2017 BBC radio dramatisation of Anne Brontës novel 'Agnes Grey' (1847) online. Featuring Ellie Kendrick - who played Meera Reed in Game of Thrones - in the title role of the young governess Agnes. Above, my Penguin edition from the 1980s

Hörspiel online mit Ellie Kendrick – bekannt als Meera Reed in Game of Thrones – in der Titel-rolle der Romanfigur Agnes. Link folgt am Ende des Posts. Autorin Anne Brontë, die  jüngste der Brontë-Schwestern starb mit nur 29 Jahren. Ihr Roman ‘Agnes Grey’ (1847) ist, gemäß Blick auf Amazon, in Deutschland bekannt und beliebt. Wobei die Romane ihrer Schwestern – Emily Brontës ‘Sturmhöhe’ und Charlotte Brontës ‘Jane Eyre’ – sprichwörtlich zehnmal so bekannt sind. Sie sind dramatischer, romantischer und düsterer, haben Elemente von Schauerromanen. Während Anne Brontës Roman einen dokumentarischen, reservierten und ausgesprochen sozialkritischen Ton hat. Wenn sich der Schreibstil von ‘Agnes Grey’ stark von ‘Jane Eyre’ unterscheidet, so haben die beiden Bildungsromane im Kern jedoch Ähnlichkeit. Sie handeln von jungen Frauen die sich unter schwierigen Umständen als Gouver-nanten durchschlagen und erst am Ende den Mann ihres Lebens heiraten. Gouvernanten, im damaligen Sinn, gibt es heute nicht mehr. Es waren im Prinzip Hauslehrerinnen, die bei wohlhabenden Familien lebten und sich der Erziehung derer Kinder widmeten. Eine idealisierte Version davon wäre Mary Poppins. Die Realität war in den meisten Fällen allerdings anders. Gouvernanten wurden oft kaum besser als Dienstmägde behandelt, bekamen wenig Geld, konnten jederzeit gefeuert werden und hatten keinerlei soziale Sicherheit.

An einem milden Abend, Ende Mai, als ich mich über das Herannahen meiner Ferien freute und mich dazu beglückwünschte, mit meinen Schülern etwas vorangekommen zu sein, schickte Mr. Bloomfield nach mir und teilte mir kühl mit, dass man meine Dienste nach dem Mittsommerfest nicht mehr benötige

Part of the famous painting of the three Brontë sisters: Anne (left), Emily (center) and Charlotte (right). Painted, probably fairly accurately, by their talented but ill fated brother Branwell

Dies war die Situation, in der damals zehn-tausende von Frauen als Gouvernanten ihr Dasein fristeten. Paradoxerweise, vor allem gebildete Frauen. Ungebildete Frauen stellte man nicht als Erzieherinnen ein sondern, zum Beispiel, zum Kühemelken, etwas das sich heute noch in der Redensart ‘Milchmädchenrechnung’ spiegelt. Das ohnehin chauvinistisch konzipierte System bekam noch härtere Züge dadurch dass es im 19. Jahrhundert in England – mitunter aufgrund von zahlreichen Kriegen – einen deutlichen Frauen-überschuss gab. Die dadurch hohe Zahl von unverheirateten Frauen denen, wie erläutert, sehr wenige berufliche Möglichkeiten blieben, bildete ein Pool von Frauen die knallhart ausgenutzt werden konnten. Diese Zusammenhänge bringt Anne Brontë in dem unterbewerteten und stark von ihrer eigenen, mehrjährigen Erfahrung als Gouvernante beruhenden Roman ’Agnes Grey’ (1847) besser auf den Punkt als ihre berühmteren Schwestern. Wie Anne in der Anfangszeile des Romans sagt:  ‘Alle wahren Geschichten enthalten Belehrung… ’

Ich bewahre jene Andenken an vergangene Leiden und Erfahrungen noch immer wie auf Gedenksäulen, die man auf der Reise durch das Tal des Lebens errichtet hat, um an besondere Ereignisse zu gemahnen. Die Fußspuren sind verwischt, das Gesicht der Landschaft hat sich vielleicht verändert, aber die Säule ist noch da, um daran zu erinnern, wie es damals war. (‘Agnes Grey’ 1847)

Anne Brontë: ‘Agnes Grey’ als BBC-Hörspiel von 2017 online Das Hörspiel mit Ellie Kendrick (als Agnes Grey), Juliet Aubrey (als ihre Mutter Mrs Grey), John Bowler (als ihr Vater Mr Grey), David Sterne (als Agnes Greys erster Arbeitgeber Mr Bloomfield), Catriona McFarlane (als seine Ehefrau Mrs Bloomfield), Amy Jayne Leigh (als deren Tochter Mary Ann), Felix Lailey (als Tom, der grausame Sohn der Bloomfields), George Watkins (als Edward Weston, der junge Pfarrer in den sich Anne verliebt), Luke MacGregor (als Mr Hatfield), Keziah Joseph (als Rosalie), Natasha Cowley (als Matilda) Karen Bartke (als Mrs Murray), Alison Belbin (als Nancy). Hörspielbearbeitung: Rachel Joyce. Regie & Produktion: Tracey Neale. Länge ca. 70 Min.

 

Ads by Google

 

Quellen für diesen Blogpost? Hauptsächlich Angeline Goreaus exzellente, ca. 40 Seiten umfassende Einführung in meinem obigen Taschenbuch ‘Agnes Grey’ vom Penguin Verlag – dessen Bücher oftmals umfangreiches Hintergrundmaterial bieten. Etwas das bei deutschen Verlagen leider seltener vorkommt

Radio-Dokumentation über die Brontë-Schwestern BR-Sendung von 2021 Auf den Spuren der Brontë-Schwestern in Yorkshire und dem Brontë-Wohnort Haworth. Von Gabi Biesinger und Jens-Peter Marquardt

Könnte Sie auch interessieren Charlotte Brontë: ‘Jane Eyre‘ als NDR-Hörspiel von 2005

Des Weiteren Richard Wagner: ‘Das Rheingold‘ als BR-Hörspiel vom Jahr 2010 online

Geheimtipp John Galsworthy: ‘Die Forsyte-Saga‘ als BR-Hörspiel von 2002 online

Klassiker Emily Brontë: ‘Sturmhöhe’ als NDR/SWR-Hörspiel von 2012 online

Apropos Evelyn Waugh: ‘Brideshead Revisited‘ als BBC-Hörspiel von 2003

Kultig TV-Klassiker Mit Schirm, Charme und Melone englisches Hörspiel

Krimi Camilla Läckberg: ‘Die Eisprinzessin schläft’ als Hörbuch online

Und John le Carré: ‘Die Libelle‘ als SWR-Hörspiel von 1992 online

Avenita Kulturmagazin