Kulturmagazin

Lieber Leser!

Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Tag: Sprache

According to a new scientific study Brits have over 500 words for 'drunk'. In German, off the top of my head, I can only think of a handful. Which is weird, I mean, didn't we, like, invent beer? Above, by the way, a British design classic, a nonic pint glass

Die Überschrift hört sich fast zu gut an, um wahr zu sein. Aber gemäß einer Studie von Professor Christina Sanchez-Stockhammer im Jahrbuch der German Cognitive Linguistics Association trifft sie zu. Ich meine, auf Deutsch fallen mir spontan nur eine Handvoll Synonyme für betrunken ein: Besoffen, breit, sternhagelvoll, dicht… Vielleicht kommt man bei einer Umfrage in einer Kneipe auf ein paar mehr, aber nicht Hunderte. Merkwürdig eigentlich. Haben wir nicht das Bier erfunden? Für das Foto, links, habe ich übrigens ein typisch britisches Bierglas benutzt. Ein sog. pint. Ein Designklassiker mit besonderen Merkmalen, auf die ich nachfolgend eingehen werde. Aber erst die Frage: Was machen die Briten sprachlich ‘besser’ als wir? Dass sie so viele Worte für betrunken haben, hängt anscheinend damit zusammen, wie im Englischen Worte, Begriffe
Continue reading…

My Chatto & Windus edition of an excellent book - great as a Christmas present. In 'Thames: Sacred River' Peter Ackroyd explores history, mythology, poetry, art, music and literature connected to the river that, basically, created London

‘The note he left was signed ‘Old Father Thames, it seems he’s drowned…’. Die Personifikation des Flusses – der auf Deutsch die Themse genannt wird – ist Bestandteil der englischen Kultur. Auch deutsche Musikfans könnten obige Worte von der Genesis-LP Selling England by the Pound (1973) kennen. Hier singt Peter Gabriel die Zeile in 2016. Und hier ein Beispiel, wie der Dichter & Künstler William Blake (1757-1827) sich den Flussgott Old Father Thames vorstellte. Die Verbindung von Flüssen zu Kunst, Mythen und Legenden – die Peter Ackroyd im Buch ‘Thames. Sacred River’ (2007) erforscht – geht Jahrtausende zurück. Der Name Thames (der im modernen Englisch wie temms, mit einem weichen s, ausgesprochen wird) ist so ziemlich der älteste erhaltene Name in England. Ähnlich wird es beim Rhein sein. Flüsse waren nun mal die Geburtsorte von Zivilisationen.
Continue reading…

Being bilingual myself, I always felt that thinking in different languages changes your thinking. Now there is scientific proof: Check the Guardian article ‘I couldn’t believe the data’: How thinking in a foreign language improves decision-making'

Man könnte obige Frage eleganter formulieren, aber sie würde nicht in die Überschrift passen. Ewiges Blogger-Dilemma! Aber gemäß neusten Forschungsergebnissen, ist die Antwort auf diese Frage: Ja. Darauf hätte ich, als jemand der selber zweisprachig ist, eigentlich immer schon getippt. Aber ich hätte nicht gewusst, wie ich das in Worte fassen, geschweige denn beweisen könnte? Jetzt deuten Experimente von Prof. Boaz Keysar von der University of Chicago daraufhin dass der sog. Foreign Language Effect (FLE) nicht nur einen gewissen Einfluss, sondern sogar einen starken Einfluss auf Denkweisen und Entscheidungen hat. Gleich mehr dazu. Nur kurz vorweg: Obiges Foto stammt von dem Sci-Fi-Film ‘Arrival’ (2016), in dem Sprache, spezifisch sogar Linguistik, eine zentrale Rolle spielt, zum Beispiel insofern, dass die Sprache der Außerirdischen im Film auch ihre
Continue reading…

March 20 is International French Language Day. This guy's done a lot to promote the language. We found the 1961 single Il Faut Savoir, which was a big hit for Charles Aznavour. He's 90 years old, still playing live, for instance in Spain this year

