Kulturmagazin

Lieber Leser!

Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Tag: Landwirtschaft

Tending the land is called agriculture, a good word because it reminds us of the connection between farming and culture. This Andalusian field of straw bales inspired us to look at examples of music, art and movies inspired by farming

Wir fuhren gestern Morgen ein paar Kilometer von der Küste landeinwärts, da ist man hier in Andalusien schnell in ländlichen und auch landwirtschaftlichen Gegenden. Hier werden nicht nur typisch mediterrane Gewächse wie Olivenbäume angebaut sondern auch Getreide. Die im Feld gestapelten Ballen aus Gerstenstroh zeigen dass Erntezeiten hier viel früher sind als in Deutschland, wo das erst im Herbst passiert. Wir fanden den Anblick schön, und obwohl wir etwas anderes vorhatten, holten wir uns von einem verduzten Bekannten in der Nähe eine Gitarre und hielten die Szene fest – denn bald werden die Strohballen in Scheunen gebracht und dienen als Futter und Einstreu für Tiere. Wir nahmen die Gitarre als Symbol für die etwas in Vergessenheit geratene Verbindung von Landwirtschaft zu Kunst, Musik und vielem mehr. Nachfolgend Beispiele
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It's the 100th birthday of the self-sufficiency author John Seymour (1914-2004). Bit surprised there's no mention on his publisher's websites. Oh, well. Sic transit gloria mundi. The book left has a foreword by E F Schumacher who wrote Small is Beautiful: a study of economics as if people mattered

Es is der 100. Geburtstag von John Seymour (1914-2004), Autor von Das große Buch vom Leben auf dem Lande (1976), links eine englische Originalausgabe. Wir sind etwas überrascht dass Seymour heute nicht auf den Websites seiner Verlage erwähnt wird. Sic transit gloria mundi. Andererseits zeigt ein Check bei Amazon dass sich Seymour-Bücher wie Selbstversorgung aus dem Garten: Wie man seinen Garten natürlich bestellt und gesunde Nahrung erntet (1978) bis heute gut verkaufen, auf Platz 7 sind und viele positive Rezensionen haben. Mit solchen Büchern etablierte John Seymour den Begriff self-sufficiency oder Selbstversorgung. Wobei dies im Grunde keine neue Idee war. Vor zweihundert Jahren gab es massenhaft Leute die einen guten Teil ihres Essens aus dem eigenen Garten oder einem kleinen Stück Land holten, sich vielleicht ein Schwein oder ein, zwei Kühe hielten. Das war zum Beispiel in der Familie der Autorin Jane Austen der Fall: Der Vater war Pfarrer und nahm in seiner Freizeit an Pflugwettbewerben teil. Während diese Art von Lebensstil im Laufe des 19. und vor allem im 20. Jahrhundert zunehmend verschwand, waren es ironischerweise die Hippys
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According to an article in Science Magazine, link below, the Neolithic Revolution was different than was previously thought. The farmers were not assimilated by the hunter and gatherer cultures. It was, if anything, the other way around

