Daniel Defoe's classic novel Robinson Crusoe (1719) came out 300 years ago. There's a BBC radio dramatisation online. Link below. In the photo is my Wordsworth edition with a cover illustration from 1895 by Joseph Finnemore (1860-1939)

Daniel Defoes Abenteuerroman über einen Schiffsbrüchigen namens Robinson Crusoe (1719) der auf einer einsamen Insel überlebt, erschien vor dreihundert Jahren. Das BBC-Hörspiel ist eine anspruchsvolle Produktion von 1998. Link folgt am Ende des Blogposts. Im Foto, meine englische Taschenbuchausgabe. Nur wenige Bücher aus dem 18. Jahrhundert sind heute noch im Gespräch. Mir fallen auf Anhieb gerade mal Tom Jones (1749) von Henry Fielding, und Die Leiden des jungen Werthers (1774) von Goethe ein. Interessant zu überlegen, welche heutigen Romane man noch im Jahr 2319 lesen wird? Bis dahin wird es Zehnttausende von neuen Büchern geben. Inklusive neuen Klassikern, Werden dann die Bücher von Stephen King den Leuten noch Angst einjagen, oder werden die Verschwörungen von Dan Brown den Lesern noch Rätsel aufgeben? Schwer, vorauszusagen. Aber was mir an Robinson Crusoe auffällt, ist dass es eine Art universelles Thema ist das nicht völlig an eine spezifische Epoche gekoppelt ist: Verloren zu gehen, völlig auf sich allein gestellt zu sein – das kann einem heute noch passieren, im sprichwörtlichen oder im erweiterten psychologischen Sinn. Es ist ein Thema dass Gedankenspiele inspiriert: Wäre die ’Einsame Insel‘ die Hölle oder ein Paradies für mich? Vorausgesetzt, ich hätte eine gute Internetverbindung! Auch Robinson Crusoe schafft es, ein paar nützliche Sachen mitzunehmen

Als ich erwachte, war es heller Tag. Das Wetter hatte sich aufgeklärt und der Sturm sich gelegt, so dass die See ruhig ging. Am meisten überraschte mich, dass das Schiff in der Nacht von der Sandbank fast bis zu dem Felsen getrieben war. Es befand sich etwa eine Meile von der Küste, und ich beschloss, zum Schiff zu schwimmen, um wenigstens einige nützliche Gegenstände zu retten. Ich zog wegen der großen Hitze die Kleider aus und begab mich ins Wasser. Das Schiff war leck und hatte schon viel Wasser aufgenommen. Aber das Deck war war trocken. Der Schiffsproviant war vom Wasser verschont geblieben. Da ich Hunger hatte, eilte ich zum Brotkasten, füllte mir die Taschen mit Zwieback und aß, während ich gleichzeitig die anderen Sachen durchsah. Ich hatte keine Zeit zu verlieren. Da kein Boot mehr vorhanden war, zerlegte ich mit einer Zimmermannssäge einen Topmast und fügte mit Seilen ein notdürftiges Floß zusammen. Ich nahm ich drei Matrosenkisten und ließ sie auf das Floß herunter. Ich füllte sie mit Brot, Reis, Käse und einem Rest europäischen Getreides, welches wir für Geflügel mitgenommen hatten. Es bestand aus Gerste mit Weizen untermischt. In der großen Kajüte fand ich zwei gute Flinten und zwei Pistolen, sowie einige Pulverhörner und Schrotbeutel. Auch zwei verrostete Säbel nahm ich mit, und einen Werkzeugkasten. Zusätzlich zwei Sägen, eine Axt und einen Hammer. Dann begab ich mich auf die Fahrt zurück zur Insel. (Gekürzte Romanpassage, Robinson Crusoe)

We're seemingly forever fascinated by 'being alone on an island'. The radio programme Desert Island Discs has run for over 75 years. As for film, the TV series The Adventures of Robinson Crusoe (1964) still seems everyone's favourite

