Nothing like the British quality press to keep the little grey cells working down on the beach, is there? Yesterday in the St. Cleve Chronicle Ieven found a vinyl LP by Jethro Tull in it. Ian Anderson & company are performing the classic 1972 album live this weekend, Sunday 30. June 2013, Royal Albert Hall

Am Strand gibt es nichts schöneres als eine Zeitung – mit Qualitäts-Journalismus versteht sich! – um die kleinen grauen Zellen auf Trab zu halten. Gestern fand ich im St. Cleve Chronicle sogar eine Vinyl-LP von Jethro Tull. In der Tat: Ian Anderson & Co. spielen den 1972 Albumklassiker Thick as a Brick live dieses Wochenende in Londons Royal Albert Hall. Im August übrigens auch in Deutschland, wobei das Konzert-programm dort als Best of Jethro Tull betitelt ist. Vielleicht weil in Deutschland Tull-Alben wie Aqualung etc. etwas bekannter sind. Egal, ich bin sicher dass bei deutschen Konzerten ebenfalls einiges von Thick as a Brick dabei sein wird. Es ist ein Tour mit über 50 Dates, in Österreich, Holland, Finnland, Dänemark, Italien, Tschechien, Russland, Kanada, Amerika u. a. Ich persönlich habe Jethro Tull, heutzutage meist Sänger und Liederschreiber Ian Anderson plus seine derseitige Backing Band, zwei mal live gesehen und können einen Konzertbesuch empfehlen. Als wir die Band vor ein paar Jahren hier in Andalusien sahen, war sie sogar noch besser als beim Konzert Jahre vorher. Obwohl Tull in Bezug auf Albumverkaufszahlen nie so ganz in der Mega-Liga von Bands wie Pink Floyd war, ist sie nie lange abwesend gewesen. Viele Folkrock und Progrock-Bands der 70er Jahre verschwanden in den 80ern und 90ern mehr oder weniger von der Bildfläche oder veröffentlichten nur noch sporadisch Alben. Jethro Tull hingegen hat nach Thick as a Brick (1972) weitere 16 Studioalben gemacht und regelmäßig getourt. Darüber hinaus nahm Ian Anderson fünf Soloalben auf. Letztes Jahr veröffentlichte er das Sequel-Album Thick as a Brick 2 (2012), ebenfalls unter seinem eigenen Namen. Ich vermute, das hat etwas mit Plattenfirmen zu tun, vielleicht würde ein Follow-up Album unter dem Namen Jethro Tull bedeuten, dass sich plötzlich Verlage oder Management aus den 70er Jahren melden würden. Dererlei potentielle oder reale Probleme gab es anscheinend auch bei anderen Musikern und Alben wie Tubular Bells II und Bat out of Hell III, oder was auch immer. Jethro Tull und Ian Anderson haben den Vorteil dass sie auf so viele starke Lieder, wie das Titellied, zurückgreifen können und treue Fans haben. Diese Gruppe hat sich nie mit Rock und Pop üblichen Gimmicks wie gutem Aussehen oder messianischen Auftritten verkauft, sondern war immer eher exzentrisch und jenseits aller Mode. Ein Beispiel für die Originalität der Band ist das LP-Cover von Thick as a Brick, oben im Bild, das noch viel aufwendiger ist als es auf den ersten Blick wirkt. Innendrin ist eine komplette 12-seitige Zeitung mit selbstgeschrieben und wunderbar versponnenen Artikeln. Spätere CD-Ausgaben konnten diesen glorreichen Irrsinn nie komplett reproduzieren. Die Herstellungskosten müssen damals horrend gewesen sein, aber für manche Progrockbands der 70er Jahre standen die künstlerischen Erwägungen oftmals im Vordergrund. Wenn diese Bands nach über vierzig Jahren noch im Geschäft sind, hat das keineswegs nur mit Nostalgie zu tun, sondern damit dass Kunst sich gelegentlich gegenüber Fließband-Entertainment durchsetzen kann. Ich wünsche Konzertbesuchern viel Spaß, und Ian Anderson noch viele Jahre im Studio und auf der Bühne.

 

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