Kulturmagazin

Lieber Leser!

Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Tag: Sprache

March 20 is International French Language Day. This guy's done a lot to promote the language. We found the 1961 single Il Faut Savoir, which was a big hit for Charles Aznavour. He's 90 years old, still playing live, for instance in Spain this year

Der Mann ist 90, tritt immer noch auf. Er zählt im Lied eine Liste von Dingen auf die man lernen sollte: Eine verlorene Liebe hinter sich zu lassen, seine Würde zu behalten, in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit zu schauen…kann aber seinem eigenen Rat letztendlich selber nicht folgen. Weil er die Person die er verlor, immer noch zu sehr liebt. Siehe YouTube Live-Clip

Il faut savoir encore sourire
Quand le meilleur s’est retiré
Et qu’il ne reste que le pire
Dans une vie bête à pleurer
.
Il faut savoir, coûte que coûte
Garder toute sa dignité
Et malgré ce qu’il nous en coûte
S’en aller sans se retourner
.
Face au destin qui nous désarme
Et devant le bonheur perdu
Il faut savoir cacher ses larmes
Mais moi, mon cœur, je n’ai pas su
.
Il faut savoir quitter la table
Lorsque l’amour est desservi
Sans s’accrocher l’air pitoyable
Mais partir sans faire de bruit
.
Il faut savoir cacher sa peine
Sous le masque de tous les jours
Et retenir les cris de haine
Qui sont les derniers mots d’amour
.
Il faut savoir rester de glace
Et taire un cœur qui meurt déjà
Il faut savoir garder la face
Mais moi, je t’aime trop
.
Mais moi, je ne peux pas
Il faut savoir mais moi
Je ne sais pas…
.

Der 20. März ist Internationaler Tag der Frankophonie: Französisch wird in 77 Ländern und von 274 Millionen Menschen gesprochen. Wir sehen uns jedes Jahr ein paar Tage vor dem 20. März nach einem schönen Lied von einem französischsprachigen Künstler um. Auf dem Gebiet findet man hier an der Costa del Sol eine ganze Menge, denn hier leben Hunderttausende von Leuten aus aller Welt, es ist hier sehr international. Wir freuten uns, obige 1961 Vinyl-Single von dem legendären Barclay Label zu finden. Allein schon die Geschichte von dessen Gründer Eddie Barclay (1921-2005), einem Jazz
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'Sapiens: A Brief History of Humankind' by historian Yuval Noah Harari is on BBC radio as audiobook. He mentions the Hohlenstein lion figure from ca. 35.000 BC as early sign of the ability to create fictional entities. The start, not just of gods and legends but also abstract ideas like states & money

Das Buch Sapiens: A Brief History of Humankind  von dem Historiker Yuval Noah Harari kann momentan online auf BBC-Radio als Audiobook, als gekürzte Lesung gehört werden. Link am Ende des Blogposts. Das Buch erschien auf Deutsch unter dem Titel Eine kurze Geschichte der Menschheit (2011). Es beschäftigt sich mit der Frage warum die Menschheit, die vor ca. 70.000 Jahren noch eine relativ unbedeutende Gruppe von Lebewesen auf der Erde war, innerhalb von nur wenigen Zehntausenden von Jahren zur dominanten Spezies wurde. Viele Tierarten sind uns körperlich weit überlegen, die entscheidenen Stärken der Menschheit haben hauptsächlich etwas mit der Entstehung und Entwicklung von Sprache zu tun. Tiere haben ebenfalls Kommunikationssysteme, was Menschen und menschliche Sprachen unterscheidet ist ihre Abstraktionsfähigkeit. Kurz gesagt: Wir können über Dinge
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Vanessa Diffenbaugh's novel The Language of Flowers (2011) got us into checking out the Victorian context. One of the main flower growing places were the Isles of Scilly. Flowers came to the mainland in ships (right), in boxes similar to the ones above left. The novel is set in modern times in San Francisco

