Wales und der Mythos von Artus & Merlin

Wir hatten das Glück für längere Zeit in Wales zu leben, ganz im Westen von Britannien. Damals konnte man dort billige, etwas verfallene Häuser kaufen und aufmöbeln. Alles in allem lebten wir etwa zehn Jahre dort. Wales und auch andere Teile der Britischen Inseln die wir kennengelernten, hat uns sehr gefallen und ein Gefühl von Verbundenheit zu Land, Leuten und Kultur ist uns bis heute geblieben. Eigentlich ist Wales auf den ersten Blick nicht umwerfend spektakulär. Es ist eine eher schlichte Landschaft: Der Himmel ist oft grau, das Land ist sehr grün, von sanften Hügeln und verwinkelten Feldern bestimmt. Häuser und Bauernhöfe sind meist ziemlich klein, aus dem grau-grünlichen Schiefer der alten Steinbrüche von Wales gebaut. Bei einem Besuch von den meist sehr kleinen Wirtshäusern mit einem gemütlichen Feuer im Kamin, liebten wir es, der alten walisischen Sprache zu lauschen und uns vorzustellen wie sich Gespräche unter Kelten vor Tausenden von Jahren wohl anhörten. Vermutlich ähnlich wie heute. Walisisch hat einen eigentümlichen Tonfall, einen sympathischen Sing-Sang der durch eine stärkere Betonung und Dehnung von Vokalen, ganz anders klingt als Englisch oder irgend etwas das man schon mal gehört hat. Wenn man die engen Straßen zwischen walisischen Dörfern befährt, ist man links und rechts meist von uralten meterhohen Hecken umgeben die als natürliche Umzäunung der Felder dienen und dem Fahrer das Gefühl geben, durch einen Tunnel aus Blättern und Zweigen zu fahren. Merkwürdig, aber dieses Gefühl, beschützt und wohlbehütet zu sein, ist einer der nachhaltigen Eindrücke den Wales uns gegeben hat. Als wir später in einem ganz anderen Teil von Europa lebten, hatten wir das Gefühl dass es nicht nur die Dinge sind die wir tun, die Bücher die wir lesen, die Erfahrungen die wir machen, welche unsere Persönlichkeit formen, sondern auch das Land, die Landschaften selber. Wie es in den mit Wales verbundenen Legenden um Artus, Merlin und den Gral heißt: Du bist ein Teil des Landes und das Land ist ein Teil von dir. Vielleicht gibt es in Mythen eine Wahrheit die tiefer geht als historische Begebenheiten

Welche ist die schönste Region von Wales? Wir werden in dieser Serie über viele interessante Orte in Wales schreiben aber von allen Gegenden kennen wir die Region Dyfed (sprich etwa: Daffid) im Südwesten von Wales am besten. Besonders die Grafschaften Carmarthenshire, Cardiganshire und Pembrokeshire. Diese Ecke können wir als Start für einen Wales-Urlaub empfehlen. Hier gibt es Burgen, archaische Monumente und 186 Meilen Küstenpfad, den Pembroke Coastal Path zu entdecken. Mit dabei: Felder, Kühe und Schafe. Da der Pfad teils ziemlich hoch über dem Meeresspiegel liegt, ist der Ausblick fantastisch und man sieht manchmal Seehunde und Delfine. Dort entlang zu spazieren, mit dem Wind inden Haaren, gelegentlich zum Brombeerpflücken anzuhalten, gehört zu unseren schönsten Erinnerungen an Wales

Welche Städte in Wales sollte man besuchen? Dazu gleich eine Übersicht. Aber idyllisch im Sommer und ein solider Tipp als Start für einen Wales-Urlaub wäre das mittelalterliche Küstenstädtchen Tenby, oder etwas in dieser Umgebung, mit schönen Stränden und Ausflugsmöglichkeiten. Vom Tenbys Hafen aus kann man die Insel Caldey Island per Boot besuchen. Die Insel ist übrigens einer der Kandidaten für das Avalon der Artus-Legende. Heute zeugt ein Mönchskloster auf der Insel und ein uralter, mit druidischen Ogam-Zeichen behauener Stein davon dass der Ort in verschiedenen Epochen einen religiösen Stellenwert hatte. Eine Höhle namens Nanna’s Cave auf der Ostseite der Insel wurde schon vor über 8000 Jahren, als Caldey noch nicht von Wasser umgeben war, von Jägern und Sammlern benutzt

Unsere Geheimtipps für Unterkunft in Pembrokeshire und Umgebung? Gaststätten und Bauernhöfe bieten fast überall Bed & Breakfast an. Aber unser Tipp, speziell für Leute die noch nicht im Lotto gewonnen haben, wäre Jugendherbergen auszuchecken. Einige davon, wie Marloes Sands, sind idyllisch an der Küste gelegen und sehen aus wie aus dem Bilderbuch. Preise variieren, sind aber um die 20 Euro.