Neuste Forschungsergebnisse im Wissenschaftsmagazin Science deuten darauf hin dass Ackerbau und Viehzucht weniger eine kulturelle Revolution war sondern ein Bevölkerungswandel. Von den verschiedenen Erklärungsmodellen der Neolithischen Revolution, also dem Wandel der Jägern und Sammler Kulturen zu Ackerbau und Viehzucht, fanden wir persönlich bisher das Modell vom kulturellen Wandel am plausibelsten. Es ist bekannt dass Landwirtschaft vor mehr als zehntausend Jahren im Mittleren Osten begann und sich von dort aus, im Laufe von Jahrtausenden, nach Europa ausbreitete. Wobei denkbar wäre dass Jäger und Sammler in Mittel- und Nordeuropa graduell die Techniken von den Bauernkulturen aus dem mittleren und nahen Osten und dem Mittelmeerraum übernahmen. Und dass ein gegenseitiger Austausch von Dingen wie Know-how, Saatgut und nicht zuletzt Genen stattfand – das wäre das kulturelle Modell vom Wandel. Erstaunlicherweise scheint dies jetzt nicht mehr die wahrscheinlichste Variante zu sein. Professor Mattias Jakobsson und andere Forscher der Universität Uppsala haben anhand von DNA-Tests an Steinzeitskeletten Hinweise gefunden dass die Bevölkerung der Trichterbecherkultur (den Bauern) in Schweden ab ca. 5000 v. Chr. zwar über tausend Jahre lang gleichzeitig mit der Grübchenkeramischen Kultur (den Jägern) existierte. Aber eine Verschmelzung der beiden Bevölkerungen
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Far from the Madding Crowd (1874) may be our favourite Thomas Hardy novel. One with light at the end of the tunnel. One that got away. The 1998 ITV film was good, and so is the new BBC radio play. Ready for some flute playing? Link below

Ein brandneues Hörspiel nach Thomas Hardy ist online. Link ist unten auf der Info-Leiste. Die Romanvorlage Far from the Madding Crowd (1874) wurde auf Deutsch als Am Grünen Rand der Welt veröffentlicht und ist, anhand der Berwertungen bei Amazon.de, Thomas Hardys am besten bekannter Roman in Deutschland, außer Tess. Was nicht überrascht, denn es gibt zwei deutsch synchronisierte Filmfassungen von Tess, während die beiden Far from the Madding Crowd Verfilmungen nur auf Englisch erhältlich sind. Schade, denn vor allem der ITV-Fernsehfilm aus dem Jahr 1998 wäre unserer Meinung nach ein Erfolg im deutschen Fernsehen. Wir besitzen auch die Kinoverfilmung mit Julie Christie und Alan Bates, die merkwürdigerweise in Deutschland als Die Herrin von Thornhill (1967) veröffentlicht wurde, uns aber nicht ganz so gut gefállt wie die neuere Version. Wir mögen eigentlich alles von Thomas Hardy,  auch seine Gedichte und Kurzgeschichten und natürlich den Romanklassiker Tess (1891), aber in vieler Hinsicht ist Am Grünen Rand der Welt unser Lieblingsroman. Vielleicht weil man hier, nach allen üblichen Schicksalsschlägen die Leute in Hardy-Romanen durchmachen müssen, Licht am Ende des Tunnels sieht. Der Schafhirte Gabriel Oak der zu Beginn der Geschichte 28 Jahre alt ist, schlägt sich immer irgendwie durch, selbst wenn alles den Bach runtergeht, und kriegt am Ende sogar seine Traumfrau. Auch wenn Hardy es dem Burschen auf dem Weg dahin nicht einfach macht. Interessant an Thomas Hardy ist, wie er folkroristische Elemente einsetzt, so kommen dem Roman Ausschnitte von Volksliedern vor, wie Seeds of Love, am Esstisch der Schäfer gesungen. Hier eine Version die Loreena McKennitt von diesem alten englischen Folksong aufgenommen hat, auf YouTube.

‘I sowed the seeds of Love, It was all in the spring…’ Far from the Madding Crowd (1874) Kapitel 23. Eventide - A Second Declaration.

Thomas Hardys Geschichte ist auch voll mit Details über Landleben und Landwirtschaft, in diesem Fall Schafzucht. Wir haben, zum Aufwärmen für diesen Blogpost, mal wieder in den Roman geschaut, den wir als englische Ausgabe von Penguin Classics besitzen, und die ersten vier der recht kurzen Kapitel gekesen. Allein schon auf diesen ca. dreißig Seiten erfährt man eine ganze Menge über das Schäferleben im 19. Jahrhundert. Wie sie nahe ihrer Herde auf den Feldern in winzigen Wohnwagen, genannt Sheperd’s Hut wohnten, und was für Heilmittel die Schäfer im Regal hatten, Magnesium zum Beispiel. Oder über den Nutzen von hurdles, tragbare Zäune, die man als Schafscheide zum Grasen aufbauen kann, oder auch vereinzelt an kalten Stellen, als Windschutz für die Tiere. Auf den ersten 30 Seiten lernt man auch,
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Roman ist auf Deutsch erhältlich, das Sachbuch auf Englisch