Mir gefiel die Grundidee des Romans Die verborgene Sprache der Blumen (2011) von Vanessa Diffenbaugh. Links im Bild meine englische Ausgabe. Buch-Trailer am Ende des Blogposts. Die in modernen Zeiten spielende Story dreht sich darum dass Blumen benutzt werden um Menschen geheime Botschaften zu übermitteln. Viele englische Sachbücher zum Thema Floriographie oder Blumensprache stammen aus dem 19. Jahrhundert, aus dem Viktorianischen Zeitalter. Die Indirektheit der Blumensprache passte zur Epoche. Ansatzweise gibt es diese Sprache heute noch. Jemandem rote Rosen zu schenken ist eine Geste die immer noch verstanden wird. Aber solche Botschaften waren damals noch viel subtiler. So konnten Blumen Schüchternheit, Stolz, Trauer, Verschlossenheit, Neuanfang, Ungewissheit und Dutzende anderer Gefühle, Absichten und Haltungen signalisieren. Verschiedenen Arten von Blumensprachen gehen viel weiter zurück als das viktorianische Zeitalter. Schon in griechischen Mythen haben Blumen und andere Pflanzen symbolischen Charakter. So spielt zum Beispiel die Narzisse eine Rolle in der Sage vom
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We'd heard Marta's Song from the French band Deep Forest years ago but didn't find out what language it was. Csango is an ancient form of Hungarian. Today only a few thousand people are left of this minority culture in Romania

Deep Forest ist eine französische Band die mit Peter Gabriel gearbeitet hat. Sie mischen Samples von alten Folksongs mit Elektro-Klängen. Gestern lief im Autoradio ein Lied das wir vor Jahren hörten, aber dessen Sprache wir bis jetzt nie herausgefunden hatten. Es ist ein alter ungarischer Dialekt namens Csango. Deren Kultur existiert als nur noch wenige Tausend zählende Minderheit in Rumänien

Marta’s Song

Három méro piros szalag
ej de nem ér…
.
Istenem, istenem
Vajon mi lelt engem?
Három méro piros szalag
ej de nem ér körül engem!
.
Istenem, istenem
Vajon mi lelt engem?
Nekem is van egy bánat
Vajon mi lelt?
Három méro… Három méro
.
Istenem, istenem
Vajon mi lelt engem?
Három mérô piros szalag
ej de nem ér körül
Három méro… Három méro
.
Nekem is van egy bánatom…
Vajon mi lelt engem?
Nekem is van egy bánatom…
Vajon mi lelt engem?
Nekem is van egy bánatom…
Vajon mi lelt engem?
.
Der Gesang ist auf Anhieb nicht leicht mit dem geschriebenen Text in Einklang zu bringen. Das wird bei wiederholtem Anhören etwas einfacher, aber vielleicht gibt die moderne ungarische Schreibweise die mittelalterliche Aussprache nicht komplett wieder. Beispiel: Ein bisschen als ob ein Text in Schriftdeutsch mit Schweizerakzent gesprochen wird. Zum Inhalt: Marta’s Song beruht auf einem alten Csango-Volkslied. Es geht um ein Mädchen das beklagt dass ihr das rote Band nicht mehr passt das man bei einem Csango-Trachtenkleid dreimal um die Taille wickelt. Anscheinend eine Andeutung dass sie schwanger ist. Csango ist eine ältere Form von Ungarisch, wobei die Gründe dafür umstritten sind. Möglicherweise wanderten Csango-Sprecher und ihre Kultur, die römisch-katholisch geprägt ist, im Mittelalter von Ungarn nach Rumänien aus – oder wurden dort hinversetzt. Verschiedene Theorien darüber können im nachfolgenden Wiki-Artikel ausgecheckt werden. Für unsere Begriffe hat die Band Deep Forest einen guten Job gemacht hat, nicht nur musikalisch sondern auch in der Hinsicht dass die Sprache einer Kultur, die möglicherweise um ihren Bestand fürchten muss, einen höheren Bekanntheitsgrad erhält. Wobei Csango-Volksmusik hier ein YouTube Clip von der Sängerin Nóra Király, auch ohne moderne Technik interessant klingt.
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Weitere Infos  Deutscher Wiki-Artikel über die Kultur der Csangos / und die französische Band Deep Forest. Das Lied Marta’s Song ist auf dem Album Boheme (1995).
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Journée internationale de la francophonie: 200 million people all over the world speak French, and every March 20 the language and the culture is celebrated. We chose a track from singer and songwriter Françoise Hardy for the occasion

Journée internationale de la francophonie: Der 20. März ist zur Feier der französischen Sprache und Kultur. Zu diesem Anlass ein Lied der Sängerin & Komponistin Françoise Hardy

