Nicht ohne meine Fender!

Wann ist uns eine Stratocaster zum ersten Mal aufgefallen? Wahrscheinlich als uns damals ein älterer Schüler einen Kopfhörer mit Rory Gallaghers Bullfrog Blues vom Album Live in Europe (1972) aufsetzte. Das klang brachial und wundervoll, in einer Art wie man es heute, mit der Fähigkeit, Musik als separate Bestandteile, Bass, Schlagzeug, Gitarre etc, analytisch zu hören, nur noch selten empfindet. Die abgewetzte E-Gitarre die der sympathische Ire im karierten Holzfellerhemd auf der LP-Hülle in den Händen hielt, war also eine Stratocaster, das fanden wir ziemlich schnell heraus. Dann sah man sie auf einmal überall: Ritchie Blackmore, David Gilmour, Hendrix, Steve Hillage und auch bei ein paar guten Deutsch-Rockern wie Peter Wolbrandt von Kraan und Michael Karoli von Can. Allerdings besaß niemand in der Schule eine Strat, und selbst im örtlichen Musikgeschäft gab es keine. Als bei uns mal ein Gitarrenkatalog von Framus die Runden machte, der auch eine hellblaue Stratocaster-Kopie enthielt, war das so als ob jemand heute mit einem iPad zur Schule kommt: Wow, sarf ich mal kurz ansehen? Es gab damals ja noch nicht an jeder Ecke oder im Netz Gitarren zu sehen. Es gab auch längst noch nicht so viele verschiedene Marken. Heute ist die Gitarren-Vielfalt und Konkurrenz gigantisch und Dutzende neuere Marken, teils mit aufwendigen Sponsorship-Deals versuchen, Status und Mythos zu erlangen. Aber erstaunlicherweise hat die Stratocaster es, mehr als jeder Newcomer, immer wieder geschafft, Musiker zu finden die mit ihr einen Platz im Rock-Pantheon eroberten: Als Rockmusik Ende der 70er in einer Sackgasse war, kam z. B. Mark Knopfler von Dire Straits mit frischen Stratocaster-Klängen auf Liedern wie Sultans of Swing, das seiner Zeit sehr innovativ klang. In den 80er Jahren war es U2s Gitarrist Edge der auf der Stratocaster mit atmospärischen Klangbildern auf Liedern wie Bad, Pride oder Where the Streets die Rolle der Gitarre ziemlich neu definierte. In den 90ern bewies John Frusiciante dass man, außer einer Stratocaster, Bass und Schlagzeug à la Chili Peppers, kaum weitere Zutaten braucht um Hitalben zu machen. Chili-Lieder wie Under the Bridge und Scar Tissue zeigen dass die Strat auch ohne Effekte gut klingt Und als wir stichprobenweise nachsahen, was jüngere Bands heute spielen, fanden wir prompt, was wohl, die Stratocaster bei Bands wie den Arctic Monkeys. Kann es Zufall sein dass in der Rockmusik zwei Marken (die andere ist Gibson auf die wir demnächst in einer anderen Serie eingehen) so dominieren? Oder erreicht jedes Handwerk, jede Kunstform, jedes Design irgendwann seinen Zenith? Ähnlich wie Porsche und Ferrari immer noch Goldstandard für klassisches Sportwagen-Design sind. Apropos Sportwagen: Bei Recherche und Auswahl für die Top-10 Gitarristen die für ihre Verbindung mit der Stratocaster bekannt sind, fiel uns auf dass ein gewisser Mr. Clapton als Dienstwagen auf dem Weg zum Studio (siehe CD+DVD Sessions for Robert J ) einen silbernen Porsche Carrera fährt, um dann auf seine Stratocaster, Model ‘Crash‘ umzusteigen die ein Graffiti-Künstler für ihn entwarf. Nur kein Neid, sagen wir uns. Geld ist nicht alles. Zu Beginn dieser Serie also Eric Clapton, seine besten Lieder, seine legendären Fender-Gitarren Blackie und Brownie und einiges spezifisch über die Geschichte der Stratocaster, ein Designklassiker von dem wir schätzen dass er bald als dezentes Statussymbol in der Wohnzimmerecke einiger Leser stehen wird, denn eine Fender Stratocaster ist ja meistens, wenn auch nicht immer, billiger als ein Porsche