Vor nicht allzu langer Zeit konnten landwirtschaftliche Katastrophen in Europa den blanken Tod bedeuten. Die Irische Hungersnot wird selten von den Medien erwähnt, deshalb wollten wir heute am 13. Mai, dem Tag an dem der Tragödie dieses Jahr in Irland und Amerika gedacht wird, auf zwei sehr verschiedene Bücher zum Thema hinweisen. Das Buch The Great Irish Famine (1995) von Cathal Poirteir ist ein exzellentes Sachbuch. Schon der erste Satz fasst es kurz und trocken zusammen: Im späten Sommer des Jahres 1845 schlug der Pilz phytopthora infestan in Irland zum ersten Mal ein und löste Kartoffelfäule aus. Wiederholte Ernteausfälle führten zum Tod von 1 Million Menschen in den nächsten fünf Jahren und 2 Millionen weitere Einwohner flohen Irland in den 10 Jahren nach dem Beginn der Großen Hungersnot. Text von uns frei aus dem englischsprachigen Original übersetzt. Hinter solchen Zahlen stecken viele Geschichten und dieses Buch, mit Essays von 16 renommierten Fachleuten, enthält viele Details über die Hungersnot und ihre Verbindungen mit Folklore, Literatur, Medizin, Politik und natürlich Landwirtschaft. Ein Grund warum Irland so abhängig von der Kartoffel wurde, lag darin dass sie so gut zu den irischen Verhältnissen passte: Säurehaltige Böden, ein feuchtes, sonnenarmes Klima dessen relative Milde gut gegen Frost, den bis dahin größten Feind der Kartoffel half. Die Kartoffel eröffnete armen Leuten neue Möglichkeiten denn die Kartoffel benötigte keine Maschinerie zur Weiterverarbeitung (wie Korn z. B. mechanische Mühlen benötigt) und konnte, mit viel Handarbeit, an vorher unbebaubaren Orten, wie Abhängen und felsigen Böden gepflanzt werden. Weil Gelände dieser Art meist unmöglich für den Pflug war, gibt es, und solche Details finden wir faszinierend, noch heute in Irland eine so große Vielfalt von Spatentypen. Weil dieses Buch einen so sachlichen eher als emotionalen Ton hat, ist es, trotz der Thematik, kein düsteres sondern ein sehr interessantes Buch, das wir englischkundigen Lesern sehr empfehlen. Das andere Buch das wir zum Thema haben, ist der Jugendroman Under the Hawthorn Tree (1990) von Marita Conlon-McKenna, auf Deutsch als Folgt immer dem Fluss veröffentlicht. Die Geschichte handelt von den drei Kindern Eily (12), Michael (9) und Peggy (7) im Irland der 1840er Jahre, zur Zeit der Hungersnot. Ihr Vater ist auf Arbeitssuche gegangen und verschollen. Die Mutter geht ihn suchen. In ihrer Abwesenheit werden die drei Kinder vom Hausbesitzer rausgeschmissen und sollen ins Armenhaus geschickt werden. Aber die Kinder folgen stattdessen dem Fluss um sich nach Castletaggart durchzuschlagen, wo zwei Großtanten von ihnen wohnen. Daher der deutsche Titel Folgt immer dem Fluss. Der Hawthorn Tree des englischen Titels ist der Ort an dem Bridget, die verstorbene Babyschwester von den drei Kindern begraben ist. Folgt immer dem Fluss ist das erste Buch der preisgekrönten Trilogie Children of the Famine. Die drei Romane sind auf Deutsch als Gesamtband namens Sturmkinder: Eine irische Familiensaga veröffentlicht worden und bei Amazon.de erhältlich. Ebenso das vorher erwähnte Sachbuch The Great Irish Famine von Cathal Poirteir.