Tous les garçons et les filles

‘Tous les garçons et les filles de mon âge
Se promènent dans la rue deux par deux
Tous les garçons et les filles de mon âge
Savent bien ce que c’est d’être heureux
Et les yeux dans les yeux
Et la main dans la main
Ils s’en vont amoureux
Sans peur du lendemain
Oui mais moi, je vais seule
Par les rues, l’âme en peine
Oui mais moi, je vais seule,
Car personne ne m’aime
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Mes jours comme mes nuits
Sont en tous points pareils
Sans joies et pleins d’ennuis
Personne ne murmure “je t’aime” à mon oreille …’


Soweit die erste Strophe und der Refrain von einem Lied das 1963 veröffentlicht wurde und ein großer Hit war. Es gibt zahlreiche Coverversionen und das Lied erschien auch auf  Soundtracks von mehreren Filmen wie zum Beispiel Bernardo Bertoluccis Die Träumer (2003), der von den Studentenprotesten in 1968 handelt. Das Lied handelt von dem Gefühl, allein zu sein wenn alle um einen herum in wundervollen Beziehungen zu sein scheinen. Ein Gefühl das fast jeder kennt und das Françoise
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The study of myths, fairy tales and language in general was ideologically tinted in the 19th, 20th century. The national treasure angle, the psychoanalytical angle and others which may have some validity. But the approach using algorithms to analyse these wondrous things seems a good way forward

Textanalysen per Computertechnik an der Universität von Durham haben bisherige Theorien über der Ursprung von Rotkäppchen auf den Kopf gestellt. Während Forscher sich lange einig waren dass die Wurzeln des Märchens deutlich weiter zurückliegen als die Zeiten der Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert und des Franzosen Charles Perrault im 17. Jahrhundert, ging man bislang davon aus dass die Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf aus Asien stammte und über die Seidenstraße nach Europa gelangte. Das wäre in der Tat nichts ungewöhnliches, ein Märchen wie Aschenputtel zum Beispiel stammt in seiner ältesten Form erwiesenermaßen aus China. Die Ausbreitung von Märchen, ebenso wie Mythen, ist ein komplexer Prozess der u. a. mit Handelsbeziehungen und Migrationen verbunden ist. Durch die mündliche Überlieferung über Jahrhunderte bekommen Märchen neue Namen, Details und Abläufe verpasst. Aber bestimmte Grundelemente, wie zum Beispiel ‘Tier verstellt sich, um jemanden zu fressen’ bleiben erhalten, wenn auch in abgewandelter Form. So tauchen zum Beispiel Rotkäppchen-Elemente bei dem chinesischen Dichter
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Check the fascinating attempt to recreate the sound of Proto-Indo-European. YouTube link at start of the blogpost. Looking at the map above, taking us to 1000 BC, it would seem that most of Megalithic culture in Britain, Ireland, France, Spain developed before the arrival of the blessed Indo-Germanic language

Ein Sprachwissenschaftller von der University of Kentucky, USA hat eine Aufnahme gemacht die uns eine Vorstellung davon gibt wie die sog. Indogermanische Ursprache klang, siehe YouTube Link. Gemäß einer Theorie die heute weitgehend anerkannt ist, wenn auch ihre Kritiker hat, beruhen viele moderne Sprachen, inklusive Englisch, Deutsch, Griechisch, Gälisch, Französisch u. v. a. auf einer gemeinsamen älteren Sprache die vor ca. 4000 Jahren im Gebiet in und um das heutige Südrussland entstand. Die Region ist auf der Landkarte links im Bild lila markiert. Von dort aus verbreitete sich die Sprache, veränderte sich im Laufe der Jahrtausende so sehr dass man sie heute auf Anhieb nicht mehr erkennen, geschweige denn verstehen kann. Es sei denn man ist als Sprachwissenschaftler darauf spezialisiert. Die obige Aufnahme von Dr Andrew Byrd beruht mitunter auf den Arbeiten des deutschen Sprachwissenschaftlers Dr. August Schleicher und läßt uns zumindest erahnen wie die sog. indogermanische Ursprache einmal klang. Der gesprochene Text ist eine Fabel in der Pferde und ein Schaf darüber streiten wer das schlechtere Leben unter der Herrschaft der Menschen hat. Kaum überraschend dass diese uralte Sprache nicht wie Deutsch klingt, deshalb ist die Bezeichnung Indogermanisch etwas missverständlich und die englische Bezeichnung Proto-Indo-European, abgekürzt PIE vielleicht passender. Allerdings ist, gemäß der Theorie die auf obiger Karte dargestellt wird, auch der Begriff indo- etwas irreführend, denn diese Ursprache scheint nicht aus Indien zu stammen sondern sich lediglich bis dorthin ausgebreitet zu haben. Ein weiterer faszinierender Gedanke die sich für uns aus dieser Karte ergibt, ist die Frage: Was sprachen die Europäer in den Jahrtausenden vor der Ankunft der indogermanischen Sprachen? Anhand dieser Karte, auf der die PIE-Verbreitung zwischen 4000-1000 v. Chr. gezeigt wird, hatten mehrere Länder wie z. B. England vor ca. 3000 Jahren noch eine andere, also vor-indogermanische Sprache. Was wiederum bedeutet dass große Teile von dem was wir heute Megalithkultur nennen, aus einer anderen Kultur als der indogermanischen stammten. Manche Wissenschaftler vermuten dass die Baskische Sprache, die heute noch im Norden von Spanien gesprochen wird, ein Rest dieser früheren Kultur ist. Was auf Anhieb plausibel klingt, aber umstritten und schwer zu beweisen ist. Wir sind gespannt auf zukünftige Forschungsergebnisse.

