Kulturmagazin

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Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Archive for 'Books'

Prog Top-10: Genesis & Peter Gabriel

Supper’s Ready: Mit William Blake & Gebetskapseln

Die Band Genesis hat uns damals als wir Teenager waren, erstaunlich viel bedeutet. Wahrscheinlich hat kaum jemand von uns danach nochmal eine Band so verehrt. Genesis hatten damals noch nicht den Status eines allseits bekannten und beliebten Markenartikels sondern waren eine Art Geheimtipp mit einer künstlerisch-intellektuellen Aura. Als wir auf ein Konzert der ‘Lamb lies down on Broadway’ Tour wollten, bekamen nicht alle ein Ticket. Wir standen draußen vorm Stadion und ärgerten uns schwarz. Das bisschen was man von der Musik draußen hören konnte, machte einen nur noch bitterer. Unsere Freunde machten heimlich eine ziemlich gute Kassettenaufnahme vom Konzert, inklusive Peter Gabriels netten deutschsprachigen Erklärungen zwischen den oftmals obskuren Liedern: ‘Die junge Mann ko-o-mmt aus die U-Bahn mit eine Spraydose in die Hand und die Welt scheint so fremd für ihn…’. Oder so ähnlich. Peter Gabriel war immer schon eine Art ehrenamtlicher Seelendoktor und Sozialarbeiter. Wenn man heute die alte Genesis-Musik hört, wundert man sich fast, wie wir diese ungewöhnliche, eigentlich un-rockige Musik so mochten. Wir kannten jede musikalische Nuance, jedes Wort auswendig. Diese Musik war nicht tanzkompatibel, die Texte waren keine konventionellen Liebeslieder über Frauen. Aber es lief es uns sprichwörtlich eiskalt über den Rücken als in dem Lied ‘The Musical Box’ ein alter Mann, versunken in Isolation und Kindheitserinnerungen, schrie: Du stehst da mit erstarrter Miene und zweifelst alles an was ich sage…warum berührst du mich nicht – jetzt, jetzt, jetzt! So was hatten wir noch nie gehört. Und so ging es weiter: Bizarre Texte über Missetaten von viktorianischen Kindermädchen, über fleischfressende Pflanzen, mythologische Figuren, Isolation und Entfremdung, Mehr Hermann Hesse als Elvis Presley. Als Peter Gabriel nach sechs Studioalben Genesis verließ, waren die neuen Alben, mit Phil Collins am Mikrofon, für uns anfangs eine relative Entäuschung, besonders nach dem komplexen Doppelalbum ‘The Lamb lies down on Broadway‘ (1974). Herrgott, wir schrieben sogar einen (hoffentlich unabgeschickten) Brief an die Band in dem wir uns ernsthaft besorgt über die ‘kommerziellen Tendenzen’ des neuen Alben äußerten? Leser die jetzt murmeln: Eure Sorgen hätt’ ich gern, haben völlig Recht, aber es gab ja damals noch keine vernünftige Unterhaltung für junge Menschen, so wie ‘Deutschland sucht den Superstar‘. Im Ernst: Von Rock, Pop, Film oder TV zu erwarten, dass es immer bahnbrechende Kunst und nicht auch mal Unterhaltung sein kann, ist weltfremd oder dogmatisch. Aber so wunderbar klipp und klar und über jeden Zweifel erhaben zu sein, das ist nun mal das Privileg der Jugend. Wir werden Ihnen, liebe Leser, in dieser Serie die 10 besten Lieder unserer vielleicht letzten großen Lieblingsband vorstellen. Mit vielen Geschichten, Infos und Anekdoten die wir im Laufe der Jahre gesammelt haben. Dabei werden wir auch auf einige Solo-Projekte von Gabriel, Collins und anderen Bandmitgliedern eingehen. Jetzt, zum ersten Lied

Supper’s Ready: Das archetypische Progrockstück? Falls Sie das Pech – oder Glück – hatten, die klassische Ära des Progressiven Rocks der frühen 1970er Jahre nicht miterlebt zu haben und vielleicht gar nicht so genau wissen was Progrock eigentlich ist, könnte das Genesis-Album ‘Foxtrot (1972) einer nützlicher Anfang sein. Denn das knapp 23 Min. lange Stück ‘Supper’s Ready‘ verkörpert so gut wie alles was am Genre des Progressive Rock spannend und experimentell war. Ein, zwei andere Lieder auf dem Album veranschaulichen, hier und da, auch wie Progrock sich gelegentlich in den Fuß schießen konnte. Für uns klingt z. B. das 1:30 minutenlange pseudo-wagnerianische Mellotron-Intro zu ‘Watchers of the Skies’ heute arg bleiern – und unnötig, denn die restlichen sechs Minuten des Lieds sind gut. Eine Sache die das phänomenale Titellied ‘Supper’s Ready‘ mit anderen Progklassikern wie ‘Close to the Edge’ von Yes gemein hat, ist dass hier keine konventionelle Lied-Struktur nach dem Muster Strophe/ Refrain/ Strophe vorhanden ist, jedenfalls nicht regelmäßig und offensichtlich. Obwohl Passagen wie ‘Baby, with your guardian eyes so blue’ und ‘I’ve been so far from here…’ am Anfang sowie am Ende des Lieds gespielt werden, ist das Gesamtgefühl, dass ‘Supper’s Ready‘ eine lineare Struktur hat und sich von einem musikalischen Element zum nächsten entwickelt. Dies gibt dem Lied den Charakter einer Geschichte oder sogar einen kleinen Rock-Oper. Ein Eindruck der damals auch dadurch bestärkt wurde, dass Peter Gabriel auf der Bühne dazu in verschiedenen Masken und Verkleidungen auftrat

Was für eine Geschichte wird in Supper’s Ready erzählt? Musiker geben auf solche Fragen meist ungern exakte Antworten, vielleicht weil es in der Natur der Kunst liegt dass vieles auf intuitive, improvisatorische Weise erarbeitet wird und dadurch etwas entsteht das verschiedene Interpretationen erlaubt. Gut so. Aber in den bruchstückhaften Bildern, Erinnerungsfetzen, Fantasien und Albträumen des Textes von ‘Supper’s Ready‘ sind für uns persönlich drei Themen kaum zu übersehen: Drogen, Religion, Wahnsinn. Sofort nachdem der Protagonist des Lieds in der ersten Zeile den Fernseher ausgeschaltet hat und sich neben seinen echten oder imaginären Partner hinsetzt, beginnen surrealistische Visionen die sowohl religiöse sowie psychopharmazeutische Konnotationen haben: Kreuztragende Figuren mit Kutten, Magog, die Zahl 666, die Apokalypse und ein Engel in der Sonne werden erwähnt. Hinweise darauf dass es um jemanden gehen könnte, der drogeninduzierte Visionen hat oder sich vielleicht sogar in Behandlung befindet, geben (von uns übersetzte) Zeilen wie: ‘Und sie geben mir eine wundervolle Medizin, weil ich meine Gefühle nicht kontrollieren kann, und obwohl ich mich gut fühle, sagt mir irgendwas, dass ich besser meine Gebets-Kapseln nehmen sollte’. Auch den Begriff ‘Guaranteed Eternal Sanctuary Man’ im Lied könnte man als‘garantiert für immer in der Anstalt’ deuten. Hier besteht eine gewisse Parallele zu Pink Floyds sieben Monate später veröffentlichtem Album ‘Dark Side of the Moon’ das ebenfalls Themen wie Wahnsinn und Religion enthält.. Verblüffenderweise schaffen beide Alben es, ihre lyrisch ziemlich düsteren Themen mit großteils melodischer und oftmals ekstatisch klingender Musik zu verbinden. So schmelzen die fragmentarischen Elemente von ‘Supper’s Ready’ zu einem faszinierenden Gesamtbild zusammen. Wenn Kunst uns erlaubt, eigene Interpretationen zu wagen, kommen wir bei ‘Supper’s Ready’ auf folgenden Gedanken: Was ist die Grenze zwischen Religion und Wahnsinn? Folgend stellen wir einige der interessantesten musikalischen Momente des Stücks Supper’s Ready vor, hier der entsprechende YouTube Clip dazu.

Möchten Sie unsere 14 Lieblingsstellen von Supper’s Ready kennenlernen? Keine Sorge, ganz normal!
1.  0:01 Gabriels Stimme wird, eine Oktave höher, von Gabriel selbst und 12-string Akustikitarre begleitet
2.  2:39 Tony Banks setzt mit ‘hüpfender‘ Melodie auf E-Piano ein. Ab 3:19 kommt Gabriels Querflöte dazu
3.  4:22 Phil Collins’ Backbeat am Schlagzeug setzt ein, ab 4:30 spacige Gitarrenklänge von Steve Hackett
4.  5:29 Abrupter Stop – typisch Prog! – dann Kinderstimmen. Flöte greift kurz wieder Anfangsmelodie auf
5.  6:32Waiting for Battle‘ Damit beginnt eine Art Rock / Militärmusik, mit Trommelwirbeln & Flötentrillern
6.  7:41 Fette Staccato-Klänge von Hacketts Gibson Les Paul, ab 8:04 mit Keyboard-Harmonie, noch fetter
7.  8:34 Day to celebrate, Schlacht gewonnen. Auf die Staccato-Riffs folgt eine fröhliche Gesangsmelodie
8.  9:40 Volumen wird wieder völlig runtergeschraubt – um so effektiver ist der Einsatz ‘A Flower?‘ bei 11: 03
9.  12:28 Umpah-Rhythmus wird vom Ruf All change unterbrochen. Staccato-Piano á la Queen setzt ein
10. 13:38 Erneuter Umpah-Rhythmus bricht abrupt ab. Stattdessen: Atmoshärische Keyboardklänge
11. 15:37 Hypnotischer, pumpender Rhythmus zu apokalytischen Bildern: ‘Guards of Magog‘ etc.
12.. 20:04 Röhrenglocken* und Gabriels ‘Hey babe’ leiten musikalischen Wechsel und Mega-Finale ein
13.  20:30 Peter Gabriel singt um sein Leben, Gänsehaut-Gitarrenriffs, Aufnahme im Progrock-Himmel
14.  22:57 Alles per Pausentaste ausgecheckt? Dann werden Sie hiermit zum Prog-Trainspotter ernannt!
* Auch tubular bells genannt. Somit wären Genesis Mike Oldfield mit diesem Orchesterinstrument fast um ein Jahr zuvorgekommen

Albumcover: Anspielungen auf Supper’s Ready und ein vergangenes England? Es gibt drei LP-Cover mit einer Verbindung zu Supper’s Ready: Auf ‘Genesis Live (1973) sieht man die Band während des Lied-Segments ‘Apocalypse in 9/8′ von Supper’s Ready, wo Peter Gabriel ab der Zeile ‘666…’ eine schwarze Kutte und eine Art umgekehrte Pyramide auf dem Kopf trägt. Kurios zu sehen, wie andere Bandmitglieder damals noch brav über ihre Gitarren gebeugt auf Stühlen saßen. Hinweise auf den künstlerischen Hintergrund der Band geben auch die Cover für ‘Nursery Cryme‘ (1971) und ‘Foxtrot‘ (1972). Wir besitzen beide als Vinyl-LPs und empfehlen Design-Fans und LP-Sammlern besonders das erstgenannte, mit einem unserer Lieblings-Progrock-LP-Designs. ‘Nursery Cryme‘s Cover deutet – speziell wenn Vorder- und Rückseite aufgeklappt das Gesamtbild ergeben – auf eine Faszination an einem traditionellen, viktorianisch geprägten England, einer Welt mit Hausmägden und Croquet auf dem gepflegten Rasen aristokratischer Landhäusern.

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Die Spieldose ‘The Musical Box’ ist hier ein archetypischer Artefakt der Epoche und zugleich das zentrale Lied von ‘Nursery Cryme’. Die Spieldose wird auch wieder in Supper’s Ready in der Zeile ‘like the fox on the rocks, and the musical box’ erwähnt. Die Hauptfigur des Foxtrot-Albumcovers die, halb Mensch, halb Fuchs im roten Abendkleid, auf einer Eisscholle vor Jägern und Hunden (die nur aufgeklappt zu sehen sind) entkommt, beruht auf Bühnenklamotten die Peter Gabriel in Konzerten bei dem Lied The Musical Box’ trug. Unser Gesamteindruck dieser Genesis-Periode der frühen 70er Jahre? Das vom 19. Jahrhundert geprägte Milieu der gehobenen Mittelschicht aus dem die Internatsschüler Gabriel und seine Bandkumpanen stammten, war eine Welt die in den 60er, 70er Jahren sehr starke Auflösungserscheinungen hatte. Dass diese Welt im Widerspruch zur Popkultur stand und dennoch als Nährboden für ihre Avantgarde diente, ist ein faszinierender Aspekt von Genesis. Die Band machte das ihr anhaftende wunderlich-britische zum Markenzeichen und vermied selbst in ihrer späteren kommerziellen Phase weitgehend die gängigen Klischees der Rockmusik

Hat Supper’s Ready eine Verbindung zu einem Gedicht von William Blake? Bei Konzertfilmaufnahmen sieht man Peter Gabriel zu Beginn von ‘Supper’s Ready’ mit einem zwei Minuten langen Sketch, einer kleinen Geschichte bei der Gabriel mitunter zu einem Swing-Beat von Phil Collinis über die Bühne marschiert. Die Story von ‘Old Michael’ der im Park für die Würmer das Lied ‘Jerusalem’ singt, hat eine kuriose Verbindung zu dem britischen Maler und Dichter William Blake (1757-1827). Das Lied Jerusalem das Gabriel im Sketch erwähnt (‘Jerusalem-Boogie’ ) und dessen Melodie er pfeift, ist in England so etwas wie die inoffizielle Nationalhymne und beruht auf William Blakes enigmatischen Gedicht ‘And did those feet in ancient time’ (1804). Enigmatisch u. a. deshalb weil derjenige der In alten Zeiten auf Englands grünen Hügeln wandelte, Legenden gemäß kein anderer gewesen sein soll als ein junger Jesus Christus, der mit seinem wolhabenden, seefahrenden Onkel Josef von Arimathäa das südenglische Glastonbury besucht haben soll. Die Idee dass Südengland und vielleicht sogar dessen heilige Orte vorchristlicher Religionen, quasi Europas neues religiöses Zentrum, also sinngemäß das ‘Neue Jerusalem’ sein sollten, muss für Engländer des 19. Jahrhunderts eine attraktive Prämisse gewesen sein. Interessant ist auch – imitiert das Leben die Kunst? – dass an genau diesem südenglischen Ort jährlich eins der größten Rock-Events der Welt stattfindet, Glastonbury Festival. Wir erlauben uns als Netzmagazin für Kultur & Mythologie noch folgende Frage: Ist Peter Gabriels christliche Mystik im Text von ‘Supper’s Ready’ ernst gemeint oder, wie manche Rezensenten meinen, eher ein Gag? Wer weiß. Tatsache ist dass Gabriels Soundtrack ‘Passion: Music for The Last Temptation of Christ’ (1989) für den kontroversen Scorcese-Film ‘Die letzte Versuchung Christi’ (1988) zur besten Musik gehört die der Mann nach seiner Genesis-Zeit gemacht hat

Rockband Genesis in moderner Literatur: Ist Bret Easton Ellis ein Fan? Gut möglich, auch wenn wir anhand unseres ersten Eindrucks von ‘American Psycho‘ (1992) diesem Mr. Bret Easton Ellis lieber Austen-Romane anstatt Genesis-LPs verordnen würden. Als wir hörten dass der berüchtigt brutale Roman ein ganzes Kapitel über die Genesis-Alben der Phil-Collins-Ära enthielt, haben wir das Ding im Namen der Wissenschaft gekauft und das Genesis-Kapitel durchgelesen (und den Rest des Buchs angelesen). Da es hier um Genesis geht, sagen wir über den Roman an dieser Stelle nur dies: Nicht unser Ding – aber das Genesis-Kapitel ist erstaunlich gut und offensichtlich von jemandem geschrieben der sich mit späteren Alben der Band detailliert beschäftigt hat und zudem eine echte Affinität zu Musik zu haben scheint. Wir werden in zukünftigen Artikeln genauer auf Bret Easton Ellis’ Beurteiliung von Genesis eingehen, heute nur soviel: Was schätzen Sie, ist das Lieblingsalbum des Psychokillers Patrick Bateman? Antwort: ‘Invisible Touch‘ (1986), denn für Peter Gabriel oder Gabriel-Ära-Genesis hat der Bösewicht nämlich nichts übrig. Tja, wir sagen’s ja: Man muss verrückt sein um Prog-Klassiker wie ‘Foxtrot‘ (1972) nicht zu mögen!

Trick 17: Supper’s Ready inoffiziell 1.39 Min. länger geniesen? Manche musikalische Zusammenhänge geraten durch MP3, Downloading etc. in Vergessenheit: Zum Beispiel bestand ‘Supper’s Ready’ für uns immer aus einer ganzen Schallplattenseite, das heißt, das kurze akustische Gitarrenstück ‘Horizons’ am Anfang, klang für uns wie ein Prélude zu ‘Supper’s Ready’. Ohne ‘Horizons’ fängt ‘Supper’s Ready’ für unsere Begriffe nämlich ziemlich abrupt an. Zudem passen die beiden Stücke von der Tonart her gut zusammen. Wenn das von J.  S. Bach beeinflusste Horizons‘ auf G-Dur endet und dann prompt der Gesang von ‘Supper’s Ready mit einem A-Moll Akkord einsetzt, klingt das optimal und nicht nach Zufall. Wir empfehlen MP3-Fans, beide Lieder in Reihenfolge

Aufführung von Supper’s Ready sehen? War lange Zeit schwierig und nur in grottenschlechter Bootleg-Qualität zu sehen. Aber auf dem monumentalen 13-Disc-Box-Set (7-CD + 6-DVD) ‘Genesis 1970-1975‘ (2008) gibt es zusammen mit den fünf klassischen Genesis-Alben der Peter-Gabriel-Ära, erstmals offiziell und in guter Qualität eine komplette Aufführung von ‘Supper’s Ready’ aus dem Jahr 1974 in Frankreich zu sehen. Plus Stunden an anderen Extras, Interviews etc. auf die wir in zukünftigen Artikeln noch genauer eingehen werden. Wenn Sie großer Genesis-Fan sind, kaufen Sie sich die Box (ca. 100 Euro) solange sie noch neu erhältlich ist. Amazon-Links folgen am Ende des Artikels

Warum spielen Genesis heute nicht mehr Supper’s Ready? Wir fanden es gut, in einem Zeitungsinterview zu lesen, wie Genesis offenherzig zugaben dass sie ‘Supper’s Ready’ heutzutage schlichtweg zu schwierig zu spielen finden und den Job lieber Genesis-Coverbands überlassen. Jeder der mal eine Gitarre in der Hand gehabt hat, kann diesen Kommentar nur zu gut nachempfinden. Um das Stück angemessen darzubieten, sind vermutlich Wochen von Proben nötig. Bedenken zu dem Lied gab es auch schon zur Zeit seiner Entstehung: In einem Interview mit Original-Gitarrist Steve Hackett lasen wir dass er aufgrund der Komplexität des Stücks überzeugt war dass ‘Supper’s Ready’ den kommerziellen Selbstmord von Genesis besiegeln würde. Zum Glück täuschte er sich. Coverbands wie die Kanadier The Musical Box genießen übrigens das Wohlwollen der Band. Phil Collins und Genesis-Gitarrist Steve Hackett kamen sogar mal als Gaststars mit ihnen auf die Bühne. Hier zeichnet sich ab, dass einige Prog-Klassiker, ähnlich wie klassische Opern oder Theaterstücke, wahrscheinlich noch in 100, oder 200 Jahren auf Bühnen zu hören sein werden. Genesis-Liveversionen von ‘Supper’s Ready’ gibt es auf dem Album ‘Seconds Out‘ (1977) mit Phil Collins als Sänger und sogar 1:30 Min. länger als die Studioversion. Original-Sänger Peter Gabriel ist mit ‘Supper’s Ready’ live auf dem 4-CD-Boxset ‘Genesis Archive 1967-75‘ (1998) zu hören. Apropos:

Kündigt sich auf einer Version von Supper’s Ready die Spaltung von Genesis an? Bei dem gerade erwähnten 4-CD-Boxset ‘Genesis Archive 1967-75‘ (1998) ist auf der ‘Supper’s Ready’ Liveversion von 1973 ein symbolträchtiger Moment: Bei Peter Gabriels gesprochenem Intro, dem oben beschriebenen ‘Jerusalem-Sketch’, verpasst es Phil Collins, mit dem Swing-Beat einzusetzen bei dem Gabriel über die Bühne marschiert. Darauf hin beschwert sich Gabriel ‘Heh, da sind Zuhörer da draußen’, worauf Collins amtwortet, dass er Gabriel nicht zugehört habe. Das Publikum lacht. Aber diese Situation zeigt die wachsenden Spannungen in Genesis. Teils aufgrund der Tatsache dass die anderen Bandmitglieder den Großteil der Musik schrieben und nicht vorbehaltlos darüber begeistert waren dass Texter und Sänger Peter Gabriel fast die gesamte mediale Aufmerksamkeit erhielt. Das war nicht nur künstlerische Eitelkeit sondern auch Ausdruck davon dass Genesis nicht zu abhängig von einem einzelnen Mitglied sein wollte. Ein Ansatz der sich bewährte, denn als Gabriel die Band etwa zwei Jahre nach diesem Vorfall verließ, blieben Genesis, wider aller Erwartungen, nicht nur am Leben sondern wandelten sich von einer finanziell klammen Kultgruppe zu einer der erfolgreichsten Bands der Welt. Peter Gabriel bewies in folgenden Jahrzehnten den Mut, immer wieder neue Wege zu gehen, sei es Gabriels Interesse und Unterstützung für indigne Musik aus der Dritten Welt – lange bevor das in Mode war – oder die originelle und durchaus gut klingende Initiative, einige seiner Alben komplett in deutscher Sprache aufzunehmen, siehe Gabriels ‘Ein Deutsches Album’ (1982). Wir schätzen, die Genesis-Spaltung war eine klassische Win-Win-Situation und hoffen, noch lange von diesen bemerkenswerten Musikern zu hören.

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It's the birthday of the composer Robert Schumann (1810-1856). We look at the background of one of our favourite songs of his. There's a hint in the photo above. The song also appears in a movie with Katherine Hepburn. Film clip below

Es ist der Geburtstag von Robert Schumann (1810-1856). Da wir in Andalusien leben, wollten wir auf eine kulturelle Verbindung von unserem schönen wenn auch verarmten Mittelmeerraum zu den nordischen Gefilden unserer Leser hinweisen. In Form einer Komposition die zu unseren Lieblingsliedern von Schumann gehört. Da hat man bei jemandem der Gedichte von Goethe, Heine, Byron und Eichendorff vertonte, die Qual der Wahl. In obiger Titelzeile ist ein Hinweis auf den Liederkreis aus dem die Komposition stammt. Das Lied hat eine sehr persönliche Verbindung zu Schumanns Leben. Es taucht auch in einem Hollywood-Spielfilm auf, in dem keine andere als Katherine Hepburn die Rolle von Schumanns zukünftiger Ehefrau Clara spielte. Nachfolgend das Lied, ein Filmclip und Infos. Zuerst ein YouTube-Clip mit einer renommierten bayerischen Sängerin.

Vom Liederkreis: Myrthen (1840)
Musik: R. Schumann, Text: F. Rückert
Gesungen von: Diana Damrau

‘Du meine Seele, du mein Herz,
Du meine Wonn’, O du mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel du, darein ich schwebe,
O du mein Grab, in das hinab
Ich ewig meinen Kummer gab.
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Du bist die Ruh, du bist der Frieden,
Du bist vom Himmel mir beschieden.
Dass du mich liebst, macht mich mir wert,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst mich liebend über mich,
Mein guter Geist, mein besseres Ich…’
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Myrtle was revered by the Greek as the plant of love goddess Aphrodite. Used through centuries in wedding rituals, bridal crowns etc. The one above is from Casa Las Flores, a good garden center on the A-7053 to Alhaurin El Grande

Die Worte von Friedrich Rückert sind schön an sich, aber Schumanns Melodie verleiht ihnen die sprichwörtlichen Flügel. Mit dieser Widmung beginnt sein 26-teiliger Liederkreis namens Myrthen. Es gibt einen kurzen Wiki-Eintrag dazu, Link folgt. Daraus geht allerdings die Bedeutung des Titels nicht klar hervor. Wir fanden mehr in der Biografie Robert Schumann und seine Zeit (2002) von Arnfried Edler. Das Buch ist oben im Bild, umgeben von Myrtenzweigen. Wir holten uns die Pflanze gestern in einem Garten-Center hier an der Costa del Sol. Bild links. Übrigens einen Besuch wert. Das Casa Las Flores auf der A-7053 Richtung Alhaurin El Grande ist zehn Minuten von der Küste entfernt, Sonntags offen, mit der größten Pflanzen-Auswahl an der Küste. Sogar ein eigenes Cafë. Wir dachten, wenn wir Myrte als Aufhänger für den Blogpost nehmen, sollten wir uns ansehen worum es geht. Es ist eine schöne, wohlriechende Pflanze mit weißen Blüten. Sie wächst hier im Mittelmeerraum auch wild aber um diese Jahreszeiten hat der Wind schon die Blüten weggepustet und außerdem hatten wir keine Lust, mit dem Spaten loszuziehen. Arnfried Edler schreibt dass der Titel Myrthen symbolisch als Brautgabe zu verstehen ist. Das bezieht sich auf eine Geschenk-Tradition die in Deutschland im 17 -18. Jhr. begann, aber ihre Wurzeln in der Antike hat. Myrtenkränze wurden von Brautjungfern getragen. Bei den Griechen galt Myrte als Pflanze der Göttin Aphrodite und symbolisierte Liebe und Ehe. Hier ist die Verbindung zu Schumann. Die Widmung galt seiner Liebsten, Clara Wieck. Die damals 21-jährige Pianistin liebte ihn ebenfalls, aber es gab große Probleme mit ihrem Vater. Der wollte die Ehe mit allen Mitteln verhindern und hatte alle möglichen Gerüchte über Schumann verbreitet. Zum Beispiel dass er Alkoholiker sei. Schumann wehrte sich gerichtlich dagegen und sollte nach einem langen, kraftraubenden Streit sein Recht – und Clara bekommen. Die Geschichte wurde von Hollywood verfilmt. Nachfolgend ein Clip in dem Robert Schumann, gespielt von Paul Henreid, obiges Lied Widmung oder Dedication für Clara spielt. Dargestellt von Katherine Hepburn. Interessant ist dass der Komponist in dieser Szene die Worte vom Rückert-Gedicht nicht singt sondern spricht – als ob er dabei ist, die Melodie aus den Worten heraus zu entwickeln: ”You’re my soul, you’re my heart, my grief, my joy, my counterpart. You’re my dream, my reality, my life’s mirror of heaven, earth, and eternity”. Der Komponist sagte zu Lebzeiten über den Liederkreis Myrthen: ”Die Lieder selbst, da glaub’ ich mich nicht zu täuschen, werden sich rasch verbreiten und viel gesungen werden”. Damit sollte Robert Schumann Recht behalten.