Info Exzellenter Dokumentarfilm (u. a. mit Ted Kennedy) namens Famine to Freedom: The Great Irish Journey auf YouTube.

Mehr  Lesen Sie einen weiteren Artikel von uns zu diesem Thema

 

We don't have one like this - just a little fellow from the animal rescue centre - but Border Collies are our absolute favorites

Kinderbücher mit ländlichem Hintergrund können praktisches Wissen und Gespür für eine Lebensweise weitergeben, die am verschwinden ist. Landwirtschaft existiert natürlich noch, aber immer weniger Menschen haben damit zu tun. Beispiel: Wir kannten, sagen wir mal Anfang der 80er Jahre, noch Höfe die so um die 10, 20 Kühe hatten und mit ziemlich einfachen, tragbaren Melkmaschinen gemanagt weden konnten. Heute hingegen wird in der Regel ein einziger Bauer, mit hochmoderner Technik, Herden betreuen die zehn oder zwanzig mal so groß sind – oder noch viel größer. So ist es halt, und so muss es vielleicht auch sein, denn Bauern können sich nicht leisten, Museumsbetriebe zu werden. Landwirte haben damit zu kämpen dass wir erwarten, bei Lidl einen Liter Milch für ca. 50 Cent zu kriegen – und es ist schwer, einen Liter Milch für diesen Preis überhaupt zu produzieren. Aber wenn Landwirtschaft im alltäglichen Leben der meisten Menschen nun mal keine direkte Rolle mehr spielt, warum sollten Kinder sich damit beschäftigen? Wir sehen zwei Gründe: Zum einen das praktische Verständnis, woher die Wolle von dem Pullover den man trägt, und das Brot und die Butter die auf dem Tisch stehen, überhaupt kommen. Der andere Grund ist dass Landwirtschaft, neben ihrem praktischen Nutzen, auch Geschichte ist. Einmal im historischen Sinn, aber auch im Sinn einer Erzählung. Eine veranschaulichende und sinnstiftende Erklärung, warum wir hier sind, und wie wir hier angekommen sind, in einer Gesellschaft die – so einigermaßen – friedlich, sowie materiell und sozial funktionfähig ist. Dafür sind Jahrhunderte von Landwirtschaft nicht allein, aber zum Teil verantwortlich. Unsere Interaktion mit der Umwelt, der Tierwelt, der Pflanzenwelt, dem Land und den Jahreszeiten hat wissenschaftliches Interesse und Verständnis gefördert. In so fern hat unsere Beziehung zum Land auch einen philosophischen Aspekt: Der Mensch als Teil der Welt, und die Tatsache dass wir Teil eines Kreislaufs sind. Einem Kreislauf von Entstehung und Gedeihen. Auch die Erntezeit hat eine Parallele zum Menschen. Wenn wir Korn schneiden, ist es das Lebensende dieser Pflanzen. Ein Tod. Aber die wundervolle Tatsache dass diese Pflanzen nach dem Winter wiederkommen, hat uns dazu inspiriert, Leben und Sterben, Gegenwart und Zukunft einen Sinn zu geben. Vielleicht sogar dazu inspiriert, Kosmologien, Religionen und Philosophien in Worte zu fassen. So 
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Dear John...I left because the only thing you ever really liked were old tractors from the 60's and 70's

