche Kräfte benötigt um sich die Welt zu machen wie sie ihr gefällt.

 

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Weitere Infos  Ein YouTube Clip von dem berühmten Lied in der Verfilmung Pippi Langstrumpf (1969)

Was macht Inger Nilsson heute? Obwohl die Pippi Langstrumpf Darstellerin viele Jahre Schwierigkeiten hatte, andere Rollen zu finden, spielte sie ab 2007 in der Krimiserie-Serie Der Kommisar und das Meer, hier ein Trailer, zwar nicht die Hauptrolle aber immerhin die Rechtsmedizinerin Ewa Svensson. Die deutsch-schwedische TVserie wurde, wie die Langstrumpf-Filme, auf Gotland gedreht.

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