Info  Artikel über die Indogermanische Ursprache /  und die Kurgan-Hypothese bei Wiki

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We like the guide book The Elements of Style (1918), though we sin against it daily. Stephen King in his own book On Writing (2000) outs himself as a fan too and says: The road to hell is paved with adverbs and passive verbs'. A notion that has been supported emphatically by us in the past. Meaning...Yes!

Vor fast hundert Jahren wurde ein kleiner Band mit Tipps für Schreiber veröffentlicht der heute noch als Klassiker angesehen wird: The Elements of Style (1918) von William Strunk, Jr. einem Sprachprofessor an der Cornell University von New York, wurde 2011 vom Time Magazine zu den 100 einflussreichsten Büchern in englischer Sprache gezählt. Logischerweise ist es in Deutschland relativ unbekannt. Es gibt ja sicher ähnliche Bücher mit Tipps für die deutsche Sprache. Obwohl es uns wundern würde wenn die ganz so kurz und bündig geschrieben wären wie der Band von William Strunk, Jr. Der gute alte Professor pocht auf Schreibgewohnheiten wie ‘Omit needless words‘ (Rule 17) und sein eigener Stil ist dementsprechend spartanisch. Einerseits wirkt das im heutigen Sprachwirrwarr wie eine Wohltat mit griffigen, klaren Regeln wie:

Rule 1: Place yourself in the background
Rule 4: Write with nouns and verbs
Rule 8: Avoid the use of qualifiers
Rule 14: Avoid fancy words
Rule 16: Be clear

 

Andererseits kann der Mann auch etwas humorlos, fast militärisch wirken. Er mag zum Beispiel Worte wie funny oder interesting nicht, denn er sagt, nicht ganz zu Unrecht, dass Mitteilungen die wirklich lustig oder interessant sind, es nicht nötig haben als lustig oder interessant gekennzeichnet zu werden. Es verwundert kaum dass der Sprach-Guru auch entschiedene Kritiker hat, vor allem in einem Zeitalter in dem das schiere Volumen von Kommunikation Big Business ist. Aber es gibt auch prominente Unterstützer für dieses Buch das ursprünglich nur für den Gebrauch an der Cornell University gedacht war und erst 1959 von William Strunks Schüler E. B. White (dem Autor von Stuart Little) überarbeitet und landesweit veröffentlicht wurde. Einer dieser Fürsprecher ist Stephen King. Durch ihn lernten wir The Elements of Style, ein Buch gegen das wir täglich sündigen, überhaupt erst kennen. In seinem
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Could language have evolved from birdsong? There's a relation between birdsong and human language in mythologies. All the more interesting in the light of a research paper from MIT’s Department of Linguistics and Philosophy: The emergence of hierarchical structure in human language

Interessante Neuigkeiten vom Massachusetts Institute of Technology. Eine Forschergruppe vom Department of Linguistics and Philosophy schreibt:

 ’We propose a novel account for the emergence of human language syntax…’