Unserer 20 Ausflugstipps für Pembrokeshire, Tenby und Umgebung? Wir haben versucht Orte und Sehenswürdigkeiten in einer Reihenfolge anzuordnen die man einigermaßen als Rundfahrt erkunden kann. Sie mögen keine Burgen? Sehen Sie es als Stationen an, der Weg dorthin ist das schönste. Alle Kilometerangaben sind ungefähr und abhängig von jeweiligen verschiedenen Routen etc.
1. Carew Castle Burgruine & Keltenkreuz, ca. 8 km westlich von Tenby
2. Manobier Castle 11. Jhr. Burgruine ca. 10 km westl. von Tenby. Jugendherberge: Manobier
3. Lamphey Palace Bischofssitz aus dem 13 Jhr. ca. 12 km westl. von Tenby
4. Pembroke Stadt mit Burgruine bei Flussmündung, ehem. Malteserorden. ca. 15 km westl. Tenby
5.St. Govan’s Head Kapelle, 6. Jhr. (Govan = Gawain?) an Klippen nahe des Dorfes Bosherston
6. Narberth Nettes Städtchen zwischen Tenby und Newport
7. Oakwood Theme Park Falls Halligalli für Kinder benötigt ist: Ein Freizeitpark bei Narberth
8. Llawhaden Castle Ruine aus dem 13. Jhr. ca. 6 km nördlich von Narberth
9.Rosebush Alter Schiefersteinbruch mit Arbeiterhäusern, Pubs, Cafés, ca. 15 km nördl. Llawhaden
10. Cardigan Schönes Städtchen an der Mündung des Flusses Teifi (Jugendherberge: Poppit Sands)
11. Cilgerran Castle Burg aus dem 13. Jhr. 4 km. südlich von Cardigan
12. St. Dogmaels Abbey 12 Jhr. Klosterruine 5 km westl. Cardigan
13. Dolmenmonument Pentre Ifan 5000 Jr. alt. Nähe Küstendorf Newport, Pembrokeshire (nicht in Gwent)
14. Eisenzeitdorf Castell Henllys Rekonstruktion. Blick auf prähistor. Lebensweise. Nahe Jugendherberge
15. Nevern Dorfkirche mit legendärer Eibe, dem Bleeding Yew Tree, nahe Newport, Pembrokeshire
16. Fishguard Hafen 10 km westl. Newport. Drehort von Moby Dick. (Jugendherberge: Pwil Deri)
17. Haverfordwest Marktstadt mit Cafés, Läden, Burgruine. Jugendherbergen: Broadhaven, Marloes Sands
18. St. David’s Mittelalterl.. Kathedrale, Jugendherb., Merlin-Legenden um Sprechenden Stein Llechllafar
19. Laugharne Boothaus des Dichters Dylan Thomas in Carmarthenshire. Ebenfalls: Laugharne Castle
19. Carmarthen Carmarthenshires Hauptstadt, Reste röm. Amphitheaters. Legendärer Geburtsort Merlins