Sind Eric Claptons Stratocasters die teuersten der Welt? So ziemlich: Claptons Stratocaster namens ‘Brownie‘ wurde im Jahr 1999 für fast 500.000 Dollar versteigert. Claptons schwarze Stratocaster namens ‘Blackie‘ (Bild eines Tribute Models, sprich: sehr exakte Kopie) ging 2004 für 959.500 Dollar unter den Hammer. Wir schätzen, dieser Rekord könnte möglicherweise gebrochen werden wenn wieder eine Stratocaster von Jimi Hendrix auf den Markt kommt. Die berühmte weiße Woodstock Strat von Hendrix wurde Anfang der 90er Jahre zwar für ‘nur’ 198.000 Dollar versteigert, aber zu einem späteren Zeitpunkt privat für angeblich 750.000 Dollar weiterverkauft. Auch wenn irgendwann, oder jemals, gut bekannte Gitarren wie eine ‘Les Paul‘ oder eine Double Neck Gibson, z. B. von Jimmy Page auf den Markt kommen sollten, werden sicher wieder Rekorde gebrochen. Was die Preise in 20, 50 oder 100 Jahren sein werden, steht in den Sternen. Wir halten Mondpreise á la Stradivarius-Geigen nicht für ausgeschlossen

Was war besonders am Gitarren-Design des Erfinders Leo Fender? Das Design der Stratocaster ist so zum Inbegriff der E-Gitarre geworden dass man fast vergisst dass eine Gitarre keineswegs so ausehen muss. Zum Beispiel die cutaways, die beiden Einschnitte die der ‘Stratocaster‘ quasi Hörner verpassen und ermöglichen dass man an die höheren Noten des Griffbretts rankommt – das war nicht vom klassischen Gitarren/Geigen-Design beeinflusst, das war neu. Es ist heute schwierig nachzuempfinden, wie modern die Stratocaster wirkte als sie 1954 erschien. Selbst als wir das Ding in den 70er Jahren zum ersten Mal im Laden sahen, wirkte es wie ein Sci-Fi-Artefakt. Selbst andere Fender-Gitarren wie die ‘Telecaster‘ (die z. B. von Bruce Springsteen benutzt wird), wirken schlicht dagegen. Im Gegensatz zur Tele, sind die Konturen der Strat nicht flach und eckig wie ein Brett sondern bekommen durch ihre Rundungen ein dreidimensionales Design das sich dem Körper des Gitarristen anschmiegt. Was die Technik der Stratocaster anbelangt, ließ Leo Fender (1909-1991) sich damals von Profi-Studiomusikern beraten und gab der Stratocaster daraufhin drei statt der üblichen zwei Tonabnehmer, was mehr Klangvariationen ermöglichte. Die Musiker hatten gemerkt dass man den Kippschalter für die drei Tonabnehmer per Streichholz in einer Position halten konnte, die eine Mischung aus den pick-ups ergab. Der daraus resultierende Klang ist im wesentlichen was den markanten out of phase Klang der Stratocaster ausmacht. Wenn einige Frequenzen durch tonale Überschneidung neutralisiert werden, entsteht jener kristallklare, klassische Ton der Stratocaster. Leo Fender (schönes Bild) erzielte ihn, ohne Streichhölzer, mit einem neuem Kippschalter der 5 verschiedene Positionen und Klangmischungen abrufbar machte. Leo Fender, der im Kalifornien der späten 40er Jahre einen Radio-Reparaturladen hatte, spielte selber nicht Gitarre, war aber jemand der aufmerksame Augen und Ohren dafür hatte was Musiker brauchen. Es schmälert Leo Fenders Status nicht  wenn wir auch einen seiner Hauptmitarbeiter erwähnen, den kürzlich verstorbenen (und gitarrespielenden) George Fullerton (1923-2009) der bei der Arbeit an der Stratocaster maßgeblich beteiligt war

