Kulturmagazin

Lieber Leser!

Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Tag: Brontë

It's the birthday of Emily Brontë (1818-1848) and also of Kate Bush. The connection being of course Wuthering Heights, the novel and the song. Check a video that combines the song with the 1939 film adaption, with Merle Oberon & Laurence Olivier, above. The film is 75 years old but still one of the best

Heute ist der Geburtstag der Autorin Emily Brontë (1818-1848) und ebenfalls von der Musikerin Kate Bush. Die Verbindung zwischen beiden ist Wuthering Heights, das Lied von Kate und der Literaturklassiker von Emily, auf Deutsch als Sturmhöhe (1847) bekannt. Die Musikerin war als Teenager von dem Roman fasziniert, um so mehr als sie feststellte dass sie und die enigmatische Autorin den selben Geburtstag hatten. Sie schrieb das Lied mit 18, es wurde ein Hit und Kate ein Star. Wir kannten das Lied vor dem Roman. Unsere Eltern hatten das Debütalbum The Kick Inside (1978). Kate Bushs opernhafter Sopranogesang klang anfangs etwas bewöhnungsbedürftig, heute lieben wir das Lied. Am Ende des Blogposts ist ein Clip von dem Lied zusammen mit Ausschnitten von der 1939 Verfilmung mit Laurence Olivier und Merle Oberon, oben im Bild. Der Film ist dieses Jahr
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Shirley (1849) is less known than her novel Jane Eyre, so it's good to have a new BBC Radio dramatisation of this story set in times of industrial unrest. Above, our Wordsworth Classics edition. Spot the Brontë Parsonage sticker. Radio link below

Das neue Hörspiel kann online gehört werden. Link am Ende des Blogposts. Romanvorlage Shirley erschien zwei Jahre nach Jane Eyre (1847), ist jedoch thematisch und stilistisch völlig anders. Es ist ein Industrieroman der Ähnlichkeit mit Elizabeth Gaskells North & South (1855) hat, in der Tat, wir vermuten dass Brontës Freundin Gaskell von Shirley (1849) inspiriert wurde. Charlotte schrieb den Roman zu einer Zeit als eine Wirtschaftsflaute und der Wechsel von einer landwirtschaftlichen zu einer industriellen Gesellschaft zu sozialen Unruhen geführt hatten. Die Romanhandlung spielt allerdings ca. 35 Jahre früher, in 1811 und handelt mitunter von dem Maschinensturm den Textilarbeiter die sog. Luddites, als Protest gegen Fabrikbesitzer unternahmen. Die zunehmende Maschinisierung schaffte Arbeitslosigkeit und gab Unternehmern zudem die Möglichkeit, größeren Druck auf die verbleibende Belegschaft auszuüben. Diese Ereignisse hatten weitreichende Folgen. Karl Marx, der nur zwei Jahre jünger war als Charlotte und im selben Jahr geboren wurde wie ihre Schwester Emily, hatte ein Jahr vor Shirley (1849) das Kommunistische Manifest (1848) in England veröffentlicht. Man kann von Pfarrers Töchtern wie Charlotte Brontë und Elizabeth Gaskell nicht erwarten dass sie mit ihren Sozialromanen den Thesen von Marx das Wort reden aber in Shirley, wie auch North & South, ist ein starkes Mitgefühl für die Situation der Arbeiter vorhanden.
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Penzance: The house, the darker one second from left, where the mother of the Brontë children lived. Maria Branwell left Cornwall at 29 to marry Patrick Brontë and have six children. She died at 38, never to return to Cornwall. Nor did her sister Elizabeth Branwell who came to Yorkshire to raise the children

