Idyllische, mörderische Grafschaft Devon

Die Idee für diese Top-10 Serie kam uns bei einem Flohmarktbesuch: Wir fanden ein Buch von Agatha Christie das ausnahmsweise mal keins ihrer ca. 80 Krimis war sondern ein autobiographischer Reisebericht von archäologischen Ausgrabungen in Syrien und im Irak der 30er Jahre. Durch die Zeilen schimmerte eine humorvolle, intelligente Frau der man nur zu gerne gönnt dass sie auf so einer Expedition ihren dreizehn Jahre jüngeren, zweiten Ehemann kennenlernte: Den Archäologen Sir Max Mallowan mit dem sie bis zu ihrem Lebensende zusammenblieb. Wenn wir zurückdenken, waren ‘Murder on the Orient Express’ und ‘And then there were none’ wohl die ersten englischen Bücher die wir im Alter von 14, 15 auf einer Urlaubsreise von Anfing bis Ende als Originalfassung durchlasen. Ein paar Jahre später las man dann eher Hermann Hesse und Agatha Christie war nicht unbedingt ein Name mit dem man auftrumpfte. Der Reisebericht ‘Come, tell me how you live‘ (1930) inspirierte uns jedoch dazu, mal wieder ein paar alte Christie-Klassiker in die Hand zu nehmen. Dabei kamen wir zu dem Schluss dass die Bücher, vielleicht gerade wegen ihrem Bekanntheitsgrad und ihren enormen Verkaufszahlen, etwas unterschätzt werden. Wenn man die Romane heute durchliest, haben sie, im Zeitalter von ‘Hannibal Lector’ und grotesken Schlachtbank-Forensik-Thrillern, keinen besonders hohen Schockfaktor. Aber ist stumpfer, voyeuristischer Horror wirklich Kern des Detektiv-Genres? Im Kontrast zu vielen heutigen Autoren, deuten Christies Romane auf eine bemerkenswerte Menschenkenntnis. Ihre subtile Ironie im Angesicht menschlicher Schwächen, mischt sich mit einer unverhohlenen Liebe für Land und Leute, vor allem rechtschaffende Bürger. Das Verbrechen scheint bei Christie im Kern ein Angriff auf traditionelle Ordnungen, Empfindungen und Lebensweisen darzustellen. Verbrechen sind bei Christie nicht ein Vorwand, bei Lesern eine Faszination an den Abgründen der menschlichen Psyche zu schüren. Aber trotz Christies britischem Understatement sollte man die Spannung und Überraschungen in diesen Büchern nicht unterschätzen. Wir werden versuchen, einige der zeitgeschichtlichen Hintergründe dieser Krimis zu erkunden Darüber hinaus sind die zehn Christie-Romane die wir im Laufe dieser Serie vorstellen werden, ein willkommener Anlass, einige ihrer idyllischen britische Schauplätze kennenzulernen. Denn dieses Idyll ist, so scheint es uns, implizit ein Teil von dem worum es bei Christie geht. Wir haben ein paar Reisetipps mit denen Sie sich auf die Spuren der Autorin begeben können. Sie haben es sich verdient! Ein kultiviertes kleines Hobby das sicher nicht die Missgunst von schleichenden Erben oder sogenannten Freunden schüren wird. Oder?

Welcher Agatha-Christie-Krimi ist unser erster Tipp? Leser können uns gerne ihre eigene Top-10 schicken, vielleicht werden wir unsere voraussichtliche Auswahl anhand der von Ihnen erbrachten Beweise  revidieren, aber unsere erste Wahl steht fest. ‘The ABC Murders‘ (1935), siehe Originalcover, auf Deutsch vielleicht etwas ungünstig übersetzt als ‘Die Morde des Herrn ABC‘. Der englische Originaltitel ist besser ist weil er auf den Ausgangspunkt des Krimis hindeutet, nämlich die Verbindung der Mordserie mit der alphabetischen Folge des Eisenbahnfahrplans, dem auf dem Cover abgebildeten ABC Railway Guide. Das erfährt man gleich zu Beginn, und dann beginnt ein Abenteuer das nicht nur Rätsel aufgibt und auf falsche Fährten lockt sondern auch an spezifischen Schauplätzen spielt die man heute noch besuchen kann wenn man die Heimat von Agatha Christie kennenlernen möchte: Die Küste der südenglischen Grafschaft Devon