Ein Link zum kompletten und umfangreichen Artikel ist unten auf unserer Info-Leiste. Wir werden vorher eine kurze Zusammenfassung des MIT Artikels versuchen. Das Bild links, stammt natürlich nicht vom MIT, sondern ist eine Anspielung auf die erstaunliche Tatsache dass Verbindungen zwischen der Sprache von Vögeln und der menschlichen Sprache in vielen alten Sagen und Mythologien auftauchen. Am bekanntesten ist vielleicht der Waldvogel der Siegfried berät nachdem dieser den Drachen getötet hat und durch eine versehentliche Berührung mit dem Drachenblut auf einmal die Sprache der Vögel verstehen kann. In diesem Punkt hat sich Wagner in seinem Opernzyklus Der Ring des Nibelungen ziemlich nah an die ursprünglichen isländischen Sagen gehalten. Ähnliche Motive, zum Beispiel Vogelsprache als eine von den Göttern gesandte Hilfe oder Nachricht, tauchen auch in keltischen, griechischen und anderen Mythen auf. Wenn jahrhundertealte Geschichten vage Ähnlichkeiten mit modernen Forschungsthesen haben, beweist das genau genommen garnichts, und das MIT-Team von Shigeru Miyagawa, Robert C. Berwick und Kazuo Okanoya lässt dererlei Dinge natürlich unerwähnt. Der Kern ihrer These beruht, wie wir es verstehen, darauf dass die menschliche Sprache zwei inhaltliche Schichten hat: Einmal,
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Orwell says: '...political and sociological writers are nearly always haunted by the notion that Latin or Greek words are grander than Saxon ones...'. He's not being patriotic in that matter, but sees it as a prop for hollow, pretentious texts. He shows it by comparing Ecclesiastes to modern writing

In dem Buch Collected Essays, Journalism and Letters von George Orwell, siehe Foto, gibt es viel interessantes zum Thema Sprache. Orwells Zitat im Bildtext sagt sinngemäß: ‘… politische und soziologische Schreiber sind fast immer von der Vorstellung besessen dass lateinische und griechische Wörter besser sind als solche von angelsächsischer Herkunft…’. Dies ist Teil von einem ca. 12 Seiten langen Essay namens ‘Politics and the English Language’ von 1946. Wir wollten mal ein anderes Thema als seinen Romanklassiker ’1984′ aufgreifen. Obwohl wir nicht widerstehen konnten, im unteren Bildtext eine kleine Anspielung darauf einzubauen. Orwells Kritik am unnötigen Gebrauch von Fremdwörtern beruht übrigens nicht auf Sprachpatriotismus. Sein Argument ist dass lateinische und griechische Wörter oft benutzt werden um Texte die im Kern wenig Aussage haben, aufzupäppeln und wichtig erscheinen zu lassen. Obwohl dies auch als Werkzeug für propagandistische Texte dient, sieht Orwell dahinter nicht immer hinterlistige Absichten, sondern einfach gedankliche Leere oder Leute die unter wirtschaftlichem Druck Artikel schreiben und Rubriken füllen müssen. Man ist geneigt, Orwell zuzustimmen, aber kurz bevor man mit erhobenem Zeigefinger den Sprachkritiker spielen will, merkt man plötzlich dass man selber irgendwelche dubiosen Worte oder Floskeln verwendet hat anstatt, wie Orwell fordert, gründlich darüber nachzudenken Was versuche ich zu sagen? Welches Wort drückt das aus? Welche Metapher oder Redewendung verdeutlicht das? Sind diese Stilmittel frisch genug um einen Effekt zu haben? Kann ich es kürzer machen?…um nur einige Orwell-Regeln zu nennen. Und Schreiber die sie immer alle erfüllt haben, werden wir auf den Schultern durch die Straßen tragen und als Genie ausrufen.

Victory Gin: We love to joke about the guy who 'learned to love Big Brother' in the Chestnut Tree Cafe. But we don't see the world as bleakly as Orwell in 1984. With power shifting in media, it'll be harder to impose opinions in the future. We wrote a thing he'll see from on high. He died Jan. 21st. 1950