Ein Foto von dem Haus (zweites von links) in dem die Mutter der Brontë-Geschwister lebte. Das Backsteinhaus 25 Chapel Street steht heute noch. Die Schriftstellerinnen Charlotte, Anne und Emily Brontë wuchsen in Yorkshire auf, aber die Wurzeln ihrer beiden Eltern lagen anderswo. Vater Patrick kam aus Irland und Mutter Maria Branwell (1783-1821) aus der Stadt Penzance in Cornwall. Ihre Familie hatte in dieser südwestlichen Grafschaft Englands Jahrhunderte zurückreichende Familienwurzeln. Die Branwells hatten sich zu ziemlich wohlhabenden Leuten gemausert. Penzance war gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine geschäftige Hafen- und Marktstadt, und Marias Vater Thomas Branwell war ein erfolgreicher Kaufmann. Eine der Folgen der damaligen Enstehung einer Mittelklasse war dass Mädchen wie Maria und ihre ältere Schwester Elizabeth – die ebenfalls eine bedeutende Rolle im Leben der Brontë Geschwister spielen sollte – nicht unter Druck standen jung zu heiraten, wie es ansonsten aufgrund finanzieller Zwänge üblich war. Maria war mit Ende zwanzig noch nicht verheiratet und hatte Zeit gehabt, ein belesener, kulturell interessierter Mensch zu werden. Dass Maria, die körperlich von einer zarten Statur war, mit 29 Jahren vom milden Klima Südenglands ins kalte nördliche Yorkshire
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A cinema biopic about the Brontë family is in the works. To appear in 2016, in time for Charlotte Brontë's 200th anniversary. We found an old print of Branwell's painting of his sisters Anne, Emily & Charlotte (1834) which looks different to the 'digitally restored version of the damaged portrait' that's on Wikipedia

Gute Nachricht: Eine große Kinoproduktion über die Geschwister Brontë ist in Arbeit, vorgesehen für 2016, also zum 200. Geburtstag von Charlotte Brontë, der Autorin des Weltklassikers Jane Eyre (1847). Charlottes Schwester Emily Brontë und ihr Roman Sturmhöhe (1847) sind ebenso bekannt. Und auch ihre jüngere Schwester Anne Brontë schrieb mit Die Herrin von Wildfell Hall (1848) einen bemerkenswerten Roman, der ebenfalls verfilmt wurde. In der Tat, es gibt Dutzende von Verfilmungen von Romanen der Brontë Schwestern. Aber relativ wenige Filme über ihr Leben. Die zwei biografischen Filme die wir kennen sind, einmal die TV-Serie The Brontës of Haworth (BBC, 1973) und zweitens der französische Spiefilm Les Sœurs Brontë (1979) von André Téchiné. Zwei sehr verschiedene Filme (YouTube Links am Ende des Blogposts) die jedoch beide viel für sich haben. Inhaltlich nicht unbedingt leicht zu übertrumpfen, aber nach 35, 40 Jahren könnte ein neuer Film wahrscheinlich einiges an Stil, Look, Musik und Ausstattung bieten das die Geschichte der Brontës kompatibler für ein heutiges Publikum macht. Wobei das Leben der Geschwister, die alle jung starben, so eindrucksvoll ist wie die Romane mit denen sie die Welt eroberten. Auch wenn die Schwestern das, wie im Fall von Emily Brontë und dem Roman Sturmhöhe, nicht mehr miterlebten. Um das Jahr 1834, als ihr Bruder
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There's a BBC radio dramatisation of Jane Eyre online. Link below. For the photo we used a 1969 edition from Paul Hamlyn with 57 illustrations, 19 in colour. Click for a closer look

Der Roman Jane Eyre (1847) ist weltberühmt, diente als Vorlage für mehrere Filme und ist momentan auch als Hörspiel online. Link folgt. Es ist eine aufwendige BBC-Produktion mit atmosphärischer Musik, Geräuschkulisse und vielen Sprechern, u. a. Ciarán Hinds als Mr. Rochester. Für Brontë-Fans haben wir eine unserer Romanausgaben ins Bild gesetzt die vielleicht der eine oder andere noch nicht kennt. Es ist eine illustrierte Ausgabe mit 57 Bildern, 19 davon in Farbe. Links im Bild die Szene in der Jane den nach Thornfield zurückkehrenden Mr. Rochester zum ersten Mal trifft. Sie weiß nicht wer der Reiter ist, und Rochester hat sie auch noch nie gesehen. Das Pferd scheut, Rochester fällt und Charlotte Brontë gibt ihrem Alterego Jane die erste Gelegenheit einem schwierigen aber reformierbaren Mann unter die Arme zu greifen. Ein Bildungsroman wie er im Buche steht, und eine der schönsten und spannendsten Liebesgeschichten der Literaturgeschichte. Das Hörspiel beginnt, wie der Roman, mit Janes Kindheit, erst als Waisenmädchen in einer Familie die sie schlecht behandelt und dann auch noch in ein Waisenhaus mit einem fiesen Pfarrer abschiebt. Trotz der harschen Bedingungen schlägt sich die zehnjährige Jane durch und schafft es im Laufe der Zeit, als mittlerweile achtzehnjährige Lehrerin, ihren eigenen Lebensweg zu gehen. Aber das ist erst der Anfang. Die Geschichte hat märchenhafte Elemente à la Cinderella und Die Schöne und das Biest, aber auch Elemente aus dem Leben der Brontë-Schwestern.