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Radio-Dokumentation Eine WDR-Sendung über Robert Schumann vom Jahr 2020. Von Christoph Vratz
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Weitere Infos  YouTube-Clip vom Spielfilm Song of Love (1947) mit Katherine Hepburn als Clara Schumann
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Mehr von uns über Klassik  Unser Artikel Franz Schubert und die Insel Eilean Molach: Ellens Gesang
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Des Weiteren Wolfram von Eschenbach: ‘Parzival’ als Hörspiel online
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Und Lewis Wallace: ‘Ben Hur’ als Hörspiel online
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Top-10 Musikfilme: Heima

Sigur Ros’ bemerkenswerte Hommage an Island

Bei einigen der 10 Filme die wir Ihnen im Laufe dieser Serie vorstellen, steht die Musik sehr im Mittelpunkt, bei anderen Filmen spielt das Publikum oder der zeitgeschichtliche Kontext eine starke Rolle. Bei unserer ersten Filmvorstellung könnte man fast sagen, der Star ist das Land in dem der Film spielt. Heima (2007) von der isländischen Band Sigur Rós ist eine Mischung von Konzertausschnitten, Interviews und Einblicken in Land und Leben der isländisches Leute. Das Publikum wirkt, anders als es bei vielen Rockfestivals heute üblich ist, auf sympathische Weise natürlich und gelassen. Die Band kommentiert dass sie bei Auftritten hier nervöser sind als sonstwo, weil die Isländer ein ziemlich kritisches Publikum seien. Apropos Island: Die Naturaufnahmen der Filmcrew sind idyllisch aber vermeiden die gängigen Reiseführer-Klischees und geben Heima dadurch eine zusätzliche künstlerische Dimension. Der Film beginnt mit dem Lied Glósóli. Eine Tonschleife mit dem Klang von Fußschritten liefert den Grundrhythmus. Das Konzert ist in der Gemeindehalle von Ólafsvik, an der Westspitze von Island. Der von einem Gletscher bedeckte Vulkan Snaefellsjökull ragt über der Bucht des kleinen Fischerdorfs. Bei dem Titel von Glósóli (der möglicherweise Glühende Sohle bedeuted) denken wir an einen Marsch über einen schneebedeckten Vulkan. Bei dem Auftritt hängt vor der Bühne hängt ein großes, gespanntes Leinentuch. Das Publikum sieht nur die Silhuetten der Musiker, vermischt mit Bildern die auf das Tuch projeziert werden. Die Gesangstexte von Sigur Rós sind, anhand von Übersetzungen die wir ausgecheckt haben, ziemlich vage, in der Tat manche Gesangspassagen scheinen aus einer Art improvisierten Lautsprache zu bestehen. Das Lied Glósóli ist allerdings melodisch, mit einer Art von bittersüßem, euphorischen Klang und klingt live für uns sogar besser als die ruhigere Studioversion auf dem Album Takk (2005) Landschaftsaufnahmen die zu dem Lied eingeblendet werden sind u.a. (per Effekt) rückwärts fliessende Wasserfälle. Das Licht und die Farben von Island haben etwas eigenes das schwer zu beschreiben ist, eine Art tiefes, stählernes, gedämpftes Schimmern das eine Eigenart dieser Atlantikinsel zu sein scheint. Machen wir eine kleine Reise

Blaskappelle in der Mitternachtssonne Die nächste Station der Band ist eine Gemeindehalle in Isafjördur, ein größeres Küstenstädchen an der Nordspitze der Westfjorde. Fischerei ist, oder war auch hier Hauptgeschäft, bis die Industrie abflaute. Wir sehen die Darbietung von Sé Lest, einem anfangs unscheinbaren, von Glockenspiel-Klängen dominierten Lied das sich zu einem der besten musikalischen Momente von Heima (2007) steigert. Eine örtliche Blaskappele zieht mit ihrer Musik und ihren blauen Uniformen durch die von der Mitternachtssonne erhellte Stadt und kommt am Ende auf der Bühne mit Sigur Rós an. Wobei die kontrastierenden musikalischen Elemente von Band und Blaskappelle sich erstaunlich gut ergänzen. Mit auf der Bühne sind auch die vier jungen Damen Hildur, Solrun, Maria und Edda die mit Cello und Geigen als langjähriger Teil von Sigur Rós (und als eigenes Projekt namens Amiina) zu dem unkonventionellen Klangbild von Sigur Ros beigetragen. Während Sé Lest werden Bilder von Isafjördur und vom Konzertpublikum eingeblendet, bei beiden fällt wieder dieser angenehme Mangel an aufgesetzter coolness auf, der uns etwas an die Bewohner einer anderen Insel, nämlich Irland erinnert: Man versucht zum Beispiel nicht gezielt, kosmopolitan zu wirken oder sich anders darzustellen als man ist. In einem Kommentar sagt ein Bandmitglied dass Isländer, geographisch, wie auch seelisch, gewohnt sind, viel Raum zu haben und sich einander auch viel Raum erlauben. Bei Liedern wie Sé Lest ist Raum auch ein musikalisches Konzept, insofern dass der Klang von Sigur Rós oft durch seine Spärlichkeit besticht. Kurz eingeblendet wird an dieser Stelle auch ein Ausschnitt aus der US-TV-Show in der Craig Kilborn die Band vorstellte. Sigur Rós hatten damals durch das atmosphärische Lied Njosnavelin in Tom Cruise’ Film Vanilla Sky (2001) viel Aufmerksamkeit erhalten. Die 3 Minuten Sigur Rós-Musik in der Endszene auf dem Wolkenkratzer und beim freien Fall, als Cruise Schlüsselszenen aus seinem Leben vor den Augen sieht, gehören für uns zu den bemerkenswertesten Momenten des Kinos. Gemäß Heima ist die Band jedoch stolzer darauf dass ihr Lied Staralfur, in der Kinokomödie Die Tiefseetaucher (2004) verwendet wurde

Kindheitserinnerungen am Strand Beim nächsten Auftritt kommt mit dem Titellied des Albums Agaetis Byrjun (1999) das unplugged, sprich: ohne elektrische Instrumente gespielte Segment von Heima zur Geltung. Eine Idee die auf Anhieb so unwahrscheinlich erscheint wie eine ‘unplugged’ Tangerine Dream oder Kraftwerk-Tournee. Aber Sigur Rós hatten während der Island-Tour bei einer Gelegenheit mehr oder weniger notgedrungen ohne Strom gespielt und so durch Zufall eine interessante neue Musikrichtung für sich entdeckt. Die Lieder klingen unplugged erstaunlich gut: Nur mit Piano, Akustik-Gitarren und leisem Schlagzeug, manchmal sogar fast besser als die elektrischen Versionen. Der Ort ist diesmal ein holzvertafeltes, leeres Gemeindehaus in dem Dorf Vik, an der Südspitze Islands, das u.a. für seinen schwarzen Lava-Strand und seine Lage am Fuss des Gletschers Myrdalsjökull bekannt ist. In der Tat, wir sind hier unweit von Eyjafjallajokull, dem Vulkan der später, im Jahr 2010 zum Medienstar werden sollte. Während dem Lied werden Bilder eingeblendet von vulkanischen Wüsten, Flugzeugwracks und Kindern die an einem Strand die mit Fahrädern und Krebsen spielen. Kindheit als Symbol für eine Zeit von Unbeschwertheit, dies scheint uns eine der Inspirationen für den oftmals verträumten, etwas melancholischen Klang der Band und des Gesangs zu sein

Seládalur: Die verfallene Künstlerkolonie Das nächste Lied Heysátan stammt von dem Album Takk und ist im Film Heima (2007) als Darbietung vor einem verfallenen Holzhaus mit Blick aufs Meer zu sehen. Die sichtbar sehr warm angezogene Band spielt alleine unter einem stahlgrauem Himmel. Eingeblendet werden Bilder von Landmaschinerie, ein Traktor, ein rostiger Mähbalken, Schafe, von Gras überwachsene Dächer. Passend eigentlich, da der Titel des Lieds anscheinend Heuhaufen bedeuted und von einem sterbenden Bauern handelt. Traktor-Freaks könnte interessieren dass Heysátan eins der eher seltenen englischen Worte in einem Sigur-Rós-Lied enthält: Massey Ferguson, die klassische britische Traktormarke, von der die Redaktion übrigens die Modelle aus den 60er und 70er Jahren besonders mag.

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Was diesem Auftritt ohne Publikum eine zusätzliche surrealistische Atmosphäre verleiht, sind die zum Holzhaus gehörenden Relikte von einem Künstler-Projekt, anscheinend aus den 40er, 50er Jahren: Hölzerne, lebensgroße Figuren von Menschen, Löwen und Seehunden. Das Lied ist trotz Beiseins der vierköpfigen Bläser-Truppe The Horny Brasstards eine sehr ruhige Affäre, geprägt von Sänger Jónsis hoher Stimme, Glockenspielklängen und einem per Fußpedal betriebenem alten Keyboard. Am Ende bleibt Windesrauschen und der Klang eines alten Grammophons das eine Schallplatte von Doris Day spielt

Im Tal der Island-Pullover Der alte Plattenspieler in einem Secondhand-Laden ist das Bindeglied zur nächsten Live-Darbietung, diesmal mit einem größeren Publikum auf einem Feld. Es ist kalt und ein großes Lagerfeuer brennt in der Mitte. Das Lied Olsen Olsen klingt noch besser als die Albumversion von Agaetis Byrjun (1999) und schimmert hier als ekstatischer, orchestraler Rock in der eisigen Abendluft. Öxnadalur ist ein Tal im Norden von Island, in der Nähe der Hafenstadt Akureyi. Dies ist nach Reykjavik die zweitgrößte Stadt von Island, mit Uni und Flughafen. So zwischen 1000 bis 2000 Leute scheinen bei diesem Konzert zu sein – und wir haben noch nie so viele Island-Pullover auf einmal gesehen. Von den Damen der Musikgruppe Amiina, die allesamt sympathische und bemerkenswert runde Gesichter haben, werden ein paar Kommentare zur Tour eingeblendet und Sigur Rós’ Keyboarder Kjartan wird beim Besuch bei einer Wahrsagerin gezeigt die gerade einen Runenstein wirft. Kjartans Ehefrau und Amiina-Mitglied Maria erzählt von der positiven Reaktion in der isländischen Presse, z. B. ein längerer Artikel der die Sigur-Rós-Tour als etwas ansah das Island etwas zurückgab und das die Seele der Isländer vereinigte. Amiina-Violinistin Hildu erwähnt dass das Publikum aus allen Altersgruppen bestand: Eltern, Kinder, Großeltern – wodurch eine gute Atmosphäre entstand. Uns persönlich gefällt die Art wie in diesem Film, Musik, Interviews und Bilder von Island vermischt werden. Heima (2007) gibt es aber auch als Special Edition auf deren zweiter DVD die Lieder der Konzerte komplett gezeigt werden. Ebenfalls gut gefällt uns das Album Kurr (2007) das die Damen von Amiina aufgenommen haben. Amazon-Links sind am Ende des Artikels

Isländischer Pragmatismus: Stein-Marimbas & Rhabarber Im Film folgt jetzt eine Darbietung im kleinen Kreis, diesmal in Borg an der isländischen Westküste, in einem hölzernen Kaffeehaus namens Gamla Borg, übrigens auf der Rückseite oder ‘Heim‘-Seite des Albumcovers von Hvarf/Heim (2007) zu sehen. Die Band spielt das Titellied des Debut-Albums Von (1997) das Sänger Jónsi und Bassist Georg damals noch ohne den heutigen Keyboarder Kjartan und Schlagzeuger Orri aufnahmen. Bei diesem ruhigen Lied ohne elektrische Instrumente, verweilt die Kamera viel beim Publikum, mit Freunden, Eltern, Kindern und Familienangehörigen von Sigur Rós. Sänger Jónsi spricht von der familären Struktur der Band und Orri erzählt von dem isländischen Künstler Palli der aus flachen Steinen seiner Umgebung eine ungewöhnliche Art von Xylophon baut. Wir sehen wie die Band gemeinsam auf einer dieser über 2 Meter langen Stein-Marimbas spielt. Ein weiteres Material das dieser Palli für seine Instrumente verwendet, sind die zu Holz gewordenen Stängel von 100 Jahre altem Rhabarber den sein Opa anpflanzte. Dürften wir hier die tollkühne These formulieren, dass Isländer eine pragmatische Art haben, aus den wenigen Mitteln die ihre Vulkaninsel bietet, dennoch etwas zu machen? Im Licht des isländischen Mega-Crashs, der zur Zeit des Filmdrehs noch nicht erkennbar war, kommt zudem der Gedanke dass die künstlerische, vielleicht etwas skurrile Ader der Isländer, ihnen auf lange Dauer nützlicher sein wird als ‘Das Große Geld’. Sigur Rós jedenfalls gefielen Pallis Stein-Kreationen so gut dass sie, auf Basis dieser Marimbas ein 70 Min. langes Stück im Genre moderner Klassik namens ‘Odin’s Raven Magic‘ schrieben und in Paris aufführten. Erwähnt sei bei dieser Gelegenheit dass Keyboarder Kjartan mehrere Jahre Komposition studierte. Interessant klingt auch die offenbar heidnische Thematik des Stücks, wobei zu bedenken gilt dass es kaum ein Land gibt in dem, trotz nomineller christlicher Konfession, so viel an vorchristlichen Mythen im Alltag erhalten geblieben ist wie in Island. Die Regierung hat hier sogar einen offiziellen Beauftragten für Elfen und dererlei Dnge werden angeblich bei Bauvorhaben berücksichtigt. Was fast zu gut – oder merkwürdig? – klingt um wahr zu sein. Aber ein Symbol für Rücksicht auf Bräuche und Traditionen ist es allemal

Geisterstadt Djupavik: Tanken nicht vergessen Totale Isolation! – so beschreibt Sänger Jónsi mit enthusiastischem Gesichtsausdruck die verlassene Fischfabrik aus den 30er Jahren Jahren im Nordwesten Islands. Sigur Rós hat für Heima (2007) interessantes altes Filmmaterial von der isländischen Rundfunkanstalt RUV bekommen, auf dem, untermalt von alter isländischer Volksmusik, Islands früherer Heringsreichtum in unglaublich prall gefüllten Netzen zu sehen ist. In den Glanzzeiten zwischen den 30er und 50er Jahren wurde damit in Island viel Geld verdient. Dann aber kollabierte der Heringsbestand und innerhalb kürzester Zeit wurden Fischfabriken, inklusive Wohnanlagen für Arbeiter, wie die von Djupavik, zu Geisterstädten. Sänger Jónsi spielt in einem riesigen leeren Betontank in dem früher Fischöl aufbewahrt wurde und der heute eine kathedralenhafte Akustik hat. Das Lied Guitardjamm ist auf keinem Album von Sigur Ros erhältlich und wird hier nur von Amiinas Geigen und Viola begleitet. Die angenehme Spärlichkeit und Leere des Klangbilds erlaubt einen Blick auf die erfindungsreiche Gitarrentechnik: Jónsi (geb. 1975) kontrolliert, so weit wir erkennen können, den stark mit Echo-Effekten modifizierten Klang seiner Gitarre durch ein Fußpedal womit, nach dem anfänglichen Anschlag der Gitarrensaiten, durch Erhöhung des Volumens, eine Art schwebender, schwellender Keyboard-ähnlicher Klang erzeugt wird. Das andere Markenzeichen von Jónsi, ein Violinbogen, mit dem ein noch länger andauernder Klang erzeugt wird, ist bei diesem Lied allerdings nicht in Gebrauch. Um noch mal auf den Schauplatz der Geisterstadt zurück zu kommen: Trotz seiner abgelegenen Lage gibt es in Djupavik ein Hotel und geleitete Besichtigungen von der alten Heringsfabrik. Auf der Djupavik Hotel Website wird hilfreich darauf hingewiesen dass es zwischen Holmavik und Nordurfjördur keine Tankstelle gibt und es ratsam ist den Tank aufzufüllen. Klingt vernünftig

Damm-Projekt Karahnjukar: Akustisches Statement zu Big Business? Die Redaktion kann nicht gut einschätzen wie gut / schlecht / nötig Großindustrie für Island ist, deshalb haben wir oben ein Fragezeichen gesetzt. Aber die Bauarbeiten – von gigantischen Ausmaßen – für den Damm von Karahnjukar waren in Island sehr kontrovers. Der Damm ist zur Stromgewinnung für den amerikanischen Aluminiumhersteller Alcoa. Sänger Jönsi wurde, so weit wir wissen, bei einem Protest im isländischen Parlament gegen das Damm-Projekt sogar einmal festgenommen und die Mutter der bekannten isländischen Sängerin Björk ging aufgrund dieses Projekts auf Hungerstreik. Der Karahnjukar-Besuch von Sigur Rós war aber anscheinend nicht von vornherein als Teil der Tour geplant und die Band kam hier ohne ihr Kamerateam und nur mit ein paar Instrumenten. Das Lied Vaka, bekannt auch als Untitled Number One vom Sigur-Rós-Album Untitled (2002) wurde nur mit einer einzelnen, stationären Kamera aufgenommen. Der Besuch beim Damm war, durch Zufall, der Auslöser für das Unplugged-Konzept das einen wichtigen Teil von Heima (2007) ausmacht: Die Band fand es widersprüchlich, bei Karahnjukar zu spielen und Strom zu benutzen, gegen dessen dortige Herstellung sie protestierten. Ein nachvollziehbares Dilemma. Deshalb benutzten sie nur akustische Instrumente. Die Musik klang, wohl auch zum Erstaunen der Band, ohne elektrische Instrumente interessant und es wurde beschlossen, zusätzlich eine Reihe von Liedern auf diese akustische Art einzuspielen: Daraus entstand zudem, quasi als Begleitmaterial zum Film, die Kompilations-CD Hvarf/Heim (2007) die die sechs unplugged-Liedern von Heima (2007) und zusätzlich fünf elektrische Liedern mit weitgehend unveröffentlichem Material enthält. Wir haben und mögen die CD

Schafsköpfe und isländische Reime zum Winterfest Als ob im absichtlichen Kontrast zum Damm-Projekt, beginnt das nächste Segment von Heima (2007) in dem von Naturkräften geschaffenen Thingvellir Nationalpark, in dem visuell spektakulären Grabenbruch zwischen Europa und Amerika auf dem sich die Vulkaninsel Island befindet. Wir sehen einen traditionellen Chor der im Freien isländische Volkslieder singt. Danach, Sigur Rás in dem südisländischen Dorf Kirkjubaejarklaustur, zusammen mit Steindór Anderson. Dieser Mann singt Rimur, eine Form von alten isländischen Gedichten. Steindór Andersen war auch ein Sänger bei dem oben erwähnten Projekt Odin’s Raven Magic und sein feierlicher, langsamer Gesang zu dem sich nach einiger Zeit die Band, mit ebenfalls feierlich klingender Musik gesellt, ist einer der musikalischen Höhepunkte des Films. (Ein Amazon-Verweis zu Steindór Andersen’s Album Rimur ist am Ende des Artikels). Ort und Anlass ist das isländische Winterfest Thorrablot. Wir sehen das Publikum, inklusive Mädchen mit Blumenkränzen im Haar, in einer Gemeindehalle mit mehr oder weniger verlockend ausehenden Spezialitäten wie Schafsköpfen und isländischem Bier von der Marke Gull. Bier war übrigens, wie wir erstaunt herausfanden, in Island von 1915 bis 1989 verboten. Ebenfalls neu für uns war dass in isländischen Gemeindehäusern jeder seine Schuhe auszieht. Die komplette Version von Steindór Andersons und Sigur Rós’ ca. vier Minuten langem Lied A Ferd til Breidafjardar 1922, das hier nur ausschnittweise gezeigt wird, ist übrigens auf Disc 2 der Special 2-DVD-Edition von Heima, zusammen mit anderen Szenen die nicht im Hauptfilm zu sehen sind: Wie z. B. das Lied Daudalagid, auch als Untitled Seven bekannt, von dem im Hauptfilm nur ein kurzer Ausschnitt bei einem Auftritt vor einer kleinen blauen Holzkirche in Seydisfjörd zu sehen ist

Asbyrgi: Die Spur von Odins Pferd Sleipnir Von dem Lied Staralfur vom Album Ágaetis Byrjun (1999) könnten wir uns vorstellen, dass es im Laufe der Jahrzehnte zum Repertoire Moderner Klassischer Musik werden könnte. Es ist mit einem wiederholtem Piano-Motiv zu den behutsam variierenden Harmonien des Streichquartets, nicht kompliziert aber perfekt. Wir erleben das Lied hier ‘unplugged’ mit Kontrabass, ohne Schlagzeug im Aufnahme-Studio von Sigur Rós. Das Studio Sundlaugin ist in der westisländischen Stadt Mosfellsbaer in der Nähe von Reyjkavik und scheint, anhand seiner Website, auch für andere Bands mietbar zu sein. Der Film Heima (2007) macht an diesem Punkt einen Abstecher in den isländischen Nationalpark Jökulsargljufur. Die hufeisenförmige Schlucht namens Asbyrgi, wo das nächste Konzert stattfindet, stammt den Legenden nach vom Pferd Sleipnir des nordischen Göttervaters Odin. In Asbyrgi sehen wir eine Darbietung des Lieds Hoppipolla vom Album Takk (2005) mit der vielleicht schönsten aller Melodien von Sigur Rós. Es wurde vom BBC als Musik für die TV-Serie Planet Earth ausgewählt und klingt glücklich und euphorisch. Eingeblendet werden dabei Archivfilme von Sportveranstaltungen aus dem frühen und mittleren 20. Jahrhundert, ein Himmel voller roter Drachen und ein beträchtlicher Besucherstrom der in dieser ländlichen Umgebung wie ein isländisches Woodstock anmutet

Reykjavik: Das größte Konzert in Islands Geschichte Rein zahlenmäßig gebührt der Titel Isländisches Woodstock sicherlich dem letzten Konzertausschnitt von Heima (2007). Man muss sich die menschlichen und geographischen Proportionen der Insel vor Augen halten: Island ist deutlich größer als Irland, hat aber in Vergleich zu Irlands 6 Millionen nur etwas über 300.000 Einwohner. Now, that’s what we call empty. Allerdings scheint Island, zumindest bis zu dem berüchtigten Finanz-Crash, ein Land von beträchtlichem menschlichem Wohlbefinden gewesen zu sein, zumindest wenn die Tatsache dass hier die höchste Geburtenrate in Europa herrschte, ein Anzeichen dafür ist. Zu dem Sigur-Rós-Konzert beim Reykjavik-Konzert waren angeblich etwa zehn Prozent aller Isländer anwesend, obwohl das Konzert auch live auf dem isländischen Nationalfernsehen übertragen wurde. Hier sehen wir die Band in vollem Rockmusik-Modus: Popsong, auch als Untitled Eight bekannt, klingt nach einem ruhigen Start bald monumental, wenn auch eher düster. Speziell wenn gegen Ende die stakkatohafte Gitarre einsetzt, erinnert das Stück etwas an Astronomy Domine von Pink Floyd. Schlagzeuger Orri macht hier zur Abwechslung mal eine Menge Lärm. Jónsi bearbeitet seine Gitarre mit oben erwähnten Violinbogen und sogar Keyborder Kjartan greift zur Gitarre. Klang-Valhalla, Licht-Spektakel, inklusive Leinwand mit projezierten Bildern – ein starkes Finale. Wobei beim Abspann des Films, nur von Kerzenschein umgeben, wieder ruhige, akustische Musik gespielt wird, eine Version von Samskeyti auch bekannt als Untitled Three, Sigur Rós ist für uns zweifellos eine der interessantesten modernen Rockgruppen. Zum Kennenlernen der Band und als einen faszinierenden Blick auf Island und seine Menschen, können wir Lesern den Film Heima (2007) rundum empfehlen

Mitgestaltungsmöglichkeiten für Leser in dieser Serie? Leser können uns gerne Fotoberichte von ihren Island-Reisen schicken.