Orwell war nun mal ein Kulturpessimist, und man braucht nicht automatisch zu allen seinen Standpunkten Ja und Amen zu sagen. Schreiben kann nicht immer ein verbissener Kampf gegen den Untergang des Abendlandes sein. Es gibt ja auch so Dinge wie Spaß, Humor und Unterhaltung. Und solange es neben den trivialeren Dingen im Leben auch Ansichten von Denkern wie Orwell auf dem Marktplatz der Ideen zur Auswahl gibt, regen wir uns nicht auf. Überflüssige Fremdwörter haben zudem oft etwas von unfreiwilligem Humor: Das Wort redundant scheint unter Schreibern von renommierten Tageszeitungen in Mode zu kommen. Wir lasen es in ein, zwei Rezensionen. In einem Zusammenhang etwa wie: ‘Das neuste Album dieser Band ist redundant’. Herrgott, wir haben schon viel schlimmeres verbrochen, aber das ulkige ist dass redundant hier nichts anderes als überflüssig bedeutete, und dann ist dieses Wort, genau genommen, selber redundant. Klingt aber etwas schlauer. Aber die Sache mit Orwells überflüssigen Fremdwörtern trifft keineswegs bei allen Worten lateinischer Herkunft zu. Manche davon bedeuten zwar das gleiche wie ein deutsches Wort, setzen es aber
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Connections between crafts & language: With Gaelic now spoken by only 1 percent of Scots, we look at how old crafts, like the waulking of Harris Tweed cloth, and the songs that went with it, sustained the language through the centuries

Die Gründe warum manche Sprachen gedeihen, manche verschwinden, und manche gerade so überleben, sind vielfältig. Zur letztgenannten, also problematischen Kategorie gehört Gälisch, das vor etwa 1700 Jahren durch Siedler von Irland nach Schottland kam und die Landessprache wurde. Heute sprechen nur noch 1 Prozent der Schotten Gälisch. Man ist geneigt, teils auch gerechtfertigt, politische Machtspiele vergangener Jahrhunderte für diesen Niedergang verantwortlich zu machen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts betrieben englische Regierungen eine gezielte Anglifizierung der keltisch geprägten Teile der Britischen Inseln, also auch von Irland und Wales. Man kann solche Vorgänge im Sinne von Verschwörungstheorien deuten, oder stoisch zur Kenntniss nehmen dass Sprachen und Kulturen immer schon am Kommen und Gehen waren. Genau wie Gälisch einst die frühere (vielleicht nicht-indogermanische) Landessprache der Pikten ersetzte, übertrumpfte oder was auch immer. Anstatt Schuldige für den Niedergang von Sprachen vorzuführen, was so ist als ob man die Stalltür schließt wenn das Pferd schon weg ist, erscheint es uns sinnvoller nach Dingen Ausschau zu halten die für den Erhalt von Sprachen sorgen. Dabei stießen wir auf eine interessante Verbindung von alten Handwerkstechniken mit Sprache und Musik. Die Region in der Gälisch in Schottland am frühsten Fuß fasste waren die Hebriden, die Inseln im Nordwesten Schottlands. Sie sind bis zum heutigen Tag die Region in der noch am meisten Gälisch gesprochen wird. Das Leben auf diesen Inseln war in den letzten Jahrhunderten immer schon relativ hart und einfach, aber die Bewohner fanden Wege zu überleben, z. B. durch die Fischerei und die Schafzucht. Die Hebrideninsel Harris erlangte mit einem ihrer Produkte aus Schafwolle sogar Berühmtheit, nämlich mit dem Harris-Tweed, ein schöner und kräftiger Stoff aus der Wolle der Blackface Schafe, der den Einwohnern einst als Schutz gegen das harsche Inselklima diente. Dann wurde der Harris-Tweed im 19. Jahrhundert vom Adeligen und Reichen als Modeaccessoire entdeckt und dadurch im Laufe der zum Verkaufsschlager in ganz England. Die Mode erreichte jedoch Mitte der 1960er Jahre ihren Zenith und ist seitdem wohl etwas seltener auf Laufstegen zu sehen. Harris-Tweed wurde ursprünglich komplett von Hand hergestellt und einer der Arbeitsvorgänge war das sog. waulking, das sprachverwandt
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In his book 'You English Words' (1961) John Moore makes the point that the success of English partly stems from the great need of synonyms that Anglo-Saxon alliterative poetry had. 'Beowulf' for instance uses 12 different words for battle