Info  Das BBC-Hörspiel Jane Eyre 1 von 4 Teilen, mit jeweils 60 min. Spieldauer / hier Teil 2 und Teil 3 und Teil 4 / Hier ein deutscher Wiki-Artikel über den Roman der auf Deutsch als Taschenbuch und E-Book erhältlich ist / Darüber hinaus gibt es zwei empfehlenswerte Verfilmungen auf DVD, hier sind Trailer für die BBC TV-Serie vom Jahr 2006, und den Kinofilm vom Jahr 2011. Foto: Gebundene, illustrierte Ausgabe aus dem Jahr 1969 vom Verlag Paul Hamlyn. Hörspiel verpasst?  Die Sachen werden öfters wiederholt und wir machen im Blog darauf aufmerksam

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Ausschnitt des winzigen etwa 6 x 6 cm großen Manuskripts des Brontë-Gedichts das für £92,000 versteigert wurde

Die englische Schriftstellerin Charlotte Brontë ist weltbekannt durch Romane wie Jane Eyre (1847) und mehrere moderne Kinofilme und TV-Serien nach ihren Werken. Jetzt ist ein Gedicht aufgetaucht das sie im Jahr 1829 in Haworth, im Pfarrhaus ihrer Familie als 13-jährige schrieb:

I’ve been wandering in the greenwoods

I’ve been wandering in the greenwoods
And mid flowery smiling plains
I’ve been listening to the dark floods
To the thrushes thrilling strains

I have gathered the pale primrose
And the purple violet sweet
I’ve been where the Asphodel grows
And where lives the red deer fleet.

.

I’ve been to the distant mountain,
To the silver singing rill
By the crystal murmering fountain,
And the shady verdant hill.

I’ve been where the poplar is springing
From the fair Inamelled ground
Where the nightingale is singing
With a solemn plaintive sound.

Ein schönes Gedicht, über Natur, Pflanzen- und Tierwelt. Wir haben nachgesehen was für ein Gewächs die Asphodel ist die Charlotte erwähnt: es ist eine Art Moorlilie die im deutschen Volksmund Beinbrech heißt und in Deutschland geschützt ist. Dass es eine Moorpflanze ist, passt gut zur Lage des Brontë-Hauses, direkt bei den berühmten Yorkshire Moors, die auch in den Büchern der Schwestern auftauchen, besonders in Emily Brontës Sturmhöhe. Die Werke der Schwestern sind eine faszinierende Synthese
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One of these guys is Mr. Wrong. Care to have a guess? It's the birthday of Anne Brontë (1820 - 1849). Her novel The Tenant of Wildfell Hall (1848) can proudly stand beside those of Emily and Charlotte Brontë as one of the key novels of the 19th century. The BBC film is good too. See trailer below

Die Romane Jane Eyre und Sturmhöhe von den Schwestern Charlotte und Emily Brontë sind vielfach verfilmt worden und auch in Deutschland sehr bekannt. Ihre jüngere Schwester Anne Brontë scheint hier jedoch einen deutlich geringeren Bekanntheitsgrad zu haben. Ihr exzellenter Roman ‘Die Herrin von Wildfell Hall‘ (1848) hat bei Amazon nur 5 Rezensionen, verglichen mit jeweils über 60 Einträgen zu Jane Eyre (1847) und Sturmhöhe (1847). Dabei ist The Tenant of Wildfell Hall, so der Originaltitel, den Werken ihrer Schwestern durchaus ebenbürtig und gehört für uns zu den Schlüsselromanen des 19. Jahrhunderts. Wildfell Hall hat mehr von einem Sozialroman, nicht so sehr das märchenhafte das Sturmhöhe und Jane Eyre zu ewig beliebten Filmvorlagen macht. Wir lieben diese Romane auch sehr aber, kritisch betrachtet, könnte man argumentieren dass zum Beispiel in der Heathcliff-Figur von Sturmhöhe ein völlig destruktives, zum Teil pathologisch anmutendes Verhalten romantisiert wird. Nun gut, Romane sind Kunst und keine Beziehungsratgeber. Aber Kunst kann auch versuchen, etwas mehr davon zu zeigen wie die Welt wirklich ist. Und die konnte zu Zeiten von Anne Brontë für Frauen manchmal ein Albtraum sein. Während Anne, ähnlich wie Emily und Charlotte, sympathische oder zumindest starke weibliche Figuren hat, ist der männliche Kontrahent von Wildfell Hall, in der Person von Arthur Huntingdon, ein angsteinflößendes Monster. Kein Film, kein umwerfend gut aussehender Schauspieler wird Huntingdon jemals mit einer ähnlich düsteren Romantik wie der von Heathcliff in Sturmhöhe darstellen können. Interessanterweise beruhen beide, Heathcliff und Huntingdon, möglicherweise auf der selben Person. Eine Person die
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Wuthering Heights: There's a good BBC radio play on, link below. Our favourite film so far, not having seen Andrea Arnold's version yet, is the movie 'Emily Brontë's Wuthering Heights' (1992) with Juliette Binoche and Ralph Fiennes