Der Bildtext ist ein Gag der auf den Dear John Abschiedsbrief anspielt, umgangssprachlich manchmal John Deere genannt. Anzeichen dafür dass die Traktormarke einen ikonischen Status hat. Bei dieser und ein, zwei anderen unserer Lieblingsmarken, mögen wir tatsächlich Modelle aus den 60er und 70ern besonders. Zu der Zeit waren Traktoren noch nicht so groß wie Einfamilienhäuser, hatten aber schon die wichtigsten Eigenschaften, wie PTO Zapfwellen und Hydraulikanlagen, über die eine viele Maschinen wie Heuwender, Heuballenpressen und Frontlader an den Traktor gekoppelt werden können. Als wir neulich hier bei uns in Andalusien den schönen alten John Deere am Straßenrand sahen, siehe unser Foto, mussten wir natürlich sofort anhalten. Dies ist ein John Deere 2030 aus den früheren 70er Jahren – und immer noch an der Arbeit. Hier ein Musikvideo auf YouTube, wo man den John Deere in Aktion sieht. Passt. Wir überlegten, wo wir ähnliche John Deere Modelle schon mal in Hollywood Filmen gesehen hatten? Und erinnerten uns an Footloose (1984), ein typischer 80er Jahre Jugendfilm mit Tanzeinlagen, der aber eine starke Traktor-Szene enthält. Der junge Kevin Bacon, neu auf dem Lande angekommen, wird überedet, bei einem irrsinnigen und lebensgefährlichen Traktor-Wettkampf mitzumachen. Er fährt dabei einen John Deere 2940, ein etwas späteres Modell als das auf dem Foto. Kevin Bacon gewinnt bei der wahnwitzigen Mutprobe (hier der Clip) aus Versehen, weil sich sein Schnürsenkel im Pedal verfängt und er nicht abspringen kann. Die Szene wurde an einem Wasserkanal zwischen Payson to Salem in Utah gedreht. Der verlierende Traktor in dieser Szene ist nicht so klar zu erkennen, aber ich glaube es könnte ein Massey Ferguson sein, oder? Leser sind willkommen, uns Fotos von ihren persönlichen Traktor-Lieblingsmarken zu schicken, vielleicht mit etwas Info oder einer kleinen Story, ob aus Filmen oder dem eigenen Arbeitsleben.

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Weitere Infos Wiki-Artikel über John Deere / und den Spielfilm Footloose mit oben beschriebener Szene

Avenita Kulturmagazin

 

Klassiker über Landleben gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Eins der besten Bücher über Landleben. Und der große Erfolg der BBC-Serie, die von 2008 bis 2011 lief,  zeigt was für eine Resonanz das Thema heute immer noch hat. Die Ausgabe auf unserem Foto ist empfehlenswert weil sie alle drei Romane enthält in denen Flora Thompson (5 Dezember 1876 – 21 Mai 1947) aus ihrer Kindheit und Jugend gegen Ende des 19. Jahrhunderts schöpfte. Die Romanfigur Laura Timmins, im Film gespielt von Olivia Hallinan (auf dem Cover der Penguin-Ausgabe zu sehen) repräsentiert die Autorin, deren Mädchenname Timms war. Wir fanden die BBC-Serie gut und schätzen dass sie den meisten Lesern gefallen wird, hier ein Clip, aber wir finden die Romane besser. Die TV-Serie ist romantisch und enthält obendrein viel Humor. Es ist eine Art romantic comedy, wenn auch eine sehr ländliche. Also ein gutes und willkommenes Rezept um Thompson zu popularisieren. Aber die Romane enthalten viel mehr Details über die praktischen Aspekte des Landlebens und der Landwirtschaft: Die Bücher von Lark Rise to Candleford, die zwischen 1939 und 1943 veröffentlicht wurden, sind eigentlich als Roman verpackte Sozialgeschichte. Flora Thompson schreibt detailliert über Themen wie die Dialekte die Leute damals sprachen, was für landwirtschaftliche Werkzeuge und Maschinen sie benutzen, was sie zum Lesen und zum Essen hatten…bis zu der Art wie Kinder damals Früchte und Pilze in Hecken sammelten. Die Penguin-Ausgabe der Romane enthält zudem eine über 8 Seiten lange Einführung von H. J. Massingham der Flora Thompsons Werk in einen weiteren interessanten Kontext stellt.  
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Unsere schwedische Erstausgabe von 'Mehr von uns Kindern aus Bullerbü' (1949) und andere Astrid Lindgren Bücher