Warum macht es soviel Spaß die Krimis von Agatha Christie zu lesen? Unser Eindruck ist, dass Agatha Christie im Kern ein ziemlich positives, optimistisches Weltbild hatte: Probleme können gelöst werden. Es gibt bei Christie nicht die Hoffnungslosigkeit moderner Krimis die zunehmend brutaler und düsterer werden. Spielfilme mit einem psycho-forensischen Anstrich wie ‘Sieben‘ (1995), der für viele Autoren richtungsweisend geworden zu sein scheinen, zielen offenbar darauf, ein Gefühl von Fassungslosigkeit und Disorientierung zu hinterlassen. Menschen werden hier typischerweise als hilfloser Spielball von blutrünstigen Psychopathen gezeigt. Hier gibt kaum noch ein nachvollziehbares Motiv, kaum noch eine Chance, Unheil mit Hilfe des Menschenverstands zu beenden. Das ist moderne Apokalyptik. Krimis und Verfilmungen dieser Machart tendieren zum Horror-Genre, zur Schocktaktik und laden den Leser unterschwellig dazu ein, aus einem negativen Weltbild eine Art von düsterer Romantik zu entwickeln. Wem das gefällt, der soll es tun. Aber im Gegensatz dazu war Agatha Christie (1890-1976) nun mal keine Berufspessimistin. Und das ist heutzutage eine angenehme Abwechslung

Besonders gute Szenen aus den Morden des Herrn ABC? Agatha Christie mag eine pragmatische, eher als eine gefühlsduselige Person gewesen sein, aber sie war offenbar auch jemand der sich mit einem großen Spektrum von zeitgeschichtlichen Personen und Geistesströmungen befasste. Der Roman ‘Die Morde des Herrn ABC‘ enthält, wenn auch meist nur in Nebensätzen, eine Vielzahl von interessanten Anspielungen und Erwähnungen: Der Kinderreim A-Hunting we will go, Sherlock Holmes, Jack the Ripper, E. Nesbits Klassiker The Railway Children…sogar Mahatma Gandhi wird erwähnt. Neben Informationen über Pferderennen und fünf verschiedene Frühstücksteesorten mit Namen wie Carlton Farmhouse und Devonshire, gibt es hier Überlegungen zu der Motivation und der Gedankenwelt von Verbrechern. Sogar einen Gastauftritt für das damals, mitte der 30er Jahre, neumodische Feld der Psychoanalyse. Christie lässt – vielleicht als ihren Kommentar dazu? – die Nebenfigur Inspektor Crome anmerken dass man früher nicht versuchte, Kriminelle durch Psycho-Jargon vor dem Strang zu bewahren. Und für den amtierenden Meisterdetektiv Hercule Poirot sind Verbrecher wie Spieler die solange Roulette spielen bis ihre Glückssträhne abbricht. So hat der Schrecken bei Christie immer ein Ende. Und es gibt immer eine Hoffnung. Eine besonders schöne Szene: Eine zu Unrecht beschuldigte Person die ihre Kopfschmerzen als ein Symptom von fortgeschrittenem Wahnsinn gedeutet hatte, bekommt von Detektiv Poirot den Tipp dass lediglich eine neue Brille von Nöten ist. Wundervoll. Und typisch Christie