Eric Clapton: Was gefällt uns an seinem Gitarrenstil und Ton? In einem Wort: Understatement. Also, eine gewisse Schlichtheit die nicht mit Gimmicks protzt. Obwohl Eric Clapton, mit dem Power-Rocktrio Cream (LP-Cover, Clapton rechts im Bild), als einer der Erfinder von Hardrock gilt, unterscheidet sich sein Stil von fast allen späteren und heutigen Rock / Metal-Bands: Clapton war nicht der Erfinder der Gitarrentechnik der distortion, also der Verzerrung des Gitarrentons, wobei mehr Obertöne und somit ein dichterer Klang erzeugt wird, aber er war einer der Pioniere. Während diese Technik von Metalbands heute meist hochgradig und ohne Unterlass verwendet wird um monumentale, sägezahnähnliche Klänge zu erzeugen, setzt Clapton Verzerrer-Effekte eher spärlich und ansatzweise ein, um einen wärmeren, leicht gedämpften Gitarrenton zu erzeugen der, in der Tat, seiner Gesangsstimme ähnelt. Bei Claptons Musik empfinden wir jene eher seltene Übereinstimmung von Kunst und Künstler: Clapton (Foto, 1974 als Soloartist) scheint nicht, wie so viele Rockstars, eine aufgesetzte, manische Persönlichkeit anzunehmen sobald er mit jemandem redet, sondern kommt bei Interviews (z. B. im Radio) als nachdenklicher, ziemlich selbstkritischer Mensch rüber. Dadurch wirkt eine Musik nicht so sehr wie ein Produkt sondern wie ein Teil von ihm selbst. Vielleicht ist das ein Faktor bei der großen Loyalität seiner Fans. So geht es uns jedenfalls

Stimmt es dass Clapton einmal seine Gitarren verpfänden musste? Clapton hat nie ein Geheimnis daraus gemacht dass er neben den künstlerischen und kommerziellen Erfolgen auch lange Phasen lebensbedrohlicher Drogenexzesse und Drogenabhängigkeiten hatte. Zu den bizarren, nicht gänzlich unglaubwürdigen Geschichten die sich um Clapton ranken, gehört dass er in den frühen 70er Jahren, bevor der kommerzielle Erfolg richtig eingesetzt hatte, zu einem Zeitpunkt einige Gitarren ins Pfandhaus bringen musste um die Drogendealer zu bezahlen. Abhängigkeiten von anderen, leichter erhältlichen Drogen wie Alkohol folgten später. Wir beziehen uns in diesem Artikel zum Teil aber nicht ausschließlich auf Claptons exzellente und lesenswerte Autobiografie ‘Mein Leben‘ (2008). Etwas das anderen Leuten mit Drogenproblemen Hoffnung geben könnte, ist die Tatsache dass Clapton Hilfe suchte und sie von der Organisation Anonyme Alkoholiker und dem sog. Zwölf-Schritte-Programm bekam. Nach eigenen Angaben lebt Clapton seit über 20 Jahren drogen- und alkoholfrei und sieht seinen Kontakt und seine Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen wie Anonyme Alkoholiker heute als einen der wichtigsten Teile seines Lebens. Ein Grund warum wir Clapton das abnehmen, sind u. a. die traurigen Begebenheiten im Zusammenhang mit seinem weltberühmten Lied Layla, die wir folgenden Absatz erläutern