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Avenita Kulturmagazin

 

Her debut The Secret History was great. Her new one's an art thriller. In the blog I also look at other novels (and films & music) in which artworks play a role: Jo Nesbø, Rainer Maria Rilke Gogol, Arturo Pérez-Reverte, Orhan Pamuk, Ian Rankin

Ihr Debüt-Roman Die Geheime Geschichte (1992) ist eins meiner Lieblingsbücher. Der neuste Roman von Donna Tartt ist ebenfalls gut. Eine abenteuerliche Story über einen jungen Typen der durch einen tragischen Zufall – beim Bombenanschlag in einem Museum – in den Besitz eines Bildes und in die zwielichtige Welt des Kunsthandels gerät. Im Roman spielen spezifische Kunstwerke wie Der Distelfink (1654) eine zentrale Rolle. Ich mag Storys über Kunst, und es gibt erstaunlich viele. Nachfolgend eine Auswahl von Büchern, Filmen und Musikstücken die von Kunstwerken inspiriert wurden. Autoren wie Rainer Maria Rilke, Arturo Pérez-Reverte und Orhan Pamuk. Auch Krimis sind dabei, von Leuten wie Ian Rankin. Krimi-Verfilmungen, z. B. von Jo Nesbø. Das Thema Kunst taucht schon im 19. Jahrhundert auf, einer der ersten war Nikolai Gogol in der Kurzgeschichte Das Porträt (1835). Die Story, über einen verarmten Künstler der ein dämonisches Bild findet das ihm zu Geld und Ruhm verhilft, wird zur Zeit verfilmt. Die berühmteste Roman dieser Art ist Das Bildnis des Dorian Gray (1890) von Oscar Wilde. Der Stoff wurde schon ein Dutzend mal verfilmt, er trifft offensichtlich einen Nerv beim Thema der Wechselbeziehung zwischen Kunst und Realität: ‘Ars longa, vita brevis’. Menschen sterben, aber sie können sich durch Kunst verewigen. Wobei dies oft als Tauschhandel mit dunklen Mächten dargestellt wird. Bei dem Hedonisten Dorian Gray geht es zum Beispiel schief, siehe Filmausschnitte und einen guten Indie Rocksong

Musik: Englische Indie-Rockband The Futureheads
Film-Clips von: Dorian Gray (2009), nach Oscar Wilde.
Colin Firth, Rebecca Hall, Ben Barnes. Regie: Oliver Parker
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Kate Beckinsale in Uncovered (1994), based on Arturo Pérez-Reverte's The Flanders Panel (1990). A 500 year old painting of chess game has clues to murders, past & present

Die Prämisse dass ein Gemälde ein Geheimnis birgt, war auch Thema eines Romans der um die 80 Mio. Mal verkauft wurden. Mit der Theorie, dass auf Da Vincis Bild Das Abendmahl (1498) Maria Magdalena abgebildet ist, dass Jesus mit ihr verheiratet war und dass ihre Nachkommen den mythischen Heiligen Gral verkörpern, der also kein Gefäß sondern eine Blutlinie ist. Dan Browns Roman Sakrileg (2004) wurde als Da Vinci Code (2006) verfilmt. Der Ansatz mit dem Gemälde wirkt vielversprechend, billig hingegen, dass die Story einen klischeehaften katholischen Baddie benötigt um Spannung zu schaffen. Viel besser gefiel mir Das Geheimnis der schwarzen Dame (1990) von Arturo Pérez-Reverte, links ein Foto von der Verfilmung mit Kate Beckinsale unter dem Titel Geheimnisse (1994). Es geht um ein 500 Jahre altes Bild von einem Schachspiel das angeblich von dem flämischen Renaissance-Maler Pieter Huys gemalt wurde. Eine Kunstrestauratorin entdeckt in dem Gemälde Hinweise auf einen Mord. Und bald darauf beginnt eine moderne Mordserie mit Verbindungen zu dem Gemälde. Die Kunstepoche der Renaissance ist ein ergiebiges Thema. Im Roman Das Geheimnis des Frühlings (2010) von Marina Fiorato geht es um Sandro Botticelli und sein berühmtes Gemälde Primavera (1482) von der Göttin Venus und anderen mythologischen Figuren. Ein weiteres Bild von Botticelli, namens La Mappa dell’Inferno (1497), spielt eine Rolle in Dan Browns Roman und Verfilmung Inferno (2016). Vermeer ist Thema von Tracy Chevaliers Roman und der Verfilmung Das Mädchen mit dem Perlenohrring (2003), mit Scarlett Johansson in der Rolle der Dienerin die angeblich im Gemälde Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge (1665) verewigt wurde. Vermeer hat auch eine Verbindung zur Autorin Donna Tartt, insofern dass Carel Fabritius, der Maler den Bildes Der Distelfink (1654), um das es in dem gleichnamigen Roman geht, ein Schüler von Vermeer war. Ein ebenfalls anspruchsvoller Roman über Kunst ist Orban Pamuks Rot ist mein Name (1998), von dem es auch ein WDR-Hörspiel auf CD gibt und der von Morden im Künstlermilieu des osmanischen Istanbuls handelt. Eine heutzutage sehr beliebte Kunstepoche, zumindest was den Verkauf von Kalendern und Postern anbelangt, ist der Impressionismus. Ein Roman der von der Epoche handelt ist Sonntage im Licht (2007) von Susan Vreeland, hier geht es um Auguste Renoir und sein Gemälde Das Frühstück der Ruderer (1881), und die realen Personen die hier abgebildet sind. Wer die Epoche des Jugendstils mag, könnte den Roman Der gemalte Kuss (2005) von Elizabeth Hickey interessant finden, der von Gustav Klimt und der Entstehung des Gemäldes Der Kuss (1909) handelt.  Eins der berühmtesten Gemälde der Romantik, Das Floß der Medusa (1819) von Théodore Géricault, hat viele Werke inspiriert, u. a. ein Oratorium von Hans Werner Henze. Und eine LP der irischen Band The Pogues. Auch den Roman The Raft (2006) von Arabella Edge, in dem es um die aufwendigen Nachforschungen geht die der Maler für das Bild unternahm, inkl. Interviews mit Überlebenden des Schiffunglücks von 1816.
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The 'Headhunter' in Jo Nesbø's thriller and film adaption is also an art thief. A modern art gallery plays a role but he's mainly interested in a valuable Rubens. For a movie specifically about abstract art check biopic Pollock (2000)

Es gibt auch Romane und Spielfilme über abstrakte Kunst, z. B. über Pollock (2000) der von Ed Harris gespielt wurde und dessen Bilder, wie Number 17A (1948), bis zu $200 Millionen erzielen. Filme und Romane über Konzeptkunst à la Joseph Beuys oder Marcel Duchamp sind seltener, aber das wird kommen, denn auch hier gibt es spannende Hintergrundgeschichten, und vielleicht wird der historische Kontext solcher Werke sich als ihr eigentlicher Sinn entpuppen. Ein Feld in dem Konzeptkunst zu weitverbreiteter Popkultur wurde, ist Rockmusik und LP-Design. Das Bild The Listening Room (1952) von dem surrealistischen Küstler René Magritte landete auf dem Album Beck-Ola (1969) von Jeff Beck. Beatle Paul McCartney kaufte von Magritte ein Apfel-Gemälde (eins namens Au Revoir), was zur Inspiriation für das Logo vom Beatles Plattenlabel Apple wurde. Auch die damals ungewöhnliche Idee, die Doppel-LP The Beatles (1968) in einem komplett weißen Cover zu veröffentlichen, gehört vom Ansatz her (z. B. dass Nichts auch ein Statement sein kann) in den Bereich der Konzeptkunst. Dass Nichts auch ein Investment sein kann, beweist die Tatsache dass Ringo Starrs persönliche LP vom White Album, mit der Nummer 0000001 im Jahr 2015 für $790,000 versteigert wurde. Konzeptkunst kommt möglicherweise auch ins Spiel wenn klassische Gemälde auf Rockalben in einen neuen Kontext gesetzt werden, z. B. wenn ein Ausschnitt von Raphaels Die Schule von Athen (1511) in verfremdeter Form auf einer Guns N’ Roses-LP auftaucht. Oder Eugène Delacroixs Die Freiheit führt das Volk (1830) auf einer Coldplay-LP, oder Henri Fantin-Latours Korb mit Rosen (1890) auf dem Album Power, Corruption & Lies (1983) von New Order. Hat es sich Designer Peter Saville hier etwas einfach gemacht? Das ist doch das Konzept, Sie alter Zyniker! Eine Prise Zynik gibt es auch im Roman und der Verfilmung des starken Jo Nesbø Thrillers Headhunters (2011), oben eine Szene aus der Verfilmung. Hier spielt Kunstraub eine Rolle, und obwohl die Story in einer Ausstellung von moderner Kunst beginnt, wo der nach Führungskräften suchende Headhunter (und nebenberufliche Kunstdieb) sein Opfer trifft, geht es bald darauf um den Raub des fast unbezahlbaren Rubens-Gemäldes Die Jagd des kalydonischen Ebers (1612). Kunstdieb Roger Brown, oben rechts, hat sich diesmal jedoch den Falschen ausgesucht, und wird selber zum Gejagten. Eher in Richtung Kriminalkomödie geht Der Mackenzie Coup (2008) von Ian Rankin, der übrigens selber Kunstsammler ist. Hier geht es um die Kunstwelt und Unterwelt von Edinburgh, und schottische Künstler wie John Duncan Fergusson, Francis Cadell und Henry Raeburns Gemälde Rev. Robert Walker beim Schlittschuhlaufen(1784) kommen vor.
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The mysterious medieval tapestries of The Lady and the Unicorn (1500) play a role in novels by Rainer Maria Rilke, Tracy Chevalier and Kelly Jones. Also in Harry Potter movies and on a nice album by guitarist John Renbourn

Eine Künstlergruppe aus dem 19. Jahrhundert die sich als einflussreich in der Rock- und Popkultur erwies, ist die Präraffaelitische Bruderschaft. Berühmte Gemälde wie Ophelia (1852) von John Everett Millais wurden z. B für ein Platten-Cover von Nick Cave nachgestellt. Gabriel Rossettis Gemälde Veronica Veronese (1872) wurde kurzerhand für More Than ThisSingle von Roxy Music eingespannt. Wer ein paar Likes auf Social Media will, kann präraffaelitisch angehauchte Bilder wie Flaming June (1895) von Sir Frederic Leighton posten, solche romantische Sachen sind beliebt. Das Bild wurde sogar für eine LP des Sex Pistols Managers Malcolm Mclaren verwendet. Die Popularität der Präraffaeliten führte dazu dass die BBC über diese Künstler – die damals die Jungen Wilden der Avantgarde waren – die Dramaserie Desperate Romantics (2009) mit Frauenschwarm Aidan Turner drehte, hier ein Trailer. Was Kino anbelangt, war der biografische Spielfilm Mr. Turner – Meister des Lichts (2014) über den vielleicht berühmtesten englischen Maler William Turner erfolgreich. Verbindungen zur Popkultur, Filme und Romane über Künstler und ihre Werke sind, wie gezeigt, im englischen Sprachraum gang und gäbe, wobei dies in Deutschland auffälligerweise selten ist. Ich kenne nur ein paar deutschsprachige Sachen dieser Art, so wie Hermann Hesses Erzählung Klingsors letzter Sommer (1919) die von einem Maler, wenn auch nicht von einem spezifischen Kunstwerk handelt. Aber dies ist tatsächlich der Fall in Rainer Maria Rilkes Novelle Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910) in der er über The Lady and the Unicorn (1500) schreibt:
‘Es gibt sechs Wandteppiche hier, Abelone. Komm, laß uns langsam vorübergehen. Da ist immer diese Insel die von einer Frau und wappentragenden Tieren bewohnt ist. Links ein Löwe, und rechts das Einhorn; sie halten einen Banner mit drei silbernen Monden. Hast du den Spruch auf dem Zeltrand entdeckt? Da steht: ‘A mon seul désir‘. Die Dame hält in der einen Hand das Banner, und mit der anderen das Horn des Einhorns. Es ist alles da. Alles für immer. Wir haben die Dame noch nie müde gesehen – ist sie müde?Oder hat sie sich nur niedergelassen, weil sie etwas Schweres hält? Sie neigt den anderen Arm zum Einhorn. Das Tier bäumt sich geschmeichelt auf und stützt sich auf ihren Schoß. Es ist ein Spiegel den sie hält. Siehst du, sie zeigt dem Einhorn sein Spiegelbild. Abelone, ich bilde mir ein, dass du da bist da. Begreifst du, Abelone?
Passage aus Platzgründen stark gekürzt. Aber es kommt rüber dass Rilke fasziniert war. Die mysteriösen Wandteppiche von der Dame mit dem Einhorn lagen Jahrhunderte unentdeckt in einer Burg in Frankreich und wurden erst 1841 wiederentdeckt. Heute gelten sie als eins der größten Kunstwerke des Mittelalters, ein Foto vom Ausstellungsort im Musée national du Moyen Âge von Paris zeigt die eindrucksvolle Größe. Die Lady wurde Thema von Romanen wie Der Kuss des Einhorns (2003) von Tracy Chevalier, siehe obiges Foto, und Das Siebte Einhorn (2005) von Kelly Jones. Es taucht sogar in Harry Potter Filmen auf. Es gibt verschiedene Interpretationen zum Werk. Die ersten fünf Bilder scheinen die fünf menschlichen Sinne darzustellen – deutet also das letzte Bild an dass Liebe der sechste Sinn ist? Solche Geheimnisse, wie auch die der Mona Lisa, sind nun mal ein Teil dessen was Kunst interessant macht. Rilke erwähnt in der obigen Passage auch Musik im Zusammenhang mit der Lady. Gute Gelegenheit, eine meiner Lieblings-LPs vom Folkgitarristen John Renbourn (1944-2015) zu erwähnen. Die CD-Version ist im obigen Foto, heißt The Lady and the Unicorn(1970), hat das gleichnamige Bild auf dem Cover, und wurde von Musik des Mittelalters und der Renaissance inspiriert. Renbourn wird von Mitglieder von Fairport Convention und Pentangle begleitet.
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Musik-Tipp  Von John Renbourns Album The Lady and the Unicorn (1970), hier eine schöne Fassung von Scarborough Fair einem alten Folksong dessen Wurzeln ca. in die Epoche des Wandteppichs zurückreichen

Das berühmteste Lied über Kunst? Es wäre gemein, vor lauter Geheimtipps nicht Don McCleans Klassiker Vincent zu erwähnen, mit den Zeilen ‘starry, starry night’ über das Bild Sternennacht (1889) von Van Gogh

Verfilmung von Donna Tartts Distelfink?  Ist in Arbeit. Warner Bros. hat die Filmrechte. Das Drehbuch ist von Peter Straughan, der auch Dame, König, As, Spion (2011) schrieb. Regie führt der Ire John Crowley, der Erfolg mit der Colm Tóibín Verfilmung Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (2015) hatte.

Reisen auf den Spuren von Gemälden  Im holländischen Mauritshuis-Museum von Den Haag sind zwei Bilder die im Artikel erwähnt wurden: Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge (1665) von Vermeer, und Der Distelfink (1654) von Carel Fabritius, das Gemälde das eine zentrale Rolle im gleichnamigen Buch von Donna Tartt spielt. Der Roman gewann den Pulitzer-Preis, und trägt zum Besucherstrom im Mauritshuis bei

Mehr Kunst & Design  Unser Artikel über den sog. Droste-Effekt auf Pink Floyd-LPs, in Kunst & Werbung

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Radio-Dokumentation DLF-Sendung von 2013 in der Donna Tartt über den Roman Der Distelfink spricht

Avenita Kulturmagazin

Legendäre Gitarren & Gitarristen

Als Gitarren LP-Cover eroberten: Chronologie 1930-2017

Still playing G major? Yes. Slowhand came out 40 years ago. In the blog are plenty of other LP covers with guitars: From Robert Johnson's Gibson L-1 to James Hetfield's ESP...from Nick Drake's Guild M-20 to Al Di Meola's PRS and lots more

Slowhand (1977) erschien vor 40 Jahren. Eine von Eric Claptons besten LPs, mit Liedern wie Wonderful Tonight und Cocaine. Auf dem Cover ist die Fender Stratocaster die Clapton ‘Blackie‘ nannte. Sie wurde in 2004 für $959.500 verkauft. Was den Kultstatus von Gitarren veranschaulicht. Dass es viele LP-Cover mit Gitarren gibt, ist klar, es ist ein zentrales Instrument der Rockmusik. Nachfolgend ein chronologischer Überblick: Von Robert Johnsons Gibson L-1 vor 80 Jahren, bis zu James Hetfields ESP. Von John Lee Hookers Guild Aristocrat zu Al Di Meolas PRS. Infos und Anekdoten über Gitarren wie Jerry Garcias Tiger, Bob Dylans Harmony, Kurt Cobains Univox, Steve Hacketts Fernandes, Bob Marleys Les Paul Special, Nick Drakes Guild M-20, die Di Giorgio des brasilianischen Gitarristen Baden Powell…und viele andere Gitarren-Storys.

Gitarren auf LPs der 30er, 40er & 50er Jahre Charlie Patton – The Best Of (1929-1930) Der ‘Vater des Delta Blues’ mit einer akustischen Gitarre von Stromberg-Voisinet. Die Firma brachte 1928 eine der ersten E-Gitarren, die Stromberg Electro heraus.

Robert Johnson – The Complete Recordings (1936-1937) Mit einer Gibson L-1 auf dem Cover sieht man den geheimnisumwitterten Mann dessen Lieder u. a. von den Stones, Zeppelin & Clapton gecovert wurden.

Bukka White – The Complete Recordings (1930-1940) Auf Dylans Debüt-LP ist ein Cover von Bukka-Whites ‘Fixin’ To Die Blues’. Depeche Mode benutzten ein Bukka-Sample. Er spielte eine National Steel-Gitarre.

Lead Belly – Leadbelly Sings Folk Songs (1941-1947) Auf dem Cover, ein Blick auf die Stella 12-string von Huddie ‘Lead Belly’ Ledbetter, dem US-Blues- und Folkmusiker der ‘King of the 12-String’ genannt wurde.

John Lee Hooker – The Legendary Modern Recordings (1948-1954) Schönes Foto von ihm mit einer selten gesehenen Guild M-75 Aristocrat E-Gitarre, 1959 in Detroit, in Hastings Street vor Joe’s Record Shop.

Django Reinhardt – Nuages (1953) Der belgische Jazz-Gitarrist mit seiner Selmer, eine französische Firma die auch für Saxofone berühmt ist. Auf dem Foto ist ein Gitarren-Pickup zu sehen. Hier ein Song von der LP.

Elvis Presley (1956) Auf der Debüt-LP: Elvis mit Martin D-28 Akustikgitarre. Martin, eine der berühmtesten Gitarren-Marken der Welt, wurde 1833 vom deutschen Auswanderer Christian Frederick Martin gegründet.

Buddy Holly & The Chirping Crickets (1957) Für viele Leute seinerzeit wohl der erste Blick auf eine Fender Stratocaster (rechts) auf Buddys Debüt-LP. Niki Sullivans Gitarre (links) ist eine Gibson ES-225TD.

Johnny Cash – The Fabulous Johnny Cash (1958) Eine Gibson J-200. Griffbrett mit seinem Namen verziert. Er hatte zwei davon. Eine befindet sich heute im Johnny Cash Museum in Hendersonville, Tennessee

For Clapton fans the autobiography, above, is a must. Slowhand was a happy time, being successful and having got off heroin. Though soon alcohol started to take over. On this book cover (they vary) he's got a Guild F-50 acoustic

Gitarren auf LPs der 60er Jahre: Three Kings Er spielte Telecaster, aber auf dem Cover von Muddy Waters at Newport (1960) ist eine Gitarre Marke Harmony die John Lee Hooker gehörte.

Wes Montgomery – Movin’ Wes (1964) Diese Gibson L-5 des einflussreichen Jazz-Gitarristen erzielte 41.125 Dollar bei einer Auktion in 2007.

Joe Pass – For Django (1964) Die Gibson ES-175 war die Hauptgitarre von Joe, hier auf der LP die von Django Reinhardt inspiriert wurde.

Baden Powell – Le Monde Musical (1964) Der brasilianische Jazz-Gitarrist, siehe LP und Live Clip, spielte Klassik-Gitarren Marke Di Giorgio.

B. B. King – Live at the  Regal (1965) Auf der Rückseite des LP-Klassikers besser zu sehen: Lucille war eine modifizierte Gibson ES-355.

Elvis Presley – Spinout (1966) Die Doubleneck Gibson EBS-1250 ist auf dem Filmplakat zu sehen, und dem später veröffentlichten Album Elvis at the Movies. Diese Gitarre ist auch in Presleys Anwesen und Museum Graceland ausgestellt, zusammen mit vielen anderen seiner Gitarren, inkl. oben erwähnter Martin D-28.

John Fahey - Requia (1967) Er kam im Jahr 2003 im Rolling Stone Magazin auf Platz 35 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. Auf dem LP-Cover ist seine Gitarre von der Marke Recording King, Baujahr 1939.

Albert King – Years Gone By (1969) Vor Bands wie Wishbone Ash, machte Blues-Gitarrist Albert King die Gibson Flying V bekannt. Hier ist seine Lucy, Baujahr ’58 oder ’59 aus Korina-Holz, in einem Live-Clip.

Rolling Stones – Let it Bleed (1969) Auf dem LP-Cover ist des Livealbums ist Schlagzeuger Charlie Watts mit Keith Richards ’59 Gibson Les Paul, Mick Taylors Gibson SG und Bill Wymans Fender Mustang Bass.

Slowhand (1977): A look at inner gatefold (right side). At the top, Clapton's crashed Ferrari 365 GT4 BB. Click to enlarge. Guitar-shaped pool on postcard is from country singer Webb Pierce. Also, Clapton's missing head from front cover

Gitarren auf LPs der 70er: Wired & Burnin’ Auf Bob Dylan – New Morning (1970) ist ein seltenes Foto auf Rückseite: 19-jähriger Bob bei erster Studio-Session 1961, Harmonika für Big Joe Williams dem auch die Harmony Gitarre gehörte

Neil Young – After the Goldrush (1970) Eine Goldgrube im Gatefold: Les Paul, Fender Bass, Gretsch White Falcon, zwei Martin acoustics

Ten Years After – A Space in Time (1971) Auf der LP-Rückseite ist Alvin Lees rote Gibson ES-335 die er 1969 live beim Woodstock-Festival spielte.

Nick Drake – Bryter Layter (1971) Mit einer Guild M-20 von Clapton! – der sie in der Wohnung ließ in der das Fotos entstand. Schönes Lied von LP.

Roxy Music – For your Pleasure (1973) Wieder Goldgrube im Gatefold: Eno mit Teisco Starway, Phil Manzanera mit Gibson Firebird, Bryan Ferry mit Hagström Goya, Andy Mackay mit alter Weissenborn Slide-Gitarre, Paul Thompson mit Gibson Les Paul.

Frank Zappa – Roxy & Elsewhere (1974) Franks Gibson SG aus solidem Mahagoni, mit Maestro Vibrola Tremolo, ist auch auf vorne auf der LP aber kleiner. Filmmaterial: Hier Trailer von Roxy The Movie (2015).

AC/DC – ’74 Jailbreak Gitarrist Angus Young mit einer 1969 Gibson SG. Die 5 Songs der EP wurden 74-76 aufgenommen, erst 1984 veröffentlicht, mit Cover vom Bluesklassiker Baby, Please Don’t Go siehe Live-Clip.

Bob Marley – Live ! (1975) Die Gibson Les Paul Special die Bob am häufigsten benutzte, Mahagoni mit P-90 Pickups, kaufte er Anfang der 70er in London. Heute ist sie im Bob Marley Museum in Kingston, Jamaika.

Rory Gallagher – Against the Grain (1975) Die stark abgenutzte 1961 Fender Stratocaster, frühere Farbe Sunburst, wurde Markenzeichen. Rory kaufte sie 1963 secondhand in Crowley’s Music Shop, Cork für £100.

Jeff Beck – Wired (1976) Die weiße Fender Stratocaster, von 1974, war ein Geschenk von John McLaughlin und ist eine von Jeffs Lieblingsgitarren: ‘My Strat is another arm, it’s part of me’. Es gibt ein Signature Model.

John McLaughlin – Shakti (1976) Inspiration für diese Gitarre, bei der unter den üblichen 6 Saiten weitere 7 Saiten harmonische Resonanzen erzeugen, bekam McLaughlin von der traditionellen indischen Vina.

Johnny Winters – Captured Live! (1976) Seine Polaris White 1964 Gibson Firebird V. Johnny sagte: ‘The Firebird is the best of all worlds. It feels like a Gibson, but sounds closer to a Fender than most other Gibsons’

Van Halen (1978) Oben links auf dem Debütalbum ist Eddie mit der Frankenstrat die er aus verschiedenen Teilen zusammenbaute. Damals noch schwarz-weiß, später rot-weiß. Damit spielte er das Solo Eruption und schockte mit dem ultra-flüssigen Sound seiner tapping genannten Anschlagtechnik, speziell ab 0:57 min.

Other than the autobiography, Michael Schumacher's 'Crossroads' is the best book about Clapton. I added the 4 CD set 'Live in the Seventies' because of many nice photos of the 'Blackie' strat on the cover and in 44 page booklet

Gitarren auf LPs der 80er & 90er: Amps to 11 Eine eher seltene Gibson Melody Maker ist auf Joan Jett – Reputation (1980) Die Gitarre wurde auch von Schauspielerin Kristen Stewart im Film The Runaways (2010) verwendet. Guter Film

Volker Kriegel (1982) Auf der Compilation vom DDR-Label Amiga mit guter Musik von 1973 bis 1977 hat er eine Framus SL-600 Semi-Akustik.

Yngwie Malmsteen’s Rising Force (1984) Eine Olympic White Stratocaster von 1971, die er 1978 in Schweden kaufte und The Duck nennt.

George Harrison – Cloud Nine (1987) Seine ‘old black’ Gretsch 6128 die er 1961 in Liverpool kaufte, mitunter im Star-Club, Hamburg spielte.

Paul McCartney – All the Best! (1987) Mit dem Rickenbacker 4001S Bass (dieser speziell für  Linkshänder) den er etwa ab Sgt Pepper spielte.

Nirvana – Blew EP (1989) Kurt Cobain mit einer Univox Hi-Flyer, eine Gitarre die auch in dem Video Heart-Shaped Box zu sehen ist. Eine der ersten E-Gitarren die Kurt hatte, war ebenfalls von Univox

Steve Vai – Passion & Warfare (1990) Die Ibanez Universe UV7 war die erste fabrikmäßig hergestellte 7-string E-Gitarre. Steve war an der Entwicklung beteiligt, trug dazu bei, sie bei Metalbands beliebt zu machen.

Steve Howe – The Grand Scheme of Things (1993) Mit Gibson ES-175 die er schon zu Zeiten der Progrock-Band Yes spielte. Er kaufte sie 1964 als 17-jähriger in Selmer’s Music Shop, London. Hier Live-Solo mit Yes.

John Martyn – Sweet Little Mysteries: The Island Anthology (1994) John mit einer Guild D-55. Kompilation von einem der besten Akustik-Gitarristen der 70er. Clapton coverte ein Lied von ihm. Gleich mehr dazu.

Vicente Amigo – Vivencias Imaginadas (1995) Der Flamenco-Musiker aus dem andalusischen Córdoba spielt Gitarren von Manuel Reyes. Gitarrensaiten: D’ Addario Pro Arte EJ46. Hier das Titellied vom Album.

Jerry Garcia – How Sweet It Is (1997) Jerry mit Tiger, 10 Jahre sein Hauptinstrument bei Grateful Dead. Das handgebaute Unikat erzielte 2002 bei einer Auktion $850.000, war die letzte Gitarre die er 1995 live spielte.

Joe Satriani – Crystal Planet (1998) Seine Ibanez Chrome Boy. Joe hatte zwei. Eine wurde 2002 bei einem Konzert in Florida geklaut. Joe bot $500 Finderlohn – ‘No questions asked‘ – aber sie tauchte nicht mehr auf.