Man sucht als armer Blogger immer nach griffigen Überschriften die ein altbekanntes Thema in einen halbwegs aktuellen Kontext stellen, und die 50 Worte für Schnee im Titel beziehen sich natürlich auf das neuste Kate Bush Album 50 Words for Snow (2011). Der Name spielt offenbar darauf an dass Leute die geografisch bedingt viel mit Schnee zu tun haben, z. B. Eskimos, Inuit oder auch andere arktische Völker, viele differenzierte Bezeichnungen für einen Stoff haben der über Jahrtausende ihr Leben beeinflusste. Dass ähnliches auch für andere Leute und Regionen gilt, ist logisch und keine bahnbrechende Beobachtung, aber wir fanden es interessant, in dem Buch You English Words (1961) von John Moore zu lesen dass in dem epischen angelsächsischen Heldengedicht Beowulf (ca. 700 n. Chr.) nicht weniger als 12 verschiedene Worte für Schlacht verwendet werden, und dass die Angelsachsen, deren Sprache den Grundstein für das heutige Englisch legte, 27 verschiedene Worte für Schiff und Boot hatten. Das ist, auch wenn die alten Recken wortmäßig nicht ganz mit den Eskimos mithalten konnten, immer noch eine ganze Menge word power. Der Autor John Moore, übrigens ein humorvoller Liberaler der dem Sprachpatriotismus distanziert oder gar sarkastisch gegenübersteht, meint nichtdestotrotz dass die alliterative Natur der angelsächsischen Stabreim-Dichtung dazu beigetragen hat dass Englisch so eine erfolgreiche Sprache wurde. Der Begriff Alliteration, und Sie können ihn hier detaillierter bei Wiki nachlesen, bedeutet grob gesagt die Aneinanderreihung von verschiedenen Worten die eine ähnliche Bedeutung haben und vom Klang her gut zusammenpassen. Wir benutzen natürlich auch im Deutschen viele eingängige Sprüche wie 
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Not many films deal with the topic of language. 'My Fair Lady' (1964) does. And it's blooming excellent

Erstaunlicherweise sind in den letzten ein, zwei Jahren in England wieder Kurse für korrekte Aussprache in Mode gekommen. Dabei geht es meist darum dass Leute mit einen starken regionalen Akzent sich die sog. Received Pronunciation aneignen wollen. In etwa das Äquivalent von Hochdeutsch. Eine Entwicklung die in Deutschland, vermuten wir mal, mit Kopfschütteln oder Belustigung betrachtet würde, denn es ist in Deutschland kein Stigma, einen Akzent zu haben. Vielleicht sogar im Gegenteil: Wir schätzen, in Bayern wäre es schwer, mit knochentrockenem Hochdeutsch ein hohes politisches Amt zu erreichen. Auch auf überregionaler Ebene sind Akzente kein Hindernis. Viele Bundeskanzler hatten / haben regionale Akzente. Man denke an Helmut Kohl, dessen pfälzischer Akzent ihn für die meisten Leute, außer vielleicht ideologisch völlig verbohrten Journos, eher sympathischer als unsympathischer machte. Ähnlich wohl auch bei Willy Brandt, Gerhard Schröder und Angela Merkel. Hingegen fallen uns kaum englische Premierminister mit einem starken Akzent ein: Nur Gordon Brown, der einen bemerkbaren schottischen Akzent hatte – und weniger als drei Jahre lang eine schwierige Amtszeit. Dafür gab es sicher alle möglichen Gründe. Aber Akzente und Sprache generell haben in England einen etwas höheren Stellenwert als in Deutschland. Es gibt viel mehr englische Bücher, wissenschaftlicher sowie populär-wissenschaftlicher Art, zum Thema Sprache. Mehr in Zeitungen und im Netz. Und auch im Alltag sprechen Leute mehr darüber: Versuchen z. B. auf nett gemeinte small-talk Art, zu erraten aus welchem Stadteil von Manchester man kommt. Oder aus welchem Teil von London. So ähnlich fängt ja auch das Musical My Fair Lady (1964) an. Aber selbst auf Englisch gibt es relativ wenige Filme die spezifisch vom Thema Sprache handeln. Sprache ist kein sehr visuelles Thema, deshalb ist der Kniff so genial, mit dem der Ire George Bernard Shaw in seinem Theaterstück Pygmalion (1912) – das Vorlage für My Fair Lady war – es schaffte, Sprache zu personifizieren. Seine Figur Eliza Doolittle, im Film Audrey Hepburn, ist was sie spricht. Vielleicht ist es ein Zeichen der Zeit, dass ein Remake von My Fair Lady in Arbeit ist. Die Rolle des Phonetikers Prof. Higgins wird diesmal dargestellt von
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Old English for 'At the Broad River' was ''æt thǣre rūman ē''. From which stems the name Romney. Heard that lately?