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Kann man die Welt von Agatha Christie besuchen? Kann man, und ‘Die Morde des Herrn ABC‘ sind sogar ein recht guter Reiseführer, denn der Schauplatz dieses Krimis ist die Küste von Devon und die Küstenstadt Torquay, der Geburtsort von Agatha Christie. Während ihrer Kindheit und Jugend war die Gegend um Torquay mit seinem angenehmen Klima und gediegenem Ambiente der angesagte Urlaubsort für die britische Oberschicht. Es gibt in Torquay heute noch das Grand Hotel wo Christie ihre Hochzeit feierte und The Pavillion wo sie als Jugendliche Klavier und Gesang studierte und Konzerte besuchte. Hier sind auch die Strände Meadfoot Beach und Beacon Cove wo sie als Kind zum Baden ging. Als Erwachsene erschien Christie zu öffentlichen Anlässen öfters in Torquays Imperial Hotel das unter dem Namen ‘The Majestic‘ im Roman ‘Das Haus an der Düne‘ (1932) auftaucht und auch in ‘Ruhe Unsanft‘ (1976) als Schauplatz eine Rolle spielt. Die Klippen des zu Torquay gehörenden, malerischen Ortes St. Marychurch gelten als Inspiration für ‘Ein Tritt ins Leere‘ (1934). Im Torquay Museum gibt es u.a. eine permanente Ausstellung mit vielen Fotos und Artifakten von Christie. Unweit von hier ist auch die Touristenattraktion Kents Cavern, die prähistorischen Höhlen die als ‘Hempsley Cavern‘ in Christies frühem Roman ‘Der Mann im Braunen Anzug‘ (1924) eine Rolle spielten. Torquay liegt zudem günstig zwischen den historischen Hafenstädten Plymouth und  Exeter die, mit ca. 50 km bzw. 30 km Entfernung, einen Tagesausflug wert sind. Wenn Sie anstatt Autofahrten lieber Wanderungen machen, bietet sich in Torquay der South West Coast Path an der, mit über 1000 Kilometern Länge, Englands längster Küstenpfad ist

Agatha Christies romantisches Haus am Fluss? Etwa 10 km von Torquay entfernt, auf einer Anhöhe am Ufer des Flusses Dart, ist Christies berühmtes, ehemaliges Anwesen Greenway House, ein Lieblingsaufenthaltsort von ihr und Ehemann Sir Mallowan. Die Gärten, Wege und Baumalleen von Greenway House inspirierten angeblich auch einige Krimi-Schauplätze wie z.B. das Bootshaus in ‘Wiedersehen mit Mrs. Oliver‘ (1956) wo Marlene Tucker ermordet wird. Gegenüber von Greenways Bootshaus liegt das urige Dorf Dittisham, erreichbar per Fähre und bekannt durch das Wirtshaus Ferry Boat Inn das ebenfalls von Christie erwähnt wurde. Greenway ist seit 2009 wieder für Besichtigungen geöffnet. Es liegt, sehr abgeschieden und ohne öffentliche Parkplätze, ca.3 km entfernt von dem Dorf Galmpton. Das Anwesen ist von dort aus zu Fuß erreichbar. Aber es ist besser vom Städchen Dartmouth aus, die Fähre Greenway Ferry den Fluss hinauf zu Greenway Estate zu nehmen. Das Haus ist kein Agatha-Christie-Museum, vermittelt aber mit Hilfe von Rundführern, Anekdoten und archäologischen Artefakten von Max’und Agathas Reisen, etwas vom Hintergund und Lebensgefühl der Autorin. Obwohl Greenway nicht ihr Hauptwohnsitz war, verbrachte Christie wohl beträchtliche Zeit dort. Anhand der vielen Erwähnungen in ‘Agatha Christie: An Autobiography’ (1977) scheint Greenway der Autorin sehr viel bedeutet haben. Schöne Bilder von Greenway, seiner Umgebung, und gleichfalls von Agatha Christies anderen Häusern, plus viele Hintergrund-Infos sind in dem Buch ‘Agatha Christie at Home‘ (2009) von Hilary Macaskill, mit einem Vorwort von Christies Enkel Mathew Prichard. Ein Ort in der Nähe von Christies Greenway House der im ABC-Krimi eine Rolle spielt, beginnt mit C, wie Churston und ist auf der echten Landkarte als Churston Ferrers verzeichnet, etwa 3 km von Greenway entfernt. Dort kann man, wie Hercule Poirot, heute noch von der Küstenstadt Paignton aus per Dampfeisenbahn hinfahren. Schöne Strände im Umkreis sind Blackpool Sands nahe Stoke Fleming und die Bucht Elbury Cove bei Brixham, wo in ABC-Roman die sterblichen Überreste von Sir Carmichael Clarke gefunden werden

Unser Geheintipps für Unterkunft in Devon? Wenn Sie nicht im Geld schwimmen, lohnt es sich, britische Jugendherbergen auszuchecken. Es gibt in Devon mehrere: Eine namens ‘River Dart‘ ist zum Beispiel in Galpton, also nahe bei dem oben beschriebenen Greenway House. Und die Jugendherberge von Okehampton in Devon ist höchst interessant für Archäologie- und Natur-Fans, siehe nächsten Absatz.