Stevie Ray Vaughan – The Real Deal Vol.2  (1999) Er nannte diese ’63 Stratocaster Number One oder auch First Wife. Seine Lieblingsgitarre, gekauft im Jahr 1974 in Ray Hennig’s Heart of Texas Music Laden, Austin.

Jimi Hendrix – Live at Woodstock (1999) Zu Lebzeiten keine LP-Cover mit Gitarre. Auf dieser posthumen LP ist die weiße Stratocaster die er 1969 auf Woodstock und seinem letzten Konzert 1970 auf der Ostseeinsel Fehmarn spielte. Gitarre wurde von Microsoft-Milliardär Paul Allen gekauft. Heute im EMP Museum, Seattle.

Slowhand, inner gatefold (left): Clapton in dark green 1955 Connaught racecar, and in 1936 Lancia Astura Pinin Farina Cabriolet. Also, photo of the Antoni Gaudi's Sagrada Familia, Barcelona. Inside LP design by Pattie & Eric personally

Gitarren auf LPs 2000 – 2017: Trigger-happy Es gibt Gitarren mit Namen & Gesichtern, siehe Willie Nelson – The Great Divide (2002) mit der Martin N-20 die Willie ‘Trigger’ nennt. Mit Nylon-Saiten statt der in Country üblichen Stahlsaiten.

John Lennon – Acoustic (2004) John mit einer Balladeer von Ovation, die Firma pionierte den ‘built in’ Pickup und Kunstharz-Contour-Body.

Lenny Kravitz – Baptism (2004) Spielt oft Gibson Flying V (es gibt ein Signature Model). Diese hier wird, wie der LP-Titel andeutet, gerade getauft.

Mark Knopfler – The Trawlerman’s Song (2005) Früher Sultans of Swing mit Fender Stratocaster. Heute spielt er meist diese ’58 Gibson Les Paul

Al Di Meola – Consequence of Chaos (2006) Mit einer PRS. Die Firma existiert erst seit 1985 aber zählt auch andere renommierte Gitarristen wie Mike Oldfield, Santana, Steven Wilson (Porcupine Tree) zu ihren Kunden. Hier Al Di Meola live mit der PRS

Johnny Hallyday - Le Coeur d’un homme (2007) Der französischer Star hat eine große Gitarrensammlung. Hier mit einer coolen Dobro Angelus Resonanator-Gitarre aus den 30er Jahren. Auch Johnnys Musik ist gut.

Orianthi – Violet Journey (2007) Die junge Gitarristin wurde von Carlos Santana entdeckt und spielte auf Eric Claptons Crossroads Festival. Auf dem LP-Cover ist eine PRS, ich glaube eine PRS Custom 22

Sheryl Crow – Detours (2008) Neben ihr steht die 1964 Gibson Country Western mit ’3 point pickguard’ die Sheryl ‘the old money-maker‘ nennt weil sie damit alle Lieder schrieb an denen sie jemals Geld verdiente.

David Bowie – A Reality Tour (2010) Auf seiner letzten Tour 2003-2004, spielte David eine Supro Dual Tone, eine seltene Gitarre aus den 50ern. Siehe auch im Lied New Killer Star live in 2004 bei David Letterman.

Larry Coryell – The Lift (2013) Mit Gibson Super 400. Seine zweite. Die erste wurde ihm 1967 von Velvet Underground aus einem N. Y. Proberaum geklaut. Echt? Die machten immer so einen netten Eindruck!

Metallica – Lords of Summer (2014) Auf dem Cover der Single ist James Hetfields ESP Snakebyte mit EMG Pickups, hier ein Foto mit mehr Überblick. Live ist die Snakebyte in letzter Zeit eine seiner Hauptgitarren.

David Gilmour – Rattle that Lock (2015) Seine Fender Black Strat, die er seit Jahrzehnten solo und mit Pink Floyd benutzt, ist auf der LP-Rückseite. Siehe Interview mit David Gilmour auf Youtube über die Black Strat.

Badi Assad – Hatched (2015) Brasilianische Gitarristin mit TH5C Hirade von Takamine, eine japanische Firma deren Gitarren u. a. von Springsteen gespielt werden. Hier ein paar schöne Klänge von Badi Assad.

Steve Hackett – The Total Experience Live in Liverpool (2016) Sieht auf ersten Blick aus wie seine Les Paul Goldtop, aber er spielt schon seit längerer Zeit eine Goldtop von Fernandes, siehe Interview dazu mit Steve.

Chuck Berry – Chuck (2017) Platz 7 in Rolling Stone Magazins Liste der 100 besten Gitarristen. Auf dem für 2017 angekündigten Album ist er mit seiner Gibson ES-335. Hier ein Film-Clip mit Chuck und der Gitarre.

 

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Filmmaterial von Clapton live 1977 mit Blackie  Diese BBC-Liveaufnahme ist fälschlicherweise als 1974 angegeben, wurde aber am 26. April 1977 im Londoner BBC TV Theatre in Shepherds Bush gemacht. Hier sind sämtliche Musiker vom Slowhand-Album zu sehen, inklusive Bassist Carl Radle und Backing-Singer  Yvonne Elliman und Marcy Levy. Clapton trägt sogar die gleichen Klamotten wie auf dem LP-Cover. Auf diesem und ein paar anderen Konzerten spielte sich die Band warm – hier mit einer Version von dem Cream-Song Badge - um kurz darauf im Mai 1977 in Londons Olympic Studios Slowhand aufzunehmen

Wussten Sie schon? Um auf Clapton zurückzukommen, und auch Gitarrist John Martyn der oben erwähnt wird: Auf Slowhand (1977) covert Clapton das Lied May You Never von John Martyns LP-Klassiker Solid Air. John Martyn (1948-2009) sagte dass er durch Claptons Cover und die dadurch resultierenden Sonwriter-Tantiemen mehr Geld verdient hat, als an all seinen eigenen Veröffentlichungen zusammen.

Haben wir nicht jemanden vergessen? Sorry, einige Gitarristen wie Springsteen, Renbourn, Jansch, Paco de Lucía etc. kamen in früheren Artikeln vor. Von einigen anderen gibt es leider keine LP-Cover mit Gitarren, oder gut sichtbaren Gitarren, z. B. Duane Allman, den ich gerne einbezogen hätte. Maybe next time!

Lesertipps & Updates Wir kriegen gutes Feedback für diesen Artikel und auch Tipps für andere LP-Cover mit Gitarren, z. B. Bonnie Raitt – Souls Alike (2005), hier ist die Lady mit ihrer Brown Strat die sie 1969 für $120 kaufte und seitdem auf jedem Konzert gespielt hat, hier ein paar starke Slide-Guitar-Klänge & Infos

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Kinder

Auf den Spuren von Enid Blyton im ländlichen Dorset

Bei den Vorbereitungen für unserer Artikelserien über Kinderbuchautoren war Blyton für uns anfangs ein Name auf den wir nur einen kurzen obligatorischen Blick werfen wollten. Man hatte die Bücher zwar als Kinder gelesen und gemocht aber die TV-Verfilmung der Serie Fünf Freunde in den 90er Jahren wirkte sehr flach auf uns und wir hatten Blyton eigentlich abgehakt. Aber die Originalromane erwiesen sich beim erneuten Durchsehen als deutlich besser als die ziemlich low budget anmutenden Filme. In der Tat, wir begannen uns zu fragen, ob die Autorin und speziell die 21-teilige Bücherserie ‘Fünf Freunde‘ unterbewertet ist. Die Geschichten reflektieren offensichtlich eine Weltsicht aus den 40er, 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wir erleben eine Welt ohne Computerspiele, ohne McDonalds und weitgehend ohne Fernsehen. Statt dessen ein ländliches Leben mit Tieren, Bauernhöfen, Fahrradfahrten, Wanderungen und Camping in freier Wildbahn. Blyttons Schreibstil ist im Original nicht so altbacken wie er in deutschen Übersetzungen erscheint, Blyton verwendet Ausdrücke wie wizard, was eine Art Äquivalent von heutigen Umgangswörtern wie cool ist. Wir bezweifeln dass die Bücher bei ihrer Veröffentlichung als spießig empfunden wurden. Zugegeben, die Welt von Blytons Büchern ist ziemlich idyllisch, wobei der Erzählstil nicht sentimental oder voll mit blumigen Adjektiven ist. Die Sätze sind kurz, der Erzählstil zackig, was jedoch weniger wie eine spezifische Vereinfachung für Kinder wirkt, als wie ein Teil von Blytons eigener zielstrebigen, didaktischen Art. Die Autorin geht vermutlich davon aus das wir wissen wie ein Moor, ein Feld, ein Bauernhof oder ein Reitstall aussieht und statt aufwendiger Beschreibungen solcher Dinge, findet man eher praktische Informationen darüber. So erfahren wir in ‘Fünf Freunde im Zeltlager‘ (1948)* z. B. welche Vogelart in britischen Moorlandschaften heimisch ist (u. a. der Brachvogel). Blytons Bücher sind voll mit solchen ländlichen Themen. Das Problem bisheriger Verfilmungen, die Blyton auf Handlungsstränge reduzieren, ist dass die Handlung bei Blyton nur ein Teil einer größeren Geschichte ist. Enid Blytons eigentliche Geschichte – oder benutzen wir das modernere Wort, der Subtext – ist, so scheint es uns, eine große Liebe zur Natur, zu ihrem Land, zu ihrer Kultur und der Vorstellung dass all dies für junge Leute ein wundervolles und erhaltenswertes Abenteuer ist. Einer unserer Ansätze auf der Suche nach den Spuren der Autorin ist also auch ein Blick auf Land und Leute die Blyton geprägt haben. Hilfreich dabei fanden wir das sehr offenherzige, keineswegs unkritische Buch ‘A Childhood at Green Hedges‘ (1989) von Blytons Tochter Imogen Smallwood und ‘Enid Blyton: The Biography‘ (1974) von Barbara Stoney. Und den exzellenten BBC-Spielfilm Enid (2009) über das Leben der Autorin. Wobei dieser Artikel gänzlich unsere persönlichen Meinungen und Deutungen darstellt und nicht für obengenannte Autoren spricht.  Im heutigen Artikel finden Sie u. a. unsere Tipps für einen abenteuerlichen Urlaub in Dorset, jener malerischen Region in Südengland die anscheinend der Hintergrund für Blytons Bücherserie ‘Fünf Freunde‘ war. * (Zum zeitgeschichtlichen Kontext nennen wir Erscheinungsdaten der Originalausgaben, oft Jahre älter als die deutschen Titel)

Die Rolle von Kindern bei Enid Blyton? Die Kinder in Blytons Geschichten sind für heutige Verhältnisse erstaunlich unabhängig und fast immer ohne Erwachsene unterwegs. Manchmal für Wochen, wie in ‘Fünf Freunde beim Wanderzirkus‘ (1946), eins der schönsten Bücher der Reihe. Hier sind die vier Kinder und Hund Timmy mit zwei von Pferden gezogenen Wohnwagen in Südengland unterwegs und haben eine Landkarte dabei auf der die Bauernhöfe verzeichnet sind. Auf einem der Höfe kaufen sie frische Milch, Eier, Schinken und Marmelade. An einem Fluss waschen sie ab, kochen und quartieren an einem Lagerfeuer. Wenn sie in eine Klemme geraten, sind Kinder bei Enid Blyton generell erfindungsreich und praktisch veranlagt. Können die Kinder Kühe melken? Ja, das erfahren wir in ‘Fünf Freunde und das Burgverlies‘ (1960). Bevorzugter Schlafplatz, falls kein Wohnwagen vorhanden ist? Eine Scheune. Wir müssen gestehen dass wir Blytons scheinbar unbetrübten Enthusiasmus für eine pfadfinderhafte Existenz, teils mit einem romantischen, teils mit einem humorvollem Lächeln zur Kenntnis nehmen: Dass ein Schlafsack grundsätzlich etwas besseres ist als ein Bett ist doch klar, oder?

Was beeinflusste Enid Blytons Sichtweise? Die Zeit in der Enid Blyon lebte und aufwuchs war für Kinder sicher weniger konsumorientiert als heute. Außer Radio gab es kaum Unterhaltungselektronik. Selbst für die damalige Mittelschicht, wie sie die ‘Fünf Freunde‘, allesamt Internatsschüler, wohl repräsentieren, war das Leben ärmer als heute, Blytons Interesse an der Natur und an einem aktiven, abenteuerlichen Leben ist vermutlich auch eine Art Hommage an ihren Vater, der Naturenthusiast war, sich aber von der Mutter der damals zwölfjährigen Enid trennte und zeitlebens von ihr schwer vermisst wurde. Enids Beziehung zu ihrer Mutter war anscheinend nicht immer einfach. Vielleicht eiferte Enid mit ihren abenteuerlichen Büchern ihrem geliebten Vater nach. Dass Enid in ihrem Leben, wie jeder Mensch, mit Problemen und Verlusten zu kämpfen hatte und das mitunter in ihrem Schreiben einen Ausdruck fand, macht ihre Bücher  für uns eher sympathischer. Dass Autoren in ihren Werken versuchen eine Welt zu schaffen in der sie sich gut fühlen, erscheint uns, im Sinne einer Suche nach Vorbildern, eine der Grundlagen schriftstellerischem Schaffen zu sein. Blytons Werk im Kontext ihrer Zeit und ihres Lebens zu betrachten, führt uns zur nächsten Frage

Sind Enid Blytons Bücher heute noch relevant? Auf diese Frage kann man als Blyton-Fan natürlich ein paar Retourkutschen auffahren: Wie relevant für die heutige Zeit sind Harry Potters pseudo-esoterische Zauber-Eskapaden? Oder warum liest man heute immer noch Robert Louis Stevensons Schatzinsel (1883) oder Mark Twains Tom Sawyer (1876), selbst wenn einiges in solchen Büchern aus vergangenen  Jahrhunderte heute unpassend oder sogar unkorrekt erscheint. Und sind die Werte, oder der Gewalt-Level von Filmen wie Batman, The Dark Knight (PG-13 in Amerika), für Kinder wirklich viel hilfreicher? Die Kritik, dass die idyllische Welt der ‘Fünf Freunde‘ nicht mehr gäbe – und vielleicht nie gegeben hat – übersieht zudem etwas wichtiges: Es ist heute vielleicht schwierig aber nicht unmöglich den Fernseher auszuschalten, los zu ziehen, ländliche Gegenden zu erkunden und etwas über Land, Leute, Flora und Fauna kennenzulernen, oder? Hier ist ein jedenfalls Vorschlag den sowohl Blyton-Fans sowie Blyton-Skeptiker interessant finden könnten, nämlich die Welt von Enid Blyton erst mal in einem Englandurlaub kennen zu lernen. Machen wir einen Ausflug dorthin. Wir freuen uns schon darauf, die Skeptiker mit kurzen Hosen, Ferngläsern und Landkarten herumlaufen zu sehen!

Auf den Spuren von Enid Blyton in Dorset? Der Blyton-Klassiker ‘Fünf Freunde und das Burgverlies‘ (1960) beginnt damit dass Dick und Julian nach einer anstrengenden Fahrt einen Berg hoch, ihre Fahrräder gegen ein Tor stellen, sich zurücklehnen und, frei von uns aus dem englischen Original nacherzählt, die Landschaft von Dorset an diesem Sommertag schimmernd vor sich liegen sehen. Nach einer kurzen Pause, bei der Julian vor Erschöpfung fast einschläft, geht es weiter, den Berg runter zu ‘Finniston Farm‘, nahe einem alten Dorf wo es glücklicherweise auch einen kleinen Laden gibt der Eis und ginger beer verkauft. Ein schöner Start für eins von Blytons besten Büchern. Und auch eine namentliche Erwähnung des Handlungsortes: Dorset, die idylische Grafschaft an Englands Südküste. Dort machte die Autorin, die vor ihren Bucherfolgen Lehrerin war, mit ihrer Familie öfters Urlaub. County Dorset hat 140 Kilometer Küstenlinie aber Blytons Urlaubswelt war speziell die Gegend um Swanage. Diese Küstenstadt ist Teil der Halbinsel Isle of Purbeck und zählt in Großbritannien zu den fünf besten Urlaubsorten für Familien: Schöne Strände und Meilen von Küstenpfaden wie den South West Coast Path, zum spazieren und wandern.

Unsere Geheimtipps für Unterkunft in Dorset? Wenn Sie nicht im Geld schwimmen, lohnt es sich,  britische Jugendherbergen auszuchecken. Es gibt mehrere in Dorset, sogar eine Jugenherberge in Swanage. Preise variieren, sind aber im Schnitt um die 20 Euro.

Orte die Enid Blyton inspiriert haben könnten? Etwa 10 Kilometer landeinwärts von Swanage, liegt Corfe Castle, Name des Dorfs und seiner Burg zugleich. Die Burgruine aus dem 12. Jahrhundert war anscheinend das Vorbild für das Kirrin Castle der ‘Fünf Freunde’. In Corfe Castle wurde im Jahr 1957 auch der Film ‘Fünf Freunde erforschen die Schatzinsel‘ gedreht, die alte, S/W-Version, nicht die Neuverfilmungen der 70er und 90er Jahre. In Corfe Castle ist auch ein netter kleiner Laden, randvoll mit Büchern und allen erdenklichen Sachen von Enid Blyton. Fragen Sie vor Ort auch nach eventuellen Führungen zum Thema Enid Blyton in der Umgebung. Man kann Corfe Castle übrigens auch mit einer alten Dampfeisenbahn, der Swanage Railway, von der Stadt Swanage aus erreichen. Die Fahrt geht an Bauernhöfen und Landstraßen vorbei, die sich auch gut für Fahrradtouren eignen. Ein Tipp für Fans von urigen britischen pubs, also Wirtshäusern: The Scott Arms in Kingston, ein Ort ca. 2 km von Corfe Castle entfernt, ist auf einer Anhöhe gelegen und von Corfe aus zu Fuß zu erreichen

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Andere Orte die vielleicht Vorbilder für Enid Blytons Geschichten waren? Ein paar Kilometer von Swanage aus die Küste hoch, liegt Studland wo Enid früher Golf spielte. Wie wir Biografien entnehmen, liebte die Autorin diese Gegend und die Ausblicke auf Poole Harbour. Der helle Sandstrand von Studland ist einer besten in England, schön gelegen zwischen Meer und Heidelandschaft, der Studland Heath Nature Reserve . Von hier aus kann man Brownsea Island sehen, Vorbild für die geheimnisvolle Insel die in mehreren Blyton-Büchern eine Rolle spielt, z.B. in ‘Fünf Freunde und der Zauberer Wu‘. (1963). Brownsea Island ist ‘Die Insel mit den flüsternden Bäumen‘, ein Naturschutzgebiet das man per Fähre von Poole Quay oder Sandbanks erreichen kann. Voller Blumen, Rhododendren und einer Kolonie roter Eichhörnchen. Blyton-Fans die Golf spielen – und wir schätzen, es gibt ein oder zwei – könnten es reizvoll finden, dass der Isle of Purbeck Golf Club  früher mal Enid Blyton und ihrem zweiten Ehemann, dem Arzt Kenneth Darrell Waters gehörte. Ihr Golf-Handicap verbesserte die Dame, wie wir lasen, im Laufe der Zeit auf 18

Andere Sehenswürdigkeiten in und um Swanage? Etwa 4 km von Swanage und unweit von Studland, thront der Agglestone, ein 500 Tonnen Naturmonument um das sich Sagen ranken: Der Stein galt als Teufels’ Wurfgeschoss auf entweder Studland Church oder auch Corfe Castle, was auf eine prähistorische religiöse Signifikanz dieser Orte hindeutet. Von Swanage ca. 2 km weiter südlich führt der South West Coast Path an der Küste entlang zum Durlston Country Park und Durlston Castle, eigentlich ein Restaurant aus viktorianischen Zeiten. Ganz in der Nähe, auch das Anvil Lighthouse, mit guten Ausblicken. Ebenfalls nahe, die Tilly Whim Caves. An diesen Klippen baute man im 18. Jahrhundert Marmor ab, wodurch Höhlen entstanden die später als Verstecke für Schmuggler dienten. Vielleicht eine der Inspirationen für die Abenteuer der ‘Fünf Freunde’. Andere sehenswerte Orte in der Umgebung: Das Dorf Worth Matravers mit einer normannischen Kapelle und dem urigen Pub The Square & Compass, nur ein paar km. westlich von Swanage. Schön: auch die alte Marktstadt Wareham, zwischen zwei Flüssen gelegen, ca. 6Country Park km weiter landeinwärts von Corfe Castle. Interessant für Familien mit Kindern könnte ein Besuch des Honeybrook Country Park  in der Nähe von Wimbourne Minster sein: Ein alter Bauernhof auf dem Besucher traditionelle Arbeitsmethoden, Pferde etc in Aktion sehen können. Noch weiter landeinwärts, ca. 45 km von Swanage, liegt Stourton Caundle, ein kleines Dorf mit gemütlichem Pub, zudem interessant weil Blyton hier in den 50er Jahren einen Hof namens Manor Farm kaufte, vermutlich das Vorbild von ‘Finniston Farm’. Wie in ‘Fünf Freunde und das Burgverlies‘ liegen hier unter der Erde die alten Grundmauern einer Burg

Enid Blytons Hobbies, Gewohnheiten und Privatleben? Wenn sie nicht auf ihrer Imperial Schreibmaschine tippte, was sie mehrere Stunden am Tag tat, spielte Blyton u. a. gerne Bridge. Bei einer Bridge-Party lernte sie auch ihren zweiten Ehemann Kenneth kennen. Ihre erste, eher unglückliche Ehe scheiterte vielleicht am Alkoholismus ihres Mannes. Enid Blyton war sportlich, trug fast immer Röcke und mochte keine hochhackigen Schuhe. Sie las gerne historische Romane und Agatha Christie. Obwohl sie mit ihren Büchern viel verdiente, machte sie sich relativ wenig aus persönlichem Luxus. Sie liebte ihren Garten und ihre Blumen, hatte einen künstlerische Ader, konnte malen und mochte kein Fernsehen. Sie bekam Berge von Fanpost von Kindern und besuchte landesweit Buchläden wo sie ihre jungen Fans traf. Durch ihre Clubs sammelte und spendete sie viel Geld für blinde Babies und ähnliche wohltätige Zwecke. Sie selber hatte zwei Töchter, Gillian und Imogen aus erster Ehe. Aufgrund des hohem öffentlichen Profils und der vielen Engagements ihrer Mutter, fühlte sich Tochter Imogen, wie es uns in ihrem Buch ‘A Childhood At Green Hedges‘ (1989) erscheint, oftmals ungeliebt und benachteiligt. Enid kam aus einer christlichen Familie, ging als Erwachsene jedoch so gut wie nie in die Kirche. Sie war aus der elterlichen Baptist Church ausgetreten. Anscheinend hatte sie diese Gemeinde, u.a. aufgrund von Taufpraktiken bei denen Teenager in einen Tank getunkt wurden, beängstigend empfunden, Sie war eine Zeit am Katholizismus interessiert, blieb aber letztendlich konfessionslos. Die letzten zehn Jahre von Enid Blyton waren von Symptomen einer vererbten Altersdemenz geprägt. Sie versuchte, mit typisch praktischem Esprit, sich mit Merkzetteln zu helfen, litt aber letztendlich unter Verwirrung und den krankheitstypischen Depressionen. Wir müssen gestehen dass wir es bewegend fanden, in Imogens Buch zu lesen dass Enid in ihren letzten Worten in einem Pflegeheim ausdrückte dass sie hoffte, jetzt ihren Vater wiederzusehen. Optimistisch bis zum letzten Atemzug. Und wie wir uns Mrs. Blyton vorstellen, hat sie es irgendwie geschafft

Trivia: Gibt es eine Progrock-Connection zu Enid Blyton? Carl Palmer von der Progrock-Band Emerson. Lake & Palmer, hatte Anfang der 70er ein Bild von Enid Blytons Zipfelmützen-Figur ‘Noddy‘ auf seinem Schlagzeug. Wer’s nicht glaubt, den können wir vielleicht damit überzeugen dass es eine eine ELP-Tribut-Band namens Noddys Puncture gibt bei der sogar schon mit Keith Emerson als Special Guest spielte. Puncture heisst auf Englisch ein platter Reifen und bezieht sich auf das Auto von ‘Noddy’ der in England weit bekannter als in Deutschland ist. Apropos: Es freut uns, zu berichten dass Enid Blytons Enkelin Sophie Smallwood (geb. 1970) zum 60. Jubiläum der Figur ein neues, selbstgeschriebenes Bilderbuch namens ‘Noddy and the Farmyard Muddle‘ (2009) veröffentlicht hat

Was ist das Problem mit Verfilmungen von Enid Blytons Büchern? Wie wir eingangs sagten, tun die existierenden TV-Serien von den ‘Fünf Freunden’ den Büchern von Enid Blyton keinen Gefallen. Eins der Probleme ist das Konzept, alle 21 Bücher als jeweils ca. 25 Min. lange Episoden zu verfilmen. Das fast unvermeidliche Resulat ist das Gefühl von billigem Kinder-TV vom Fließband, welches heute ohnehin keine Chance gegenüber modernen US-Kinderserien wie SpongeBob hat. Unser Verbesserungsvorschlag wäre, anstatt der ganzen Serie lieber einen einzelnen abendfüllenden Bigger Budget Film zu drehen dessen Drehbuch die interessantesten Elemente von zwei, drei Büchern vereint, wodurch Drehbuchschreiber mehr Raum hätten, die Stimmung der Bücher auf die Leinwand zu bringen. Außerdem würden wir einen Fünf-Freunde-Spielfilm nicht so spezifisch auf Kinder zuschneiden, sondern zur Kenntnis nehmen dass die Reihe, ähnlich wie Narnia, mittlerweile vielleicht eine größere Fan-Gemeinde unter Erwachsenen hat. Als Schwerpunkte des Films würden wir ein kulturelles Porträt von ländlichem Leben in den 40er oder 50er Jahren und ‘Originalschauplätze’ in Dorset wählen, vielleicht eingebettet in eine kleine moderne Rahmengeschichte á la Brücken am Fluss, wo Erwachsene die Orte ihrer Kindheit aufsuchen und reflektieren. Bis ein guter neuer Film kommt, sind die Bücher das beste. Wir empfehlen Lesern, Enid Blytons Romane vielleicht auch mal im englischen Original auszuchecken. Und die Europa-Hörspielserie aus den 70er Jahren, mit Stars wie Hans Paetsch in Rollen wie Mr. Durleston. Insgesamt, von Regie und Produktion her oft ziemlich gut und für uns definitiv besser als die Verfilmungen. Die ganze Originalhörspielserie ist heute auf CDs erhältlich

Mehr über Enid Blyton Lesen Sie auch unsere Artikel zu dem sehenswerten Spielfilm über Enid Blyton und dem 70. Jubiläum der Fünf Freunde.