Ein BBC-Hörspiel nach Emily Brontës Klassiker Wuthering Heights ist online, Link unten auf der Info-Leiste. Wir besitzen das Hörspiel auch als CD-Set, und es ist genau das Richtige für Abende am Kamin oder lange Autofahrten. Mit einer speziell fúrs Hörspiel komponierten Musik, einer atmosphärischen, windigen Klangkulisse und guten Sprechern, die hier verschiedene Härtegrade von Yorkshire-Akzenten zum Besten geben. Der Schauspieler und Heathcliff-Sprecher John Duttine stammt selber aus Yorkshire. Anfangs jedoch spricht Heathcliff im Hörspiel erstmal Spanisch, frisch angekommen als Findelkind auf dem abgelegenen, von Mooren umgebenen Hof namens Wuthering Heights. Die Romanvorlage aus dem Jahr 1847, die auf Deutsch als Sturmhöhe übersetzt wurde, ist eine lange, komplexe Geschichte. Im Kern eine Art übersinnliche Liebesgeschichte. Leser die den Roman noch nicht kennen, sollten nicht davon abhalten lassen, vor dem Buch eine Verfilmung auszuchecken, um ein Bild zu bekommen von der Epoche und den Lebensbedingungen die Emily Brontë (1818 - 1848) beschrieb. Vielleicht sollte man den Film sogar vor dem Hörspiel ansehen, wir verlinken ihn ebenfalls unten auf der Info-Leiste. Die fünf Episoden des Hörspiels sind jeweils eine Woche lang online. Gesamtspieldauer ist ca. 4:30 Stunden. Was Filme anbelangt, wurde Wuthering Heights wurde schon etwa ein dutzend mal auf den Bildschirm oder die Kinoleinwand gebracht, und wir können vielen der verschiedenen Produktionen etwas abgewinnen, aber unser Favorit ist bis jetzt immer noch der Kinofilm ‘Emily Brontë’s Wuthering Heights‘ (1992) mit Ralph Fiennes als Heathcliff und Juliette Binoche in der Doppelrolle von Cathy und Catherine, gedreht von dem britischen Regisseur Peter Kosminsky. Es ist die Art von Film der bei Amazon viele enthusiastische Bewertungen hat, obwohl er bei Journalisten weniger gut ankam. Velleicht ist das weil dieser Film sich ziemlich nah an die Romanvorlage hält und die Geschichte nicht so uminterpretiert dass Journalisten sie vor irgendeinen ideologischen Karren spannen können. Der Film konzentriert sich aufs Erzählen und hat dadurch etwas märchenhaftes und, zugegebenermaßen, ziemlich romantisches an sich. Aber das kommt unserer Meinung nach dem Geist der jungen Autorin Emily Brontë recht nahe. Als wir den Roman zum ersten mal in deutscher Übersetzung auscheckten, klang er auf Anhieb etwas wie Wilhelm Hauff (1802 - 1827) für uns. Ein merkwürdiger Vergleich, aber immerhin lebten die beiden Autoren im frühen 19. Jahrhundert, waren beide von Walter Scott inspiriert und starben beide jung. Hauff war etwa 15 Jahre älter als Emily, und da den Brontë-Schwestern Deutsch und deutsche Autoren geläufig waren, ist es möglich dass sie
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'I saw a hamlet and a spire': Das Dorf Hathersage wurde 1845 von Charlotte Brontë besucht und hat Verbindungen mit dem Roman Jane Eyre, in dem das Dorf Morton genannt wird.