Unsere Ausflugstipps für das prähistorische Devon? Falls Sie sich, wie es anscheinend Mrs. Christie tat, auch für Archäologie und Geschichte interessieren, sind sie in Devon bestens bedient. Etwa 25 km von Torquay entfernt liegt der Nationalpark Dartmoor der übrigens auch Schauplatz von Christies  ‘Das Geheimnis von Sittaford‘ (1931) und ‘Der Tempel der Astarte‘ (1928) war. Dartmoor ist relativ menschenleer aber nicht unbewohnt. Es gibt idyllische Dörfer mit Häusern aus Reetdächern und kleinen Pubs. Dörfer, wie Widecombe-in-the-Moor, sind zu Touristenattraktionen geworden. Übernachtungsmöglichkeiten findet man vielerorts in Privat Pensionen, Bed & Breakfast genannt. Im Dartmoor Nationalpark gibt es auch eine Fülle von Monumenten aus der Stein- und Bronzezeit. Spektakulär ist z. B. der Doppel-Steinkreis von Grey Wethers bei Okehampton und Grimspound, die Bronzezeitsiedlung nahe Widecombe. Interessant, speziell im Krimi-Kontext, ist Dartmoor Prison Museum in Princetown, einem ominös wirkenden Gefängnis aus Viktorianischen Zeiten, das auch in Christies ‘Die Verschwundenen Goldbarren‘ (1928) erwähnt wurde. Leuten die sich im Ausland partout nicht benehmen können, sei mitgeteilt dass Dartmoor Prison immer noch in Betrieb ist. No joke! Ein Geheimtipp der prähistorische und christliche Traditionen verbindet, wäre Brentor Church im Westen von Dartmoor (nahe der Stadt Tavistock), auf einem Berg mit fantastischem Ausblick auf Dartmoor und umgeben von uralten festungsähnlichen Erdwällen die zeigen, dass dieser Ort für Menschen schon in der Eisenzeit von Signifikanz war

Drehorte von Agatha-Christie-Filmen in Devon? Etwa fünfzig Kilometer südwestlich von Torquay entfernt, liegt das Küstenstädtchen Bigbury-on-Sea. Hier ist die kleine Gezeiteninsel Burgh Island die bei Ebbe leicht zu Fuß zu erreichen ist. Sie diente Christie amgeblich als Inspiration für den Krimi ‘Das Böse unter der Sonne‘ (1941) und auch ihr vielleicht berühmtestes Buch ‘Und dann gabs keines mehr‘ (1939). Burgh Island mit seinem Hotel aus den 20er Jahren im spektakulärem Art Deco Design, diente u. a. auch als Drehort für die TV-Verfilmung ‘Das Böse unter der Sonne‘ (2002) mit David Suchet und die BBC-Version des Miss-Marple-Krimis ‘Mord im Spiegel‘ (1992)

Sind Agatha Christies Bücher besser als ihre Verfilmungen? Kurz gesagt, ja. Christie-Verfilmungen sind zwar meists ganz gut in Sachen Ausstattung & Dekor – alte Autos, elegante Klamotten etc. Aber viele Regisseure tragen Christies subtile Ironie zu dick auf. Die Schauspieler sprechen und gestikulieren oftmals übermäßig affektiert, als ob sie sich über die Figuren der gehobenen Mittelschicht oder Oberschicht die sie darstellen sollen, durchgehend lustig machen. Sicher, Christie konnte sich und ihresgleichen sehr wohl auf die Schippe nehmen, aber nicht auf so plumpe Art wie es vile Filme tun. Peter Ustinov meinte es sicher gut, aber seine Poirot-Darstellungen, besonders in ‘Das Böse unter der Sonne‘ (1982), hier ein Kinoposter, haben die Figur, unseres Erachtens, mit allzu vielen Witzchen und angehobenen Augenbrauen zu einer Karikatur gemacht. Die Ustinov-Verfilmungen haben die Jahrzehnte aus unserer Sicht weit schlechter überstanden als die alten ‘Miss Marple‘ Filme mit der rüstigen Margaret Rutherford (Bild), die als Marple-Darstellerin auch von Christie geschätzt wurde. Albert Finneys Poirot in ‘Mord im Orient-Express‘ (1974), siehe Filmposter, ist leider auch nicht ganz unser Fall, auch wenn der Film eine beträchtliche Fan-Gemeide hat. Deutlich besser gefällt uns David Suchet, seine langjährige Reihe ‘Agatha Christie’s Poirot‘ ist für eine TV-Serie ziemlich gut gemacht und wir werden in zukünftigen Artikeln näher darauf eingehen. Aber die beste Agatha-Christie-Kinoverfilmung ist für uns  Zeugin der Anklage‘ (1957) die Verfilmung einem Christie-Theaterstücks. Wir hoffen immer noch auf eine neue große Christie-Kinoproduktion. Für eine heutige Produktion wären für uns Filme von Merchant-Ivory, wie ‘Wiedersehen in Howards End‘ (1992) visuelle Richtlinie, zusammen mit einem nicht all zu komödienhaften Drehbuch, vielleicht auf Basis eines weniger bekannten Christie-Romans, so dass es Überraschungen gibt. Bis dahin empfehlen wir folgendes

