'In session: The Fall... '. Birthday of John Peel (1939-2004) whose late night show I used to listen to on Radio 1. Above, my paperback of his autobiographical book The Olivetti Chronicles

Es ist Ihnen vielleicht schon aufgefallen dass ich Radio-Fans bin, und das geht zu einem gewissen Grad auf John Peels Konto. Ich höre heutzutage im Radio hauptsächlich Hörspiele und Dokus, war aber in den 80er Jahren etwas mehr den Musiksendungen zugetan. John Peel war ein gutes Beispiel, warum öffentlich-rechtliches Radio (und auch TV) wichtig ist. Seine Sendungen um Mitternacht waren nicht für den gemeinsamen Nenner eines Publikums formatiert sondern forderten den Hörer heraus, konsternierten ihn nicht selten. Die Sachen die der Mann spielte waren oft unkommerziell und anstrengend. Wollte man sich zurücklehnen und entspannen, kamen Bands mit illustren Namen und Klängen wie Napalm Death und Extreme Noise Terror. Und wenn man gerade im Begriff war, in dem Kettensägen-Lärm entfernte Ansätze tonaler Strukturen zu erkennen, kam Peel wieder mit ganz anderen, vermeintlich ebenfalls hoffnungslosen Bands wie Half Man Half Biscuit, die wie Umpah-Umpah-Musik fürs Kinderfernsehen klangen. Dann wartete er vielleicht mit introvertierten Balladen von Microdisney auf, oder stakkatohaften Gitarren von The Wedding Present. Und natürlich: In Session…The Fall, eine von Peels Lieblingsbamds, und eine Gruppe die sich musikalisch wirklich schwer einordnen lässt. Viele von Peels Favoriten waren nicht so richtig mein Ding, denn ich war immer schon ein unverbesserlicher Folk- und Progrock-Fan, der davon träumte dass Musik Jahr für Jahr immer progressiver werden würde. Aber da spielte John Peel Peel nicht mit – seitdem er Punk-Bands wie die Undertones entdeckt hatte. Trotzdem hatte es einen Reiz, auch mal Gruppen zu hören von denen man sich normalerweise keine LPs kaufen würde. Und hin und wieder tate ich es dann auch: kaufte mir LPs von The Smiths oder This Mortal Coil und anderen Bands die ich zuerst bei Peel gehört hatte. Ich nahm auch öfters Lieder auf Kassetten auf, die ich bis heute habe. Oben im Bild ist eine davon, neben John Peels Memoiren The Olivetti Chronicles

I’m going to tell you about a new recording of such strength, energy and real beauty that to me it represents the first break-through into history that any musician has made…In 1971 Mike Oldfield began work on a composition entitled Tubular Bells and now, after 2,300 overdubs, Tubular Bells is available on record as the first release from Virgin Records. With Tubular Bells we have a record that does quite genuinely cover new and uncharted territory. (Passage aus dem Buch The Olivetti Chronicles – Zeilen die John Peel 1973 im Magazin The Listener schrieb)

Einige dieser Bands existieren schon lange ncht mehr und klingen mmer noch anstrengend. Aber John Peel hat sich nie als Hit-Fabrik gesehen sondern hat einfach gespielt was er interessant fand. Ich hätte es wahrscheinlich besser gefunden, wenn er nach der Ankunft von Punk nicht ganz so diese musikalische Tabula rasa gemacht hätte. Aber er hatte ja die Hippie-Ära bis zum geht nicht mehr durchgemacht, was bei mir altersbedingt nicht so der Fall war, und wollte Raum für neue Dinge schaffen. Sympathisch war auch dass er nicht den aufgedrehten Präsentationsstil von jüngerern DJs übernahm, sondern bei seiner sparsamen, ruhigen Art blieb. Ironischerweise wurde genau dieser ‘unkommerzielle’ Ton in späteren Jahren ein finanzieller Segen für ihn, als bekannte Firmen und Marken seine Stimme für Fernsehwerbung einspannten. Nie hatte man Geld jemandem mehr gegönnt. Ich werde im Laufe der Jahre noch öfters auf Peel zurückkommen und muss heute nicht alles herunterspulen. Aber ich habe noch einen Musiktipp. Das Lied das John Peel, wohl ohne seinen relativ frühen Tod mit 65 geahnt zu haben, sich immer als Abschiedslied gewünscht hatte, war das recht wundervolle When an Old Cricketer Leaves the Crease (1975) von Folksänger Roy Harper. Gute Wahl. John Peel, geb. 30. August 1939, starb 2004 auf Urlaub in Peru an einem Herzinfarkt.

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Radio-Dokumentation DLF-Sendung von 2022 über die Musiksammlung des Kult-DJs John Peel (11:22 Min.)

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