Layla: Was steckt hinter Eric Claptons berühmtesten Lied? Wir erinnern uns wie Layla in den 80er Jahren in England durch einen Werbespot für Opel, die dort Vauxhall heißen, wieder ins Rampenlicht kam, mit dem berühmten 7-Noten Gitarren-Intro: Da-da-da-dada-da daah. Opel fahrende Redaktionsmitglieder haben wir auch! Und n den 90er Jahren erschien Laylas romantisches Piano-Coda in Scorseses Mafia-Epos ‘Goodfellas‘ (1990). Die persische Legende von Majnun der aufgrund der nicht realisierbaren Liebe zu Prinzessin Layla im Wahnsinn versinkt, hörte Clapton anscheinend Ende der 60er von einem Bekannten der sich für die Sufi-Religion interessierte und mit dem Clapton in London arabische Restaurants besuchte. Obwohl Clapton damals mit einer jungen Aristokratin namens Alice verlobt war, die mit ihrer Schönheit und Vorliebe für arabische Kleider auch etwas in die Layla-Rolle zu passen scheint, schrieb Clapton das Lied angeblich für Pattie Boyd, die damalige Ehefrau von Beatle George Harrison. Clapton hatte Pattie Ende der 60er bei einer Party getroffen und Layla spiegelt den Zwiespalt den Clapton durch die hoffnungslose Liebe zur Ehefrau seines besten Freundes fühlte. Einen traurigen Aspekt bekommt Layla auch dadurch dass Clapton es Jahre später zwar schaffte, Pattie Boyd zu heiraten, die Ehe aber nicht sehr glücklich gewesen zu sein scheint: Sie blieb kinderlos und endete angeblich in diversen Drogenabhängigkeiten von Eric und Pattie. Auch die junge Aristokratin Alice wurde drogensüchtig und starb 1995 mit 42, anscheinend verarmt, an einer Überdosis Heroin. ‘Layla ist ein Märchen ohne Happy End

Warum hatte Layla anfangs keinen kommerziellen Erfolg und ist heute ein Rockklassiker? Das Album ‘Layla and other assorted Lovesongs‘ (1970) das neben dem Titellied 13 andere Lieder auf zwei Vinyl-LPs enthielt, hatte zur Zeit seiner Veröffentlichung erstaunlicherweise wenig kommerziellen Erfolg. Grund? Mitunter weil Clapton es nicht unter seinem eigenen, sondern dem völlig unbekannten Namen ‘Derek and the Dominoes veröffentlichte, siehe LP-Cover mit Pattie Boyd ähnlichem Porträtgemälde. Clapton wollte dass dieses Album, das ihm viel bedeutete, nur anhand der Musik beurteilt würde. Selbst als die Derek-ist-Eric-Geschichte bekannt wurde, weigerte er sich, verkaufsförderende Interviews zu geben. Lange, vielschichtige Lieder wie Layla die heute allgemeinen Klassikerstatus haben (siehe auch Zeppelins Stairway), wurden damals noch als underground Musik und nicht als Radio- oder Hitmaterial angesehen. Neben Layla schrieb Clapton auch die Lieder I Looked away und ‘Bell Bottom Blues‘ (das wir fast noch schöner als Layla finden) für Pattie, die Clapton anscheinend gebeten hatte, ihr eine Schlaghose, auf englisch bell bottoms genannt, von einer Marke aus Amerika mitzubringen.

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Der hoffnungslose Romantiker Eric machte sogleich eine ekstatische Liebeshymne daraus. Manchen Leuten kann man nicht helfen. Heute gehört das Album Layla zu unseren 20, vielleicht sogar 10 Lieblings-Rockalben aller Zeiten und wir hören es öfters. Auffällig ist dass das Album einen ziemlich homogenen ‘live-gespielten’ Klang hat. Es klingt nicht, wie so viele Rockalben, nach jahrelanger Studio-Flickschusterei und Liederauswahl durch Marketing-Komitees. Das Zusammenspiel von Clapton und Gitarrist Duane Allman, der nach den Aufnahmen bei einem Motorradunfall verstarb, ist bemerkenswert: Es klingt teils sehr ausgeklügelt, teils völlig improvisiert und euphorisch. Ein interessanter musikalischer Aspekt von Layla ist dass es mit seinen synkopierten, Moll-lastigen Akkordfolgen – ähnlich wie es bei Flamenco der Fall ist – tatsächlich entfernte Anklänge an arabische Musik hat. Zufall, Absicht, Intuition? Für uns klingen die von Opiaten beflügelten, abgehobenen Gitarrensolos wie heulende Wüstenwinde und wiehernde Pferde. Layla ist ein ungewöhnliches, faszinierendes Lied. Im nächsten Absatz stellen wir weitere Höhepunkte des Albums vor