Wir haben ein gutes Buch über britische Ortsnamen aufgegabelt und interessante Sachen darin gefunden. Ähnliche Bücher gibt es auch auf Deutsch und sind empfehlenswert wenn man sich für Sprache interessiert. Denn hier bekommt die Wissenschaft der Linguistik eine Verbindung zu konkreten Dingen die Menschen etwas bedeuten: Geburtsorte, Dörfer die man kennt und liebt, Städte in denen man lebt und arbeitet. Flussnamen sind besonders interessant, nicht nur weil viele Orte nach ihnen benannt sind – und dadurch auch viele Familiennamen, siehe das Beispiel in unserem Bildtext. Darüber hinaus gehören Flussnamen zu den ältesten Worten der menschlichen Sprache. Flüsse hatten vor 5, 6, oder 7000 Jahren einen lebenswichtigen Stellenwert der uns heute vielleicht etwas weniger bewusst ist. Obwohl der Fluss als Schauplatz oder Metapher in Literatur, Kunst, Film und Musik immer noch eine starke Präsenz hat. Es gibt viele Lieder über Flüsse, eins der schönsten ist vielleicht Sweet Thames Flow Softly, ein Volkslied hier gesungen von Christy Moore. Der Name Thames beruht auf der keltischen Wurzel teme für Fluss, speziell dunkler Fluss. Es ist verwandt mit tamisra, dem Sanskrit Wort für dunkel. Es gibt auch schöne neuere Lieder über Flüsse, wie So far from the Clyde von Mark Knopfler. Wenn Flöte, Akkordeon und Geige einsetzen, meint man, ein altes Volkslied zu hören. Vielleicht wird es eins. Nice one, Mark. Der Name Clyde kommt vom keltischen Wort clouta, was ‘die Reinigende‘ bedeutet. Ähnlich wie es bei Eskimos angeblich 50 Worte für Schnee gibt, haben Flüsse eine Vielzahl verschiedener Namen die auf die eine oder andere Art Fluss oder Wasser bedeuten: Der rauschende, der schöne, der schnelle, der starke, der sich windende, der überflutende, der tiefe, der wilde Fluss. Und Dutzende andere Flussnamen dieser Art. Das alte Volkslied
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Dude, where's my subtext?

Als wir vor ein paar Tagen den Artikel über Gitarrist Duane Allman vorbereiteten, überlegten wir ob wir die bindestrichlastige deutsche Schreibweise Allman-Brothers-Band-Gitarrist benutzen sollten. Aber das tat irgendwie in den Augen weh, vor allem in den fetten Buchstaben von Überschriften, also ließen wir es bei der englischen Schreibweise die viel seltener Bindestriche benutzt. Dürfte man hier man interpretieren, dass die englische Sprache implizit mehr darauf vertraut dass Leute den (in diesem Fall sprichwörtlichen) Zusammenhang von Worten verstehen? Die deutsche Art, zwei oder drei Worten nicht nur Bindestriche zu verpassen sondern so bald wie möglich zu neuen Worten zu verschmelzen, ist interessant. Wohl ein Bestreben, Begriffe glasklar und undoppeldeutig darzustellen. Wenn man Worte zusammen zieht, entstehen natürlich oftmals ganz neue Begriffe. Wäre es also zu weit gegriffen, im Bindestrich einen Vorgang ständiger Kategorisierung zu sehen? Keineswegs eine schlechte Absicht, eher eine gute und nützliche. Deutsch ist ja bekannt dafür, eine präzise Sprache zu sein. Vielleicht ist es gerade die relative Unschärfe des Englischen die in der Popkultur, speziell in der Musik, im Kino, aber auch in der Werbung und der Umgangssprche solchen Erfolg hat. P S. Wir hatten uns überlegt, ob wir ein halbwegs originelles Foto für Blogbeiträge zum (nicht sehr visuellen) Thema Sprache machen könnten. Die recht häufige Redewendung word is bedeuted: man sagt. Die Buchstaben am Meer sollten den transienten Charakter von Worten darstellen. Unsere nassen Schuhe symbolisieren den Preis den man dafür zahlt.

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