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Folk Top-10: Pentangle

Woher kommen die Volkslieder?

Die britische Folkband Pentangle erinnert uns sehr an die Zeiten als wir noch auf dem Land lebten. Bevor es das Internet gab, saß man tatsächlich öfters des abends mit Freunden am Kaminfeuer – Zentralheizung gabs dort nicht – mit Musik, endlosen Tassen Tee und Gesprächen bis in die Nacht. Bei einer solchen Nacht brachte jemand die Musik von Pentangle mit. Die ruhige, ungewöhnlich klingende Musik passte gut ins Bild. Und im Laufe der Zeit inspirierte uns die Band mit ihren experimentellen interpretationen von alten britischen Folk-Songs dazu, einen Blick auf die zum Teil geheimnisvollen Wurzeln europäischer Volklieder zu werfen. Das Leben auf dem Land mag von außen betrachtet ziemlich eintönig wirken, aber man trifft dort interessante Leute, manche mit so eigenen, ausgeprägten Persönlichkeiten dass man meint, sie aus irgendeinem Film oder Roman zu kennen. Gelegentlich trifft man auch eigentümliche Leute: Ein Nachbarsbauer der gelegentlich auf Besuch vorbeikam, wirkte auf den ersten Blick sehr normal, war in seiner Arbeit kompetent und schien das alltägliche Leben perfekt zu meistern. Aber er litt oft unter starken Kopfschmerzen die, wie er sagte, von seinen ‘Visionen’ stammten. Er sah nämlich in einigen unserer Freunde biblische Figuren die ihm Angst machten: So war einer für ihn z. B. Johannes der Täufer, ein anderer war Petrus und er hatte, kein Witz, die Horrorvorstellung dass der Typ ihm irgendwann das Ohr absäbeln würde. In uns persönlich konnte er, zu unserer großen Erleichterung, nichts erkennen und er mochte uns. Abenteuer Landleben. Auch Volkslieder, die oft aus einem schlichten ländlichen Leben hervorgingen, handeln zum Teil von erstaunlich düsteren Themen. Manche Lieder die auf Anhieb wie lustige Trink- und Tanzblieder erscheinen, spiegeln zwischen ihren Zeilen Sorgen, Ängste und Mythen vergangener Generationen. So wie es in 300 Jahren vielleicht nicht mehr nachvollziehbar sein wird, was an Punk-Rock so revolutionär gewesen sein soll, ist es für uns heute, im Zeitalter permanent abrufbarer Unterhaltung per Radio, TV oder Internet schwierig, den Stellenwert von Liedern nachzuvollziehen die zum Teil Hunderte von Jahren alt sind. Sind Volkslieder – um den Schriftsteller und Philosophen Johann Gottfried von Herder (1744-1803) zu zitieren: ‘Ein spontanes Hervorgehen aus der dichtenden Volksseele’ – oder stammen sie vielleicht eher von Träumern, Sonderlingen und geplagten Seelen wie unserem Bauern mit seiner seltsamen Bibel-Interpretation? Wer weiß. Wir werden in dieser Serie jedenfalls Spuren verfolgen, die Legenden, Mythen und historische Ereignisse in Volksliedern hinterlassen haben. Eine exzellente Gelegenheit, Lesern die Folk-Band Pentangle und ihre besten Alben und Lieder vorzustellen

Wovon handelt das Lied Cruel Sister? Kurz von uns nacherzählt: Das Titellied des Pentangle-Albums Cruel Sister (1970) handelt von einer an der Nordsee lebenden Hofdame mit zwei Töchtern: Eine blonde und eine dunkelhaarige. Ein Ritter auf Brautsuche kommt von fern, verliebt sich aber nur in die jüngere blonde Tochter, worauf die Dunkelhaarige eifersüchtig wird, ihre Schwester unter Vorwänden an den Strand lockt und ins Wasser schubst. Als die Schwester um Hilfe bettelt und ihr alles verspricht was sie will, sagt Cruel Sister, also die Grausame Schwester des Liedtitels: Ich will deinen Mann und du wirst nie mehr an Land kommen! Die tote Blondine geht aber nicht unter sondern schwimmt wie ein Schwan auf dem Wasser. Später finden zwei fahrende Spielleute ihre Übereste am Strand und bauen aus den Knochen, genau gesagt, dem Brustbein eine Harfe. Als Harfensaiten nehmen sie drei Haare der blonden Schwester. Die Spielleute kommen mit dieser Harfe an den Hof des Vaters der Schwestern. Dort beginnt das Instrument von alleine zu spielen. Die drei Saiten der Harfe singen nacheinander von dem was passiert ist und enthüllen das Verbrechen bevor der geplanten Hochzeit der dunkelhaarigen Schwester die entsetzt in Tränen ausbricht. Wie so oft in der Volksmusik gibt es viele verschiedene Versionen des Lieds: In Schottland heisst es z. B. Twa Sisters, also Die zwei Schwestern. Eine weitere Version heißt, wohl mit bitterer Ironie, Dear Sister - Liebe Schwester. Eine isländische Variante von Cruel Sister heißt Hörpu Kvæði – Das Lied der Harfe. Es gibt auch Versionen in denen aus den Knochen der schwanenhaften Schwester eine Flöte geschnitzt wird, ein interessanter Aspekt auf den wir später noch zurückkommen

Was könnte der Hintergrund dieses geheimnisvollen Volkslieds sein? Wir wollen nicht alle Volkslieder auf Biegen & Brechen mythologisieren, denn viele Lieder handeln von konkreten historischen Ereignissen, von Kriegen und spezifischen Personen der Zeitgeschichte, wie z. B. Napoleon. Auch Eifersuchtsdramen unter Schwestern gibt es in echt und nicht nur in Märchen. Dass es dabei zu Mord und Totschlag kommt ist vermutlich selten, aber möglich. Auch in der Popkultur, im Kino wird öfters gezielt auf eine angebliche Konkurrenz zwischen ikonischen Blondinen und dunkelhaarigen Frauen angespielt, siehe Vanilla Sky (2000) oder auch Total Recall (1990) um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber welche Elemente von Cruel Sister muten tatsächlich archaisch an? Es erscheint uns zumindest unwahrscheinlich dass in der christlichen Epoche viele Harfen oder Flöten aus den Knochen von Frauen gemacht wurden. Auch die Fähigkeit dieses Musikinstruments zu sprechen und Geheimnisse zu verraten, deutet auf einen abergläubischen bzw. heidnischen Hintergrund. Die Schwanen-Metapher in Cruel Sister ist vielleicht zweitrangig, die ermordete Schwester wird ja nicht ausdrücklich in einen Schwan verwandelt sondern ’schwimmt wie ein Schwan’. Trotzdem denkt man dabei an Verwandlungsmärchen wie Die Sieben Schwäne. Bei den Gebrüdern Grimm gibt es sogar ein Märchen von einem Singenden Knochen, was an die Variante von Cruel Sister erinnert in der aus Knochen der Schwester eine Flöte gemacht wird. Eine weitere interessante Spur fanden wir in der musikalischen Struktur des Liedes, mehr dazu in folgenden Absätzen

Wie interpretiert Pentangle Cruel Sister musikalisch? Sängerin Jacqui McShee wird von Gitarrist Bert Jansch mit einer Gesangs-Harmonie begleitet die im Vergleich zu den oftmals eher süßlichen Harmonien heutiger Popmusik harsch und ungewöhnlich klingt, ein bisschen wie die düsteren Harmonien von Grunge- und Blackmetal-Bands. Ansonsten besticht Pentangles 7 Min. lange Darbietung auch dadurch dass in jeder Strophe ein neues musikalisches Element hinzugefügt wird. Besonders atmosphärisch sind die geheimnisvoll klingenden Töne einer indischen Sitar die hier von Gitarrist John Renbourn gespielt wird. Da Terry Cox auf Cruel Sister kein Schlagzeug spielt, sondern Glockenspiel und stellenweise ein unauffälliges Hi-hat (Ständerbecken), hat Danny Thompson um so mehr Raum für seine dynamische Arbeit am Kontrabass. Obwohl es stärkere Pentangle-Alben gibt als Cruel Sister (1970), ist das Titellied ein Klassiker und die beste uns bekannte Version dieses enigmatischen Volkslieds. Als wir zur Gitarre griffen um die Akkorde auszuarbeiten, fiel uns auf, wie sehr das Lied von seiner eingängigen Melodie abhängt, denn die Akkordstruktur ist, wie so oft bei Volksliedern, sehr einfach und besteht durchgehend nur aus C-Moll und G-Moll. Ein Schema das moderne Liederschreiber schwierig finden würden, interessant zu gestalten. Selbst Punk benötigte drei Akkorde. Darüber hinaus hat Cruel Sister keinen separaten Refrain, also die Komponente die man meist als Höhepunkt eines Liedes empfindet und vielleicht mitsingt, daher auf englisch oft auch chorus genannt. Statt dessen gibt es in Cruel Sister eine immer wiederholte Zeile inmitten jeder der Strophen, eine mysteriöse Textzeile auf die wir im nächsten Absatz eingehen werden

Warum wird in Cruel Sister immer wieder der Name einer giftigen Pflanze erwähnt? Anscheinend ohne Bezug zur Handlung des Lieds, wird 19 mal die folgende Zeile gesungen: ‘Lay the bent to the bonnie broom’. Auf Deutsch übersetzt: Lege das Gras / Schilf neben den Besenginster. Zwei Strophen als Beispiel

And there she floated like a swan – Lay the bent to the bonnie broom
The salt sea bore her body on – Fa la la, la-la, la la la

They made a harp of her breast bone – Lay the bent to the bonnie broom
Whose sound would melt a heart of stone – Fa la la, la-la, la la la

Steckt in dem eingängigen Spruch über die giftige aber auch medizinisch genutzte Pflanze Besenginster vielleicht ein Ansatz zur Interpretation des Liedes? Wir finden es, besonders im Zusammenhang mit einem Lied über den Konkurrenzkampf zwischen zwei Frauen, bemerkenswert dass Besenginster im Volksmund auch Mägdekrieg genannt wird. Die Namen von Pflanzen sind oftmals uralt

On The Beach: Wie findet man eigentlich Harfen am Strand? Dass in Cruel Sister ein Verwandlungs- oder Reinkarnations-Glaube durchscheint, ist kaum bestreitbar. Eine Verbindung zwischen der Harfe und Vorstellungen vom Leben nach dem Tod ist z. B. auch im vermeintlich trivialen Bilderbuch-Klischee von harfespielenden Engeln erthalten. Dass die Harfe heute noch auf Flaschen von Guinness prangt und so etwas wie einirisches Nationalsymbol ist, mag ebenfalls jovial anmuten, hat aber mitunter mythologische Wurzeln: Schon die keltischen Druiden-Priester hatten harfenähnliche Instrumente aus Weidenholz, und auch in den altnordischen Sagen der Völuspá ist die Harfe das Instrument von Eggther, dem Wächter zwischen den Welten der Menschen und Riesen. Darin besteht eine Verbindung zu dem Märchen Hans und die Bohnenranke, in dem ein Riese in einer Burg über den Wolken eine von alleine spielende und sprechende Harfe besitzt. Zum Ursprung von Harfen gibt es die bizarr klingende Theorie dass Menschen zu prähistorischen Zeiten am Meer Knochen von gestrandeten Walen fanden auf denen sich Reste von Hautstücken durch den Trocknungsprozess wie Saiten spannten und im Wind Klänge erzeugten. Könnte dies eine Verbindung zum Strand-Schauplatz und der seltsamen Thematik Musikinstrumente aus Knochen des Lieds Cruel Sister sein? Windmusik von Walknochen müsste ein zienlich mystisches Spektakel gewesen sein. Vorstellbar dass so etwas einen Weg in unsere Sagen und Volkslieder fand

Verbindung zwischen giftigen Kräutern und Musikinstrumenten aus Knochen? Um auf die alternativen Fassungen von Cruel Sister zurückzukommen in denen aus den Knochen der toten Schwester anstatt einer Harfe eine Flöte geschnitzt wird: Auch hier gibt es eine faszinierende Verbindung zu prähistorischen Zeiten. Wir erinnern uns an die Metapher der toten Schwester die ‘wie ein Schwan’ auf dem Wasser schwamm. Es ist bemerkenswert dass das älteste bekannte Musikinstrument der Welt eine ca. 35.000 Jahre alte Flöte aus einer Höhle beim schwäbischen Blaubeuren ist. Herstellungsmaterial? Schwanenknochen. Letztendlich können Fragen wie, Woher kommen die Volkslieder oder Woher kommen die Mythen nicht immer genau geklärt werden aber wenn im Bereich von Religion, Kunst, Musik und Dichtung spekuliert werden darf, würden wir als Arbeitshypothese vorschlagen dass die Verbindung von Reinkarnationsglaube, Musik und giftigen, vielleicht halluzigenen Kräutern wie Besenginster darauf hindeuten dass sich in Cruel Sister schamanistische Riten wie Liebeszauber und Kommunikation mit der Geister-oder Götterwelt spiegeln. Beweisen lässt sich das nicht, aber das ist ja auch gut so, denn so werden die alten Volkslieder immer eine geheimnisvolle Welt sein, die jeder Leser auf seine eigene Art erkunden kann

Wie einflussreich war die experimentelle Folkband Pentangle? Von den Ikonen der britischen Folkszene der 60er und 70er, wie Martin Carthy, The Watersons, Steeleye Span, Albion Band etc. sehen wir Pentangle und deren Gitarristen John Renbourn und Bert Jansch heute als die am einflussreichsten Musiker in aktuellen Genres wie Indie Folk, Psychedelic Folk und Alternative Folk á la Espers. Vielleicht sogar etwas einflussreicher als Fairport Convention die durch ihre umfangreiche Diskographie und über Jahrzehnte regelmäßigen Live-Konzerte über die Jahre bekannter und kommerziell erfolgreicher geworden sind. Pentangles Einfluss wird für uns höchstens noch den ebenso experimentellen Folkern namens Incredible String Band übertroffen. Bezeichnend ist dabei dass beide, ISB und Pentangle, anstatt Fairport Conventions Kombination alter Volkslieder mit elektrischen Gitarren und Rock-typischem backbeat und 4/4 -Takt, diese Elemente weitgehend vermieden und stattdessen eher akustische und oftmals ‘exotische’ Instrumente wie Tablas und Sitar verwendeten. Pentangle hatten unseres Erachtens sogar einen beträchtlichen Einfluss auf die folkigen Elemente der größten Rockband aller Zeiten: Ein Led Zeppelin Lied das für uns fast als Pentangle durchgehen könnte, ist ‘Black Mountain Side‘ von dem Debütalbum ‘Led Zeppelin‘ (1969) – hier ist ein Einfluss von Pentangle-Gitarrist Bert Janschs stakkatohaftem, teils schnarrend klingendem Gitarrenstil auf dem Lied Blackwaterside (1966) zu hören. Teil der Magie von Pentangle war die Kombination von Bert Jansch und dem ziemlich unterschiedlichen Stil von Gitarrist John Renbourn. Renbourns ureigenen, teils von Renaissancemusik gefärbten Gitarrenstil hören wir z. B. in dem gezupften Intro von Zeppelins Stairway to Heaven, welches in der Rockmusik damals ein Novum war aber, ansatzweise, in früheren Aufnahmen wie ‘Lady Goes to Church von  Renbourns Album Sir John Alot (1968) zu hören ist. Auch in Amerika nahm man Notiz. Pentangle spielte Ende der 60er in San Francisco als Vorgruppe von Grateful Dead und wie wir lasen waren die Briten eine Inspiration für das exzellente akustische Album Reckonimg (1981) von Grateful Dead. Wir freuten uns auch sehr darüber dass Neil Young im Jahr 2010 Pentangle-Gitarrist Bert Jansch als Special Guest mit auf Tour nahm

Pentangle-Anekdote: Der Undercover Kontrabass Pentangle-Bassist Danny Thompson gehört zu unseren Lieblingsmusikern auf diesem schönen, hünenhaften Musikinstrument das man in Rock und Folk heute viel zu selten hört, da weitgehend vom bequem-handlichen E-Bass verdrängt. Anscheinend kaufte Thompson seinen legendären Kontrabass, genannt Victoria, in den 60er Jahren preiswert von einem alten Londoner der das Instrument schwarz bemalt und ohne Koffer herumstehen hatte. Als Danny später auf dem Weg zu einem Konzert den Bass, immer noch ohne Koffer, auf dem Autodach festmachte, regnete es und die herunterfliessende schwarze Farbe enthüllte ein wertvolles französischen Instrument aus dem 19. Jahrhundert das heute über 100.000 Euro wert ist. Thompson und sein markanter Kontrabass sind, über Pentangle hinaus, bei vielen Gastauftritten zu hören, auf Klassikern wie Incredible String Band’s 5000 Spirits (1967), Nick Drake’s Five Leaves Left (1969), John Martyn’s Solid Air (1973), Kate Bush’s Hounds of Love (1985) auf Brilliant Trees (1984) mit David Sylvian und Holger Czukay. Neuerlich beeindruckt Danny mit dem Album Watching the Well (2010), einer Kooperation mit dem Komponisten und Trip-Hop-Musiker Jon Thorne.

Was machen die Musiker von Pentangle heute? Erfreulicherweise sind alle fünf Mitglieder am Leben und am Musikmachen. Gitarrist John Renbourn ging in der 80ern für einige Jahre zur Universität um Komposition zu studieren und hat seit dem Ende von Pentangle mehrere gute Soloalben aufgenommen und seine bemerkenswerte Fusion von Folk mit Elementen keltischer, mittelalterlicher und Barock-Musik weiterentwickelt. Gitarrist Bert Jansch hatte in den 80er und 90er Jahren mit Alkoholproblemen zu kämpfen, hat aber während dieser Periode nichtsdestotrotz gute Alben veröffentlicht. In den letzten Jahren hat sich eine neue Generation von Musikern als Fans geoutet und Gitarristen wie Berhard Butler (Suede) & Johnny Marr (Smiths) (YouTube Live Clip) sind als Gastmusiker auf  Jansch-Alben zu hören. Wir werden im Laufe dieser Serie auf mehrere klassische Folkalben von Bert Jansch und John Renbourn detailliert eingehen

Mitgestaltungsmöglichkeit für Leser in dieser Serie? Leser können uns gerne ihre Fotoberichte von alten und neuen Pentangle-Konzerten und Solo-Auftritten von John Renbourn, Bert Jansch etc, schicken. Wir sehen uns auch Reiseberichte an die einen Bezug zu den von uns besprochenen Volksliedern haben. Es gibt viel zu entdecken auf die Spuren von Legenden, inklusive Museen und Ausstellugen über Folklore und Brauchtum.

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Mehr von uns zum Thema  Unser Artikel über den 2011 verstorbenen Pentangle-Gitarristen Bert Jansch

Update  Unser Artikel über den 2015 verstorbenen Pentangle-Gitarristen John Renbourn

Avenita Redaktion

Waldrausch

Als Bäume LP-Cover eroberten

Trees are among the most frequent images on LP covers, especially in the 60s and 70s, inspired by the 'back to nature' zeitgeist. In the blogpost: 25 examples incl. Dylan, Stones, Krautrock, Metal. Plus 2016 tour dates for Wishbone Ash

Links im Bild das Album Pilgrimage (1971) von Wishbone Ash. Ein einfaches aber originelles Design von der Firma Hipgnosis, die auch viele Cover für Bands wie Pink Floyd und Zeppelin gestaltet hat. Nachfolgend im Artikel ist die aufgeklappte Gatefold-LP und die These dass Bäume das häufigste Motiv von Plattenhüllen der 60er und 70er Jahre sind. Es gibt Hunderte. Nachfolgend eine Auswahl von 25 LPs von Leuten wie Dylan, Neil Young, Stones, Beatles, Jethro Tull, Tangerine Dream etc. Außerdem Infos über Wishbone Ash, die zur Zeit auf Tour in Europa sind. Die Häufigkeit von Bäumen auf LPs fällt auf Anhieb nicht unbedingt auf, weil sie oft nur Hintergrund oder Rahmen für Fotos von den Musikern sind. Die Baum-Motive könnten etwas mit dem Back to Nature Zeitgeist der Hippie-Epoche zu tun haben, jedenfalls sind sie nicht zufällig. Davor, in den 50er Jahren, wurden die meisten LP-Cover in Studios vor einer Leinwand gemacht und danach grafisch bearbeitet, hier ein typisches 50er JahreLP-Cover aus dem Fotostudio. Im ähnlichen Stil waren auch die meisten LPs von Stars wie Elvis Presley, Johnny Cash, Little Richard etc. Der Stil hatte optisch viel für sich und war schneller und billiger als Außenaufnahmen, für die Fotografen bekanntlich durch die Landschaft fahren, und unter unkontrollierbaren Licht- und Wetterbedingungen arbeiten müssen. Aber davon ließ sich die frühe Generation von Folk-und Hippie-Musikern nicht abhalten, sie wollten sich auch vom Design her neu, anders und irgendwie natürlich präsentieren. Die Musiker wollten auch Kontrolle über ihr Image haben, anstatt von Plattenfirmen wie eine Packung Cornflakes vermarktet zu werden. Eins der frühsten alternativen LP-Cover mit Baum-Motiv ist von Joan Baez (1964), ein erfolgreiches Album das Nummer 12 in den US-Charts erreichte. Das Cover wirkt fast wie ein romantisches Gemälde von Caspar David Friedrich: Natur pur. Nur Joan…und ihr Freund der Baum.

Fans of Wishbone Ash might want to have a closer look at the inside gatefold with 68 pics. Click to enlarge. The tree from the cover is in there too, seemingly a coloured b/w photo

Wer einen näheren Blick auf die 68 Fotos in der Wishbone Ash Gatefold-LP will, kann das Foto zum Vergrößern anklicken. Darunter ist auch der Baum vom Cover, scheinbar ein koloriertes Schwarzweiß-Foto. Bei einer chronologischen Reihenfolge von LPs mit Bäumen kommt man nach Joan Baez jedoch erst zu den Beatles und Rubber Soul (1965), mit einem Blätterwald im Hintergrund, aufgenommen im Garten von Lennons Haus in Weybridge, Surrey. Ein starkes Foto auch auf Between the Buttons (1967) von den Rolling Stones, aufgenommen nach einer allnight Recording-Session, an einem kalten Morgen auf Londons Primrose Hill. Ist das Baum-Motiv Zufall? Nein, wir hätten auch das Cover für Paint in Black wählen können. Um den Baum auf John Wesley Harding (1967) von Bob Dylan gibt es sogar eine kleine Verschwörungstheorie, nämlich dass die Gesichter der vier Beatles darin versteckt sind, vage zu erkennen nahe dem Schriftzug wenn man die LP umdreht. Auf dem LP-Klassiker Astral Weeks (1968) sieht man den damals 23-jährigen Iren Van Morrison verträumt, mit geschlossenen Augen durch Äste und Blätter hindurchschimmern. Fotograf Ed Thresher machte 1968 auch für Françoise Hardy ein schönes Foto mit Baum-Thematik und Herbstlaub. Wundervoll auch das Baum-Cover der Incredible String Band die auf The Hangman’s Beautiful Daughter (1968) aussehen wie eine staatlich anerkannte Hobbit-Famile. Die Creedence Clearwater Album Green River (1969) zeigt das attraktive Lichterspiel von Blättern und Sonnenlicht. Auch hier sind Bäumen nicht ”zufällig im Hintergrund”. Siehe auch das CCR-Debütalbum. Den Baum auf dem Album Everybody Knows this is Nowhere (1969) von Neil Youngin Topanga Canyon gibt es angeblich immer noch. Dann wäre es ein schöner Foto-Spot für Fans. Auch Bäume auf deutschen Alben, siehe Phallus Dei (1969) von Amon Düül II, beim genauen Hinsehen sieht man Bilder von der Band hinter dem Baum. Eine ebenfalls enigmatische Atmosphäre verleihen Bäume dem Cover von Black Sabbath (1970). Verträumt und glücklich wirkt das Baum-Idyll auf der Debüt-LP von John Lennon (1970), ein Foto mit Yoko auf dem Wohnsitz Tittenhurst Park.

Wishbone Ash gatefold LP designed by Hipgnosis, who also did covers for bands like Floyd and Zeppelin. It's only when you open it, that you really get the perspective of the photo

Ziemlich idyllisch präsentiert sich auch Joni Mitchell am baumumsäumten Seeufer auf dem Album For the Roses (1972). Melancholisch dagegen Fleetwood Mac auf Bare Trees (1972) mit kahlen aber schön fotografierten Bäumen im Nebel. Ein Junge steht in einem Meer von Blätterm auf der LP Brothers and Sisters (1973) von der Allman Brothers Band, es ist der Sohn des Schlagzeugers Butch Trucks, während auf der Rückseite die Tochter des Gitarristen Dickey Betts zu sehen ist. Viel Wald und Bäume auch auf den Progrock-LPs der 70er Jahre: Yes mit der Hippie-Version vom Förster im Silberwald auf der Innenseite von Yessongs (1973), mit Hirschen und Bäumen auf nebeligen Sci-Fi-Inseln. Und die Electro-Zauberer Tangerine Dream zeigen auf Ricochet (1975) dass selbst tote Bäume noch eindrucksvoll sind. Die Briten Genesis waren mit Winds and Wuthering (1976) noch einmal ganz bäumlich pastoral. Aber Ende der 70er machten städtische Punk-Bands dem Naturtreiben einen Strich durch die Rechnung, präsentierten sich musikalisch und auch visuell anders. Vielleicht war eine Abwechslung nötig. Ian Anderson von Jethro Tull sah auf Songs from the Wood (1977) schon etwas wie ein gestresster Wilderer aus. In den Musik-Genres der 80er und 90er Jahre, wie New Wave, New Romantics, Hip-Hop, Techno, House etc. waren LP-Cover mit Bäumen nicht sehr nicht angesagt. Eine gewisse Baum-Renaissance ist erst wieder im 21. Jahrhundert bemerkbar, schöne Beispiele wären Hymns of the 49th Parallel (2004) von k. d. lang und das Album Manofon (2009) von David Sylvian. Gute Cover auch von Indie-Bands wie Efterklang aus Dänemark, hier mit der EP Under Giant Trees (2007) und Metal-Bands wie Amorphis aus Finnland, siehe ihr Album Skyforger (2009) auf dem auch die Baumwurzeln zur Geltung kommen. Hat Skandinavien jetzt das Baum-Monopol? Nein, die Briten lassen sich nicht so leicht unterkriegen, siehe schön gestaltete und auch gut klingende Album wie Deadwing (2005) von Porcupine Tree, und Weather Systems (2012) von Anathema. Soweit 25 Beispiele für LP-Cover mit Baum-Motiven. Es gibt viele mehr aber diese Beispiele reichen um zu zeigen wie sehr Bäume – vielleicht als kulturelles Wahrzeichen für Naturverbundenheit – ein Teil der Popkultur sind.

