Sleeping Beauty: 200 years ago, in 1812, Jacob and Wilhelm Grimm published their collection of folk tales. Curiously, another of those tales inspired one of the biggest movies in 2012. 'Snow White and the Huntsman' with Kristen Stewart

Jemand fragte warum wir uns Netzmagazin für Kultur & Mythologie nennen wenn wir, im Vergleich zu anderen Theme, relativ wenig über griechische, römische oder germanische Mythologie schreiben? Der Grund ist dass wir, obwohl wir die alten Mythen faszinierend finden, auch sehr daran interessiert sind was eigentlich die Neuen Mythen, die Mythen der Moderne sind? Die Entstehung von Neuen Mythen sehen wir im Bereich von Literatur und Kunst, und auch in der Popkultur: In Musikformen, Figuren und Filmen die für viele Menschen eine starke Bedeutung bekommen. Was den Begriff Moderne anbelangt, gibt es verschiedene Interpretationen, aber in unserem Kontext ist es in etwa der Zeitraum nach der Französischen Revolution, der Übergang zum Industriezeitalter, bis zum heutigen Entstehen von postindustriellen Gesellschaften. Wenn man bei diesem Prozess mal von rund zweihundert Jahren ausgeht, passt das ganz gut zum 200. Geburtstag von Grimms Märchen, die erstmals im Jahr 1812 veröffentlicht wurden. Grimms Märchen hatten eine gigantische Resonanz, und nicht nur in Deutschland. Interessanterweise war einer der größten Hollywood Erfolge dieses Jahr, fast genau zweihundert Jahre später, der düstere Fantasy-Film Snow White and the Huntsman (2012) mit Kristen Stewart. Siehe Trailer. Der Film hatte weit mehr Ähnlichkeit mit den Tolkien-Verfilmungen vom Herr der Ringe, als mit Walt Disneys ebenfalls super erfolgreichen Zeichentrickfilm Schneewittchen und die Sieben Zwerge (1937), aber beide wurden von Grimms Märchen inspiriert. Und da Hollywood sich relativ wenig volkserzieherisch gebärdet sondern vorrangig Filme macht für die es eine Nachfrage gibt, ist offensichtlich dass diese Märchenstoffe immer noch einen Nerv treffen. Was dieser Nerv ist, lässt sich nicht so leicht festnageln, aber eine gewisse Parallele zu den Zeiten der Gebrüder Grimm ist vielleicht eine gesellschaftliche Umbruchstimmung. Dass Leute, bewusst oder unbewusst, nach Wurzeln, nach Traditionen, nach Lebensentwürfen suchen. Märchen sind mehr als Kindergeschichten. In einigen, wenn auch keineswegs allen, stecken Sagen und Legenden. Und in Sagen und Legenden stecken nicht selten Überreste alter Religionen. Wobei man nicht dem klischeehaften Denken verfallen sollte dass alte vorchristliche Religionen grundsätzlich und vorbehaltlos besser waren als deren Nachfolger. In manchen Märchen und Sagen scheint eine groteske Brutalität und ein ausgeprägtes Schwarzweiß-Denken durchzuschimmern. Andererseits ist ein ziemlich romantisch geprägtes Märchen wie Dornröschen gleichzeitig auch das mit den vielleicht klarsten Bezügen zu vorchristlichen Religionen. Die Thematik von der Walküre Brünnhilde die vom Obergott Wotan zur Isolation und zum todesähnlichen Schlaf verdammt wird, wurde auch von Wagner für den Ring des Nibelungen aufgegriffen.

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Wir persönlich mutmaßen dass diese Sage eine mythologische Darstellung vom Übergang von matriarchischen zu patriarchalischen Religionen sein könnte. Aber bei Mutmaßungen kann man sich irren! Auch Wagner verpackte die alten Sagen auf seine ureigene und nicht immer über alle Zweifel erhabene Art, aber er schöpfte viele der Grundmotive tatsächlich aus der Mythologie. Und einer der eindrucksvollsten Momente ist sicherlich als Brünnhilde, das Dornröschen der alten Sagen, mit einem Kuss wieder zum Leben erweckt wird.

Weiterführende Info  Deutscher Wiki-Artikel über die Entstehung von Grimms Märchen / und die Hintergründe der Dornröschen Sage

Avenita Kulturmagazin

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