Yes, I got it. It's well worth checking out Geddy's story - some of it heavy stuff, concerning his family history. There is also loads of history, anecdotes & photos of one of prog rock's best bands, told by their bassist & singer. I saw them 1988 at the NEC

Geddy Lee, geb. 1953, hat in der legendären kanadischen Progrock-Band Rush auch noch Keyboards gespielt! Ich habe Rush 1988 live in Birmingham gesehen, und seitdem sind sie eine meiner Lieblingsbands geworden und geblieben. Meiner Erfahrung nach, ist diese Band nicht jedermanns Geschmack, sondern gefällt eher Leuten, die Gruppen wie King Crimson, Yes und ELP mögen. Ich hatte in einem früheren Artikel, anlässlich des Todes des Schlagzeugers Neil Peart in 2020, über meine Top-10 Songs von Rush aus den 80er Jahren geschrieben. Jetzt nehme ich Geddys Buch zum Anlass, über meine Lieblingslieder aus den 70er Jahren zu schreiben, und dabei Hintergrundinfos aus ‘My Effin’ Life’ (2023) zu verwenden. Neben Rock-Storys, Road-Storys und technischen Infos über Equipment und Instrumente, hat das Buch auch eine ernste und düstere Komponente, nämlich Geddys Familien-geschichte im 2. Weltkrieg: Geddys Eltern waren jüdische Polen – und Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz, Dachau und Bergen-Belsen – die nach dem Krieg nach Kanada aussiedelten. Geddy hat diese Ereignisse recherchiert und beschreibt sie in den ersten 3 Kapiteln des Buchs, das insgesamt 27 Kapitel hat.

Was die Musik von Rush betrifft, wollte ich bei meiner Top-10 Wahl von Songs etwas von allen 6 Studioalben der 70er Jahre einbeziehen, und dabei auch Liveaufnahmen verwenden. Zum Überblick, hier meine Liste:

1. ‘Finding My Way’ von der  Debüt-LP ‘Rush’ (1974)
2. ‘Anthem’ vom zweiten Album ‘Fly By Night’ (1975)
3. ’By-Tor and the Snow Dog’ (auch von ‘Fly By Night’)
4. ‘Lakeside Park’ von der LP ‘Caress of Steel’ (1975)
5. ‘Overture’ & ‘Temples of the Syrinx’ von ’2112′ (1976)
6. Das Titellied vom Album ‘A Farewell To Kings’ (1977)
7. ‘Xanadu’ auch vom Album ‘A Farewell To Kings’ (1977)
8. ‘Closer To The Heart’ auch von ‘A Farewell To Kings’ (1977)
9. ‘The Trees’ vom Album ‘Hemispheres’ (1978)
10. ‘La Villa Strangiato’ von ‘Hemispheres’ (1978)
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Peak prog: How can a trio sound like a five-piece band? Well, let me explain...Come to think of it, together Alex Lifeson and Geddy Lee even outgun Yes's Chris Squire and his triple-neck!

Die obige Liste deutet schon darauf hin, dass ‘A Farewell To Kings’ (1977) mein Lieblingsalbum von Rush aus den 70er Jahren ist. Aber die vier früheren Alben haben auch viel für sich, speziell wenn man sie live erlebt, deshalb stelle ich diese fünf Songs in einem fantastischen Live-Videoclip von 1976 mit Ausschnitten aus allen fünf Liedern vor. Wenn auch in anderer Reihenfolge als meine chronologische Auflistung. Hier sieht man Rush in junger absoluter Topform: Hart, schnell und laut. Ein Power-Trio, das irgendwie nach mehr als drei Musikern klingt, und damals noch stark von Led Zeppelin beeinflusst war. Der Gesangsstil von Geddy Lee, intensiv und in hohen Registern, hat definitiv etwas von Robert Plant. Gitarrist Alex Lifeson hatte damals, bevor Geddys zusätzliche Keyboard-Parts eine größere Rolle in der Band bekamen, noch mehr Raum, um seinen oftmals stark mit Verzerrer und Echoeffekten gefärbten Gitarren-Sound bis zum Maxium aufzudrehen. Diese Phase der Band hat immer noch viele Fans. In der Tat, nachdem Rush in den 80er Jahren – die zugegebenermaßen meine Lieblings-Epoche der Band ist – zunehmend mehr Keyboards einsetzt hatte, machte sie dann in den 90er Jahren eine Art Rückkehr zu einem von Gitarren dominierten Sound. Obwohl Rush von der Presse nie als cool betrachtet wurde, outeten sich in den 90ern einige damals junge Alternative Rock Bands als Rush-Fans. Beispielsweise Dave Grohl von Nirvana und Foo Fighters, Danny Carey von Tool, Chad Smith von Red Hot Chili Peppers und Les Claypool von Primus. Besonders das Rush-Album ’2112′ (1976) genießt hohes Ansehen: Foo Fighters spielten sogar eine Coverversion von der ’Overture’ von ’2112′. Wobei sie es sich nicht nehmen ließen, mit Perücken und Kimonos die 70er-Jahre-Modesünden von Rush aufs Korn zu nehmen. Das nahm ihnen niemand übel. Zum Ende des Songs gesellten sich sogar die echten Rush-Mitglieder zu ihnen!