 

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Wussten Sie schon? Wishbone Ash erlangte nicht den kommerziellen Status von Bands wie Floyd und Genesis, war aber einflussreich, z. B. Steve Harris von Iron Maiden erwähnt Wishbone Ash als Inspiration. Wobei Maiden die Gitarren mehr aufdreht. Siehe auch das Lied Ljusalfheim der Metalband Therion, das die gleiche Melodie & Akkordfolge hat wie der Wishbone Ash Song Valediction von der obigen LP Pilgrimage

Mehr von uns über Bäume  Der Blogpost 5000 Jahre: Europas ältester Baum in Wales gefunden

Avenita Kulturmagazin

 

My Puffin edition of 'King Arthur and His Knights of the Round Table' (1953) by Roger Lancelyn Green who, with C. S. Lewis and Tolkien, was part of The Inklings. DVD is an excellent BBC documentary about King Arthur, presented by Richard Harris

Deutsches und englisches Hörspiel um die Artus-Sage online. Beides aufwendige Produktionen mit vielen guten Sprechern. Links folgen am Ende des Posts. Im Foto ist meine englische Ausgabe ‘King Arthur and His Knights of the Round Table’ (1953) nacherzählt von Roger Lancelyn Green, der übrigens, zusammen mit C. S. Lewis und Tolkien, zu dem literarischen Diskussionskreis The Inklings gehörte. Das Cover und die Bilder im Buch stammen von der renommierten deutschen Illustratorin Lotte Reiniger. Mein größter Geheim-tipp ist jedoch der Dokumentarfilm ‘Arthur, King of the Britons’ (1996) präsentiert von Richard Harris. Ebenfalls online. Ohne Esoterik, stattdessen mit wissenschaftlichen Nachforschungen, die zeigen, dass vieles von der Legende auf geschichtlichen Begebenheiten beruht. Es gibt Gründe für die Legende um das ’Schwert im Stein’ um nur mal
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Design

Plattenspieler und LP-Cover als Designklassiker

Bei den Vorbereitungen zu dieser Serie über Albumcover fiel uns auf wie viel Unterhaltsames und Interessantes die gute alte Schallplattenhülle an Pop-Art, Fotografie und Design hervorgebracht hat. Wir sind nicht so sehr unversöhnliche Kritiker digitaler Klangqualität als dass wir die solide Papphülle mit 31 x 31 cm, ähnlich wie die Nebra-Scheibe, für ein klassisches und besseres Designmedium halten. LP-Cover hatten, mit über 5 x der Fläche einer CD-Box, genügend Raum um sich als Plattform für ambitionierte Künstler anzubieten. De facto stand dem Designer meist noch viel mehr Arbeitsfläche zu Verfügung. Denn viele LPs steckten in Gatefolds oder Klappcovern wie ‘Led Zeppelin IV‘ (1971), wo erst beim Aufklappen der Hülle klar wird dass man auf die Wand einer alten Ruine in einem Neubaugebiet blickt. Bei manchen LPs gingen solche visuellen Gedankenspiele auch im Inneren des Klappcovers weiter, siehe  Pink Floyds ‘Dark Side‘ (1973) wo der prismatisierte Lichtstrahl im Inneren des Covers zum Herzschlag in einem Elektrokardiogramm zu mutieren scheint. Mit solchen oder ähnlichen Betrachtungen über Gott und die Welt konnte man sich beim Anhören und Drehen und Wenden einer LP damals ein gutes Weilchen beschäftigen. Eine neue LP war ein Erlebnis. Und dieser interaktive Aspekt, dieser Austausch zwischen Musikern, Designer und Albumbesitzer trug dazu bei dass aufwendig gestaltete Alben, wie z. B. Beatles’ Sgt. Pepper oft als Gesamtkunstwerk und kulturelle Ikone gesehen werden, Damit kann die typische 12 x 12 cm CD-Verpackung nicht mithalten. Ehrbare Ausnahmen, wie gut gestaltete Digi-Pak-CDs, Box-Sets und Papersleeve-CDs machen die Design-Schwächen von Standard-CDs noch deutlicher: Viele CDs scheinen auf Sparflamme produziert zu werden, als ob die Designer sich mit dem Status einen kurzlebigen Gebrauchsgegenstands (aus merkwürdig zerbrechlichem Plastik) abgefunden hätten. Wobei das Format MP3 noch einen Schritt weitergeht und das synergische Konzept Musik + Kunst + Gebrauchsgegenstand so gut wie ganz abschafft. Hier sind Alben im Grunde nur noch eine abrufbare Dienstleistung. Wem das als Sichtweise hoffnungsloser Romantiker dünkt, sei trocken vorgerechnet dass MP3 praktisch keinen Wiederverkaufswert, geschweige denn die beträchtliche Wertsteigerung mancher LPs hat. Aber wie dem auch sei, wir bemerken eine Gegenreaktion, zumindest anhand der steigenden Zahl von Vinyl-LPs in Musikgeschäften. Auch bei Amazon, wo mittlerweile viele gute Alben wieder als Vinyl-LPs erhältlich sind. Ok, das glorreiche Format der Schallplattencover wird nie wieder die Vorherrschaft haben. Aber es wird überleben. Weil es was taugt. Weil es sich gut anfühlt, Und weil Sie ein, zwei oder drei von den Dingern auf Ihren Kaminsims stellen können und dann für sich selbst entscheiden können was Kunst ist, was Pop-Art ist, was originelles Design oder einfach nur ein faszinierendes Zeitdokument ist. In dieser Serie über Vinyl-Alben werden wir in jedem Artikel einen bestimmten Albumklassiker genauer besprechen und  auch einen Blick auf thematisch verwandte Albumcover und ihren künstlerischen und zeitgeschichtlichen Hintergrund werfen. Und mit interessanten Infos über die Bands und die Musik aufwarten

Welche LP-Cover finden wir besonders interessant? Von dem in der Ikonographie der Rockmusik weit verbreiteten Genre Science Fiction & Mythologie ist ‘Space Ritual‘ (1973) von der britischen Band Hawkwind einer unserer Favoriten. Dass wir eine Band die zur Sonnenwende bei Stonehenge spielte (siehe auch die DVD Solstice at Stonehenge bei den Amazon-Links am Ende des Artikels) interessant finden, wird Leser kaum überraschen. Aber Hawkwind, die auf dem Album Space Ritual übrigens mit Lemmy, dem späteren Sänger und Bassisten von Motörhead spielen, liefern auch eine recht originelle Mischung aus Proto-Metal-Riffs á la Black Sabbath und experimentellen Klängen von Saxophon, Flöte und hausgemachter Elektronik. Mehr zur Musik später. Den Album-Designer mit dem Künstlernamen Barney Bubbles, eigentlich Chris Fulcher (1942-1983) halten wir für unterbewertet. Der ziemlich jung verstorbene Designer ist relativ unbekannt, zur Zeit gibt es nicht mal einen deutschsprachigen Wiki-Eintrag. Aber der Mann hat mehrere exzellente Albumcover hinterlassen. Neben anderen enigmatischen Hawkwind-Alben wie In Search of Space (1971), Doremi Fasol Latido (1972) und Astounding Sounds, Amazing Music (1976) entwarf Barney Bubbles auch viele Cover für New Wave Alben wie Elvis Costellos ‘Armed Forces(1979) das in seiner UK-LP-Version (die wir neulich hocherfreut in einem Secondhand-Laden aufgabelten) ebenfalls aufklappbar und sehr aufwendig gestaltet ist. Darüber hinaus gestaltete Barney Tour-Poster für die Rolling Stones und berühmte Logos, z.B das britischen Musikmagazins NME. Und wenn der Mann seinen scheinbar langwierigen Kampf gegen klinische Depressionen nicht durch Selbstmord beendet hätte, gäbe es heute sicher noch viele andere Album-Designklassikern. Die Biographie Reasons to be Cheerful: The Life & Work of Barney Bubbles (2008) enthält viele Bilder von seinen Arbeiten und auch Infos über die alternative Londoner Kunstszene der 60er und 70er Jahre. Für uns ist verkörpert Barneys Bubbles Artwork für Space Ritual (1973) auf dem eine rothaarige Schönheit die mit zwei Raubkatzen wie eine prähistorische Göttin anmutet, die romantischen und psychedelischen Aspekte dieser Zeit

Künstlerische und gesellschaftliche Einflüsse auf Sci-Fi & Fantasy-Motive auf Rock-LPs? Interessant, wie stark die seinerzeit eher links positionierte Jugend der 60er und frühen 70er von den Genres Sci-Fi, Fantasy und mythologischen Motiven á la Robert Heinlein und Tolkien beeinflusst war. Nicht nur Hawkwind sondern auch Bands wie Led Zeppelin, Yes, Incredible String Band u. a. bezogen Ideen für Texte, Image, Albumcover und Präsentation bei Konzerten aus keltischen Mythen, Sci-Fi-Büchern und romantischen Vorstellungen über die Megalithkultur. Grund für den Sci-Fi und Mythen-Trend? Vielleicht spielte dabei eine Rolle, dass aus der Sicht vieler junger Leute in den 60er und 70er Jahren, eine kommunale oder spirituelle Ebene im modernen Alltag verloren gegangen war und mit einer Zunahme von Kommerz und korrupter Kriegspolitik verbunden war. Und mit Technologien die als natur- und menschenfeindlich empfundenen wurden, wie z. B. Atomwaffen, Atomkraft und chemisch durchsetzte Landwirtschaft. Solche negativ besetzen Themen galten als Markenzeichen des damals konservativen Establishments, welches somit zur Feindfigur wurde. Man könnte argumentieren dass die Wiederkehr mythologischer Motive in Musik, Kunst, und Literatur eine Art Gegenbewegung zu einem technokratisch-säkularen Zeitalter war. Erstaunlich viele LP-Cover und Konzertposter von ‘alternativen’ Bands der späten 60er und frühen 70er verwendeten stilistische Elemente des Jugendstils. Siehe zum Beispiel Grateful Dead Alben wie American Beauty (1970) vom Design-Team Kelley / Mouse oder Konzertposter des Designers Bob Masse, hier sind deutlich Einflüsse von Jugendstilkünstlern wie Alphonse Mucha (1860-1939) erkennbar. Beim Design von Roger Dean, der viel mit der Prog-Rockband Yes arbeitete, mischten sich Jugendstileinflüsse mit Sci-Fi und Fantasy. Ein weiterer Einfluss auf die mystisch-idealistisch geprägte Rock-LPs der frühen 70er sind Künstlergruppen wie die Präraffaeliten die sich um die Mitte des 19. Jahrhundert – gar nicht so unähnlich wie die Jugend etwa 100 Jahre später – nach einer Rückbesinnung auf die Natur sehnte. Der Einfluss von Bildern aus dem Umfeld der Präraffaeliten, wie Die Meerjungfrau (1901) des mythologisch inspirierten Malers John William Waterhouse (1949-1917), ist auf vielen Alben aus dem Metal-Genre  zu sehen. Beispiel? Staunen Sie kopfschüttelnd über die glorreich übertriebenen präraffaelitischen Elemente auf ‘Bat out of Hell III: The Monster is  loose‘ (2006), von der Fantasy-Künstlerin Julie Bell. Mit  Blondine, bösem Drachen und Retter in der Not. Und einem der besten Alben von good ol’ Meat Loaf

Gatefold: Wie Klappcover in den 70er Jahren die Welt eroberten? Oder wie Gatefolds die Welt kosteten, könnte man hinzufügen. Materialaufwand und Fertigungskosten für Dreifachalben wie das von Barney Bubbles gestaltete ‘Space Ritual’ (1973) von Hawkwind müssen beträchtlich gewesen sein: Wenn man das LP-Cover von Space Ritual komplett aufklappt, wird daraus die Fläche von 95 x 62 cm, oder sechs nebeneinander liegenden LPs. Auf einer Seite ist eine Collage von Fotos eines Hawkwind-Konzerts zusammen mit Sternenkonstellationen und einer ominösen Maske. Auf der anderen Seite ist das Bild eines Embryos im Weltall. Hat da vielleicht jemand Kubricks ‘2001: Odyssee im Weltraum‘ (1968) gesehen? Zudem gibt’s hier eine Mandala-Darstellung und eine babylonische Figur inmitten eines Sternenkreises und – Madame Blavatsky lässt grüßen! – eine Seite mit ‘Infos’ über den Untergang von Atlantis: Als Fluten und Feuer im Jahr 9850 v. Chr. Atlantis versinken liessen, war es das Ende von einem legendären Imperium und einem goldenen Zeitalter der Wissenschaften…’, so übersetzen wir es mal aus dem Englischen. Das Cover von Space Ritual war selbst nach dem Standard der 70er Jahre sehr aufwendig – aber erstaunlicherweise steckten damals fast alle nennenswerten Alben in Klappcovern (siehe ‘Foxtrot (1972) von Genesis u.v.a.), auch wenn sie nur 1 Schallplatte beherbergten. Dem fröhlichen, keine Kosten scheuenden Designer-Treiben wurde eigentlich erst von Punkbands á la Sex Pistols ein Strich durch die Rechnung gemacht. Ein härteres wirtschaftliches Klima ließ idealistische Hippie-Konzepte auf einmal alt aussehen und für viele darauffolgende Jahre reflektierte ein eher harsches, minimalistisches Design den Zeitgeist. C’est la vie. Es bleibt folgende Frage zu Klappcovern und Doppel- und Dreifach-LPs: War die Menge an Bäumen und Öl für LP-Cover und Vinyl-LPs ökologisch vertretbar? Wir finden, für gute Alben, ja. Und die millionenfache Heimbrennerei von Plastik-CDs mit Musik, Filmen, Spielen und Daten hat wahrscheinlich ökologisch mehr auf dem Kerbholz als die Vinyl-LP. Eine gute Idee in dieser Hinsicht kam übrigens von den Progrockern Pink Floyd: Um das Kohlenstoffdioxid auszugleichen das durch das (typisch-enigmatisch von Designer Storm Thorgerson gestaltete) Album ‘Echoes, The Best of Pink Floyd‘ (2001) verursacht wurde, ließ die Band 15.000 Bäume einpflanzen. Na bitte, wo ein Wille, da auch ein Weg

Profit Adieu: Weitere wahnwitzig aufwendige Albumcover? Neben Space Ritual (1973) gefällt uns auch Barney Bubbles Cover für Hawkwinds ‘In Search of Space‘ (1971). Dieses LP-Cover, übrigens aus einer so steifen, dicken Pappe ist wie kein anderes Album das wir kennen, öffnet man, anders als normale Gatefold-Alben die wie ein Buch aufklappen, auf der Vorderseite wie ein zweiteiliges Tor. Hinter dem sphinxähnlichen Gesicht mit geschlossenen Augen, in einer von Sternen umgebenen Pyramide, sieht man dann Konzertszenen von Hawkwind. Man kann das Cover dann hochkant, quasi wie ein Miniatur-Theater aufstellen. Noch aufwendiger ist das LP-Cover von ‘Led Zeppelin III ‘ (1970) mit einer Art psychedelischen Parkscheibe. Ein gutes Beispiel für Design das als kleines Bildchen, als Scan im Internet nicht besonders spektakulär wirkt. Die LP hingegen als Produkt in der Hand zu halten, macht viel Spass. Hier läßt sich die im LP-Cover steckende Pappscheibe so drehen dass die elf Gucklöcher auf der Vorderseite des Albums verschiedene Bilder preisgeben: Ufos die mit Strahlen Luftschiffe angreifen, eine römische Statue, eine Burg, ein Stuhl mit Flügeln etc. Interessant in Hinblick auf die Verbindung zwischen Rock, Mythologie und Science Fiction ist auch Emerson, Lake and Palmers ‘Brain Salad Surgery‘ (1973). Ähnlich wie bei Hawkwinds In Search of Space öffnet man das Albumcover in der Mitte, wodurch dann das verdeckte Gesicht hinter dem stählernen Totenkopf auf der Vorderseite komplett sichtbar wird. Der Designer war der Schweizer H.R. Giger der Jahre später durch seine Entwürfe für das SciFi-Monster Alien (1979) berühmt wurde. Die Band Jethro Tull hatte, neben heidnisch-mythologisch geprägten Liederthemen wie auf dem Album ‘Songs from the Wood‘ (1977), deutlich mehr Humor als die meisten ihrer musikalischen Zeitgenossen und schreckten nicht davor zurück, sich selber auf die Schippe zu nehmen. In Sachen ‘Aufwendige Albumcover’ ist Jethro Tulls ‘Stand Up‘ (1969) schwer zu überbieten: Die wunderbar unschmeichelhaften Karikaturen der Bandmitglieder auf dem Cover werden, wie in einem Pop-up-Buch für Kinder, tatsächlich zu Steh-auf-Männchen und veranschaulichen den Albumtitel. Produktionstechnisch ein teuerer Gag. Eine künstlerische Verbindung zum 19. Jahrhundert besteht bei Jethro Tull dadurch dass Sänger Ian Anderson über mehrere Alben eine Bühnenpersönlichkeit pflegte die auf halbseidenen Nebenfiguren aus Dickens-Romanen zu basieren schienen. Was uns zu Uriah Heep bringt. Die Gruppe nahm ihren Namen von der gleichnamigen Figur in Charles Dickens’ Roman David Copperfield (1849) und war zudem die erste Band die per Silberfolie einen halbwegs funktionsfáhigen Spiegel auf ein LP-Cover installierte. Der Name des Albums war – nur Genies hätten darauf kommen können – ‘Look At Yourself‘ (1971). Sind weitere Beweisstücke nötig um zu zeigen dass der Wahnsinn beim LP-Design Methode hatte?

Vinyl-Trivia: Wussten Sie schon? Laute Passagen nehmen auf Schallplatten mehr Platz ein als leise Passagen. Rock-LPs waren deshalb selten mehr als 45 Min. lang. Eine LP mit leiser Pianomusik könnte theoretisch ca. 60 Min. lang sein. Aber wir finden dass 45 Min. gute Musik für ein Album völlig reicht. Um die heute fast obligatorischen 75 Min einer  CD ‘vollzukriegen’ stecken Bands oft eine Menge Füller drauf

Plattenspieler als Designklassiker? Wir sprechen über Design, deshalb sind auch ein paar Worte zur Hardware, dem Plattenspieler, angebracht. Ist Ihnen aufgefallen dass es in ganz normalen Kaufhäusern und Einkaufszentren mittlerweile wieder Plattenspieler gibt? Hier in unserer Ecke des Planeten ist das erst seit kurzer Zeit wieder der Fall, und das ist ein gutes Zeichen. Wir möchten heute kurz auf zwei sehr verschiedene Arten von Plattenspielern eingehen. Einen davon können Sie bei Amazon kaufen, den anderen, der eher ein Sammlerstück für Design-Freaks ist, kriegt man nur aus zweiter Hand, nämlich den Braun SK 5, im Volksmund Schneewittchensarg genannt, ein Foto veranschaulicht den Namen: Das Ding sieht aus wie eine Kiste. Dazu hat es Radio (Mw & Ukw) und, gemäß Erinnerungen an Europa-Hörspiele und Beatles-Alben auf dem elterlichen Gerät, einen recht vollen, vielleicht etwas mittigen und bassigen Klang. Man kann man den SK 5 aus dem Jahr 1956 (sowie ähnliche Modelle wie SK 4, SK 6 u.a.) der in Zusammenarbeit von Dr. Fritz Eichler und den Designern Hans Gugelot und Dieter Rams entstand, heute ziemlich billig bei Ebay bekommen, dort sind sogar Ersatznadeln zu kriegen. Uns fiel vor kurzem zufällig auf, dass die Firma Braun im Abspann des Stanley Kubrick Films Clockwork Orange (1971) erwähnt wird.

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Der Braun-Look war also mal sehr in – ist es eigentlich immer noch, wurde nur vom Mainstream absorbiert und fällt deshalb weniger auf. Wer anstatt von Designklassikern lieber handfeste technische Vorteile sucht, könnte Computer-kompatible USB-Plattenspieler wie den Omnitronic DD-2520 nützlich finden: Viele Leute haben voreilig ganze Goldminen von Schallplattensammlungen verscherbelt weil sie nicht mehr digital verwertbar zu sein schienen. Glorreiche Überreste dieser Zeit findet man heute gelegentlich noch auf Flohmärkten. Mit einem USB-Plattenspieler können Sie Ihre Vinyl-LPs nicht nur anhören sondern auch fürs Auto oder den alltäglichen Gebrauch unkompliziert zu MP3 und Audio-CDs umwandeln. Was nützlich ist, denn selbst Vinyl-Fans hören unterm Strich oft mehr Musik im Digitalformat – aus praktischen Gründen, wie die Tatsache dass man als Eltern heutzutage fast nur im Auto dazu kommt, völlig ungestört Musik zu hören. Die Original-LPs kann man dann feierlich aus den Hüllen ziehen wenn die Kinder im Bett liegen und Ruhe herrscht. Wer sagt, modernes Leben wäre sinnlos oder ohne Hoffnung?

Kino: Vinyl-LPs und Plattenspieler in Filmen? Graham Greene’s Roman Brighton Rock (1938) hat nichts mit Rockmusik zu tun, der Titel bezieht sich auf eine englische Art von Zuckerstange, aber eine Schallplatte spielt eine prägnante Rolle, hier ein Cover mit Grammofon-Motiv. Es gab in den 30er Jahren Münz-Automaten in denen Leute Aufnahmen ihrer Stimme machten, die sie dann, auf Schellack gebannt, mitnehmen und Zuhause abspielen konnten. Die Verfilmung ‘Brighton Rock‘ (1947), ein Clip, verarbeitet die auf Schallplatte erhaltene Stimme des toten Unholds Pinkie noch genialer als das Buch: Die Platte hat einen Sprung, wodurch die skrupelose, an eine Frau adressierte Botschaft verändert wird und eine Art von spirituellem Hoffnungsschimmer verliehen bekommt. Brighton Rock ist düster, komplex und exzellent. Aber wir wollen auch einen leichtherzigeren Film empfehlen: Auf dem DVD-Cover von ‘High Fidelity’ (2000) prangt eine LP – und Vinyl-Fans kommen tatsächlich auf ihre Kosten. Die Szenen in dem recht gut sortierten Plattenladen Championship Vinyl gefallen uns gut, in der Tat, am besten in dieser romantischen Komödie deren Humor für uns ansonsten noch eine Spur trockener hätte sein können. Aber sei’s drum, denn obwohl das Innere des Plattenladens ein Studio-Filmset ist, waren hier Kenner am Werk die die hoffnungslose living in the past Mentalität von Sammlern fachgerecht auf die Schippe nehmen. Ein Blick auf die LP-Cover im Laden genügt: Bryter Layter von Nick Drake, The Low Spark of High Heeled Boys von Traffic, Made in Japan von Deep Purple, Joe’s Garage von Zappa, plus Alben von Yes, King Crimson und allen üblichen Verdächtigen. Gut dargestellt ist auch die indigne Bevölkerung. Wir dachten immer wir wären introvertiert, aber in Plattenläden trifft man gelegentlich wirklich Zeitgenossen die zusammenzucken wenn man sie anspricht. Ist ja nicht schlimm! Willkommen auf Planet Vinyl.

Ist Hawkwinds Space Ritual (1973) ein Spacerock-Klassiker? Um auf das legendäre Album mit dem Sci-Fi-Design von Barney Bubbles zurück zu kommen: Wer die Band Hawkwind nicht kennt und Studio-Finesse á la Pink Floyd oder Genesis erwartet, sollte wissen dass Space Ritual (1973) ein Livealbum das mit Ecken und Kanten ist und wirklich live klingt. Co-Sänger Robert Calverts (1945-1988) Gesangsstimme ist gewöhnungsbedürftig, der Mann war eher ein Konzept-Künstler. Die Lieder auf denen statt ihm Dave Brock und Lemmy singen, klingen besser. Musikalische Stärken von Space Ritual sind Lemmys dynamischer, wilder und dennoch melodischer Bassgitarren-Klang mit dröhnenden Grüßen von Firma Rickenbacker. Gut sind auch Dave Brocks effektbeladene Gitarrenklänge und die rockuntypischen experimentellen Passagen mit Flöten und Saxofonen von Nik Turner. Robert Calvert kommt auf gesprochenen Einlagen und Intros mit Betrachtungen über die unendlichen Weiten des Alls etc. auch gut rüber. Live auf der Bühne war die Tänzerin namens Stacia, die auch als Model für die Göttin auf dem Albumcover gilt, zweifellos ein Teil der ultra-hippiehaften Performance Art der Band. Wahrscheinlich ist Hawkwind, ähnlich wie Grateful Dead, ein Rohdiamant der als Gesamtkunstwerk betrachtet werden muss um die volle, ärztlich empfohlene Wirkung zu erzielen. In diesem Sinne würden wir Space Ritual (1973) in Kombination mit Barney Bubbles Album-Design durchaus als Klassiker bezeichnen. Herrgott, welches andere Album beruht auf der Prämisse einer Expedition bei der sich sieben Astronauten im Tiefschlaf auf einer Weltraumreise befinden, während jemand der auf der Erde einen ‘Trip’ genommen hat und visualisiert dass er einer dieser Astronauten ist? Auf Deutschland sucht den Superstar, wird man mit diesem Konzept nicht weit kommen. Den Göttern sei Dank. Wir werden zukünftig Hawkwind-Biografien rezensieren, für heute sei kurz auf die Autobiografie White Line Fever (2002) vom heutigen Motörhead-Boss Lemmy Kilmister hingewiesen: Auf deutsch erhältlich und unterhaltsam geschrieben, mit einem Kapitel über seine Zeit mit Hawkwind. Lemmy lobt das Design von Space Ritual und erzählt dass Barney Bubbles das ganze Band-Equipment in psychedelischen Farben anmalte um mit UV-Licht bei Konzerten damit Effekte zu erzielen. Lemmy wurde damals aufgrund chaotischer Zufälle (in Verbindung mit Drogen) von Hawkwind gefeuert – eine vorschnelle, von Hawkwind später bereute Entscheidung. Aber Lemmy unterhält bis heute freundliche Beziehungen zu Hawkwinds Boss Dave Brock und nahm die Gruppe, die eher Kultband als Superstars sind, vor einiger Zeit bei einem großen Motörhead-Konzert als Vorgruppe auf die Bühne. Kleine persönliche Anekdote gefällig? Wir haben durch Zufall mal ein ehemaliges Mitglied von Hawkwind im Hallenbad getroffen und etwas geklönt, nachdem wir den verdutzten Mann strategisch in die Ecke vom tiefen Ende manöveriert hatten. Unsere Korrespondenten scheuen keinen Aufwand

Mitgestaltungsmöglichkeit für Leser in dieser Serie? Vinyl-LP-Sammler können uns gerne ihre Anekdoten einsenden, von musikalischen Funden und Jagderfolgen die Sie vor kurzem oder im Laufe der Jahre hatten.