Möchten Sie unserer 14 Lieblingsmomente auf dem Album kennenlernen? Sie haben es so gewollt:
1.  I Looked Away‘ Die ineinander verzahnten Gitarrenharmonien von Clapton & Duane Allman ab 1: 53 Min.
2. ‘Bell Bottom Blues‘ Der Tonartwechsel zu A-Dur bei 0: 41 gibt dem Refrain einen besonderen Schub
3. ‘Keep on Growing‘ Das langsame Riff ab 0:01 ist ein guter Kontrast zum schnellen Hi-Hat das einsetzt
4. ‘Nobody Knows you Claptons Stimme reflektiert ab 0:20 stoisch und resigniert das Blues-Sentiment
5. ‘I Am Yours‘ Wenn sich bei 0:05 zu diesem akustischen Lied ein paar schön gespielte Kongas gesellen
6. ‘Anyday‘ Wenn zu den Hammond-Orgeltönen bei 0:17 ein starkes Slidegitarren-Riff dazu kommt
7. ‘Key to the Highway‘ Die zwei verschiedenen Solo-Gitarren von Clapton & Allman hört man gut bei 0: 59
8. ‘Tell the Truth‘ Party-Stimmung mit Uh! und Ahh ab 0:03. Auch die Slide-Gitarre ab 0:12 klingt stark
9. ‘Why does Love got to be so sad?‘ Carl Radles funkige Bass-Line ab 0:08. Chili-Peppers-Cover bitte!
10. ‘Have you ever loved a Woman‘ Ab 0: 01einer der besten, fettesten Gitarrenklänge auf dem Album
11. ‘Little Wing‘ Trommelwirbel ab 0:14 als Einleitung zu Hendrix-Cover. Durchgehend melodischer Bass
12. ‘It’s too late‘ Gute Backing-Vocals ab 1: 02 von Keyboarder Bobby Whitlock, und auf dem ganzen Album
13. ‘Layla‘ Die mehrfachen Tonartwechsel zwischen Vers und Refrain (z.B. bei 0: 40) waren in Rockmusik damals etwas ungewöhnliches, uns fällt auf Anhieb kein Beatles oder Stones-Lied dieser Art ein. Die Refrains bekommen durch die sieben 1/8 Noten des Gitarren-Intros zudem eine spannende, starke Betonung des ersten Taktschlags: Lay-LA-A-A. Die Slide-Gitarrenklänge von Duane Allman ab 2: 22 klingen so ekstatisch dass Clapton daraufhin total abzuheben scheint und – wie ein Cowboy in einem surrealistischen Western? – ein Dutzend mal Ho-Ho-Ho-Ho ruft. Chaos! Nach Laylas klassizistisch angehauchtem langen Piano-Coda (ab 3:11) wirkt das folgende Lied 14. ‘Thorn Tree in the Gardenmit akustischer Gitarre und Flagolet-Tönen wie eine Insel der Ruhe und Vernunft und ist ein guter Abschluss. Wir empfehlen ’Layla and other assorted Lovesongs’ (1970) als CD, MP3 oder Vinyl LP zu kaufen.