Sind Hörspiele von Agatha Christie Krimis empfehlenswert? Uns gefallen sie definitiv besser als die Verfilmungen. Die Reihe der Christie-Hörspiele von BBC-Radio ist spitze. Angenehmerweise ohne das oben erwähnte, übertriebene ‘affektierte Gelaber’ und dafür näher an Christies recht spannenden Erzählstil. John Moffatt ist in diesen Hörspielen für uns der glaubwürdigste Hercule Poirot den es bis jetzt gibt. Hinter den witzigen kleinen Fehlgriffen bei Poirots englischer Wortwahl, kann der Belgier nämlich auch ziemlich bedrohlich klingen, zumindest für Leute die was verbrochen haben. Die ca. 90 bis 140 Min. langen Produktionen der BBC-Reihe sind Full-Cast Dramatisations, also keine Lesungen sondern aufwendige Produktionen mit vielen verschiedenen Sprechern und spannenden Klangkulissen. Es gibt leider nichts dergleichen auf Deutsch. Audiobooks, also Lesungen sind zwar auch gut, aber nun mal keine Hörspiele. Der Bayrische Rundfunk sendete, so um 1970,  zwar Hörspiele wie ‘Mord im Pfarrhaus‘ aber die scheinen nie als CDs oder Kassetten veröffentlicht worden zu sein. Aber die  BBC-Produktionen sind ohnehin gut verständlich und zusätzlich können Sie dabei Ihr Englisch aufbessern, vielleicht bei einer längeren Autofahrt oder am Kaminfeuer. Bei den Amazon-Links am Ende des Artikels finden Sie unsere Liste mit den spannendsten BBC-Hörspielen, inkl. dem von uns nominierten Klassiker ‘The ABC Murders

Trivia: Gibt es eine Progrock-Connection zu Agatha Christie? Mais oui. Als reuelose Fans von Progrock und Christie, präsentieren wir folgenden kuriosen Tatbestand mit dem Sie in Ihrem örtlichen pub oder club vortrefflich auftrumpfen und fachsimpeln können: Genesis-Gitarrist Steve Hackett hat auf ‘Please Don’t Touch‘ (1978), einem seiner besten Soloalben, eine Christie-Hommage in Form des Lieds ‘Carry on Up the Vicarage‘ (YouTube Clip) aufgenommen. Eine vicarage ist ein Pfarrhaus, etwas das öfters in Romanen von Christie vorkommt, siehe z.B. ‘Mord im Pfarrhaus‘ (1930). Dre Text  ist aufgrund von Klangeffekten schwer zu entziffern, spielt aber auf typische Christie-Szenarien an: Leute die urplötzlich an Herinfarkten sterben, beim Heckenschneiden tödlich verunglücken, scheinbar an Bienenstichen oder seltenen tropischen Krankheiten sterben oder mysteriöserweise von Kirchtürmen stürzen…Sie wissen schon

