Von Markneukirchen nach Woodstock

We took a pic of Dylan's Martin D-28 acoustic guitar at the Hard Rock Cafe, Barcelona. Played on the 1974 tour with The Band. There were solo spots with acoustic guitar, songs like Just Like A Woman, to be heard on the LP Before the Flood

Bier ist nicht billig in diesen Restaurants aber wir gleichen das mit Fotos von coolen Gitarren aus. Das Modell D-28 von der Marke Martin ist ohnehin ein Mega-Klassiker aber die Dylan-Connection macht die Gitarre links im Bild sehr wertvoll. Um eine Vorstellung zu geben: Eine Stratocaster die Dylan 1965 in Newport spielte wurde für $965,000 versteigert und war somit bis dato die teuerste E-Gitarre der Welt. Wir haben Dylan zweimal im Konzert gesehen, er ist nebst Legende und Liederschreiber par exellence auch ein guter Gitarrist. Heute sieht man ihn live eher mit E-Gitarren aber seine Karriere begann mit Akustikgitarren, sie sind auf mehreren seiner LP-Cover zu sehen. Beispiele folgen. Bob Dylan spielte verschiedene Marken aber eine Martin war, wie wir seinem Buch Chronicles (2004) entnehmen, seine erste Akustikgitarre, eine Martin die er 1959 in Minneapolis kaufte. Sie steht heute in Seattle, im EMP-Musikmuseum von Microsoft-Mitgründer Paul Allen. Die Martin 00-17, hier ein Foto von einer anderen aber optisch identischen Gitarre vom gleichen Modell, ist rundum aus dunklem Mahagoni. Wir kommen gleich zu der Martin D-28 in unserem obigen Foto – die Gitarre hat eine Verbindung zu einem spezifischen Event – aber kurz zuvor ein chronologischer Blick auf andere Akustikgitarren die Dylan spielte. Auf dem LP-Cover des Debütalbums Bob Dylan (1962) ist er mit einer Gibson J-50 zu sehen. Die nächste Gitarre die auf einem Dylan-LP-Cover auftaucht ist eine Gibson J-200 auf Nashville Skyline (1969). Dylan hatte diese Gitarre von Beatle George Harrison bekommen und spielte sie auch auf dem Isle of Wight Festival. Es wäre klischeehaft, andauernd Fotos von Dylan mit Gitarre auf LPs zu haben, das nächste Cover mit Gitarre kam tatsächlich erst Jahre später auf dem Livealbum Real Live (1984), hier ist Dylan mit einer Washburn EA-20 zu sehen. Wie Gibson und Martin, ist Washburn eine amerikanische Firma mit Wurzeln im 19. Jahrhundert. Das nächste und bis dato letzte Studioalbum auf dem man Bob Dylan mit Akustikgitarre sieht ist Time Out Of Mind (1997), weitgehend als eins seiner besten späteren Alben bewertet. Die Gitarre ist auch interessant, eine Gibson L-00, ein kleines, schwarzes Modell aus den 1930er Jahren.

Soweit ein Überblick auf einige seiner anderen Akustikgitarren, jetzt zu Dylans Martin D-28 im Hard Rock Cafe von Barcelona. Auf der Infotafel rechts im Foto steht dass Dylan diese Gitarre am 30. und 31. Januar 1974 in Madison Square Garden, New York spielte. Dies waren Konzerte von einer Tour die als Comeback gefeiert wurde weil Dylan über 7 Jahre lang nicht auf Tour gewesen war. Er war in diesem Zeitraum nur zwei, drei mal aufgetreten, wie bei George Harrisons Concert for Bangladesh in 1971. Dylans Comeback-Tour von 1974 war ein großer Erfolg und wurde auf der Live-Doppel-LP Before the Flood (1974) verewigt. Auf dem Cover ist keine Gitarre sondern ein Lichtermeer aus Feuerzeugen, aber dies eine seiner besten Liveaufnahmen, nicht zuletzt weil er zusammen mit der legendären Rockgruppe The Band spielte. Bei diesen Konzerten gab es auch einen Dylan-Solospot bei dem er nur mit Akustikgitarre und Mundharmonika fünf Lieder spielte, nämlich Don’t Think Twice, It’s All Right, Just Like a Woman und It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding), drei Lieder die auf dem Album sind. Plus The Times They Are A-Changin’ und Gates of Eden, die nicht aufs Album kamen. Vom dem Livealbum Before the Flood (1974) ist leider so gut wie nichts auf YouTube, nur ein paar Bootleg-Sachen und Privataufnahmen von geringer Bild- und Tonqualität, wie hier bei einem Clip von Dylans 1974-Solospot mit Gates of Eden und Just Like A Woman. Einen besseren Blick auf Dylan mit seiner Martin D-28 Akustikgitarre bekommt man beim Concert for Bangladesh, hier Dylan & George Harrison live mit dem Lied If Not For You. Dylans Verbindung mit diesem Gitarrenmodell wurde auch in späteren Jahrzehnten fortgesetzt, er spielte es auf dem Album Bob Dylan Unplugged (1995) auf dessen Cover etwas von der D-28 zu erkennen ist, aber man sieht die Gitarre viel besser im MTV Live-Clip von Dylan mit dem Lied Like A Rolling Stone. Insgesamt gibt es kaum ein Gitarrenmodell das auf mehr Rock, Folk und Country-Alben zu hören ist als die Martin D-28, denn sie wurde auch von anderen Musikern wie Jimmy Page, Neil Young, Stephen Stills, Johnny Cash, Elvis Presley und Hank Williams gespielt.

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Vielleicht wird es den einen oder anderen Leser erfreuen dass der Mann nach dem die legendäre Martin D-28 Gitarre benannt ist, aus dem Freistaat Sachsen stammte. Der Gitarrenbauer Christian Frederick Martin (1796-1873) wurde in Markneukirchen im sächsischen Vogtland geboren und wanderte, wie viele Deutsche im 19. Jahrhundert nach Amerika aus. Er war damals um die 37 Jahre alt und eröffnete in New York eine Gitarrenwerkstatt. Sein Ur-Ur-Ur-Enkel CF Martin IV leitet heute eine Firma deren Gitarren auf vielen LP-Klassikern, Festivals wie Woodstock – und auf Konzerten und Alben von Bob Dylan zu hören sind.

Mehr von uns über Dylan  Unser Blogpost über Bob Dylans Motorrad: Triumph Tiger 100 in Woodstock

Und Martin-Gitarren  Unser Artikel über die Martin D-28 von Hank Williams und den Film ‘I Saw the Light’

Avenita Kulturmagazin

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