Albumcover mit Claptons legendären Stratocasters Blackie & Brownie? Als wir vor einiger Zeit Layla & Other assorted Love Songs (1970) im LP-Format kauften, fiel uns das Manko des CD-Formats besonders auf. Für uns zählen gute Albumcover zum Genre Pop-Art – aber der künstlerische Aspekt von LP-Hüllen geht auf den 13 x 13 cm von CDs meist verloren. Die Layla-LP ist eins der fünf, sechs Albumcover die bei uns permanent auf dem Kaminssims stehen, als Dekoration, so wie bei Ihnen Zuhause der Röhrende Hirsch, lieber Leser. Ist ja nicht schlimm! Obwohl wir die Vorderseite der LP mit dem Gemälde gut finden, prangt bei uns natürlich die Stratocaster die auf der Rückseite des Albums abgebildet ist. Die ‘56 Fender im feurigen Tobacco-Sunburst-Farbton ist Claptons berühmte’ ‘Brownie’ die, wie eingangs erwähnt, bei der Auktion ca. 500.000 Dollar erzielte und die Clapton auf dem Layla-Album spielte, Im Vinyl-Format ist Brownie nicht nur vier mal größer sondern, aufgrund des ungünstigen CD-Layouts, sogar zehn mal größer zu sehen. Brownie ist auch auf Claptons erstem, nur 6 Monate vor Layla veröffentlichtem Solalbum ‘Eric Clapton‘ (1970) abgebildet, zusammen mit…wir glauben, es sind Teppichrollen. Warum auch nicht? Heute steht Claptons legendäre Brownie jedoch im EMP-Museum von Seattle. Claptons Haupt-Gitarre nach der Brownie-Layla-Zeit, war eine Fender die sich Clapton eigenhändig aus drei Stratocasters zusammenbaute und zu seiner Hauptgitarre für die nächsten 12 Jahre werden sollte: Blackie, die schwarz lackierte ‘56 Stratocaster aus Erlenholz mit einem Hals aus hellen Ahorn. Blackie sieht man z. B. auf dem Cover von ‘Slowhand‘ (1977), komplett natürlich nur im aufklappbaren LP-Format, wir schauen gelegentlich nach ob Clapton immer noch den G-Dur-Akkord spielt. Blackie ist auch auf den Alben ‘Backless‘ (1978), ‘Just One Night‘ (1980), ‘Time Pieces‘ (1982) und im Detail, mit allen glorreichen Kratzern, auf dem 4-CD-Box-Set ‘Crossroads 2 – Live in the Seventies‘ (1996) zu sehen. Amazon-Links folgen am Ende des Artikels. Natürlich haben wir das Layla-Album auch auf CD, fürs Auto etc. Und um fair zu sein, in dem aufklappbaren CD-Booklet ist das Bild von Claptons Fender Brownie in besserer Größe zu sehen

Fender Stratocaster im Kino? Wer sich für Gitarren interessiert, erspäht sie natürlich nicht nur bei Clapton. Die Stratocaster taucht, außer in Konzertfilmen wie Woodstock etc. gelegentlich auch in Spielfilmen auf. Meist im Hintergrund, z. B. wenn eine Musikeinlage mit Band zu sehen is. Aber wir haben für Gitarren-vernarrte Leser, einsame Bastler & Schrauber und sämtliche weltfremden Mitbürger einen Film gefunden, in dem die Stratocaster sogar kurz die Hauptrolle spielt. In Wayne’s World (1992), YouTube Clip,  ist eine Szene die den ganzen Irrsinn veranschaulicht: Wayne geht mit Cassandra in eins dieser Gitarrengeschäfte in dem zynisch-missmutige Verkäufer, die wissen dass man nur spielen will und nicht kaufen kann, schon die Augen verdrehen wenn man durch die Tür spaziert. Hat jeder junge Gitarren-Freak schon mal erlebt. Als Wayne zur weißen Stratocaster in der Glasvitrine kommt, geht er wie ein Ritter vor dem m strahlenden Gral in die Knie, zieht einen imaginären Mantel vor’s Gesicht und flüstert: Excalibur. Dann fangen die beiden an zu fachsimpeln: dies sei eine ‘64 Stratocaster aus der Prä-CBS-Epoche und dass sie den Steg anheben würden um das Schnarren der tiefen E-Saite zu beheben etc. Der ganz alltägliche Wahnsinn