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Avenita Kulturmagazin

 

Science-Fiction

Sci-Fi – Arthur C. Clarke: ‘Die letzte Generation’ als Hörspiel online

The novel ist about the last children of a dying planet Earth. It also inspired songs by Genesis and Pink Floyd. See clips in the blogpost. Plus a trailer for an upcoming TV adaption. And we reveal who's the lady in the photo, above, on the left

Ein paar Hintergrund-Infos über Houses of the Holy (1973), speziell das Albumcover. Es gibt eine Verbindung zum Roman Childhood’s End (1953), auf Deutsch als Die letzte Generation veröffentlicht. Ein Sci-Fi-Klassiker vom Autor der auch die Story für den Film 2001: Odyssee im Weltraum schrieb. Das Zeppelin-Cover bezieht sich auf eine spezifische Romanszene. Gleich mehr dazu. Wir benutzten für dieses Foto eine CD-Ausgabe des Albums. Auf nachfolgendem Foto ist unsere Vinyl-LP mit Gatefold-Cover. Auf dessen Innenseite ist eine spektakuläre Burg zu sehen. Auch dazu folgen Infos. Album-Designer Aubrey Powell von der Firma Hipgnosis machte die Fotos in Irland. Was die erwachsene Lady links im Bild anbelangt: Ahnt der eine oder andere Leser schon, wer das sein könnte? Sie war 1973 mit ihrem Bruder in Nordirland bei der spektakulären Felsformation namens Giant’s Causeway an der Küste von County Antrim. Die heutige Touristenattraktion besteht aus Tausenden von hexagonalen Basaltsäulen die vor Millionen von Jahren durch vulkanische Vorgänge entstanden. Naturwunder haben oft mythologische Konnotationen. Legenden gemäß wurden die Stufen von Riesen gebaut. An diesen Ort kamen seinerzeit die Geschwister Stefan und Samantha Gates – oben ein Bild von ihr als Erwachsene. Beide waren vorher schon mehrfach in Werbe-Spots aufgetreten, nach dem Zeppelin-Cover folgten weitere. Samantha, die auch auf der Rückseite der Zeppelin-LP Presence (1976) zu sehen ist, machte später an der Warwick Universität ein Filmstudium und wurde Marketing Managerin für eine TV-Produktionsfirma. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter. Ihr Bruder Stefan Gates, der auf dem LP-Cover die Haare lang, aber etwas kürzer als seine Schwester hat, wurde später Produktionsleiter für Popvideos, und dann zu einem in England bekannten TV-Koch in der BBC-Serie Cooking in the Danger Zone. In dem Sci-Fi Roman von Arthur C. Clarke geht es sprichwörtlich um Die Letzte Generation von Kindern auf der Erde.

We got the album as vinyl-LP, but also wanted to feature the new 2-CD edtion, which is nicely designed. The medieval ruin pictured on the inside of the gatefold is Dunluce Castle in Northern Irleand. See link for modern photo in blogpost

Außerirdische die den Menschen technisch und mental überlegen sind, haben eine friedliche Übernahme der Erde vollzogen. Sie sind am Ende ihrer eigenen Entwicklung, quasi in einer evolutionären Sackgasse angelangt und, als ultra-rationale Wesen, von den intuitiven Fähigkeiten fasziniert die sich in manchen Menschen, besonders in Kindern manifestieren. Es stellt sich heraus dass die Menschheit auf ihr Ende zugeht weil keinen neuen Kinder geboren werden. Im Laufe der Jahre vollzieht sich in Millionen von Kindern eine Art Metamorphose zu trancehaften Wesen die über den gesamten Kontinent ziehen und immense geistige Kräfte entwickeln, wobei sie jedoch ihre Individualität verlieren, die Erde verlassen – das ist die Szene auf dem Zeppelin-Cover – und Teil einer kollektiven kosmischen Intelligenz namens Overmind werden. Hier die Romanszene:

‘Sie wirkten wie Wilde in einem komplexen rituellen Tanz. Sie waren nackt, und verfilzte Haare verdeckten ihre Augen. Sie waren im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren, aber alle bewegten sich mit der selben Geschwindigkeit, Präzision und kompleter Indifferenz gegenüber ihrer Umgebung”. (Frei und auszugsweise übersetzt aus Kapitel 23, Childhood’s End, 1953 von Arthur C. Clarke)

Led Zeppelin waren nicht die Ersten die auf den Roman Bezug nahmen. Das Pink Floyd Lied Childhood’s End erschien auf ihrem Album Obscured by Clouds (1972), dem Soundtrack zu dem Hippie-Film La Vallée (1972) von Barbet Schroeder. Auch das Genesis-Lied Watchers of the Skies vom Album Foxtrot (1972) wurde von dem Roman inspiriert. Im Songtext (‘…creatures shaped this planet’s soil, now their reign has come to an end…’) geht es spezifisch um das Ende der menschlichen Herrschaft über die Erde. Um auf das Design der Zeppelin-LP zurück zu kommen: Im Inneren des Gatefold-Covers von Houses of the Holy (1973), siehe obiges zweites Foto, ist ebenfalls ein irisches Monument zu sehen, nämlich die mittelalterliche Burg Dunluce Castle, auf steilen Klippen an der Küste von Antrim gelegen und strategisch durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Diese eindrucksvolle Burg inspirierte übrigens den aus Nordirland stammenden Autor C. S. Lewis als Vorbild für Schloss Cair Paravel in den Chroniken von Narnia. Die Festung war auch Inspiration für das Gary Moore Lied Dunluce, ein Instrumentalstück vom Album After the War (1989). Es gibt also auf dem Cover von Led Zeppelins Houses of the Holy (1973) einige interessante Verbindungen zu entdecken. Und die Musik ist auch nicht schlecht, nachfolgend unser Lieblingslied vom Album.

 

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Arthur C Clarke: ‘Die letzte Generation’ als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel Childhood’s End. Mit Steven Pacey (als Astrophysiker Jan Rodricks), Philip Voss (als UN-Generalsekretär Rikki Stormgren), Peter Jeffrey (Overlord Karellen),  Bernard Lloyd (Wainwright, Anführer der Freiheitsliga), Alison Pettitt (als Katerina), Lynn Farleigh (als Katya), Paul Webster (als Sir Kenneth), Paul Birchard (als Luther), Jonathan Owen (als Kircher), Yana Weinstein (junge Katerina), Patricia Perry (Doctor),  Gerard McDermott (als Sullivan), Kim Durham (als Vindarten), Graham Padden (als Thanthalteresco) , Sunny Ormonde (als Rashaverak), Katherine Messenger (The Terrorist), Leon Tanner (als Mark), Jonathan Owen (als Kircher), Sarah-Jane Holm (als Katie), James Richards (als Jeffrey), Christian Rodska (als George), Suzanne Hitchmough (als Mia), Cornelius Garrett (als Rupert), Sue Kimberley (Thai President) u. a. Teil 2. Bearbeitung: Tony Mulholland. Regie: Brian Lighthill. 1997

Mein Lieblingslied  Das ganze Album ist hörenswert aber für The Rain Song gibt es ein Video vom Film The Song Remains the Same (1976), ein Mix aus Live- und Fantasie-Szenen die in Wales gedreht wurden. Im obigen LP-Foto ist auch die neue 2-CD Ausgabe zu sehen, mit alternativen Takes und Foto-Booklet

Zeppelin-Anekdote  Ich habe die Gruppe nie live gesehen, aber zwei Leute getroffen die Kontakt zur Band hatten. 1. Ein Mann der sich jahrelang um die Autos von Robert Plant kümmerte. 2. Ein ehemaliger SAS-Soldat der in den 70er Jahren von Zep-Manager Peter Grant als Bodyguard für Jimmy Page engagiert wurde

Film-Info Hier ein Trailer für TV-Verfilmung Childhood’s End (2015) mit wie Colm Meaney, Charles Dance u. a.

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Megalithkultur-Blog

Steinkreise in Romanen, Spielfilmen & TV-Serien

The Kate Bush song Hounds of Love has an audio sample of the horror classic Night of the Demon (1957). Check out a good fan made video with excerpts from the film which includes Stonehenge scenes, above. We also look at some other films in which stone circles play a role, often full of clichés

Neulich bei einem Blogpost über das Konzert-Comeback von Kate Bush checkten wir ein paar Lieder aus und kamen auf ein Video mit Filmclips von dem Film Der Fluch des Dämonen (1957). Kein Zufall, denn Kate Bush verwendete ein Audio-Sample von dem Film im Lied Hounds Of Love. Links eine Filmszene: Psychologe John Holden findet bei Stonehenge in Stein geritzte Zeichen mit denen ein Dämon heraufbeschworen wird. Nachfolgend der Clip und Infos über diesen und andere Filme und Romane in denen Steinkreise und eine Menge an glorreich versponnenen Horror-Klischees vorkommen.

Music: Extended mix, different from LP version
Video clip: Unofficial, made by fan
Film material used: Night of the Demon (1957)
Audio sample used by Kate Bush: ‘It’s in the trees, it’s coming!
.

If you're into stone circles - and 70s TV series - you might like Children of the Stones (1976). Exterior scenes were filmed at Avebury and look good. Interior scenes look...like 70s kids TV

Gutes Lied. Der unoffizielle, offenbar von einem Fan gemachte YouTube Clip gefällt mir besser als das offizielle Video, obwohl das auch im 50er Jahre Stil gemacht wurde. Der echte 50er Jahre Film Der Fluch des Dämonen ist von der Atmosphäre her jedoch schwer zu überbieten. Dieser Film, der auf einer Kurzgeschichte von M. R. James beruht, wird im englischen Sprachraum als Klassiker des Horrorgenres angesehen. In Deutschland weniger bekannt, im Onlinehandel scheint es nicht mal eine deutschsprachige Fassung zu geben. Der Film hat eine kleine Schwäche, nämlich dass der Zuschauer den Dämon letztendlich als Figur mit fratzenhafter Maske zu sehen bekommt. Was unvermeidlich und typisch für Horrorfilme, eine Entäuschung und kein besonderer Schreck ist. Zudem muss man wie bei allen Horrorfilmen auf den kritischen Verstand verzichten. Es gibt in Stonehenge keine Runen, die aus einem viel späteren Zeitalter als Stonehenge stammen. Und natürlich hat Stonehenge keine Verbindung zu neuzeitlichen, im 20. Jahrhundert entstandenen Kulten à la Thelema und Aleister Crowley, der Mann auf dem dem die Filmfigur von Dr. Julian Karswell angeblich basiert. Einige Filme über Steinkreise haben, trotz allen Klischees, ein paar ganz gute Bilder von den Monumenten. In Der Fluch des Dämonen sieht Stonehenge, so ganz ohne die Zäune und Touristen irgendwie spannend aus. Auch in der britischen TV-Serie Children of the Stones (1976), hier ein Clip, sind gute Aufnahmen von einem Steinkreis, nämlich dem von Avebury wo die Serie spielt. Auch wenn sich hier, etwas arg klischeehaft, der freundliche Bürgermeister als geheimer Anführer eines Kults um den Steinkreis entpuppt. Neben den gut aussehenden Aufnahmen von den Steinen wirken die offensichtlich im Studio gedrehten Innenaufnahmen in der Schule, im Museum, im Wirtshaus etc. billig. Aber die Serie hat einen gewissen 70er-Jahre-Charme.

Stonehenge features in the novel Tess of the d'Urbervilles (1891) by Thomas Hardy. Above, a scene from the 2008 BBC adaptation with Gemma Arterton and Eddie Redmayne

Stonehenge spielt eine Rolle im Romanklassiker Tess (1891) von Thomas Hardy. Die Verfilmung von 1979 mit Nastassja Kinski ist gut, wurde aber in Frankreich gefilmt und für die Stonehenge-Szenen wurden Requisiten verwendet. Die BBC Verfilmung von 2008, siehe links Gemma Arterton in der Titelrolle, ist ebenfalls gut und wurde beim echten Stonehenge gefilmt – empfehlenswert. In der mittelprächtigen TV-Serie Quatermass (1979) mit John Mills spielen megalithische Monumente ebenfalls eine zentrale, wenn auch klischeehafte Rolle. Wissenschaftler Bernard Quatermass geht auf die Suche nach seiner Enkelin die sich einem Hippie-Kult angeschlossen hat der sich bei Steinkreisen versammelt und von außerirdischen Kräften instrumentalisiert wird. Allerdings wirken die Schauspieler nicht sehr überzeugend, sehen aus wie Rent-A-Hippies. Nachteilig war auch dass Quatermass (1979), hier ein Clip, nicht wie ursprünglich geplant, Erlaubnis erhielt am Originalschauplatz von Stonehenge zu filmen. Insgesamt etwas besser gefiel mir die französische Produktion Dolmen: Das Sakrileg der Steine (2005), hier ein Clip. Ziemlich vielversprechend wirken die ersten Bilder und Trailer für die Diana Gabaldon Verfilmung Outlander (2014), hier unser Blogpost dazu. Hier spielt ein Steinkreis eine Rolle als Tor in ein anderes Zeitalter. Eine angenehme Abwechslung ist dass die Steine in Outlander eine romantische Rolle spielen, ohne die gängigen Verschwörungstheorien um Kulte etc. Ein Roman den ich für den bisher besten über Megalithkultur halte ist Bernhard Cornwells Stonehenge (1999). Anstatt Außerirdischen und Verschwörungstheorien, ist der springende Punkt des Romans einen realer Aspekt von Stonehenge: Warum haben die Erbauer den riesigen Aufwand gemacht, mehr als siebzig Steinquader aus dem weit entfernten Wales nach Südengland zu transportieren? Da Stonehenge dadurch anscheinend Zwei Monumente in Einem darstellt, ist eine der neueren wissenschaftlichen Theorien, dass Stonehenge zwei Kulturen miteinander versöhnen sollte: eine ältere Jäger-Sammler-Kultur und eine jüngere Ackerbau und Viehzucht-Kultur. Bernard Cornwells Buch hat das Potential für einen Film jenseits der üblichen Klischeevorstellungen von Steinkreisen.

 

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Mehr über Megalithkultur Unser Blogpost Stonehenge Herkunftsort in Wales gefunden, mit exklusiven Fotos

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Known in England and America as 'Seacrow Island' (1964) this classic children's novel by Astrid Lindgren is about a family who are on holiday on a small island in the Stockholm archipelago. There's a German radio dramatisation online. Link below

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Ich wollte das Buch für Lindgren-Fans schön in Szene setzen. Roman und TV-Serie, auch bekannt als Ferien auf der Kräheninsel (1964), sind Klassiker. Das Hörspiel vom Jahr 1973 ist ebenfalls gut. Link folgt am Ende des Blogposts. Es ist die Geschichte von einer Familie die Urlaub auf einer kleinen schwedischen Schäreninsel macht. Der verwitwete Vater, ein Schriftsteller namens Melcher Melcherson, mietet ein Haus für sich und seine vier Kinder Pelle (7), Niklas (12), Johan (13) und die 19-jährige Malin die quasi die Mutterrolle für ihre Geschwister übernommen hat. Auf dem Buchcover ist die 6-jährige Tjorven zu sehen, eine der etwa zwanzig einheimischen Inselbewohner, mit ihrem Bernardiner namens Bootsmann. Sie freundet sich mit den Besuchern aus Stockholm an. Im Hintergrund ist das rote
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That's how Goethe looked in middle age. If ever there were a British made biopic, we'd suggest Colin Firth to play him. Until then it's worth checking out the 2010 BBC radio production of Faust with superb music and Samuel West in the title role

Die zwei Hörspielklassiker können nachfolgend online gehört werden. Link am Ende des Artikels. Mit Samuel West und Horst Caspar respektive in der Titelrolle. England hat eine Beziehung zu Goethes Stoff. Faust (1808) beeinflusste Werke wie Mary Shelleys Frankenstein (1818) und Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray (1890) Wie ist Faust auf Englisch? Als Beispiel hier die Anfangszeilen von Prolog und Nacht. Wer nicht ganz perfekt Englisch spricht, sollte das Hörspiel trotzdem auschecken. Atmosphärisch mit speziell komponierter Musik und Stars wie Derek Jacobi.

Prologue in Heaven – Raphael
‘The chanting sun, as ever, rivals
The chanting of his brother spheres
And marches round his destined circuit
A march that thunders in our ears…’
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Landleben

Landwirtschaft als Inspiration für Musik, Film, Kunst & Literatur

Tending the land is called agriculture, a good word because it reminds us of the connection between farming and culture. This Andalusian field of straw bales inspired us to look at examples of music, art and movies inspired by farming

Wir fuhren gestern Morgen ein paar Kilometer von der Küste landeinwärts, da ist man hier in Andalusien schnell in ländlichen und auch landwirtschaftlichen Gegenden. Hier werden nicht nur typisch mediterrane Gewächse wie Olivenbäume angebaut sondern auch Getreide. Die im Feld gestapelten Ballen aus Gerstenstroh zeigen dass Erntezeiten hier viel früher sind als in Deutschland, wo das erst im Herbst passiert. Wir fanden den Anblick schön, und obwohl wir etwas anderes vorhatten, holten wir uns von einem verduzten Bekannten in der Nähe eine Gitarre und hielten die Szene fest – denn bald werden die Strohballen in Scheunen gebracht und dienen als Futter und Einstreu für Tiere. Wir nahmen die Gitarre als Symbol für die etwas in Vergessenheit geratene Verbindung von Landwirtschaft zu Kunst, Musik und vielem mehr. Nachfolgend Beispiele. Was Musik anbelangt, hat das Country Genre die ländliche Verbindung schon im Namen, ebenso wie die Vorläufer Bluegrass, Hillbilly und Mountain music. Sprichwörtlich die Musik von Leuten auf dem Land, umgeben von Gras und Bergen. Man muss in diesen Genres nicht lange suchen um ländliche Motive in der Musik und auf LP-Covers zu finden. Da wir gerade von Strohballen sprachen, wäre das Cover von Willie Nelsons Album Country Music (2010) ein Beispiel, mit einer schönen, alten Scheune die darauf wartet dass die Jungs mit Traktor und vollbeladenen Anhängern kommen. Übrigens nicht nur Jungs. Unserer Erfahrung nach, arbeitet zur Erntezeit die ganze Familie, wobei oft eine Tochter des Bauern den Traktor fährt und den Jungs das Aufstapeln der Ballen überlässt. Es dauerte nicht lange bis Landromantik von Country auf Rockmusik übergriff. Ein LP-Cover wie Wake of the Flood (1973) von Grateful Dead ist ein schönes Beispiel, ein Mann mit Sichel und Korn. Die Hippie-Band Traffic nahmen einen alten englischen Folk Song, der vom Lebenszyklus des Korns handelt, als Titellied ihres Albums John Barleycorn Must Die (1970), hier ein Blick auf die LP, mit einer Garbe, also bebündeltem Korn auf dem Cover. Dass die Garbe einst ein starkes Sinnbild war, zeigt die Tatsache dass sie bis zum heutigen Tag in den Wappen vieler Städte auftaucht, wie Berlin-Heiligensee, um nur ein Beispiel zu geben. Garben machte man bis Maschinen erfunden wurden die Stroh und Heu automatisch zu Ballen pressen können, wie im obigen Bild. Allerdings verwenden die meisten Bauern heute die größeren Rundballenpressen, siehe GIF. Die runden Ballen sehen gut im Feld aus, können allerdings nicht mehr bei Hand sondern nur noch mit Maschinen bewegt werden.

This field a mile further along demonstrates the eternal cycle of agriculture: The heaps under the olive trees are spread and used as fertilizer. They consist of cow manure and...straw, which goes back into the earth where it came from

In der Kunst ist Ackerbau und Viehzucht seit Jahrtausenden Inspiration für Maler. Schon die alten Ägypter malten Bilder die zeigen wie man Kühe mekt. Wer Kühe hat, braucht Gras, Heu, Stroh und Korn. Gerste für die Kühe, und Weizen, Roggen und Hafer für die Menschen. Deshalb sind Ernteszenen die häufigsten in der Kunst. Zumindest bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Van Gogh malte Korngarben im Feld bei der Ernte in der Provénce (1888). Der Impressionist Camille Pissarro malte die Heuernte in Éragny (1901), die zeigt wie sehr Frauen damals in landwirtschaftliche Arbeiten einbezogen waren. Der englische Maler Samuel Palmer zeigt wie man damals das Licht des herbstichen Vollmonds nutzte um auch Nachts zu arbeiten, siehe The Harvest Moon (1833). Bei der Ernte in nordeuropäischen Ländern ist man besonders unter Zeitdruck die Ernte trocken in die Scheune zu bringen weil Regen viel Schaden an Korn, Stoh und Heu anrichtet, es zum Beispiel verschimmeln lässt. Landwirtschaftliche Gemälde können auch sozialen Kommentar liefern, wie zum Beispiel Die Ährenleserinnen (1857) von Jean-François Millet. Es zeigt wie die ärmsten von den Armen nach der Ernte im Feld nach Resten von Korn suchen. Das Bild weigert sich, eine romantische Darstellung vom Landleben zu präsentieren und war deshalb bei Establishment unbeliebt. Symbolik auch bei dem amerikanischen Maler Winslow Homer dessen The Veteran in a New Field (1865) einen Veteranen des Bürgerkriegs zeigt der nach geschlagenen Schlachten ein neues Feld in Angriff nimmt. Man nannte den Tod nicht grundlos den Sensenmann. In der Tat waren damals viele Bauern als Soldaten rekrutiert worden, die nach dem Krieg zu ihrer Höfen zurückkehrten. Der Kreis von Kunst, Landwirtschaft und Musik schließt sich in diesem Fall denn Winslow Homers Gemälde wurde von Rockstar Tom Petty auf dem Album Southern Accents (1985) verwendet. Das Titellied wiederum wurde eindrucksvoll von Johnny Cash gecovert, der auf dem Albumcover mit seinem Gitarrenkoffer vor – wo sonst – einer alten Scheune steht. Das Thema Landwirtschaft in der Literatur ist umfangreich und verdient einen längeren Artikel. Autoren wie Ganghofer, Gotthelf, Gulbranssen, Thoma, Halldór Laxness, Marcel Pagnol, Laurie Lee und viele andere schrieben über Landleben. Unser Favorit ist wahrscheinlich immer noch Thomas Hardy, dessen Roman Am grünen Rand der Welt (1874) gerade unter dem Originaltitel Far from the Madding Crowd (2015) neu fürs Kino verfilmt wurde, hier ein Trailer, der somit etwas zum Thema Film beiträgt. Weitere Filme mit Landthematik werden zukünftig besprochen. Zum Abschluss für heute eine Kommentar zu unserem zweiten Foto. Dieses Feld war nur ein paar Kilometer vom obigen Strohballenfeld entfernt und verdeutlicht ganz gut den ewigen Kreislauf der Landwirtschaft: Die Haufen die unter den Olivenbäumen liegen, werden verteilt und zum Düngen benutzt. Sie bestehen aus einer Mischung von Kuhmist und….Stroh, das somit wieder zurück in die Erde kommt wo es anfangs herkam. Es mag kompliziertere Dinge auf der Welt geben, aber kaum etwas hat der Menschheit über Jahrtausende so einen guten Dienst getan.

 

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Weitere Infos YouTube Clip vom oben erwähnten alten englischen Folk Song John Barleycorn Must Die von der Band Traffic. Wenige Lieder haben eine tiefere Verbindung zum Thema Landwirtschaft: Es beschreibt das Schicksal von John Barleycorn, der personifizierten Form einer Getreidepflanze, nämlich Gerste (engl. barley) und die Arbeiten (schneiden, binden, aufgabeln, dreschen etc.) bei ihrer Ernte

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Sprachwelt

BBC-Radiotipp Sprache & Abstraktion: Von Menschen zu Göttern

'Sapiens: A Brief History of Humankind' by historian Yuval Noah Harari is on BBC radio as audiobook. He mentions the Hohlenstein lion figure from ca. 35.000 BC as early sign of the ability to create fictional entities. The start, not just of gods and legends but also abstract ideas like states & money

Das Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit (2011) von dem Historiker Yuval Noah Harari kann momentan online als Audiobook gehört werden. Link am Ende des Posts. Es beschäftigt sich mit der Frage warum die Menschheit, die vor 70.000 Jahren noch eine relativ unbedeutende Gruppe von Lebewesen auf der Erde war, innerhalb von nur wenigen Zehntausenden von Jahren zur dominanten Spezies wurde. Viele Tierarten sind uns körperlich weit überlegen. Die entscheidenden Stärken der Menschheit haben hauptsächlich etwas mit der Entstehung und Entwicklung von Sprache zu tun. Tiere haben ebenfalls Kommunikationssysteme, was Menschen und menschliche Sprachen unterscheidet ist ihre Abstraktionsfähigkeit. Kurz gesagt: Wir können über Dinge sprechen die nicht existieren, die wir erfunden haben oder zukünftig erfinden werden. Seien es Mythen, Legenden und Religionen oder moderne Konzepte wie Soziale Netzwerke. Vieles was wir als handfeste Fakten ansehen, ist ein imaginäres Konstrukt, wie zum Beispiel Geld oder Staaten. Diese Dinge beruhen auf Ideen und Regeln auf die sich Menschen im Laufe der Zeit geeinigt haben. Vorläufer von der menschlichen Bereitschaft, sich auf spätere Konzepte wie Menschenrechte zu einigen, bestimmte Regeln zu respektieren und mit anderen Menschen zu kooperieren, waren einst die Mythen und Religionen. Menschen, mit ihrer Fähigkeit zur Abstraktion, konnten Geschichten und Figuren erfinden, die bestimmte Ideen verkörperten. Erfindung heißt in diesem Sinne nicht Lüge denn Legenden und Religionen sind im Prinzip eine Art, die Welt zu erklären, mit den jeweiligen Worten und Bildern zu denen Menschen eines bestimmten Zeitalters einen Bezug haben.

