BBC-Radiotipp Sprache & Abstraktion: Von Menschen zu Göttern

'Sapiens: A Brief History of Humankind' by historian Yuval Noah Harari is on BBC radio as audiobook. He mentions the Hohlenstein lion figure from ca. 35.000 BC as early sign of the ability to create fictional entities. The start, not just of gods and legends but also abstract ideas like states & money

Das Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit (2011) von dem Historiker Yuval Noah Harari kann momentan online als Audiobook gehört werden. Link am Ende des Posts. Es beschäftigt sich mit der Frage warum die Menschheit, die vor 70.000 Jahren noch eine relativ unbedeutende Gruppe von Lebewesen auf der Erde war, innerhalb von nur wenigen Zehntausenden von Jahren zur dominanten Spezies wurde. Viele Tierarten sind uns körperlich weit überlegen. Die entscheidenden Stärken der Menschheit haben hauptsächlich etwas mit der Entstehung und Entwicklung von Sprache zu tun. Tiere haben ebenfalls Kommunikationssysteme, was Menschen und menschliche Sprachen unterscheidet ist ihre Abstraktionsfähigkeit. Kurz gesagt: Wir können über Dinge sprechen die nicht existieren, die wir erfunden haben oder zukünftig erfinden werden. Seien es Mythen, Legenden und Religionen oder moderne Konzepte wie Soziale Netzwerke. Vieles was wir als handfeste Fakten ansehen, ist ein imaginäres Konstrukt, wie zum Beispiel Geld oder Staaten. Diese Dinge beruhen auf Ideen und Regeln auf die sich Menschen im Laufe der Zeit geeinigt haben. Vorläufer von der menschlichen Bereitschaft, sich auf spätere Konzepte wie Menschenrechte zu einigen, bestimmte Regeln zu respektieren und mit anderen Menschen zu kooperieren, waren einst die Mythen und Religionen. Menschen, mit ihrer Fähigkeit zur Abstraktion, konnten Geschichten und Figuren erfinden, die bestimmte Ideen verkörperten. Erfindung heißt in diesem Sinne nicht Lüge denn Legenden und Religionen sind im Prinzip eine Art, die Welt zu erklären, mit den jeweiligen Worten und Bildern zu denen Menschen eines bestimmten Zeitalters einen Bezug haben.

Wie gelang es Homo Sapiens, Städte mit Zehntausenden Einwohnern und Riesenreiche mit Millionen von Untertanen zu gründen? Sein Erfolgsgeheimnis war die fiktive Sprache. Eine große Zahl von wildfremden Menschen kann effektiv zusammenarbeiten, wenn alle an gemeinsame Mythen glauben. Jede großangelegte menschliche Unternehmung ist fest in gemeinsamen Geschichten verwurzelt, die nur in den Köpfen der Menschen existieren. (Aus ‘Eine kurze Geschichte der Menschheit’ 2011)

Der Unterschied zwischen Kunst und Religion ist nicht so groß wie es auf Anhieb erscheint. Heutzutage hat die millionenfache Verehrung von bestimmten Künstlern, Musikern, Büchern, TV-Serien, Filmstars etc. in der Tat quasi-religiöse Züge. Soweit mein Versuch, einige Ideen von Yuval Noah Harari in einem Post zusammenzufassen. Ich wählte obiges Bild, eine künstlerische Darstellung vom Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel, weil Harari diese Figur erwähnt. Obwohl nicht feststeht, ob die Figur männlich oder weiblich ist, sieht Harari die ca. 35.000 Jahre alte Figur aus einer Höhle in Baden-Württemberg als einen der frühesten Artefakte die menschliche Abstraktionsfähigkeit zeigen. Es ist die Erfindung eines Wesens das nicht in der Welt exisitert aber das dennoch einen hohen Stellenwert gehabt haben muss. Solche Figuren verkörpern einen ideellen Wert, möglicherweise den Anfang der Menschheit, von der seltsamen Art wie wir sie heute mit allen ihren guten und schlechten Seiten kennen

 

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Hörbuch Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit (2011) Lesung von Jürgen Holdorf online

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