Im Roman schrieb sie: ‘Ich sah ein kleines Dorf und einen Kirchturm‘. Die Suche nach Orten die Charlotte Brontës Klassiker Jane Eyre inspirierten, führt zum Teil aus dem heimischen Yorkshire der Brontë Schwestern hinaus, in die benachbarte Grafschaft Derbyshire. Spezifisch in das Dorf Hathersage, siehe Foto, das in idyllischer Umgebung nahe der Grenze zu Yorkshire, in einem Tal am Rande eines Moores liegt. Hathersage war Vorbild für das Dorf Morton im Roman. Im Sommer 1845, also etwas über zwei Jahre vor der Veröffentlichung von Jane Eyre (1847), wurde Charlotte Brontë von ihrer guten Freundin Ellen Nussey eingeladen, nach Hathersage zu kommen, wo Ellens Bruder Henry Nussey eine Stelle als Vikar bekommen hatte. Henry war frisch verheiratet und Ellen wollte zusammen mit Charlotte das neue Haus für die Ankunft der Braut vorbereiten: Möbel auswählen und Haushaltshilfen interviewen. Das verlockende Angebot hatte Charlotte zuerst, anfang Juni 1845, ausschlagen müssen, weil sie ihren fast erblindeten Vater Patrick Brontë nicht allein lassen wollte, aber in der Mitte dieses Monats kamen unerwarteterweise Charlottes Bruder Branwell und ihre Schwester Anne Brontë nach Hause und so ergab sich eine Gelegenheit. Kurioserweise hatte der Bräutigam Henry Nussey 1839, sechs Jahre zuvor, auch Charlotte Brontë einen Heiratsantrag gemacht, den sie jedoch abgelehnt hatte weil sie Henry unromantisch fand. Charlotte hatte Ellen dazu geschrieben:

‘…Es würde ihn konsternieren, mich in meinem natürlichen Element zu sehen. Er würde mich, in der Tat, für eine wilde, romantische Enthusiastin halte. Ich könnte nicht den ganzen Tag mit einem ernsten Gesicht vor meinen Ehemann sitzen. Ich würde lachen, satirisch sein und sagen was immer mir zuerst in den Kopf käme…’

Unerhört. Aber diese alte Geschichte hielt Charlotte nicht davon ab den Mann, dem sie sicher alles Gute wünschte, und ihre Freundin Ellen für zwei Wochen in Hathersage zu besuchen.Es wird von Brontë-Biografen oft vermutet dass die freundliche Ellen, die Charlotte willkommen hieß und ihr das neue Haus zeigte, ein Vorbild für die gutherzige Mrs. Fairfax war, die dem Neuankömmling Jane Eyre im Roman das Haus zeigt dass sie für Mr. Rochesters Ankunft vorbereitet. Aber es gibt viel konkretere Verbindungen zwischen dem Roman und dem Dorf Hathersage: Hier hatte nämlich seit Jahrhunderten eine adelige Familie names Eyre gelebt, und in der Kirche und auf dem Friedhof von Hathersage waren viele Artefakte, zum Beispiel aufwendige Grabsteine, mit diesem Namen zu sehen. Übrigens auch heute noch. Charlotte hörte Geschichten und Legenden über die Familie, und Charlotte und Freundin Ellen besuchten sogar Mitglieder der Eyre-Familie, wie die verwitwete Mrs. May Eyre, die in dem Familiensitz North Lees Hall lebte. Der Landsitz North Lees, ca. zwei Kilometer von Hathersage entfernt, gilt mit seinen Zinnen, seinen drei Stockwerken und seiner ruhigen, von Hügeln umgebenen Lage unter Literaturwissenschaftlern als ein mögliches Vorbild für Edward Rochesters Haus Thornfield Hall in Jane Eyre. Zusätzlich war die frühste Besitzerin von North Lees Hall, angeblich dem Wahnsinn
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Jane Eyre (2011): Never mind that Andalusia was the last place on earth to get the DVD, we were impressed by Cary Fukunaga's attention to detail and avoidance of clichés.