Interessante Filme mit Clapton-Soundtracks? Ausser in Konzertfilmen wie Martin Scorceses ‘The Last Waltz‘ (1978) wo Eric in Person spielt, taucht seine Music in einigen recht empfehlenswerten Filmen auf. Das Lied Tears in Heaven erscheint im Drogen-Thriller ‘Rush‘ (1991), in dem übrigens Gregg Allman, Bruder des Guitarristen Duane Allman mitspielt. Das Lied Strange Brew aus Claptons Zeit mit dem Rock-Trio Cream ist in dem Drogen-Thriller Blow (2001) zu hören. Drogen werden in diesen Filmen nicht übrigens verherrlicht sondern als Anfang vom Ende gezeigt. Unser Geheimtipp, was Clapton-Soundtracks anbelangt, ist jedoch der britische TV-Thriller ‘Edge of Darkness (1985) für den Clapton spannende Gitarrenklänge produzierte. Diese BBD-Serie ist ein starker Verschwörungs-Krimi um die Atomindustrie. Mel Gibson, der das Lied ‘It’s probably me’ mit Sting und Eric Clapton in ‘Lethal Weapon‘ verwendete, drehte ein passables Remale von Edge of Darkness, aber das Original ist besser

Fenders Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Wir sprachen heute hauptsächlich über klassische, sog. vintage Gitarren der 50er und 60er Jahre. Das Ding ist dass Gitarren aus diesen Jahren, und das gilt nicht nur für Fender sondern auch Gibson, für viele Leute als die besten gelten. Ist der Hauptgrund dafür, jener Mythos den berühmte Gitarristen mit diesen Gitarren damals erzeugten? Die Firma Fender wurde 1965 vom CBS-Fernsehkonzern gekauft, was sich aus der Sicht vieler Gitarristen, zwar nicht sofort, aber im Laufe der Jahre, durch Sparmaßnahmen negativ auf die Gitarren auswirkte. Unter Gitarren-Sammlern gelten heute wohl die Jahrgänge 1954-1972 als die beliebtesten. Aber das Blatt wendete sich als eine Gruppe von Firmenangestellten um Bill Schultz (1926-2006), den viele Gitarristen als Fenders Retter sehen, die Firma von CBS zurück kaufte und auf beherzte Weise wieder auf Vordermann brachte. Heute ist die Marke tatsächlich wieder in guter Verfassung und braucht technisch und qualitativ den Vergleich mit Vintage-Gitarren kaum zu scheuen. Neue Fender-Modelle verändern zum Glück nicht die geniale Grundform der Stratocaster, aber es gibt, wahlweise, technische Neuheiten wie SCN (Samarium Cobalt Noiseless) Tonabnehmer oder die digitale ‘VG Stratocaster (gutes Demo) mit mehreren direkt abrufbaren Klängen (z. B. Telecaster-Klang / Humbucker-Klang / Akustikgitarren-Klang etc.) und verschiedenen tunings, also Stimmungen der Gitarrensaiten die automatisch abgerufen werden können, wie z. B. DADGAD statt der Standard-Stimmung EADGHE etc. Welche Gitarren werden in 10, 20, 30 Jahren als Klassiker gelten? Das entscheiden, dank des tausendfachen Angebots von neuen und alten Instumenten, wie immer die Spezialisten: Nämlich Kunden und Gitarristen. Und vielleicht auch der eine oder andere zukünftige Rockklassiker der gerade irgendwo in dieser Welt von einem einsamen Gitarristen geschrieben wird

Was geschah mit dem Millionenerlös vom Verkauf von Claptons Gitarren? Die 959.500 Dollar von Blackies Verkauf, ebenso wie der frühere Verkauf von Brownie, der zusammen mit ca. Hundert anderen von Erics Gitarren über 4 Millionen Dollar Erlös einbrachte, gingen an das Drogenentzug-Projekt Crossroads

Mitgestaltungsmöglichkeit für Leser in dieser Serie? Leser die eine schöne alte Stratocaster besitzen und uns ein Foto und etwas über die Geschichte und Eigenheiten ihrer Strat schicken wollen, sind willkommen.

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Avenita Kulturmagazin