‘Having resolved that it was a rock ‘opera’, we set the scene for its totalitarian world with a deliberate poposity and approached the lyrics the way you would a libretto, with me singing me singing different characters: the innocent protagonist vs. the priests in the temples of Syrinx.’ (Geddy Lee über die Entstehung des Albums ’2112′ (1976) in der Autobiografie ‘My Effin’ Life’ 2023)

Rush without Neil Peart (1952-2020), left, will be a challenge. Maybe Rush should do a (semi) 'Unplugged' concert & album with a drummer who needn't pretend to be the new Neil Peart

Um das obenerwähnte Album ’2112′ (1976) zu promoten, gingen Rush wieder auf Tour. Diesmal konnten sie sich dafür ein Wohnmobil von der Marke Dodge FunCraft RV leisten. Mit an Bord war ein Videogerät, und die Band verbrachte die Zeit zwischen Konzerten oftmals damit, alte Film zu sehen. Manchmal einfach B-Movies als Einschlafhilfe, manchmal aber auch Klassiker wie ‘Citizen Kane’ (1941) von Orson Welles. Die Titelfigur des Films wohnt in einem Privatschloss namens Xanadu, dessen Name von Samuel Taylor Coleridges Gedicht ‘Kubla Khan’ (1797) inspiriert wurde. Die Diskussionen der Band über den Film – in dem auch Zeilen des Gedichts zitiert werden – inspirierte wiederum Rush-Schlagzeuger Neil Peart zum Text des Songs ‘Xanadu’ vom nächsten Rush-Album ‘A Farewell To Kings’ (1977). Das 11 Minuten lange Progrock-Epos ‘Xanadu’, hier ein Video, halten viele Leute für das Meisterwerk von Rush. Ein Aspekt, der mich in Geddys Erzählungen vom Leben ‘on the road’ überraschte, war dass die Band damals zunehmend starke Kokainkonsumenten waren. Geddy schreibt, dass sie eines Tages einen Drogenhändler im Wohnmobil zu Besuch hatten, der offensichtlich so dubios oder berüchtigt war, dass das FBI bei ihren nächsten Konzert herumschnüffelte und nach dem Typ suchte. Ein ‘wake-up call’ für Geddy, der zudem merkte, dass die Drogen begannen, seine Stimme zu beeinträchtigen. Mit dem kommerziellen Erfolg des Albums ’2112′ (1976) und dem Live-Doppelalbum ‘All the World’s a Stage’ (1976) begann im Laufe des Jahres 1977 das, was Geddy Lee die ‘Very English Period’ von Rush nennt. Bei ihrer ersten Tour in England fiel Geddy auf, dass englische Konzert-besucher sich – mehr als ein kanadisches oder amerikanisches Publikum – darauf konzentrierte, Bands zuzuhören, anstatt Konzerte als Gelegenheit für Mitgrölen, Mitklatschen und Partystimmung zu betrachten. Rush kam gut in England an. Die Band liebte England und beschloss, dort ihre nächste LP aufzunehmen.