Es ist die Geschichte von einer jungen Frau die sich aufgrund ihres Selbstwertgefühls allen widrigen Umständen zum Trotz, in der Welt behauptet und ihren Weg findet. Die bisher neuste Verfilmung von Charlotte Brontës Klassiker Jane Eyre (1847) beeindruckt mit Regisseur Cary Fukunagas Aufmerksamkeit für historische Details und auch dadurch dass er die Klischees vermeidet für die solche Verfilmungen anfällig sind, z. B. all zu viele verträumte Blicke, konspirativ-vielsagendes Lächeln und schnulzige Musik. Der Kinofilm Jane Eyre (2011) ist eine insgesamt etwas ernster wirkende Verfilmung als die ebenfalls gute BBC-Fernsehproduktion Jane Eyre (2006). Cary Fukunagas Spielfilm hat nur 2 Stunden Zeit um den 500-Seiten Roman umzusetzen, nicht die 4 Stunden der TV-Serie. Aber er hat diese Begrenzung weitgehend zu seinem Vorteil genutzt. Uns passte es gut dass die Episoden aus Jane Eyres Kindheit, in Form von Flashbacks, etwas gestrafft wurden und nicht wieder in jedem Detail durchgekaut werden mussten. Der Film punktet ebenfalls mit eindrucksvoller Ausstattung: In manchen Szenen trägt Jane-Darstellerin Mia Wasikowska echte 160 Jahre alte Kleidungsstücke, und wenn sie das von Charlotte Brontë erwähnte Buch Bewick’s History of British Birds liest, ist es eine rund zweihundert Jahre alte Originalausgabe von der British Library. Janes Eyres Aquarelle – etwas im Stil von William Blake – die Mr. Rochester im Film begutachtet, wurden von Bildern der jungen Brontë-Geschwister im Brontë Parsonage Museum inspiriert. Cary Fukunaga schafft es sogar, die von Charlotte erwähnte nordenglische Sagenfigur Gytrash kurz als Bild in einem Buch auftreten zu lassen. Die Tatsache dass der Film bei Innenszenen so gut wie keine künstliche Beleuchtung benutzt, sondern das Licht von Kerzen und Kaminfeuern, gibt dem Film ebenfalls etwas Besonderes. Beim Soundtrack wurde auf übertriebene symphonische Untermalung verzichtet und stattdessen die schlichteren Klänge von einem Kammerorchester, einem Piano und einer Geige im Stil von nordenglischer Folksmusik eingesetzt. Neben den von Dario Marianelli komponierten Musik, enthält der Soundtrack auch Pianostücke von Mozart und Beethoven. Besonders freute uns, dass auch ein Lied mit Worten von dem Dichter Lord Byron auftauchte – so wie es auch in der Piano-Szene des Romans vorkommt. Wobei im Film von Blanche Ingram gesungen wird und nicht von Mr. Rochester. Vielleicht hat sich Michael Fassbender geweigert zu singen – aber ansonsten ist er gut in der Rolle. Nicht ganz so viel sarkastisches Grinsen wie sein Vorgänger Toby Stephens. Gut fanden wir auch Jamie Bell, der vom Gesicht und Ausdruck her, perfekt den trockenen, korrekten, wohlmeinenden Vikar St. John Rivers spielte. Auch die Drehorte waren eindrucksvoll. St. Johns Haus liegt in den Mooren von White Edge, einer wild-romantischen Wandergegend. Als Drehort für das Internat Lowood in dem Jane Eyre aufwächst und eine prägende Freundin in Helen Burns findet, diente Broughton Castle. Und Mr. Rochesters Landsitz Thornfield, inklusive der schicksalsträchtigen Kapelle, findet man in Haddon Hall, das auf eine ca. 1000-jährige Geschichte zurückblickt. Hier spricht Jane Eyre die Zeilen die zu den schönsten Momenten in Charlotte Brontës Roman und den Verfilmungen gehören. Zeilen die wir einfach mal gekürzt und sinngemäß aus dem Englischen übersetzen: 
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Die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë ca. 1834

