Tell you what, you lie on a beach in front of an album cover, people think you've taken something. Never mind, I got a nice pic out of it. 40 years ago, in May 1973, the groundbreaking album Tubular Bells was released. I look at the story behind it

Vor 40 Jahren, im Mai 1973, wurde Tubular Bells (1973) veröffentlicht. Dass das Album ein millionenfacher Erfolg werden würde, war zur Zeit der Aufnahmen, die per Multitrack solo von dem schüchternen 20-jährigen Tüftler Mike Oldfield gemacht wurden, nicht vorhersehbar. Sogar völlig unerwartet. Das Album wirkte auf Anhieb unkommerziell. Nicht nur weil es aus zwei langen Instrumentalstücken ohne Gesang bestand, sondern auch weil diese Stücke keinen beat hatten. Den in Rockmusik typischen 4/4 Rhythmus, der durch Snare und Bassdrum vom Schlagzeug markiert wird, benutzten selbst experimentelle Bands wie Pink Floyd um ihre Musik zu verankern, was sie wiederum tauglich für Stadion-Rock machte. Tubular Bells hingegen beginnt mit einem a-Moll Piano-Motiv in dem sich ein 7/8 Takt und 8/8 Takt miteinander abwechseln. Die Melodie an sich ist nicht sehr kompliziert, sie wird ausschließlich auf den weißen Tasten des Pianos gespielt, was daraufhin deutet dass sie aus Experimenten eines Laien an diesem Instrument hervorging. Aber das Innovative daran ist das Konzept, dass diese Melodie immer wiederholt wird und sich erst langsam, fast unbemerkt weiterentwickelt und neue Elemente dazu kommen. Im Laufe des Stücks wird die anfängliche Melodie dann zum Beispiel vom Bass übernommen und in einen anderen musikalischen Kontext gesetzt. Streckenweise hat Tubular Bells weit mehr Ähnlichkeit mit moderner Klassischer Musik oder sog. Minimal Musik von Leuten wie Phillip Glass als mit Rockmusik. Warum hatte Mike Oldfield mit solch ungewöhnlicher Musik Erfolg? Abgesehen davon dass es interessante, gut gemachte Musik ist, half es dass der BBC Kult DJ John Peel das Album spielte, und auch dass der Geschäftsmann Richard Branson und sein Team von jungen, dynamischen Mitarbeitern das Potential dieser Musik – die sämtliche anderen Firmen abgelehnt hatten – erkannten und energisch promoteten.

One evening, I was to have the last LSD trip in my life. I’m not sure exactly what happened, but I do remember walking down Vauxhall Bridge Road, where we were tripping. All of a sudden, something simply switched in my body, almost like switching on a huge electric current. I felt like I was being electrocuted. The effect on me was immediate. I felt a veil was lifted off…The people around me, they weren’t the people I knew any more…They looked to me to be just like biological machines, almost like robots, but made of flesh and blood. I saw into their bloodstreams and down to the molecular level; I could see that all their movements were dictated by electrical impulses and chemical reactions…We are machines. If you see that in its harsh reality, it’s horrifying. (Gekürzte Passage aus seiner Autobiografie)

Mike Oldfield's autobiography 'Changeling' (2007), above, my hardback edition. Apropos changing: Whether long hair, short hair, beard or none - he always looks like...Mike Oldfield

Das Album war in vieler Hinsicht der Grundstein für Richard Bransons Firma Virgin, heute ein Konzern mit 50.000 Mittarbeitern der u. a. in Flugfahrt und Mobilfunk tätig ist und einen Jahresumsatz von über 20 Milliarden Dollar hat. Um fair zu sein, das Geschäftsgenie Branson hätte früher oder später wahrscheinlich auch ohne Tubular Bells den Durchbruch geschafft. Aber durch das Album war es halt früher. Bransons Geschäftssinn schaffte allerdings auch für viele Jahre Zwist zwischen ihm und Oldfield. Dieser hatte im Alter von 19 Jahren am Küchentisch des idyllischen Gutshauses Manor House, das damals als Studio diente, einen Vertrag unterschrieben den er später bitter bereute. Dieser Vertrag band ihn für 10 Alben, mehr als die meisten Musiker in ihrer ganzen Karriere schaffen, an die Firma Virgin. Zudem mit einem Verdienst von nur 5% pro verkauftem Album, was selbst damals ziemlich wenig war. Die folgenden Jahre waren auch dadurch schwierig dass Tubular Bells einen enormen Erfolgsdruck für die nachfolgenden Alben erzeugte. Noch schwerer dadurch dass Oldfield mit Depressionen zu kämpfen hatte die er erst im Laufe der Jahre durch Psychotherapie bewältigte. Und gegen Ende der 70er Jahre kam dann auch noch Punk und machte das Progressive Rock Genre jahrelang uncool und schwer verkäuflich. Oldfield schaffte es mit Hilfe von Rechtsanwälten im Jahr 1977 neue Konditionen auszuhandeln und seinen Anteil an Albumverkäufen auf 12% zu erhöhen. Musste sich dafür allerdings zu drei weiteren, also insgesamt 13 Alben verpflichten. Es verwundert nicht dass er Virgin nicht gönnte, Tubular Bells II und III zu veröffentlichen, sondern damit wartete bis er in 90er Jahren den Vertrag erfüllt hatte. Im Jahr 2008 gab es dann auch eine Einigung mit Branson, durch die sämtliche Rechte und die Mastertapes für das Originalalbum zurück an den Komponisten, Performer und Erfinder der bahnbrechenden Musik von Tubular Bells gingen. Ich freue mich für ihn und wünsche Mike Oldfield für den heutigen Tag einen herzlichen Glückwunsch zu seinem 60. Geburtstag.

 

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Radio-Dokumentation Umfangreiche BBC-Sendung von 2013 über Mike Oldfield und das bahnbrechende Album Tubular Bells (1973). Interviews mit Mike Oldfield, seiner Schwester Sally Oldfield, und dem damaligen Tubular-Bells-Produktionsteam Tom Newman und Simon Heyworth. Ebenfalls Kommentare von Virgin-Plattenlabel-Boss Sir Richard Branson, Regisseur Danny Boyle u. a. Länge ca. 59 Min.

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