Spielfilme in Wales: Von Bergen, Bergwerken & alten Göttern? Der Titel Der Engländer der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam (1995) klingt merkwürdig, ist aber einer guter Film Marke Romantic Comedy. Landvermesser Hugh Grant kommt im Jahr 1917 als Engländer, also Ausländer, ins tiefste ländliche Wales und freundet sich, nach anfänglichen Problemen, mit den Einheimischen an. Der Hügel um den es geht und den die stolzen Waliser im Film mit allen Mitteln als Berg klassifiziert haben wollen, existiert tatsächlich in Südwales und heißt Garth Hill, bei dem Dorf Pentyrch in der Nähe der walisischen Hauptstadt Cardiff. Der Film machte den Berg zum Touristenmagneten. Behörden machen sich allerdings auch Sorgen um die bronzezeitliche Grabstätte die sich auf dem Berg befindet. Empfehlenswert ist auch der Film ‘So Grün war mein Tal‘ (1941) der im walisischen Bergarbeiter-Milieu um die Jahrhundertwende spielt. Großfamilien-Idyll und Dorfgemeinschaft kommen hier während Streiks ins Wanken. Der Klassiker des Regisseurs John Ford, mit Maureen O’Hara in der Rolle von Angharad Morgan, gewann 5 Oscars und basiert auf dem Roman des Walisers Richard Llewellyn. Wer sich für echten Bergbau in Wales interessiert, kann im walisischen Blaenafon das National Coal Museum besuchen, ein echtes Kohlebergwerk von anno 1860. Rundführungen gehen durch alte Kohlenfelder in 100 Meter Tiefe. Blaenafon liegt von Tenby aus allerdings über 120 km. westlich, nahe Pontypool. Leser die mystisch angehauchte Filme mögen, könnten den in Wales spielenden und in Wales gedrehten TV-Film The Owl Service (1969-1970) interessant finden. Nach gleichnamigemRoman von Alan Garne, in Britannien als Kultklassiker verehrt. In Deutschland, wo es  als Eulenzauber erschien, ist das Buch weniger bekannt. In einem Haus im ländlichen Wales finden Jugendliche auf dem Dachboden alte Teller mit Eulen-Bildern und erwecken dadurch unwissentlich walisische Legenden zum Leben. Das Schicksal von drei mythologischen Figuren beginnt sich in der Gegenwart zu wiederholen. Der Film ist nur auf Englisch erhältlich und eher für Erwachsene als für Kinder.

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Berühmte Waliser: Hollywood calling? Es gibt erstaunlich viele berühmte Waliser, besonders wenn man bedenkt, wie relativ dünn Wales besiedelt ist. Wales hat etwa die Größe von Hessen, aber mit weniger als 3 Millionen nur halb so viele Einwohner. Angeblich waren fünf von den ersten sechs US-Präsidenten walisischer Abstammung, was wie eine Verschwörungstheorie klingt: The Welsh Connection! Ist das möglich? Tatsache ist dass Julia Gillard, die heutige Premierministerin von Australien, 1961 in Südwales in einer Bergarbeiterfamilie geboren wurde. Dann wären da noch Waliser wie Tom Jones, die Rockbands Stereophonics, Manic Street Preachers (starkes Lied), der U2-Gitarrist Edge, Catherine Jenkins, Duffy und der Opernsänger Bryn Terfel und die Opernsängerin Gwyneth Jones. Und wo wir bei Gwyneths Brünnhilde sind: Den Schock unseres Lebens bekamen wir als wir herausfanden dass eine Waliserin namens Winnie Williams keine andere war als die Mutter eines gewissen Wolfgang Wagner (1914-2010). Bei Wotan, da lief uns ein eisiger Schauer über den Rücken: Diese windigen Waliser haben sogar Bayreuth unterwandert! Und was ist mit unserem Hollywood-Aufhänger in der Titelzeile? Neben dem in Südwales geborenen Richard Burton, haben angeblich auch Tom Cruise und Russell Crowe Waliser im Stammbaum. Möglich, denn ähnlich wie Irland, verlor das früher wirtschaftlich arme Wales viele Leute durch Auswanderung

Walisische Worte in der deutschen Sprache? Ein Wort dass, gemäß Google-Suche, ein gewisses Markenzeichen in Deutschland zu sein scheint, ist  die walisische Käsesorte Caerphilly. Aus der Stadt deren Name auf dem walisischen Caer für Festung beruht. Die Käsesorte gehörte im 19. Jahrhundert zum typischen Proviant für Bergarbeiter untertage in den Minen. Eine interessante sprachliche Verbindung ist auch dass man in Deutschland für Poree oder Lauch gelegentlich den Namen Welschzwiebel benutzt. Wobei diese Gemüsesorte ein walisisches Nationalsymbol ist dass man heute auf vielen britischen Ein-Pfund-Münzen sieht. Der Lauch wächst tatsächlich sehr gut in der walsischem Erde, und wenn man ihn in Scheiben schneidet und mit Speck und Rosmarin anbrät und dann mit ein paar Kartoffeln und Karotten in Wasser oder Hühnerbrühe kocht, wird eine Cawl Cennin, eine walisische Lauchsuppe daraus. Die zwei bekanntesten Wörter walisischer Herkunft sind sicherlich Excalibur und Avalon. Verbreitet durch unzählige Romane, Filme und Musik in der Popkultur, ist Avalon in der walisischen Mythologie so etwas wie das Reich der Götter, eine Insel auf der Menschen mit den Göttern in Verbindung kommen, wörtlich übersetzt die Insel der Äpfel. Beruhend dem alten walisischen Wort Aval für Apfel, ist Avalon obendrein der Ort wo gemäß walisischer Mythologie das legendäre Artus-Schwert Excalibur geschmiedet wurde. Der Name kommt von einer latinisierten Form des walisischen Worts Caledfwlch, was in etwa Harter Blitzschlag bedeutet und vielleicht ein Hinweis auf eine meteoritische Herkunft seines Eisens sein könnte. Was ist dran an den alten Namen und den damit verbundenen Mythen? Auf Anhieb erscheint die walisische Legende, dass derjenige der das Schwert aus dem Stein zieht, der zukünftige König ist, wie völlige Fantasie und Aberglaube. Bis man darauf kommt dass man Schwerter wirklich mal ‘aus dem Stein‘ gezogen hat, nämlich dem Stein aus dem die Formen zum Gießen von Bronzeschwertern waren. Now, that’s magic!