Während Romane wie Jane Eyre und Wuthering Heights von der Brontë-Schwestern weltberühmt sind, ist über das Privatleben der Familie weniger bekannt. Faszinierend deshalb die Geschichte vom Piano der Brontë-Familie, und auch die Erkenntnisse úber die Musik die im Brontë-Haushalt gespielt wurde. Das Piano hat eine über 160-jährige Geschichte hinter sich und ist erst vor kurzem wieder in Stand gesetzt worden und im alten Pfarrhaus der Familie zu besichtigen. Obwohl die drei Schwestern, und auch ihr Bruder Branwell, musikalisch bewandert waren, scheint Emily Brontë, die Autorin von Wuthering Heights (1847), auf Deutsch Sturmhöhe, die häufigste Klavierspielerin gewesen zu sein. Charlotte Brontë, die Autorin von Jane Eyre, hatte auch Klavier gelernt, konnte aber aufgrund ihrer Sehschwäche schlecht Notenlesen. Anne Brontë, die u. a. Die Herrin von Wildfell Hall schrieb, bevorzugte zu singen. Von Anne existieren handgeschriebene Musiknoten im Brontë Parsonage Museum. Einige Lieder die die Brontës spielten und sangen, tauchen sogar in ihren Romanen auf: So wird in Charlotte Brontës Roman Shirley (1849) das Lied Ye banks and braes o’ bonny Doon erwähnt. Deutsch: Die Ufer des Flusses Doon. Dies spielten die Schwestern auch Zuhause. Die Schwestern mochten den schottischen Dichter Robert Burns und spielten u. a. das berühmte Auld Lang Syne von ihm. Ein beliebter Komponist der Brontës war Joseph Hayden, für den die britische Dichterin Anne Hunter Texte geschrieben hatte: So war z. B. My Mother bids me bind my Hair eins der Hayden-Lieder das die Brontës spielten und sangen. Eins der etwas weniger bekannten Lieder im Brontë-Repertoire war The Battle of Prague von dem recht abenteuerlichen Komponisten Franz Kotzwara (1730 – 1791). Etwas konventioneller vielleicht Charles Wesley (1707–1788) und seine christlche Hymnen, wie O For a Heart to Praise My God.. Das Brontë-Piano, das ca. 1833 / 34 ankam, gibt interessante Hinweise auf das Leben der Familie: Es muss einen hohen Stellenwert für die Brontës gehabt haben, denn
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Der Roman Jane Eyre von Charlotte Brontë und ein Artikel in der Druckausgabe der Sunday Times 06.11.11

Eine Nachricht die wir bisher nur in der Druckausgabe der britischen Sunday Times gesehen haben. Deren Onlinesausgabe ist allerdings kostenpflichtig und wir vermuten dass der Artikel nicht im Netz ist. Die Times hat, das muss man ihr lassen, öfters mal Artikel die sich vom Allerwelts-Content vieler anderer Zeitungen unterscheiden. Es geht bei dieser Story anscheinend um Folgendes: Bei dem Auktionshaus Sotheby’s ist aus Privatbesitz ein Manuskript mit 4000 Worten aufgetaucht. Der Text wurde von Charlotte Brontë in ein winziges rotes Büchlein geschrieben, ca. halb so groß wie eine Skat-Spielkarte. Der Name des Manuskripts ist angeblich ‘The Young Men’s Magazine, Number 2‘. Neue Manuskripte von den Brontë-Schwestern Anne, Emily und Charlotte sind extrem rar. Selbst wenn alle paar Jahre mal ein neuer Brief auftaucht, wird das in den englischsprachigen Nachrichten erwähnt. Ein neues Manuskript mit 4000 Worten ist eine literarische Sensation. Besonders interessant in diesem Fall ist dass es sich um eine Art Vorläufer von Charlotte Brontës Roman Jane Eyre (1847) zu handeln scheint. Weiterhin bemerkenswert ist dass dieses neue 19 Seiten umfassende Manuskript aus dem Jahr 1830 stammt. Charlotte war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Wir halten Sie auf dem Laufenden wenn wir mehr über die Story herausfinden. Oben abgebildet sind neben einem Ausschnitt des Sunday Times Artikels, eine Wordsworth Classics Ausgabe von Jane Eyre mit einer Einführung von Dr. Sally Minogue. Daneben The Brontë Story ein gutes Buch von Oxford Bookworms Library für Schüler, 72 Seiten mit vielen Infos und auch Fotomaterial über die Brontë-Familie

 