Zum 104. Geburtstag der bemerkenswerten Autorin, ein Blick auf einen Aspekt ihres Werks der in heutiger Kinderliteratur kaum noch existiert: Viele Lindgren Bücher haben einen ländlichen, teils spezifisch landwirtschaftlichen Hintergrund. Wir glauben nicht dass moderne Schreiber etwas gegen die Thematik haben, sondern es gibt einfach kaum noch Autoren die, wie Astrid Lindgren, auf einem Bauernhof aufgewachsen sind. Die regelbeweisende Ausnahme (Leser können uns gerne weitere Tipps geben) wäre vielleicht ein Autor wie Erwin Moser (geb. 1954), der auf einem Hof aufwuchs und tatsächlich auch ländliches in seine Geschichten einfließen lässt, hierzu fällt uns aus dem Stehgreif Das Bett mit den fliegenden Bäumen ein. Das meiste an Landwirtschaft In Lindgrens Büchern findet man wohl in der Michel-Reihe, inklusive den Verfilmungen. Die Michel-Filme muten heute schon wie historische Zeitdokumente an. Hier kann man noch mal sehen wie Felder mit Ochsen bestellt werden. Etwas wofür das Fachwissen und die Ausrüstung heute vermutlich selten sind. Man sieht wie Gras bei der Heuernte mit Sensen geschnitten wird und wie die Magd mit Schemel zum Kühemelken hinaus aufs Feld geht. Die Michel-Filme sind fast wie ein Besuch im Landwirtschaftsmuseum. ‘Michel‘ repräsentierte für Astrid Lindgren (1907 – 2002) anscheinend die bäuerliche Kindheit ihres eigenen Vaters und spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ebenso ländlich, aber als Filme noch besser als die Michel-Reihe finden wir die  beiden Bullerbü-Filme von Lasse Hallström. 
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Vor 120 Jahren wurde der ländliche Romanklassiker Tess von Thomas Hardy veröffentlicht. Für uns einer der besten Romane des 19. Jahrhunderts, mit vielen interessanten Aspekten, einer davon ist sicher die Beschreibung Viktorianischer Doppelmoral, was Hardy damals harsche Kritik und sogar Zensur seitens seiner Verleger bescherte. Das Mädchen Tess, die für Hardy die Unschuld vom Lande darstellt, wird von zwei sehr verschiedenen Männer in den Abgrund getrieben. Eigentlich ein archetypisches Thema das schon zu Hardys Zeiten der Stoff von Volksliedern war. Aber seine Darstellung geht über Klischees hinaus, mitunter dadurch dass er als Auslöser der Katastrophe nicht nur den fiesen Landbesitzer Alec zeigt sondern auch den liberalen Pfarressohn Angel Clare, der mit seinem vermeintlich gutem Menschentum ebenfalls viel Schaden anrichtet. Er ist kein Vergewaltiger wie Alec, punktet aber in Sachen Doppemoral reichlich. Ein anderer Aspekt der uns an Tess (1891) gefällt, ist die Fülle an Beschreibungen von Landleben und Folklore des 19. Jahrhunderts. Damit kannte Hardy sich gut aus. Er schrieb über das ländliche Dorset in dem er aufwachsen war. Ob er selber viele Kühe gemolken hat, ist uns nicht bekannt, er hatte ja Architekt gelernt. Aber Hardy hat das Landleben genau beobachtet und Tess damit einen zeitgeschichtlich-dokumentarischen Aspekt gegeben. Zu den Orten die Hardy als Vorbild nahm und im Roman umbenannte, machte er genaue Angaben. Die umgerechnet ca. 50 km Reise die Tess auf Arbeitssuche 
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