Unsere Taschenbuchausgabe von 'Inside Out' (2004). Autor Nick Mason, zweiter v. links, auf 'Meddle' (1971) Innencover

Ich fand Inside Out: A Personal History of Pink Floyd (2004) ein interessantes und gut geschriebenes Buch. Ich nahm Nick Masons heutigen Geburtstag zum Anlass, nochmal reinzuschauen und ein paar Zeilen über das Buch zu schreiben. Nick Mason kommt als recht offenherziger, entspannter Typ mit einem trockenen Humor rüber. Gut möglich, dass der Schlagzeuger der beste Kandidat ist um über die Band zu schreiben. Gitarrist David Gilmour und der verstorbene Keyboarder Richard Wright wirkten immer sehr introvertiert. Bassist und Textschreiber Roger Waters hingegen schien zwar nie schüchtern oder um Worte verlegen, aber ich bin nicht sicher, ob er Lust hätte, so detailliert auf die Vergangenheit von Pink Floyd einzugehen. Als ich das Buch zum ersten Mal las, konzentrierte ich mich auf die Kapitel über die 70er Jahre, wie die Entstehung von Alben wie Meddle, Dark Side of the Moon und The Wall. Diesmal warf ich einen genaueren Blick auf die Kapitel über die Wurzeln von Pink Floyd im London der 60er Jahren. Obwohl die Band talentiert war, spielte auch der Faktor, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein eine Rolle. Die Band hatte, gemäß Nick Mason, nicht spezifisch die Absicht, ‘psychedelisch’ oder ein Teil des sog. Undergrounds zu sein. Es war eher so, dass Londons alternative Szene die Band für sich entdeckte. Pink Floyd wurden zu Events eingeladen, die sich als Schlüsselmomente der 60er Jahre erwiesen. Wie die Eröffnung des legendären Clubs UFO, Abkürzung für Underground Freak Out. Und das Konzert im Roundhouse, bei dem die Untergrund-Zeitung International Times gelauncht wurde. Überraschend ist, wie damals eine nur kleine Anzahl von Leuten, so wie John Hopkins und eine Handvoll anderer, sehr einflussreich waren. Auch eher unscheinbare Orte wie Buchläden spielten eine Rolle. Mason schreibt, dass sich Läden wie  Indica und Better Books zu bedeutenden Szenetreffs für den intellektuellen Underground entwickelten. Better Books wurrde von Leuten wie Andy Warhol besucht. Aus dem Indica Buchladen entstand die London Free School. Einige dieser Sachen haben keinen deutschen Wiki-Eintrag, sind also dort eher unbekannt – aber gut, um etwas über die Dynamik von kulturellen Veränderungen zu lernen.

Als sich Roger Waters zum ersten Mal herabließ, das Wort an mich zu richten, studierten wir am College schon fast ein halbes Jahr lang Architektur zusammen. Eines Nachmittags, während ich versuchte, das Gemurmel von vierzig Kommilitonen auszublenden, und mich auf die technische Zeitung zu konzentrieren, die vor mir lag, fiel sein langer, unverwechselbarer Schatten auf meinen Zeichentisch. Bis dahin hatte mich Roger geflissentlich ignoriert, doch nun war der Augenblick gekommen, da er in mir eine musikalisch wesensverwandte Seele erkannte, gefangen im Körper eines angehenden Architekten. (Anfangszeilen der deutschen Ausgabe – ‘Inside Out: Meine Geschichte mit Pink Floyd’)

Das Buch geht also streckenweise über Rock-Themen hinaus. Aber Musikfans und Musiker kommen nicht zu kurz: Nick Mason erzählt z. B. dass ein Wendepunkt in seiner Entwicklung ein Cream Konzert war. Hier war, mehr oder weniger zum ersten Mal, eine Band die wenig Wert auf konventionelle musikalische Strukturen wie Vers / Refrain / Vers legte. Cream konzentrierte sich auch weniger darauf, eine Show zu liefern, und investierte stattdessen in Top-Equipment, wie Marshall Verstärker. Als Mason das Schlagzeug  mit Doppel-Bass-Drums von Ginger Baker sah, zog er am nächsten Tag los und kaufte sich auch eine. An diesem Punkt begriff die Band, dass man für Erfolg gute Ideen aber auch gute Technik braucht. Inside Out ist als Kindle Edition und Buch auch auf Deutsch erhältlich, hat aber ein anderes Cover als meine obige Ausgabe. Über Geschnack kann man streiten, aber ich finde das englische Cover besser. Das Buch enthält viele Fotos die ich bis dato noch nicht kannte, und die offenbar  aus Privatbeständen des Autors stammen. Auch hier und da etwas von Nick Masons langjährigem Interesse an Motorsport, angefangen bei dem 1930er Austin 7 aus seinen Studententagen, bis zum Porsche 956 mit dem Mason an Rennen teilnahm. Auch ein frühes Foto von der Band am Strand von Wittering, wo auch eins von Pink Floyds frühsten Filmdokumenten gedreht wurde: Ein schwarzweiß Video für das Lied Arnold Layne, mit Syd Barrett (1946-2006). Sehr 60er Jahre. Bevor Pink Floyd, die zuvor noch mit dem etwas ulkigen Namen The Tea Set aufgetreten waren, einen monumentalen Musikstil entwickelten und mit Alben wie Dark Side of the Moon (1973) weltweite Superstars wurden.

 

 

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