Wie gelang es Homo Sapiens, Städte mit Zehntausenden Einwohnern und Riesenreiche mit Millionen von Untertanen zu gründen? Sein Erfolgsgeheimnis war die fiktive Sprache. Eine große Zahl von wildfremden Menschen kann effektiv zusammenarbeiten, wenn alle an gemeinsame Mythen glauben. Jede großangelegte menschliche Unternehmung ist fest in gemeinsamen Geschichten verwurzelt, die nur in den Köpfen der Menschen existieren. (Aus ‘Eine kurze Geschichte der Menschheit’ 2011)

Der Unterschied zwischen Kunst und Religion ist nicht so groß wie es auf Anhieb erscheint. Heutzutage hat die millionenfache Verehrung von bestimmten Künstlern, Musikern, Büchern, TV-Serien, Filmstars etc. in der Tat quasi-religiöse Züge. Soweit mein Versuch, einige Ideen von Yuval Noah Harari in einem Post zusammenzufassen. Ich wählte obiges Bild, eine künstlerische Darstellung vom Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel, weil Harari diese Figur erwähnt. Obwohl nicht feststeht, ob die Figur männlich oder weiblich ist, sieht Harari die ca. 35.000 Jahre alte Figur aus einer Höhle in Baden-Württemberg als einen der frühesten Artefakte die menschliche Abstraktionsfähigkeit zeigen. Es ist die Erfindung eines Wesens das nicht in der Welt exisitert aber das dennoch einen hohen Stellenwert gehabt haben muss. Solche Figuren verkörpern einen ideellen Wert, möglicherweise den Anfang der Menschheit, von der seltsamen Art wie wir sie heute mit allen ihren guten und schlechten Seiten kennen

 

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Geschwister Brontë

Emily Brontë: Der Roman ‘Sturmhöhe’ in Filmen und Popkultur

It's the birthday of Emily Brontë (1818-1848), author of Wuthering Heights. No photos of her exist. Isabelle Adjani, above, portrayed her impressively in the biographical movie The Brontë Sisters (1979) by French director André Téchiné

Es ist der Geburtstag der Dichterin und Romanautorin Emily Brontë (1818-1848). Sie starb mit 30, hinterließ nur den einen Roman Sturmhöhe (1847) der zu Lebzeiten kein Erfolg war aber im Laufe der Zeit zum Weltklassiker wurde. Es gibt kein Foto von ihr, links im Bild ist Isabelle Adjani als Emily im biografischen Spielfilm Die Schwestern Brontë (1979). Einer von mehreren sehenswerten Filmen die von Emily und ihren Schwestern Anne und Charlotte inspiriert wurden. Auch sie schrieben einflussreiche Romane. Aber Emily Brontës Wuthering Heights, so der Originaltitel, ist auf unvergleichliche Weise Teil der Popkultur, taucht auf in Werken so unterschiedlich wie Stephenie Meyers Twilight, in einem Film von Luis Buñuel und einem Album der Progrockband Genesis. Es folgen Clips und weitere Beispiele. Ich habe Kate Bushs starkes Lied Wuthering Heights absichtlich nicht zuerst erwähnt weil es ohnehin jeder kennt und heutzutage auch die Verbindung zu Emily Brontës gleichnamigem Roman weitgehend bekannt ist. Das war damals im Jahr 1978 noch nicht so sehr der Fall. Ich erinnere mich zum Beispiel dass meine Eltern das Album mit dem Lied hatten, aber dass ich erst Jahre später die Verbindung mit dem Roman herausfand. Selbst in England kamen Autorinnen aus dem 19. Jahrhundert, wie Jane Austen und die Brontë-Schwestern erst in den 1990er Jahren wieder richtig in Mode, was viel mit dem damaligen Start von Big-Budget TV-Serien und Kinoverfilmungen der Romane zu tun hatte. Es gab natürlich schon frühe Brontë-Verfilmungen wie Stürmische Höhen (1939) von William Wyler, und Abgründe der Leidenschaft (1954) von Luis Buñuel, beides Filme die viel für sich haben aber, wobei diese Schwarz-Weiß-Filme vielleicht eher Fans von alten Klassikern, als ein jüngeres Publikum ansprechen. Die Kinoverfilmung Stürmische Leidenschaft (1992) hingegen kam bei Kritikern nicht so gut an, aber ich mag sie. Von über einem Dutzend Verfilmungen ist diese mit Juliette Binoche als Cathy mein Favorit.

Ich suchte und fand bald die drei Grabsteine am Abhang, wo das Moor beginnt…Ich verweilte bei ihnen und schritt unter diesem freundlichen Himmel langsam um sie herum, sah die Nachtfalter zwischen Heidekraut und Glockenblumen umherflattern, lauschte dem sanften Wind, der flüsternd durch das Gras strich – und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass die Schläfer einen unruhigen Schlummer hatten, hier in dieser stillen Erde. (Gekürzte Romanpassage, Sturmhöhe)

Peter Kosminsky's movie Wuthering Heights (1992) with Juliette Binoche and Ralph Fiennes as Cathy and Heathcliff is very underrated, in fact our favourite adaption. Trailer above

Dieser Spielfilm, links, mit einem Soundtrack von dem Elektro-Musiker Ryūichi Sakamoto und einer Gastrolle von Sängerin Sinéad O’Connor (als Emily Brontë) hat auch beim deutschen Amazon viele positive Rezensionen. Der damals junge und sehr gutaussehende Schauspieler Ralph Fiennes kommt zugegebenermaßen fast zu attraktiv rüber um der manischen, düsteren Romanfigur des Antihelden Heathcliff gerecht zu werden. Aber eine übermäßige Romantisierung der Heathcliff-Figur ist bei vielen Verfilmungen der Fall. Die Hauptfiguren von Sturmhöhe, Catherine und Heathcliff, wurden Vorbild für mehrere moderne Erfolgsautoren – die den Einfluss von Brontë übrigens keineswegs verbergen. Stephenie Meyer erwähnt Sturmhöhe mehrfach in ihrer Twilight-Reihe. Die wurde über 100 Millionen mal verkauft und das Internet ist voll mit Lesern die Twilight als Inspiration nennen, den Brontë-Roman kennengelernt zu haben. Meyers Romanheldin Bella Swan, die in der Twilight-Verfilmung von Kristen Stewart gespielt wird, liest Sturmhöhe und es kommen mehrere Brontë-Zitate und Erwähnungen vor. Hier zum Beispiel sagt Bella:

”I had decided to read Wuthering Height – the novel we were currently studying in English – yet again for the fun of it, and that’s what I was doing when Charlie came home…” (Twilight, Seite 30)

Die Twilight-Hauptfiguren Bella und Edward werden zudem gezielt mit Parallelen zu Emily Brontës Catherine und Heathcliff dargestellt. Ein weiterer Einfluss auf moderne Filme und Romane ist location, die zentrale Rolle die Landschaft und Natur bei Emily Brontë spielen. Heute benutzen viele Autoren real existierende Orte, z. B. spezifische Städte als Bezugspunkt. Bei früheren Autoren wie Jane Austen zum Beispiel findet man nur wenige Beschreibungen von der Umgebung in der die Romane spielen. In Sturmhöhe hingegen sind die rauen Moor- und Heidelandschaften des nordenglischen Yorkshire eine allgegenwärtige Präsenz. Schon der Name Sturmhöhe bezieht sich auf die geografische Lage und die Wetterbedingungen des abgelegenen Bauernhofs in dessen Umgebung die gesamte Geschichte spielt. Hierher wird das Findelkind Heathcliff gebracht und hier verliebt er sich in Catherine, die Tochter des Hauses. Inspiration für den Hof Wuthering Heights war die Ruine Top Withens nahe dem Ort an dem Emily Brontë aufwuchs. Dies ist, ebenso wie das Pfarrhaus in dem sie lebte, heute Brontë Parsonage Museum genannt, für Besucher geöffnet und weltberühmtes Ziel für Literaturtourismus.

 

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Sturmhöhe und Musik  Zur Musik die vom Roman Sturmhöhe inspiriert wurde, gehören zwei Lieder von der Progrockband Genesis. Schon im Albumtitel Wind & Wuthering (1976) ist der halbe Romantitel Wuthering Heights enthalten. Die ineinander übergehenden Instrumentaltitel Unquiet Slumbers for the Sleepers…In That Quiet Earth zitieren wörtlich die letzte Romanzeile von Sturmhöhe. Auf Deutsch:Unruhiger Schlummer für Schläfer in dieser stillen Erde. Gemeint sind Catherine und Heathcliff. Die Liedersequenz beginnt ruhig und atmosphärisch, mit mehreren Schichten von gezupfter Nylon-Gitarre. Ab 2:27 min. rockt die Band los. Und falls jemand das Lied Wuthering Heights von Kate Bush noch nicht kennt, hier der weltberühmte Clip

Buch und Film-Tipps  Obige Ausgabe vom Insel Verlag, übersetzt von Grete Rambach, ist gut, ebenso der oben erwähnte Spielfilm Stürmische Leidenschaft (1992). Sehenswert auch der biografische Spielfilm Die Schwestern Brontë (1979) von André Téchiné, mit Isabelle Adjani als Emily, siehe oberstes Foto mit Hund. Allerdings nur als französische Fassung Les Soeurs Brontë mit engl. Untertiteln erhältlich, hier ein Clip. Aber es existiert irgendwo eine deutsche Synchronisierung, wir sahen sie mal auf 3sat.

Emily Brontë: ‘Sturmhöhe’ als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel Wuthering Heights. Mit John Duttine (als Heathcliff), Amanda Root (als Cathy), Sharon Duce (als Nellie Dean), Emily Watson (als Isabella), Daniel Evans (als Linton, Sohn von Isabella & Heathcliff)), Paul Rhys (als Edgar Linton), Steve Hodson (als Diener Joseph), David Collings (als Mr. Lockwood), John Turner (als Mr. Earnshaw), Geoffrey Whitehead (als Mr. Linton), Becky Hindley (als Dienerin Zillah), Jonathan Keeble (als Hindley), David Collings (als Mr Lockwood), Gilly Bond (als Mary Linton), Patience Tomlinson (als Mrs. Earnshaw), Emma Fielding (als Catherine Heathcliff), Ilona Secakcz (Musik). Weitere Mitwirkende: Kirsty Adams, Liam Barr, Felix Bell, Naomi Bell, James Cohen, John Hartley, Attase Mora, Sheridan Smith, Ryan Tebbutt u. a. Produktion von 1995.

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This post was actually meant for Jane Austen's birthday on December 16. But you could do worse than watching some Austen adaptions over Christmas. Also the biopic with Anne Hathaway and many other stars. Clips & infos in the blog

Die Schriftstellerin Jane Austen (1775-1817) wurde durch Romane wie Stolz und Vorurteil, und Sinn und Sinnlichkeit berühmt. Die Bücher erschienen vor ca. 200 Jahren, wurden dutzende Male verfilmt, haben bis heute eine große Fan-Gemeinde. In einer von der BBC veranstalteten Abstimmung über die 100 Lieblingsbücher der Briten, mit 750.000 Teilnehmern, kam Jane Austens Roman Stolz und Vorurteil auf den zweiten Platz, übertroffen nur von Tolkiens Der Herr der Ringe. Mittlerweile gibt es mit Becoming Jane (2007) auch einen Spielfilm über das Leben der Autorin, auf Deutsch als Geliebte Jane veröffentlicht. Nachfolgend ein Film-Clip. Anne Hathaway in der Titelrolle ist wundervoll, der Film wird Leuten gefallen die Bücher und Verfilmungen von den Brontë-Schwestern, Thomas Hardy, E. M. Forster, Daphne du Maurier mögen. Obwohl Austen natürlich ihren ganz eigenen Stil und zeitgeschichtlichen Hintergrund hat. Zu ihren Zeiten waren Frauen extrem benachteiligt. Erbrecht sorgte dafür dass Frauen, selbst aus relativ stabilen Verhältnissen, in Armut gerieten wenn sie nicht heirateten. Frauen brauchten viel Mut um die Ehe mit einem Mann abzulehnen der eine gesicherte Existenz hatte und über Familienbeziehungen für sie arrangiert wurde. Eine Situation die (man denke an den aufdringlichen Pfarrer Mr Collins) exakt in Stolz und Vorurteil vorkommt, und auch Jane Austens eigene Lebensgeschichte spiegelt. Weder Jane noch ihre Roman-Heldinnen waren bereit, ausschließlich für Geld oder soziale Sicherheit zu heiraten. Einer der Gründe warum Austen als progressive, vielleicht sogar proto-feministische Autorin eingestuft wird. Im Film Geliebte Jane verliert sie die einzige echte Liebe die sie zu einem Mann hatte, weil seine Familie im Hintergrund die Strippen zieht und die Autorin für keine gute Partie hält. Danach will sich Jane nie mehr erniedrigen lassen, geht ihren eigenen, schwierigen Weg und wird nach jahrelanger Arbeit zu Englands größter Autorin. Eine Ehre die sie hauptsächlich posthum erlangte. Der Mann den sie geliebt und verloren hatte, existierte wirklich, er hieß Tom Lefroy, wurde ein erfolgreicher Rechtsanwalt, aber sagte vor seinem Tod dass Jane die einzige Frau war die er jemals wirklich liebte.

Als sie über den Rasen auf den Fluss zugingen, wandte Elizabeth ihren Blick nochmal zurück. Dann sah sie auf einmal Darcy, der ihnen auf dem Weg zurück von den Pferdeställen entgegenkam. Sie waren kaum zwanzig Meter voneinander entfernt, und da er so plötzlich auftauchte, war es unmöglich, seiner Aufmerksamkeit zu entgehen. Ihrer beide Augen trafen sich sofort, und ihre Wangen überzogen sich mit tiefer Röte. Darcy fuhr ein wenig zusammen und schien wie angewurzelt vor Überraschung. Aber dann fasste er sich, schritt auf die Gruppe zu und begrüßte Elizabeth, wenn auch nicht vollkommen ruhig, so doch vollkommen höflich. Sie hatte sich instinktiv abgewandt, aber als er näherkam, blieb sie stehen und erwiderte seine Begrüßung mit einer Verlegenheit die sie nicht verbergen konnte. Oh, warum war sie hergekommen? Jetzt würde er denken, sie habe mit Absicht seinen Weg gekreuzt. Hätten sie Pemberley doch nur zehn Minuten früher verlassen. Denn es war klar, dass Darcy eben erst aus dem Sattel gestiegen war. (Gekürzte Romanpassage, Stolz und Vorurteil)

So that's what it's called in German: I own and like the BBC adaption with Jennifer Ehle & Colin Firth but, personally, I like the newer movie adaption Pride & Prejudice (2005) even better. With a nicel piano based soundtrack, featured in the photo

Wenn man sich mit dem Leben der Autorin beschäftigt, kommen auch ihre Romane ins Spiel. Oben im Foto sind neben der DVD einige Romane von Jane Austen zu sehen, mehr passten nicht ins Foto, aber es wird vermutlich den einen oder anderen Leser animieren, das Foto zum Vergrößern anzuklicken und die Titel auszuchecken. Ich bin übrigens der Meinung dass es für Leute die Austen noch nicht so gut kennen, durchaus sinnvoll ist zuerst eine gute Verfilmung auszuchecken. Das alte Klischee ‘Immer erst das Buch lesen’ stimmt nicht immer. Es ist hilfreich, ein Bild davon zu bekommen, wie die Welt vor zweihundert Jahren aussah. Anders als heutige historische Romane die viele zeitgeschichtliche Details enthalten, schrieb Austen über ihre Gegenwart, konzentrierte sich auf Handlungen und Personen, eher als Orts- und Landschaftsbeschreibungen. Links im Bild weisen wir auf zwei Verfilmungen von Austens Roman Stolz und Vorurteil hin, wir nahmen aus optischen Gründen die Soundtrack-CD von der bisher neusten Kinoverfilmung von 2005. Daneben, die DVD der berühmten BBC-Fersehverfilmung von 1995, und eine schön gestaltete deutsche Romanausgabe vom Diogenes-Verlag. Was empfehle ich zum Kennenlernen? Definitiv die Kinoverfilmung Stolz und Vorurteil (2005) mit Keira Knightley. Ich weiß dass viele Austen-Fans die TV-Verfilmung mit Jennifer Ehle und Colin Firth bevorzugen. Sie ist tatsächlich gut, aber mit sechs Stunden etwas langatmig, und außerdem nach zwanzig Jahren etwas altbacken. Alles Geschmacksache, denn genau diese Version liegt beim deutschen Amazon knapp in der Führung. Aber beide Fassungen haben Hunderte von Rezensionen, was darauf hindeutet dass Jane, egal wie sie interpretiert wird, nach zweihundert Jahren immer noch Trumpf ist.

Trailer für biografischen Spielfilm YouTube-Clip von Geliebte Jane (2007) mit Anne Hathaway als Jane Austen, James McAvoy, Maggie Smith, Julie Walters und James Cromwell u.a. Regie: Juilian Jarrold

 

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Jane Austen: ’Stolz und Vorurteil’ als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel Pride and Prejudice. Mit Pippa Nixon (als Elizabeth Bennet), Jamie Parker (als Mr Darcy), Joshua Maguire (als Mr Bingley), David Troughton (als Mr Bennet), Joel MacCormack (als Mr Wickham), Carolyn Pickles (Lady Catherine de Bourgh), David Seddon (Colonel Fitzwilliam), Toby Jones (Mr Collins), Samantha Spiro (als Mrs Bennet), Michelle Terry (als Charlotte Lucas), Katherine Rose Morley (Georgina), Lydia Wilson (als Jane Bennet), Sean Murray (Sir William Lucas), Steve Toussaint (Mr Gardiner), Priyanga Burford (Mrs Gardiner), Georgie Fuller (Lydia Bennet), Arthur Hughes (Mr Denny), Carys Eleri (als Kitty Bennet), Fenella Woolgar (aMiss Bingley), Rosie Wyatt (als Mary Bennet), Amanda Root (Erzählerin), Charlotte Jones (Bearbeitung), Sally Avens (Regie) Produktion 2014. Hinweis: Auch als CD-Set erhältlich. Suchbegriff Jane Austen BBC Radio Drama Collection

Wussten Sie schon? Das Haus in dem die Autorin viele Jahre lebte und wo sie mehrere ihrer Romane schrieb ist heute das Jane Austen’s House Museum in in der südenglischen Grafschaft Hampshire, im Dorf Chawton (ca. 90 min mit Auto von London). Das Haus ist ein Magnet für Literatur-Tourismus geworden. Unweit von Chawton (ca. 25 km) ist Winchester, in dessen tausend Jahre alter Kathedrale sich Austens Grab und Gedenktafel befindet. Nahe Winchester Cathedral ist auch 8 College Street, ein kleines hellgelbes Haus mit Gedenktafel: ‘In This House Jane Austen Lived her Last Days And Died 18th July 1817′.

Empfehlenswerter Soundtrack einer Austen-Romanverfilmung  Komponiert für Stolz und Vorurteil (2005) von Dario Marianelli, der schon vor Drehbeginn begann, Musik aus dem Umfeld von Austen (die selber Piano spielte) zu recherchieren. Ruhige Pianomusik, hier ein Musik-Clip mit Filmszenen. Einflüsse von Beethovens frühen Klavier-Sonaten, gespielt von Jean-Yves Thibaudet, teils mit Kammerorchester

Ein weiteres Hörspiel nach Jane Austen Jane Austen: Mansfield Park als deutsches Hörspiel online

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Akustikgitarren

Von Markneukirchen nach Woodstock

We took a pic of Dylan's Martin D-28 acoustic guitar at the Hard Rock Cafe, Barcelona. Played on the 1974 tour with The Band. There were solo spots with acoustic guitar, songs like Just Like A Woman, to be heard on the LP Before the Flood

Bier ist nicht billig in diesen Restaurants aber wir gleichen das mit Fotos von coolen Gitarren aus. Das Modell D-28 von der Marke Martin ist ohnehin ein Mega-Klassiker aber die Dylan-Connection macht die Gitarre links im Bild sehr wertvoll. Um eine Vorstellung zu geben: Eine Stratocaster die Dylan 1965 in Newport spielte wurde für $965,000 versteigert und war somit bis dato die teuerste E-Gitarre der Welt. Wir haben Dylan zweimal im Konzert gesehen, er ist nebst Legende und Liederschreiber par exellence auch ein guter Gitarrist. Heute sieht man ihn live eher mit E-Gitarren aber seine Karriere begann mit Akustikgitarren, sie sind auf mehreren seiner LP-Cover zu sehen. Beispiele folgen. Bob Dylan spielte verschiedene Marken aber eine Martin war, wie wir seinem Buch Chronicles (2004) entnehmen, seine erste Akustikgitarre, eine Martin die er 1959 in Minneapolis kaufte. Sie steht heute in Seattle, im EMP-Musikmuseum von Microsoft-Mitgründer Paul Allen. Die Martin 00-17, hier ein Foto von einer anderen aber optisch identischen Gitarre vom gleichen Modell, ist rundum aus dunklem Mahagoni. Wir kommen gleich zu der Martin D-28 in unserem obigen Foto – die Gitarre hat eine Verbindung zu einem spezifischen Event – aber kurz zuvor ein chronologischer Blick auf andere Akustikgitarren die Dylan spielte. Auf dem LP-Cover des Debütalbums Bob Dylan (1962) ist er mit einer Gibson J-50 zu sehen. Die nächste Gitarre die auf einem Dylan-LP-Cover auftaucht ist eine Gibson J-200 auf Nashville Skyline (1969). Dylan hatte diese Gitarre von Beatle George Harrison bekommen und spielte sie auch auf dem Isle of Wight Festival. Es wäre klischeehaft, andauernd Fotos von Dylan mit Gitarre auf LPs zu haben, das nächste Cover mit Gitarre kam tatsächlich erst Jahre später auf dem Livealbum Real Live (1984), hier ist Dylan mit einer Washburn EA-20 zu sehen. Wie Gibson und Martin, ist Washburn eine amerikanische Firma mit Wurzeln im 19. Jahrhundert. Das nächste und bis dato letzte Studioalbum auf dem man Bob Dylan mit Akustikgitarre sieht ist Time Out Of Mind (1997), weitgehend als eins seiner besten späteren Alben bewertet. Die Gitarre ist auch interessant, eine Gibson L-00, ein kleines, schwarzes Modell aus den 1930er Jahren.

Soweit ein Überblick auf einige seiner anderen Akustikgitarren, jetzt zu Dylans Martin D-28 im Hard Rock Cafe von Barcelona. Auf der Infotafel rechts im Foto steht dass Dylan diese Gitarre am 30. und 31. Januar 1974 in Madison Square Garden, New York spielte. Dies waren Konzerte von einer Tour die als Comeback gefeiert wurde weil Dylan über 7 Jahre lang nicht auf Tour gewesen war. Er war in diesem Zeitraum nur zwei, drei mal aufgetreten, wie bei George Harrisons Concert for Bangladesh in 1971. Dylans Comeback-Tour von 1974 war ein großer Erfolg und wurde auf der Live-Doppel-LP Before the Flood (1974) verewigt. Auf dem Cover ist keine Gitarre sondern ein Lichtermeer aus Feuerzeugen, aber dies eine seiner besten Liveaufnahmen, nicht zuletzt weil er zusammen mit der legendären Rockgruppe The Band spielte. Bei diesen Konzerten gab es auch einen Dylan-Solospot bei dem er nur mit Akustikgitarre und Mundharmonika fünf Lieder spielte, nämlich Don’t Think Twice, It’s All Right, Just Like a Woman und It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding), drei Lieder die auf dem Album sind. Plus The Times They Are A-Changin’ und Gates of Eden, die nicht aufs Album kamen. Vom dem Livealbum Before the Flood (1974) ist leider so gut wie nichts auf YouTube, nur ein paar Bootleg-Sachen und Privataufnahmen von geringer Bild- und Tonqualität, wie hier bei einem Clip von Dylans 1974-Solospot mit Gates of Eden und Just Like A Woman. Einen besseren Blick auf Dylan mit seiner Martin D-28 Akustikgitarre bekommt man beim Concert for Bangladesh, hier Dylan & George Harrison live mit dem Lied If Not For You. Dylans Verbindung mit diesem Gitarrenmodell wurde auch in späteren Jahrzehnten fortgesetzt, er spielte es auf dem Album Bob Dylan Unplugged (1995) auf dessen Cover etwas von der D-28 zu erkennen ist, aber man sieht die Gitarre viel besser im MTV Live-Clip von Dylan mit dem Lied Like A Rolling Stone. Insgesamt gibt es kaum ein Gitarrenmodell das auf mehr Rock, Folk und Country-Alben zu hören ist als die Martin D-28, denn sie wurde auch von anderen Musikern wie Jimmy Page, Neil Young, Stephen Stills, Johnny Cash, Elvis Presley und Hank Williams gespielt.

 

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Vielleicht wird es den einen oder anderen Leser erfreuen dass der Mann nach dem die legendäre Martin D-28 Gitarre benannt ist, aus dem Freistaat Sachsen stammte. Der Gitarrenbauer Christian Frederick Martin (1796-1873) wurde in Markneukirchen im sächsischen Vogtland geboren und wanderte, wie viele Deutsche im 19. Jahrhundert nach Amerika aus. Er war damals um die 37 Jahre alt und eröffnete in New York eine Gitarrenwerkstatt. Sein Ur-Ur-Ur-Enkel CF Martin IV leitet heute eine Firma deren Gitarren auf vielen LP-Klassikern, Festivals wie Woodstock – und auf Konzerten und Alben von Bob Dylan zu hören sind.

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