Der Mann ist 90, tritt immer noch auf. Er zählt im Lied eine Liste von Dingen auf die man lernen sollte: Eine verlorene Liebe hinter sich zu lassen, seine Würde zu behalten, in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit zu schauen…kann aber seinem eigenen Rat letztendlich selber nicht folgen. Weil er die Person die er verlor, immer noch zu sehr liebt. Siehe YouTube Live-Clip

Il faut savoir encore sourire
Quand le meilleur s’est retiré
Et qu’il ne reste que le pire
Dans une vie bête à pleurer
.
Il faut savoir, coûte que coûte
Garder toute sa dignité
Et malgré ce qu’il nous en coûte
Continue reading…

Vanessa Diffenbaugh's novel The Language of Flowers (2011) got us into checking out the Victorian context. One of the main flower growing places were the Isles of Scilly. Flowers came to the mainland in ships (right), in boxes similar to the ones above left. The novel is set in modern times in San Francisco

Mir gefiel die Grundidee des Romans Die verborgene Sprache der Blumen (2011) von Vanessa Diffenbaugh. Links im Bild meine englische Ausgabe. Buch-Trailer am Ende des Blogposts. Die in modernen Zeiten spielende Story dreht sich darum dass Blumen benutzt werden um Menschen geheime Botschaften zu übermitteln. Viele englische Sachbücher zum Thema Floriographie oder Blumensprache stammen aus dem 19. Jahrhundert, aus dem Viktorianischen Zeitalter. Die Indirektheit der Blumensprache passte zur Epoche. Ansatzweise gibt es diese Sprache heute noch. Jemandem rote Rosen zu schenken ist eine Geste die immer noch verstanden wird. Aber solche Botschaften waren damals noch viel subtiler. So konnten Blumen Schüchternheit, Stolz, Trauer, Verschlossenheit, Neuanfang, Ungewissheit und Dutzende anderer Gefühle, Absichten und
Continue reading…

The study of myths, fairy tales and language in general was ideologically tinted in the 19th, 20th century. The national treasure angle, the psychoanalytical angle and others which may have some validity. But the approach using algorithms to analyse these wondrous things seems a good way forward

Textanalysen per Computertechnik an der Universität von Durham haben bisherige Theorien über der Ursprung von Rotkäppchen auf den Kopf gestellt. Während Forscher sich lange einig waren dass die Wurzeln des Märchens deutlich weiter zurückliegen als die Zeiten der Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert und des Franzosen Charles Perrault im 17. Jahrhundert, ging man bislang davon aus dass die Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf aus Asien stammte und über die Seidenstraße nach Europa gelangte. Das wäre in der Tat nichts ungewöhnliches, ein Märchen wie Aschenputtel zum Beispiel stammt in seiner ältesten Form erwiesenermaßen aus China. Die Ausbreitung von Märchen, ebenso wie Mythen, ist ein komplexer Prozess der u. a. mit Handelsbeziehungen und Migrationen verbunden ist. Durch die mündliche Überlieferung über Jahrhunderte bekommen Märchen neue Namen,
Continue reading…

Journée internationale de la Francophonie: Living in Andalusia, we happily fly the flag for Latin related languages. 20th March is the official celebration of the French language - spoken not just in France but many other countries. Good opportunity to look at a French song by Belgian songwriter Jacques Brel: 'Le Moribond' later became 'Seasons in the Sun'

Zum Tag der Frankophonie, hier meine Jacques Brel Vinyl-LP mit einem französischen Lied von ihm, das als Seasons in the Sun bekannt wurde

Le Moribond

Adieu l’Émile je t’aimais bien
Adieu l’Émile je t’aimais bien tu sais
On a chanté les mêmes vins
On a chanté les mêmes filles
On a chanté les mêmes chagrins
Adieu l’Émile je vais mourir
C’est dur de mourir au printemps tu sais
Mais je pars aux fleurs la paix dans l’âme
Car vu que tu es bon comme du pain blanc
Je sais que tu prendras soin de ma femme
Je veux qu’on rie
Je veux qu’on danse
Je veux qu’on s’amuse comme des fous
Je veux qu’on rie
Je veux qu’on danse
Quand c’est qu’on me mettra dans le trou