Was bedeuten walisische Vornamen? Haben wir Ihnen mit unserer keltischen Magie jetzt so den Kopf verdreht dass Sie Stammesmitglied werden wollen? Suchen Sie sich erstmal einen ordentlichen walischen Namen aus, viele davon klingen nämlich wie Feen und Zwerge aus Tolkiens Herr der Ringe. Auch die Bedeutungen muten archaisch an, Der Frauenname Bronwyn bedeutet Weiße Brust. Und Angharad, wobei das mittlere a betont wird, Die sehr Geliebte. Der Name Morgan (Vom Meer) erinnert an die Artussage. Gwyneth (blond, gesegnet) ist durch Schauspielerin Mrs. Paltrow bekannt. Der Name Rhiannon (große Königin) durch das Lied von Fleetwood Mac. Walisische Männernamen wie Dai (glänzend) oder Gruffyd (Prinz) zergehen uns nicht ganz so wonnig auf der Zunge wie die weiblichen Namen. Wir mögen den walisischen Jungennamen Bryn (sprich: brinn) ganz gerne aber das Problem ist, wenn sich der Namensträger zu einem etwas korpulenteren Zeitgenosssen entwickelt, ist es peinlich, Leuten zu erklären dass der Name Berg bedeutet. Aber tauchen wir ein Stück weiter in die walisische Vergangenheit

Stonehenge-Verbindung mit Wales und Pembrokeshire? Die Legenden die Geoffrey von Monmouth im 12. Jahrhundert in der Historia Regnum Britanniae, seiner ‘Geschichte der Könige Britanniens’ verarbeitete, konstatieren tatsächlich eine Verbindung von Stonehenge zum Mythos des walisischen Merlins. Das ist eine Verbindung die von Historikern natürlich nicht ernst genommen wird, denn was sollte das neolithische oder bronzezeitliche Stonehenge mit den frühmittelalterlichen Artus-Sagen zu tun haben? Eine alternative Perspektive entsteht jedoch wenn man Figuren wie Merlin und Artus nicht ausschliesslich versucht, auf spezifische Einzelpersonen festzunageln sondern in Betracht zieht, ob sich hinter solchen enigmatischen Namen wie Merlin und Artus die Spuren von uralten Amtsnamen, wie zum Beispiel Priesterämtern verbergen? Legenden geben keine Fakten aber manchmal interessante Anhaltspunkte. So fand man zum Beispiel erst im 20. Jahrhundert heraus dass die 80 Steine im Inneren von Stonehenge tatsächlich vor ca. 4500 Jahren aus Wales kamen. Besser noch, aus dem schönen Pembrokeshire. Stammt daher vielleicht die mythologische Verbindung Stonehenge und Merlin? Den Ursprungsort der walisischen Stonehenge-Quader, bluestones genannt, kann man sogar besuchen: Die Preseli Hills von Pembrokeshire sind eine einsame Berglandschaft die man auf den kleinen Straßen in der Gegend um das Dorf Mynachlog Ddu durchfahren und bewandern kann. Etwa 2 km nordwestlich von hier ist die Felsgruppe namens Carn Menyn, nahe den kleinen Resten eines ehemals 13-teiligen Steinkreises namens Bedd Arthur (wörtl. Artus-Grab). Dies ist erwiesenermaßen Ursprungsort der zentralen und vermutlich wichtigsten Steine von Stonehenge. Eine Theorie für den enormen Aufwand des ca. 250 km langen Steintransports ist dass der Preseli Bluestone, als heilkraftspendend angesehen wurde. Den Legenden gemäß, brachte der walisische Merlin diese Steine allerdings aus Irland. Spielt bei diesem Widerspruch vielleicht eine Rolle dass Iren zeitweise Teile von Wales besetzten und irische und walisische Mythen sich hier vermischen? Oder ist die Legende ein Hinweis darauf dass sich die Megalithkultur tatsächlich von Irland aus (wo es eine noch höhere Dichte von Monumenten als in England, Schottland & Wales gibt) weiter nach Westen verbreitete?

