The study of myths, fairy tales and language in general was ideologically tinted in the 19th, 20th century. The national treasure angle, the psychoanalytical angle and others which may have some validity. But the approach using algorithms to analyse these wondrous things seems a good way forward

Textanalysen per Computertechnik an der Universität von Durham haben bisherige Theorien über der Ursprung von Rotkäppchen auf den Kopf gestellt. Während Forscher sich lange einig waren dass die Wurzeln des Märchens deutlich weiter zurückliegen als die Zeiten der Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert und des Franzosen Charles Perrault im 17. Jahrhundert, ging man bislang davon aus dass die Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf aus Asien stammte und über die Seidenstraße nach Europa gelangte. Das wäre in der Tat nichts ungewöhnliches, ein Märchen wie Aschenputtel zum Beispiel stammt in seiner ältesten Form erwiesenermaßen aus China. Die Ausbreitung von Märchen, ebenso wie Mythen, ist ein komplexer Prozess der u. a. mit Handelsbeziehungen und Migrationen verbunden ist. Durch die mündliche Überlieferung über Jahrhunderte bekommen Märchen neue Namen, Details und Abläufe verpasst. Aber bestimmte Grundelemente, wie zum Beispiel ‘Tier verstellt sich, um jemanden zu fressen’ bleiben erhalten, wenn auch in abgewandelter Form. So tauchen zum Beispiel Rotkäppchen-Elemente bei dem chinesischen Dichter Huang Zhing in der ‘Geschichte von der Tiger-Großmutter‘ auf. Vielleicht waren Tiger in seiner Gegend gefürchteter als Wölfe, oder was auch immer der Grund für die vielen Varianten von Märchen sein mag. Um die verzweigten geografischen Reisewege der Märchen nachzuvollziehen und die älteste Variante einer Geschichte zu finden, benutzt der Anthropologe Dr. Jamshid Tehrani von Durham University Algorithmen die normalerweise genetische Stammbäume analysieren und phylogenetic analysis genannt werden.

Wer die genauen Einzelheiten dazu lesen will, kann das Link für den englischen Originalartikel am Ende des Blogposts auschecken. Wir verkürzen und kommen zu den Resultaten: Die älteste Form des Märchens vom Rotkäppchen und dem Wolf ist in der Tat die Geschichte vom Wolf und den Sieben Geißlein. Für uns insofern nachvollziehbar als dass hier die List und Verstellung des hungrigen Wolfs eine zentrale Rolle spielt. Die älteste Form dieses Märchens stammt aus dem 1. Jahrhundert, ist also etwa 2000 Jahre alt, und reiste ausnahmsweise mal vom guten alten Europa aus in den Rest der Welt. Die Variante in der anstatt Ziegenkindern ein Menschenkind namens Rotkäppchen auftauchte, entstand gemäß neusten Forschungsergebnissen vor etwa 1000 Jahren Beide Märchen sind im obigen Foto zu sehen, mit unseren alten, glorreich illustrierten Ausgaben vom Ladybird Verlag. Anklicken zum Vergrößern. Wir dachten immer schon dass es sich lohnt die zu sammeln. Und Sie dachten, wir wären einfach nur naiv! Die Erforschung von Märchen, Mythen und Sprache generell hatte im 19. und 20. Jahrhundert eine gewisse ideologische Färbung, zum Beispiel die Sichtweise vom Kulturschatz eines Landes, oder die psychoanalytische Sichtweise und viele andere Ansätze. Persönliche Interpretationen von Kulturgütern beruhen meist auf guten Absichten. Andererseits wirkt eine auf Fakten beruhende Interpretation, wie sie vom Ansatz her an der Durham Universität entwickelt wird, wie eine interessante Alternative zu all den guten Absichten.

 

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Info  Der Artikel The Phylogeny of Little Red Riding Hood von Jamshid J. Tehrani, University of Durham zu finden unter  http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0078871

Übrigens  Wir sind heute immer noch dabei, alte Märchen weiterzuentwickeln, zum Beispiel in Filmen. Hier ein Trailer für Red Riding Hood – Unter dem Wolfsmond (2011)

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