‘The start of our ‘Very English Period’ – especially for me – cemented an enduring love affair with London and Great Britain, the NME episode notwithstanding. In 1977 after the fanfare in Sounds plans were firmed up for a short UK tour (with a one-off gig in Sweden) beginning in June. It was a thrill to play the very towns and venues we had mostly only read about for so many years…’ (Zeilen aus ‘My Effin’ Life’. Geddy Lee bezieht sich hier auf einen positiven Artikel in der Musikzeitschrift Sounds, und einen fiesen, negativen Artikel in der damals notorisch negativen Musikzeitschrift NME)

Two Rush albums, 'A Farewell To Kings' (1977) - which I think is their best 70's album - and 'Hemispheres' (1978) were recorded at Rockfield Studios, pictured above, in rural Wales

Genau genommen wurde das Album ‘A Farewell To Kings’ (1977) nicht in England, sondern in Wales, also im westlichen Teil von Großbritannien aufgenommen. Die sehr ländlich gelegenen Rockfield Studios, links im Bild, waren vor Rush schon Aufnahmeort von klassischen LPs wie ‘A Night at the Opera’ (1975) von Queen. Während dem Aufenthalt von Rush, fanden dort zeitweilig auch Aufnahmen von Black Sabbath statt. Geddy schreibt, dass deren Sänger Ozzy Osbourne eines Nachmittags bei ihnen vorbeischaute um zu fragen ‘ob er etwas Hasch borgen könne?’. Noch Jahre später liebte es Rush-Schlagzeuger Neil Peart zu erwähnen, dass Ozzy ihm noch etwas Hasch schulde! Die ländliche Idylle passte Rush gut. Dort war man damals – in Zeiten vor dem Internet oder Mobiltelefonen – wirklich off the grid, außer Reichweite des Trubels von Städten, stattdessen von Feldern, Schafen und Kühen umgeben. Die Band benutzte sogar den Klang des dortigen Vogelgesangs im Intro des oben erwähnten Songs ‘Xanadu’. Für den Anfang des Titellieds von ‘A Farewell To Kings’ nahm Alex Lifeson im Morgengrauen den Klang der klassischen Akustikgitarre im Hof der Farmgebäude auf. Typisch für Rush, dass der Song nach etwa einer Minute dann in einen vollen Rocksound übergeht. Das trostlose, fast postapocalyptisch anmutende LP-Cover von ‘A Farewell to Kings’ scheint den Gegenpol zum ländlichen Idyll in Wales repräsentieren. Damals, im Jahr 1977, fand in der britischen Popkultur die Punk-Revolution statt: Bands wie die Sex Pistols standen musikalisch völlig im Gegensatz zu Bands wie Rush. Dass Erfolgssträhne der Band dennoch weiterging, hängt meiner Meinung nach damit zusammen, dass Rush – im Gegensatz zu Progrock-Dinosauriern wie Yes und ELP – die plötzlich als uncool galten und allein schon wegen ihrer Berühmtheit und ihren Starallüren verhasst waren – damals eher noch ein Geheimtipp, eine Kultband waren. Ich muss zugeben, dass ich erst Mitte der 80er Jahre überhaupt etwas von Rush hörte.

And the men who hold high places must be the ones to start, to mould a new reality closer to the heart. The blacksmith and the artist reflect it in their art, forge their creativity closer to the heart. Philosophers and ploughmen each must know his part, to sow a new mentality closer to the heart. You can be the captain, I will draw the chart, sailing into destiny, closer to the heart. (Der Text des Songs ‘Closer To The Heart‘ vom Rush-Album ‘A Farewell to Kings’ 1977, hier als Liveversion von 1984 in Toronto)

Hemispheres? Yes, cassette recorders really do your head in. While doing my research for this article about Geddy's book it didn't take my tape deck long to get up to its old tricks again