Wir schreiben gelegentlich mal was auf Englisch und hatten bei dem schon seit Jahren etablierten BrontëBlog angefragt, ob sie einen Artikel von uns veröffentlichen würden – und sie haben’s gemacht. Danke! Wir mögen BrontëBlog. Zum einen weil die Brontë-Schwestern zu unseren absoluten Lieblingsschriftstellerinnen gehören. Zum anderen weil wir Websites mögen die sich auf gewisse Bereiche spezialisieren und darin dann sehr kompetent sind – und das trifft definitiv auf BrontëBlog zu. Neben redaktionseigenen längeren Rezensionen sind hier täglich viele Links und Kommentare zu weltweiten Artikeln und Neuigkeiten über die Brontës und ihre Werke, Verfilmungen etc. Eine echte Goldgrube wenn man sich für die Brontës interessiert. Unser Artikel dort ist ein Fotobericht darüber wie wir die nach den drei Schwestern und Schriftstellerinnen Anne, Emily und Charlotte benannte Straße Calle Hermanas Brontë in Andalusien besuchten – und dort etwas vorfanden was wir nicht erwartet hatten. Außerdem ein ganz nettes Foto von einem kleinen Vogel der angeflogen kam und den Tag für uns perfekt machte. Exklusiv bei BrontëBlog

 

Jane Eyre (1874) von Charlotte Brontë ist einer unserer Lieblingsromane und wir sehen neuen Verfilmungen mit Interesse entgegen. Wir vermuten, der neue Kinofilm mit Michael Fassbender als Rochester und der Australierin Mia Wasikowska als Titelheldin Jane Eyre wird es nicht leicht haben, unsere bisherige Lieblingsverfilmung vom Sockel zu hauen: Die BBC-Fassung Jane Eyre (2005) erscheint uns so gut wie perfekt. Aber Neuverfilmungen müssen ja nicht unbedingt besser sein. Manchmal ist es auch erfreulich, vertrauten Stoff mit einem neuen Blickwinkel zu sehen. Die Geschichte vom Waisenmädchen Jane Eyre, die allen Schwierigkeiten zum Trotz ihren Weg findet und sich und ihren Prinzipien dabei treu bleibt, ist so ein vielschichtiger Roman, mit so vielen Personen und Handlungssträngen dass man immer wieder was Neues darin entdecken kann. Es verwundert allerdings dass die Neuverfilmung, die in England und Amerika (zu recht guten wenn auch nicht ekstatischen Kritiken) schon erschienen ist, in Deutschland und auch bei uns hier in Spanien erst im Dezember anläuft. Merkwürdiges Marketing, wenn bedenkt dass Brontë-Fans oft sowieso die englischen Originalversionen bevorzugen und im Dezember vielleicht eher nach der DVD-Version Ausschau halten werden um den Film (und das übliche Extramaterial, Making Of etc.) in Ruhe zu Hause zu genießen. Aber wir werden die Wartezeit schon irgendwie rumkriegen, denn als Sammler von fast allem was mit den Brontë-Schwestern zu tun hat, können wir uns auch an den kleineren Dingen im Leben erfreuen, z. B. wenn wir eine schöne ältere Ausgabe aufgabeln, siehe unser Foto oben. Zugegeben, diese exzellenten Ausgaben haben wir schon lange, aber der englische Penguin Verlag ist so ziemlich unser Favorit: Gute Covergestaltung, gutes Schriftbild und vor allem gutes und reichliches Hintergrundmaterial, oftmals 50 Seiten oder mehr an interessanten Infos zum Text. Täuschen wir uns, oder ist so etwas bei deutschen Ausgaben eine Seltenheit? Klar, kostet alles Geld, aber so arm sind deutsche Verlage nun auch wieder nicht, oder? In den seltenen Fällen, wo bei einer deutschen Ausgabe mal Extramaterial dabei ist (z. B. Johannes F. Boeckels 10-Seiten Nachwort zu seiner Übersetzung Sturmhöhe von Emily Brontë im Goldmann Verlag) ist das etwas das wir sehr zu schätzen wissen. In einem Zeitalter wo man, wenn’s sein muss, fast alles umsonst kriegen kann, sollten Verlage mehr in Unique Selling Points und Liebe zum Detail investieren, sonst geht’s denen bald wie der Musikindustrie, die jahrelang lieblose Billigheimer von CD-Ausgaben ohne Extras verscherbelte – bis Leute sich fragten: Warum eigentlich Geld für so was ausgeben? Ein paar Infos zu den oben abgebildeten Büchern.
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