Gute Verfilmungen des Mythos von Artus & Merlin? Wir mögen Uli Edels Verfilmung Die Nebel von Avalon (2001), auch wenn einige Privatrezensenten bei Amazon den Film mit typisch deutscher Missgunst in der Bewertung runtergezogen haben. Aber Spielfilme sind nun mal keine Dokus über Kelten-Forschung sondern Abenteuer und Unterhaltung. Unser Favorit unter den Artus-Verfilmungen ist jedoch Excalbur (1981) von John Boorman (hier ein Fan-Trailer). Der Film basiert auf Thomas Mallorys Artus-Erzählung Le Morte d’Arthur aus dem 15. Jahrhundert und haut schamlos in die mystisch-mythologische Kerbe. Dies verbindet der Film allerdings mit ultra-realistischen Kampfszenen, bei denen die Rüstungen so schwer wirken dass die Ritter regelrecht torkeln. Excalibur ist übrigens der Film mit den längsten Strecken von Wagner-Musik (Ausschnitte von Parsifal, Tristan, Siegfried und Götterdämmerung) den wir kennen. Kommt gut und wir empfehlen den Film, obwohl wir das Freigabealter, gemäß FSK: ab 12, aufgrund derber Kampf- und Sexszenen eher auf 16 geschätzt hätten. Der deutschen DVD wurde von ‘Marketing-Genies’ leider ein mittelprächtiges verpasst, das den Charakter des Films nicht rüberbringt, deshalb listen wir bei unseren Amazon-Links auch die UK-Version mit dem düsteren Original-Kinoposter auf dem Cover

Romantische Romane zur Artuslegende? Die meisten Leser werden Marion Zimmer Bradleys exzellenten Roman und die Verfilmung Nebel von Avalon (2001) von Uli Edel schon kennen. Deshalb wollen wir zusätzlich, im kurzen Überblick, auf vier andere interessante Werke hinweisen. Erstens, Diana L. Paxson und ihre im alten Wales spielende Roman-Reihe die mit ‘Die Herrin vom See (1999) beginnt. Der Stil der Bücher, mit genre-typischen Zeilen über die Götter ihres Volkes oder das Blut des Volkes ihrer Mutter etc, wird nicht jedermanns Sache sein aber wir finden es eine unterhaltsame, unterbewerte Roman-Tetralogie. Es schien uns als ob die Autorin versuchte, das Lebensgefühl von Menschen zu schildern die damals – so kann man ja mutmasßen – in der Natur und in dem Land das ihnen heilig war noch die Anwesenheit der Götter spürten. Lesern denen solche Sachen zu mystisch sind, haben wahrscheinlich mehr Freude an Bernard Cornwells sehr guter Artus-Trilogie die mit Der Winterkönig (1995) beginnt. Ebenfalls interessant ist die in Deutschland weniger bekannte Merlin-Trilogie (1970-79) von Mary Stewart die mit dem Roman Flammender Kristall (1970) beginnt und im englischsrachigen Raum eine große Fan-Gemeide hat. Unser vierter Tipp ist Evangeline Walton‘s Roman-Tetralogie Die vier Zweige des Mabinogi (1936-1974) die auf der walisischen Sagensammlung namens Mabinogion basiert. Wir werden im Laufe dieser Serie auf alle Bücherreihen genauer eingehen. Aber wer neugierig ist, findet Amazon-Links dafür am Ende des Artikels

