Karl May (1842-1912) wrote hugely successful adventure stories like ‘Durch die Wüste‘ (1892) Vaguely similar to Indiana Jones. There’s a 2007 German WDR radio dramatisation online of Karl May’s so called ‘Orientzyklus’ set in the Middle East

Ich nenne das Hörspiel von 2007 neu damit man es nicht mit den Jugendhörspielen aus den 60ern und 70ern verwechselt. Die WDR-Produktion mit 140 Sprechern ist spektakulär – und erkundet den Stoff auch im zusätzlichen Kontext von Karl Mays eigener Lebensgeschichte, die bekanntlich fast so abenteuerlich war wie seine ‘Reiseberichte’. Link für das Hörspiel folgt am Ende des Blogposts. Im Foto ist meine Ausgabe von Durch die Wüste (1892), dem ersten von sechs Bänden die zusammen der Orientzyklus genannt werden. Ich wollte Karl May-Fans eine kleine Freude machen und das Buch schön in Szene setzen. Wobei das Cover von Carl Lindeberg (1876-1961) schon an sich ein starkes Stück Design ist. Das Bild ist von 1921. Das Buch ist aus den 50er Jahren. Wie sehr der Schwede, der als Kunststudent nach Deutschland kam, das Image der May-Bücher geprägt hat, wird klar speziell im Vergleich mit den früheren Illustrationen von Sascha Schneider (1870-1927), der sämtliche Bücherdeckel mit unbekleideten Männern verzierte. Vielleicht vom Konzept eines edlen Naturmenschen motiviert? Was wiederum nicht so weit von Karl Mays romantischen Vorstellungen von indignen Völkern entfernt wäre. Als jemand der nicht mit Mays Büchern aufgewachsen ist, sondern eher mit Blyton und Lindgren, muss ich gestehen dass mich sein Schreibstil, im nettesten Sinne, öfters zum Schmunzeln bringt. Aber das war wahrscheinlich seine Absicht.

Der Scheik erhob sich und winkte mir, ihm zu folgen. In der Nähe seines Zeltes stand ein zweites. Als wir dort eingetreten waren, bemerkte ich drei Araberinnen und zwei schwarze Mädchen. Die Schwarzen waren jedenfalls Sklavinnen, die anderen aber die Frauen Mohammed Emins. Zwei von ihnen rieben zwischen zwei Steinen Gerste zu Mehl, die dritte leitete die Arbeit von einem erhöhten Standpunkt. Sie war offenbar die Gebieterin. In einer Ecke des Zeltes standen mehrere mit Reis, Datteln, Kaffee, Gerste und Bohnen gefüllte Säcke, über die ein kostbarer Teppich gebreitet war. Dies bildete den Thron der Gebieterin. Sie war noch jung, schlank und von hellerer Gesichtsfarbe als die anderen Frauen. Ihre Züge waren regelmäßig, ihre Augen dunkel und glänzend. Sie hatte die Lippen dunkelrot und die Augenbrauen schwarz gefärbt. Stirn und Wangen waren mit Schönheitspflästerchen belegt, und an den bloßen Armen und Füßen konnte man eine tiefrote Tätowierung erkennen. Von jedem Ohr hing ein großer goldener Ring herab. Um ihren Nacken hingen Reihen von Perlen, Korallenstücken, assyrischen Zylindern und bunten Steinen. Lose silberne Ringe umgaben ihre Knöchel, Arm- und Handgelenke. Die andern Frauen waren weniger geschmückt. ‘Salām!’ grüßte der Scheik. ‘Hier bringe ich euch einen Helden vom Stamm der Alaman’ (Gekürzte Romanpassage, Duch die Wüste)

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es keinen Tourismus wie wir ihn heute kennen. Reisen in ferne Länder, inklusive Rückkehr in die Heimat, war nur für Reiche erschwinglich. Aber viele Menschen in den Büros und Fabriken der rasch voranschreitenden Industriegesellschaft sehnten sich nach exotischen Orten und Abenteuern. Karl May (1842-1912) machte sie glücklich. Darüber hinaus bekommt man – heutzutage, wo der Mittlere Osten in der Öffentlichkeit weitgehend seine Romantik verloren hat – den Eindruck, dass der Mann ein genuines Interesse an anderen Kulturen, und vor allem Sympathie für andere Kulturen hatte. Karl Mays Alterego namens Kara Ben Nemsi und sein Kumpan Hadschi Halef Omar, die zusammen auf dem Buch zu sehen sind, werden es im 21. Jahrhundert nicht so leicht haben. Aber ich glaube, sie reiten weiter.

 

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Karl May: Der Orientzyklus als neues WDR-Hörspiel online Das Hörspiel Teil 1 mit Sylvester Groth (als Kara Ben Nemsi), Matthias Koeberlin (als Hadschi Halef Omar), Michael Mendl (Abrahim Mamur), Andreas Grothgar (Pirat Abu Seif), Hans-Peter Hallwachs (Scheik Mohammed Emin), Fanny Thevissen (die schöne Hanneh), Florian von Manteuffel (Kaufmann Isla Ben Maflei), Renan Demirkan (Hannehs Mutter Amscha), Hüseyin Michael Cipirci (Omar Ben Sadek), Camilla Renschke (Oskos Tochter Senitza) Christian Redl (Scheik Malek), Ingrid Andree (Mersinah), Werner Wölbern (Hamd el Amasat), Peter Harting (Sadek), Udo Kroschwald (Mays Vater), Kerstin Thielemann (Mays Mutter), Pierre Oser (Musik) u. a. Hier Links für Teil 2 und Teil 3 und Teil 4 und Teil 5 und Teil 6 und Teil 7 und Teil 8 und Teil 9 und Teil 10 und Teil 11 und Teil 12. Produktion 2007

Hinweis:  Reihenfolge von mir korrigiert, da auf Youtube teils falsch nummeriert: ‘Teil 4′ ist wirklich Teil 3 etc.

Hörspiel als CD-Set Wer handfeste Produkte lieber mag als Youtube-Links: Das Hörspiel ist erhältlich als 12-CD-Boxset, 645 min, mit 64-seitigen Booklet. Orientzyklus enthält Durch die Wüste, Durchs wilde Kurdistan, Von Bagdad nach Stambul, In den Schluchten des Balkan, Durch das Land der Skipetaren, Der Schut

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