Soweit die erste Strophe und der erste Refrain. Rhythmus und Arrangement sind hier völlig anders als in der späteren Coverversion Seasons in the Sunaber man kann die Melodie gut erkennen.
Continue reading…

Could language have evolved from birdsong? There's a relation between birdsong and human language in mythologies. All the more interesting in the light of a research paper from MIT’s Department of Linguistics and Philosophy: The emergence of hierarchical structure in human language

Interessante Neuigkeiten vom Massachusetts Institute of Technology. Eine Forschergruppe vom Department of Linguistics and Philosophy schreibt:

 ’We propose a novel account for the emergence of human language syntax…’

Ein Link zum kompletten und umfangreichen Artikel ist unten auf unserer Info-Leiste. Wir werden vorher eine kurze Zusammenfassung des MIT Artikels versuchen. Das Bild links, stammt natürlich nicht vom MIT, sondern ist eine Anspielung auf die erstaunliche Tatsache dass Verbindungen zwischen der Sprache von Vögeln und der menschlichen Sprache in vielen alten Sagen und Mythologien auftauchen. Am bekanntesten ist vielleicht der Waldvogel der Siegfried berät nachdem dieser den Drachen getötet hat und durch eine versehentliche Berührung mit dem Drachenblut auf einmal die Sprache der Vögel verstehen kann. In diesem Punkt hat sich Wagner in seinem Opernzyklus Der Ring des Nibelungen ziemlich nah an die ursprünglichen isländischen Sagen gehalten. Ähnliche Motive, zum Beispiel Vogelsprache als eine von den Göttern gesandte Hilfe oder Nachricht, tauchen auch in keltischen, griechischen und anderen Mythen auf. Wenn jahrhundertealte Geschichten vage Ähnlichkeiten mit modernen Forschungsthesen haben, beweist das genau genommen garnichts, und das MIT-Team von Shigeru Miyagawa, Robert C. Berwick und Kazuo Okanoya lässt dererlei Dinge natürlich unerwähnt. Der Kern ihrer These beruht, wie wir es verstehen, darauf dass die menschliche Sprache zwei inhaltliche Schichten hat: Einmal,
Continue reading…

Not many films deal with the topic of language. 'My Fair Lady' (1964) does. And it's blooming excellent

Erstaunlicherweise sind in den letzten ein, zwei Jahren in England wieder Kurse für korrekte Aussprache in Mode gekommen. Dabei geht es meist darum, dass Leute mit einen starken regionalen Akzent sich die sog. Received Pronunciation aneignen wollen. In etwa das Äquivalent von Hochdeutsch. Eine Entwicklung die in Deutschland, vermute ich mal, mit Kopfschütteln oder Belustigung betrachtet würde, denn es ist in Deutschland kein Stigma, einen Akzent zu haben. Vielleicht sogar im Gegenteil: Ich schätze, in Bayern wäre es schwer, mit knochentrockenem Hochdeutsch ein hohes politisches Amt zu erreichen. Auch auf überregionaler Ebene sind Akzente kein Hindernis. Viele Bundeskanzler hatten / haben
Continue reading…

Sprachwelt

Sprache & Abstraktion: Von Menschen zu Göttern

'Sapiens: A Brief History of Humankind' by historian Yuval Noah Harari is on BBC radio as audiobook. He mentions the Hohlenstein lion figure from ca. 35.000 BC as early sign of the ability to create fictional entities. The start, not just of gods and legends but also abstract ideas like states & money

