My vinyl LP of 'The Köln Concert' (1975). Is it just me...or do old albums, like antiques, look better than brand-new ones? As for downloads and streaming - It reduces works of art to an ever present commodity destined to become background noise

Gute Sendung online über die Entstehung des legendären Albums ‘The Köln Concert’ (1975). Link folgt am Ende des Posts. In der Sendung spricht u. a. die damalige Konzertveranstalterin Vera Brandes, die damals erst 18 Jahre alt war. Ebenfalls zu Wort kommt Wolfgang Sandner, ein Musikjournalist der Jarrett persönlich kennt und das Buch ‘Keith Jarrett. Eine Biografie’ (2015) geschrieben hat. Im Foto ist meine Vinyl-Doppel-LP von dem Album das, mit Verkaufszahlen von etwa 4 Millionen, eins der erfolgreichsten Jazz-Alben aller Zeiten ist. Und das obwohl – oder weil? – Jarretts damaliges Konzert in der Kölner Oper unter schwierigen Umständen stattfand. In der Tat, aufgrund von Problemen mit einem nur bedingt funktionsfähigen Piano, stand das Konzert kurz davor, abgesagt zu werden. Vera Brandes bewegte Himmel und Erde um Keith Jarrett, der schon im Auto saß und wegfahren wollte, auf die Bühne zu kriegen. All dies und vieles mehr, in der folgenden Sendung. Was meine eigene Erfahrung mit dem Album betrifft, ist mir aufgefallen, dass Leute die das Album haben, oftmals nur wenige andere, oder keine anderen Jazz-LPs haben. Das trifft jedenfalls auf meine Mutter zu, bei der ich das Album erstmals kennenlernte. Die hörte ansonsten so Sachen wie ’Year of the Cat’ (1976) von Al Stewart. In anderen Worten: Ist ‘The Köln Concert’ insgeheim ein Popalbum? Gleich mehr dazu. Hören wir erst von Vera Brandes

‘Jarrett machte dann das Klavier auf und versuchte also nun zu spielen…und sagte kein Wort. Immer wieder ging er um das Klavier herum, und spielte dann immer mal wieder zwei, drei Noten. In der unteren und oberen Oktave klemmten die weißen Tasten, in der Mitte klemmten die schwarzen Tasten, und das Pedal kam nicht wieder rauf, und das Ding war komplett verstimmt. Und nach einer gefühlten Ewigkeit sagte sein Manager Manfred Eicher: Also, auf dem Klavier kann Keith kein Konzert spielen. Entweder du besorgst einen neuen Flügel oder das Konzert kann nicht stattfinden. Und ich war natürlich wie vom Blitz getroffen. Denn es war Freitagnachmittag, nach Feierabend. Der größte Star dieses Abends war der Klavierstimmer, denn diesen Bösendorfer überhaupt spielbar zu machen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Aber er hatte geistesgegenwärtig seinen Sohn mitgebracht, und die haben es irgendwie geschafft. Während ich noch telefonierte, sah ich in der Dämmerung wie Keith Jarrett ins Auto steigt und offenbar abreisen will. Und ich bin die Treppe runtergeflogen, habe die Tür aufgemacht, habe mich so auf den Holm gesetzt und guckte ihn so auf Augenhöhe an, und habe gesagt: ’Keith, if you don’t play tonight, I’m gonna be truly fucked, and I know you’re gonna be truly fucked too.’ Wir guckten uns dann gefühlte drei Minuten in die Augen…und er sagte: ’OK, I’ll play, but never forget – just for you.’ (O-Ton Vera Brandes, der damals 18-jährigen Konzertveranstalterin, im WDR-Feature)

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Aus rein musikalischer Sicht würde ich sagen, dass ‘The Köln Concert’ (1975) Merkmale von einem anspruchsvollen Popalbum eher als von einem Jazzalbum hat. Wenn ich es jemandem beschreiben müsste, der das Album noch nie gehört hat, würde ich sagen, dass diese Musik im Rahmen von relativ einfachen Akkordstrukturen nach Melodien sucht, und Melodien findet, die irgendwo im Grenzland zwischen Euphorie und Melancholie angesiedelt sind. Wenn ein konkreter Vergleich nötig wäre, würde ich sagen, dass die auf sanfte Art jazzigen Akkorde des Titellieds von ‘Year of the Cat’ (1976) und vor allem dessen Piano-Intro eine entfernte Ähnlichkeit mit ’The Köln Concert’ (1975) haben. Aber Al Stewart & Co sind nicht die einzigen die von Keith Jarrett beeinflusst wurden. Steely Dan, die vielleicht jazzigste aller Rockbands, wurden erfolgreich vor Gericht verklagt, weil der Steely-Dan-Song ‘Goucho’ (1980) starke Ähnlichkeit mit Jarretts Lied ‘Long As You Know You’re Living Yours’ (1974) hat. Aber Jarrett, der gemischte Gefühle, und anfangs sogar eine negative Meinung über ’The Köln Concert’ hatte, wird von Vergleichen mit Pop nicht begeistert sein, geschweige denn, sich geschmeichelt fühlen. Er wirkt in Interviews wie jemand, der seine Musik sehr ernst nimmt und Kommerz und Massengeschmack mit Argwohn betrachtet. Deshalb ist es wahrscheinlich schwierig für ihn, immer noch so stark mit einem einzigen Konzert identifiziert zu werden, das vor über 45 Jahren völlig spontan improvisiert wurde, und nicht als magnus opus oder auch nur typisches Werk von Jarrett konzipiert war. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass man ‘The Köln Concert’ (1975) kennen sollte, und meiner Meinung nach, als CD oder Schallplatte – wenn auch nicht unbedingt am Meer – irgendwo in greifbarer Nähe haben sollte. In dieser Form wird Musik, gezeichnet von Orten, Veränderungen und Erinnerungen, ein Teil vom Leben des Zuhörers

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Sind Sie neugierig darauf, etwas von ’The Köln Concert’ zu hören? Vor der folgenden Radiosendung, hier das Stück Part II c vom Album. Mit 6:57 Min. das kürzeste der vier Stücke auf der Doppel-LP. Das Konzert, mit einem Ticketpreis von 4 DM, fand am 24. Januar 1975 in der Kölner Oper vor einem vollen Haus mit ca. 1400 Zuhörern statt. Produktion: Manfred Eicher. Aufnahme: Martin Wieland, Toningenieur der Plattenfirma ECM, mit portablem Telefunken M-5 Tonbandgerät. Fotos: Wolfgang Frankenstein. LP-Coverdesign: B&B Wojirsch

Radiotipp – Keith Jarrett: ‘The Köln Concert’ WDR-Feature von 2020 online Hier die WDR-Sendung von Martin Herzog. Redaktion: Michael Rüger. Aus der Sendereihe ZeitZeichen. Länge ca. 15 Min.

Weitere Radio-Dokumentation Eine Sendung vom Bayerischen Rundfunk über Musikproduzent Manfred Eicher, Chef von ECM Records, Produzent von u. a. ‘The Köln Concert’ (1975). Roland Spiegel

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