Eine der erfolgreichsten Radiosendungen in England, die schon seit über 75 Jahren läuft, heißt Desert Island Discs. In Interviews erzählen bekannte Persönlichkeiten – von Margaret Thatcher bis David Beckham, von Tony Blair bis David Gilmour – welche acht Schallplatten, und welchen Luxusgegenstand, und welches Buch sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden? Das einzige was schon auf der Insel vorhanden ist, sind die gesammelten Werke von Shakespeare und eine Bibel. Letztgenanntes Buch hat übrigens auch Robinson Crusoe dabei. Das Konzept von Desert Island Discs ist einfach aber unterhaltsam, und oft überraschend. David Gilmour wählte als Buch eine englische Übersetzung des Korans (‘to understand other peoples of the world better‘). Weniger überraschend war sein Luxus: eine Martin D-35 Akustik-Gitarre (‘Life is impossible without a guitar‘). Die Einsame Insel scheint ein Symbol zu sein, für das was wichtig im Leben ist, für das was übrig bleibt wenn wir vorübergehende Dinge wie Ruhm oder Karriere hinter uns gelassen haben. Was im Hörspiel gut rüberkommt, ist die Freude die Robinson fühlt, als er nach vielen Jahren wieder einen Menschen trifft. Er nennt ihn Freitag. Trotz des von seinem Zeitalter geprägten Kulturchauvinismus – den Crusoe ansatzweise sogar in Frage stellt – kann er nicht verleugnen dass Freitag der beste Freund ist den er je hatte. Und Daniel Defoe (1660-1731) kann nicht verbergen dass dies ein idealistischer Roman ist der eine hohe Meinung vom Potential des Menschen hat.
.
.
Ads by Google
.
.
.
Daniel Defoe: ‘Robinson Crusoe’ als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel Teil 1 mit Roy Marsden (als Robinson Crusoe), Lloyd Notice (als Freitag), Tom Bevan (junger Robinson), John Rowe (Robinsons Vater), Jenny Lee (Mutter), Gerald McDermott (als Wells), Christopher Wright (Kapitän), Euan Thomas (Jack) u. a. Hier Link für Teil 2. Bearbeitung: Steve Chambers. Regie: Marion Nancarrow. Produktion von 1998
.
Robinson Crusoe als deutsches Jugendhörspiel von 1973 online Das Hörspiel mit Michael Stobbe (als Robinson Crusoe), Joachim Baumert (als Freitag), Kurt Klopsch (als Robinsons Vater), Harald Eggers (Robinsons Schulfreund), Horst Warning (Kapitän), Wilhelm Fricke (Spanier), Horst Warning (Engländer), Kurt Klopsch (Seemann Smith). Buch und Regie: Kurt Stephan. Länge: ca. 72 Min. Produktion von 1973
.
Musik mit Verbindung zu Robinson Crusoe Die TV-Serie Robinson Crusoe (1964), siehe obiges Foto, hat Kultstatus, auch in England. Sogar der Soundtrack ist kultig, wurde dem von Trevor Horn und Anne Dudley gegründeten Pop-Projekt Art of Noise gesampelt. Hier ist der schöne Originalsoundtrack mit einigen Filmszenen. Das Klassik-Quintett names Wild, eine Girl Group, nahm eine Liveversion auf
.
ZDF-Doku über den wahren Robinson Aus der Reihe Terra X, ein Film von Jürgen Stumpfhaus. Aufsehenerregende neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem vor Kurzem gefundenen Lagerplatz von dem Seemann Alexander Selkirk – dem Vorbild für Crusoe – auf der Insel Más a Tierra im Südpazifik
.
Kunst-Info Bild auf dem Cover von meinem Taschenbuch, Verlag Wordsworth, ist von 1895, vom englischen Künstler  Joseph Finnemore (1860–1939), der mehrere schöne Illustrationen für den Roman machte
.
Weiterer englischer Literaturklassiker Charles Dickens: ‘Große Erwartungen’ als Hörspiel online
.
Könnte Sie auch interessieren Jugendbuchklassiker: ‘Die Rote Zora’ als Hörspiel online
.
.
Mehr Karl May: Der Orientzyklus als neues Hörspiel online
.
Und Otfried Preußler: ‘Krabat’ als WDR-Hörspiel online
.
Avenita.net