Christie für Jäger und Sammler? Wir sammeln Christie-Romane in ihren englischen Originalversionen, denn abgesehen vom Lesevergnügen, finden wir die Bücher auch aufgrund der vielen verschiedenen Cover interessant. Heutzutage scheinen dezente, monochrome Buch-Cover angesagt zu sein, aber wir mögen besonders die alten Fontana Books aus den 60er und frühen 70er Jahren, mit allerlei enigmatischen Bildern von zerbrochenen Gläsern und Statuen, verzierten Dolchen, abgeschnittenen Haarlocken, zerbrochenen Puppen, zerknüllten Zetteln mit Schriftfragmenten und dergleichen. Wir empfehlen eine Neuauflage dieser mittlerweile natürlich nur gebraucht erhältlichen Ausgaben. Sie haben oftmals künstlerische Finesse. Schöne Beispiele wären ‘Death in the Clouds‘ und ‘Crooked House‘. Im Laufe der 70er Jahre tauchten Ausgaben auf die, scheinbar auf Teufel komm raus, auf jedem Buch einen Totenkopf in irgendeiner Variante zeigen. Ein, zwei mal ist das originell aber auf Dauer fantasielos. Sammler die sich für schöne alte Cover von Christie-Romanen interessieren, könnten Freude an dem Buch ‘Agatha Christie: A Reader’s Companion‘ (2004) haben, hier gibs viele Infos und alte Buch-Cover zu sehen, Amazon-Link am Ende des Artikels. Interessant sind übrigens auch die Widmungen zu Beginn von fast allen Christie-Romanen. Dabei stösst man oft auf interessante Spuren in Christies Leben: Die Widmung in ‘Die Morde des Herrn ABC’ ist z. B. an einen gewissen James Watt, mit dem Zusatz dass dies einer von Christies wohlgesonnensten Leser sei. Wenn man der Sache nachgeht, stellt sich heraus dass Sir James Watt Schwager der Autorin war. Christie besuchte sein Anwesen Abney Hall in Nordengland öfters um dort zu schreiben, und das Haus und seine Umgebung war anscheinend auch Inspiration für einige ihrer Romane

Ist Agatha Christies Autobiografie lesenswert? Sehr. Wir werden im Laufe dieser Serie noch öfters darauf eingehen. Es ist interessant, Christie einmal ausserhalb ihres ausgeklügelten Genres, quasi in ihrer Alltagssprache zu hören, wie sie über ihr eigenes Leben und die Zeit in der sie aufwuchs erzählt. Das ist natürlich  lockerer und nicht so konstruiert wie ihre Krimis und dabei sehr aufschlussreich und unterhaltsam. Auf Deutsch hat man dem Buch, das im Original einfach ‘Agatha Christie: An Autobiography‘ (1977) heisst, den Titel ‘Meine gute alte Zeit’ verpasst. Hm. Wie wärs, das Buch bei der nächsten Auflage einfach ‘Agatha Christie: Eine Autobiografie’ zu nennen? Der jetzige deutsche Titel klingt nämlich etwas arg Pralinenschachtel-mässig und lässt nicht vermuten dass Christie Kontakt mit Leuten wie Robert Graves, Graham Greene und Daphne du Maurier hatte oder zum Beispiel gerne D. H. Lawrence las, Schubert-Lieder auf Deutsch sang, Wagner-Opern liebte und generell eine faszinierende Frau war die es schaffte, kulturell anspruchsvoll und zugleich bodenständig und weiblich-scharfsinnig zu sein. Christie hatte, u.a. mit ihren Reisen und Expeditionen im Mittleren Osten ein abenteuerliches Leben und wir empfehlen ihre Autobiografie sehr. Am besten auf Englisch, in ihren eigenen Worten. Aber es folgt auch ein Amazon-Link für die deutsche Übersetzung. Dabei sind übrigens auch interessante private Fotos: Agatha als junge, umwerfend hübsche Dame beim Tanzunterricht, Agatha im Jahr 1906 in Paris, oder auf einem Esel in Ägypten, beim Frühstück in Bagdad, auf dem Filmset von ‘Zeugin der Anklage‘ etc.

Mitgestaltungsmöglichkeiten für Leser in dieser Artikelserie? Wir machen die südenglische Grafschaft Devon und Christies kulturellen Hintergrund zum Hauptthema dieses Themenstrangs und Leser können uns gerne Fotoberichte von ihren Urlaubsreisen in Devon, Dartmoor und anderen Orten mit einer Christie Connection schicken.

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