Das Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit (2011) von dem Historiker Yuval Noah Harari kann momentan online als Audiobook gehört werden. Link am Ende des Posts. Es beschäftigt sich mit der Frage warum die Menschheit, die vor 70.000 Jahren noch eine relativ unbedeutende Gruppe von Lebewesen auf der Erde war, innerhalb von nur wenigen Zehntausenden von Jahren zur dominanten Spezies wurde. Viele Tierarten sind uns körperlich weit überlegen. Die entscheidenden Stärken der Menschheit haben hauptsächlich etwas mit der Entstehung und Entwicklung von Sprache zu tun. Tiere haben ebenfalls Kommunikationssysteme, was Menschen und menschliche Sprachen unterscheidet ist ihre Abstraktionsfähigkeit. Kurz gesagt: Wir können über Dinge sprechen die nicht existieren, die wir erfunden haben oder zukünftig erfinden werden. Seien es Mythen, Legenden und Religionen oder moderne Konzepte wie Soziale Netzwerke. Vieles was wir als handfeste Fakten ansehen, ist ein imaginäres Konstrukt, wie zum Beispiel Geld oder Staaten. Diese Dinge beruhen auf Ideen und Regeln auf die sich Menschen im Laufe der Zeit geeinigt haben. Vorläufer von der menschlichen Bereitschaft, sich auf spätere Konzepte wie Menschenrechte zu einigen, bestimmte Regeln zu respektieren und mit anderen Menschen zu kooperieren, waren einst die Mythen und Religionen. Menschen, mit ihrer Fähigkeit zur Abstraktion, konnten Geschichten und Figuren erfinden, die bestimmte Ideen verkörperten. Erfindung heißt in diesem Sinne nicht Lüge denn Legenden und Religionen sind im Prinzip eine Art, die Welt zu erklären, mit den jeweiligen Worten und Bildern zu denen Menschen eines bestimmten Zeitalters einen Bezug haben.

Wie gelang es Homo Sapiens, Städte mit Zehntausenden Einwohnern und Riesenreiche mit Millionen von Untertanen zu gründen? Sein Erfolgsgeheimnis war die fiktive Sprache. Eine große Zahl von wildfremden Menschen kann effektiv zusammenarbeiten, wenn alle an gemeinsame Mythen glauben. Jede großangelegte menschliche Unternehmung ist fest in gemeinsamen Geschichten verwurzelt, die nur in den Köpfen der Menschen existieren. (Aus ‘Eine kurze Geschichte der Menschheit’ 2011)

Der Unterschied zwischen Kunst und Religion ist nicht so groß wie es auf Anhieb erscheint. Heutzutage hat die millionenfache Verehrung von bestimmten Künstlern, Musikern, Büchern, TV-Serien, Filmstars etc. in der Tat quasi-religiöse Züge. Soweit mein Versuch, einige Ideen von Yuval Noah Harari in einem Post zusammen-zufassen. Ich wählte obiges Bild, eine künstlerische Darstellung vom Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel, weil Harari diese Figur erwähnt. Obwohl nicht feststeht, ob die Figur männlich oder weiblich ist, sieht Harari die ca. 35.000 Jahre alte Figur aus einer Höhle in Baden-Württemberg als einen der frühesten Artefakte die menschliche Abstraktionsfähigkeit zeigen. Es ist die Erfindung eines Wesens das nicht in der Welt exisitert aber das dennoch einen hohen Stellenwert gehabt haben muss. Solche Figuren verkörpern einen ideellen Wert, möglicherweise den Anfang der Menschheit, von der seltsamen Art wie wir sie heute mit allen ihren guten und schlechten Seiten kennen. Ich wünsche gute Unterhaltung beim folgenden Hörbuch.

 

Ads by Google

 

 

Hörbuch online Die Lesung von Yuval Noah Hararis Buch ‘Eine kurze Geschichte der Menschheit’ (2011)

Könnte Sie auch interessieren Das DLF-Feature ‘Metaphysische Revolte‘: Der Dichter William Blake

Des Weiteren Hörspiel um Maria Callas: Helmut Kraussers ‘Der große Bagarozy‘ als NDR-Hörspiel

Geheimtipp Liu Cixin : SciFi-Epos ‘Die drei Sonnen’ als WDR-Hörspiel von 2017 online

Apropos Kurt Tucholsky: ‘Schloss Gripsholm‘ als Hörspiel vom Jahr 1964 online

Kultig Tom Stoppard: ‘Darkside‘: Hörspiel um Pink Floyd LP-Klassiker online

Mehr Carlos Ruiz Zafón: ’Der Schatten des Windes‘ als WDR-Hörspiel online

Und Heinrich Böll: ‘Irisches Tagebuch‘ Radio Bremen Feature von 2007

Avenita Kulturmagazin