Das Album ‘A Farewell To Kings’ (1977) war erfolgreich, das obenerwähnte Lied ‘Closer To The Heart’ bescherte Rush sogar ihre erste Top 40 Single in England. Platz 36, was für Progrock durchaus respektabel ist. Nach den Aufnahmen kehrte die Band nach Amerika zurück und ging erneut auf Tour. Diesmal nicht als Vorgruppe von Bands wie Uriah Heep, sondern als Headliner. Diesmal waren Uriah Heep ihre Vorgruppe! Im Februar 1978 kehrten Rush nach England zurück, um ihr nächstes Album ‘Hemispheres’ (1978) aufzunehmen. Wieder in den obenerwähnten Rockfield Studios, die sich als gut für Rush erwiesen hatten. Die Aufnahmen waren diesmal etwas schwieriger. Die Band hatte aufgrund der vielen Konzerte noch kein fertiges neues Material, und ging erstmal für zwei Wochen in ein altes Bauernhaus in der Nähe von Rockfield, um neue Songs zu schreiben. Möglich, dass die ländliche Atmosphäre dazu beitrug, ein Lied zu schreiben, in dem Bäume die Protagonisten sind. Der Song ‘The Trees‘ (1978), hier als Liveversion von 1981, ist jedenfall bis heute einer der Lieblingssongs von vielen Fans. Der zunehmende Einsatz von Keyboards machte die Musik Rush, für meine Begriffe, interessanter aber auch anfälliger für technische Schwierigkeiten. Um den Job von Bass, Gesang und Keyboards besser in den Griff zu bekommen, hatte Geddy sich ein ein Gerät bauen lassen, in dem alle seine verschiedenen Keyboards und Pedale (mit denen er Bass spielte, wenn seine Hände am Keyboard waren) vereint waren: Dieses riesige Ding, von der Band Behemoth genannt, hatte allerdings seine Tücken, und manchmal vergingen Tage, bis die Probleme einigermaßen gelöst waren. Dennoch, ein weiterer Klassiker, den die Band diesmal in Rockfield aufnahm, war der komplexe Song ‘La Villa Strangiato‘, hier eine Liveversion von 1981. Das 12-teilige Instrumentalstück entstand quasi als Soundtrack zu einer Reihe von Träumen, die Alex Lifeson hatte. Ich beende meinen Überblick von Rush-Songs in den 70ern, mit einem Zitat aus dem Buch ‘My Effin’ Life’ (2023) von Geddy Lee über seinen Freund und Rush-Gitarrist Alex Lifeson:

‘I know I’m biased, but I do think he’s the most underrated guitarist in the rock pantheon. Rush fans appreciate him, naturally, but I don’t believe he’s gotten his due from the mainstream or critical rock world. Neil and I used to call him our musical scientist, for he is surely one of the great chord inventors, constantly creating his own inversions and unusual intricacies of arpeggiation; he’s a fluid and dexterous riffologist, one of rock’s most original soloists, a confident and emotive blues-rock guitarist at only eighteen who went on to develop his own blend of heavy rock, blues, classical and more. His genius is one of spontaneity, his best ideas mostly coming in flashes and sparks that you have to grab in the in the heat of the moment…’ (Geddy Lee über Alex Lifeson in der Autobiografie ‘My Effin’ ‘ Life’)

Fazit und Gedanken über die Zukunft von Rush: Das Buch ist ein Muss für Rush-Fans. So weit ich sehen kann, ist ‘My Effin’ Life’ (2023) von Geddy Lee allerdings bisher nur auf Englisch und Portugiesisch, aber nicht auf Deutsch erhältlich. Was zukünftige Projekte von Alex Lifeson und Geddy Lee betrifft: Nach dem Tod von Neil Peart, der als Schlagzeuger und Textschreiber ein zentraler Teil der Band war, scheint es bis heute noch unklar zu sein, ob und wie Alex und Geddy als Rush – vielleicht mit einem neuen Drummer? – weitermachen. Mein persönlicher Tipp wäre, ein unplugged Rush-Konzert und ein daraus resultierendes Album aufzunehmen. Dann könnten Alex und Geddy mit einem kompetenten, etwas zurückhaltenden Drummer arbeiten, der nicht so tun müsste, als ob er Neil Peart sei. Aber was immer die beiden machen – ich wünsche gutes Gelingen.

 

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Geddy Lee und seine Bassgitarren Geddy Lee genießt vielerorts hohen Ansehen unter Bassisten, weil er die Rolle des Instruments quasi neu erfand, den Bass so gut wie zum Soloinstrument in der Band machte. Im obigen Artikel sieht man ein paar seiner Bässe, zwei Rickenbacker und Geddys ‘Space Bass‘ – manchmal auch ‘Teardrop Bass’ genannt – der im Prinzip ein stark zurechtgeschnittener Fender Precision Bass ist. Aber er hat so viele Bässe, dass er ein Buch namens ’Geddy Lee’s Big Beautiful Book of Bass’ (2018) veröffentlicht hat, mit vielen Fotos & Infos. Werde ich zukünftig besprechen, ich hebe mir spezielle Bass-Infos bis dahin auf

Ein weiterer Artikel über Rush RIP Neil Peart (1952- 2020): Meine 80er Jahre Top-10 Songs von Rush

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