Gute musikalische Interpretationen des Artus-Mythos? Einer der ersten kommerziellen Erfolge war Rick Wakemans The Myths & Legend of King Arthur (1975) aber obwohl der Keyboarder der Progrockband-Yes einer unser Lieblingsmusiker ist, wird dieses Album, für unseren Geschmack, von grottenschlechten männlichen Gesangsstimmen sabotiert. Geschmacksache natürlich, aber besser finden wir das 2009-Album Fame and Glory (unplugged Live Clip) der britischen Folkrockband Fairport Convention, in Kooperation mit den bretonischen Musikern Alan Simon und Dan Ar Braz und britischen Folk- und Rockstars wie Jethro Tulls Martin Barre und Pentangles Jacqui McShee. Wir fordern dass Fairport-Sänger Simon Nicol sich die Haare langwachsen läßt und der neue Gandalf wird! Auch Alan Stivells The Mist of Avalon (1991) enthält gute Lieder aber unser Toptipp ist das as Folkrock-Album Arthur the King (2001) von Maddy Prior, Sängerin der Folkrocker Steeleye Span. Die Musik geht etwas in Richtung Clannad, mit traditionellen irischen instrumenten wie Uilleann Pipes und Penny Whistle plus akustischen Gitarren, gekoppelt mit modernen Schlagzeug-Rhytmen und Keyboards. In den Texten werden gängige Klischees über Artus vermieden und das CD-Booklet  enthält stattdessen Erklärungen zu den Liedertexten die versuchen, die historische Epoche eines Mannes wie Artus zu ergründen. In dem Lied Sentry geht es zum Beispiel um die Theorie dass nach Abzug der Römer aus Britannien, ein Mann der Pferde besaß und sie strategisch zu nutzen wusste, eine Führungsrolle á la Artus gehabt haben könnte. Eine Textprobe, frei von uns aus dem Englischen übersetzt: ‘Die alten römischen Städte sind unsere Verstecke, Die lateinische Sprache ist schon lange verschwunden, weggeblasen mit dem Staub der abreisenden Legionen‘. Auch musikalisch spannend gemacht, das Lied Tribal Warriors zum Beispiel klingt als ob jemand wie Peter Gabriel ein fetziges keltisches Folk-Lied arrangiert hätte.

Gutes Album um walisische Volkslieder kennenzulernen? Es gibt wundervolle walisische Volkslieder, als wir zum erstem Mal zufällig Ar Lan y Mor (Am Meeresufer, hier als Version von Siân James) hörten, stoppten wir das Auto, lauschten gebannt und fragten uns: Was ist das? Es war damals allerdings die (nicht auf YouTube vorhandene)Version des walisischen Opernsängers Bryn Terfel, vom Album We’ll keep a Welcome (2000),  zusammen mit dem Orchester der Welsh National Opera. Mit weiteren schönen Volksliedern wie Suo-Gân (Wiegenlied), Bugail Aberdyfi (Der Schäfer von Aberdyfi), Hiraeht (Heimweh) und die walisische Nationalhymne Hen Wlad fy Nhadau (Land meiner Väter) dessen erste Strophe auf Deutsch übersetzt etwa so lautet: Das Land meiner Vater ist mir so lieb, Altes Land in dem Dichter und Sänger frei und geehrt waren, Seine tapferen Verteidiger, so tapfer und ritterlich, für die Freiheit gaben sie ihr Blut. Bryns Version ist nicht online aber hier ist eine Art Folkrock-Version der Walisischen Nationalhymne, mit Gitarren, Schlagzeug und Chor, für die manche Leser eine Packung Tempo-Taschentücher benötigen werden

Lohnt es sich Walisisch zu lernen? Wer mit dem Gedanken spielt, eine keltische Sprache zu lernen, sollte Walisisch ins Auge fassen. Obwohl die Waliser, mit einem sympathisch markanten Akzent, alle auch perfektes Englisch sprechen, ist Cymraeg (Walisisch) absolut kein Museums-Artikel sondern wird, speziell in Regionen wie Pembrokeshire, praktisch in jedem Laden, jeder Tankstelle, jeder Bank und jeder Schule gesprochen. Walisisch-sprachiges Fernsehen und Radio expandieren seit Jahren und die Waliser reagieren sehr positiv, keineswegs höhnisch, wenn man als Ausländer, und sei es eher schlecht als recht, mit ein paar kleine Redewendungen aufwartet. Vielleicht spielt dabei eine Rolle dass noch zu Zeiten des Dichters Dylan Thomas (1914-1953) Walisisch ein gesellschaftliches Stigma war. Der Dichter wurde, unglaublich aber wahr, von walisischsprachigen Eltern nur auf Englisch erzogen und schrieb auch alle seine Gedichte auf Englisch. Gut sind sie trotzdem. Wales und seine Sprache hat bis jetzt sämtliche Stürme überstanden. Die Waliser nennen sich in ihrer Sprache Cymru, was  Landsmann bedeutet und wie Kamri ausgesprochen wird. Sprach-Lernsoftware für Cymraeg ist erhältlich.

Mitgestaltungsmöglichkeiten für Leser in dieser Serie? Sie können uns gerne Fotoberichte von ihren Reisen in Wales schicken.

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