Not many films deal with the topic of language. 'My Fair Lady' (1964) does. And it's blooming excellent

Erstaunlicherweise sind in den letzten ein, zwei Jahren in England wieder Kurse für korrekte Aussprache in Mode gekommen. Dabei geht es meist darum dass Leute mit einen starken regionalen Akzent sich die sog. Received Pronunciation aneignen wollen. In etwa das Äquivalent von Hochdeutsch. Eine Entwicklung die in Deutschland, vermute ich mal, mit Kopfschütteln oder Belustigung betrachtet würde, denn es ist in Deutschland kein Stigma, einen Akzent zu haben. Vielleicht sogar im Gegenteil: Ich schätze, in Bayern wäre es schwer, mit knochentrockenem Hochdeutsch ein hohes politisches Amt zu erreichen. Auch auf überregionaler Ebene sind Akzente kein Hindernis. Viele Bundeskanzler hatten / haben regionale Akzente. Man denke an Helmut Kohl, dessen pfälzischer Akzent ihn für die meisten Leute, außer vielleicht ideologisch völlig verbohrten Journos, eher sympathischer als unsympathischer machte. Ähnlich wohl auch bei Willy Brandt, Gerhard Schröder und Angela Merkel. Hingegen fallen mir kaum englische Premierminister mit einem starken Akzent ein: Nur Gordon Brown, der einen bemerkbaren schottischen Akzent hatte – und weniger als drei Jahre lang eine schwierige Amtszeit. Dafür gab es sicher alle möglichen Gründe. Aber Akzente und Sprache generell haben in England einen etwas höheren Stellenwert als in Deutschland. Es gibt viel mehr englische Bücher, wissenschaftlicher sowie populär-wissenschaftlicher Art, zum Thema Sprache. Mehr in Zeitungen und im Netz. Und auch im Alltag sprechen Leute mehr darüber: Versuchen z. B. auf nett gemeinte small-talk Art, zu erraten aus welchem Stadteil von Manchester man kommt. Oder aus welchem Teil von London. So ähnlich fängt ja auch das Musical My Fair Lady (1964) an. Aber selbst auf Englisch gibt es relativ wenige Filme die spezifisch vom Thema Sprache handeln. Sprache ist kein sehr visuelles Thema, deshalb ist der Kniff so genial, mit dem der Ire George Bernard Shaw in seinem Theaterstück Pygmalion (1912) – das Vorlage für My Fair Lady war – es schaffte, Sprache zu personifizieren. Seine Figur Eliza Doolittle, im Film Audrey Hepburn, ist was sie spricht. Vielleicht ist es ein Zeichen der Zeit, dass ein Remake von My Fair Lady in Arbeit ist. Die Rolle des Phonetikers Prof. Higgins wird diesmal dargestellt von Colin Firth, der auch in The King’s Speech (2010) eine Rolle mit Sprachthematik spielte.

Um auf die neuerdings wieder angesagten Kurse für korrekte Aussprache zurück zu kommen: Eine Theorie ist, dass dies mit der Wirtschaftskrise zu tun hat. Der Trend über die letzten Jahrzehnte war nämlich genau andersrum: Spätestens mit den Beatles, die einen starken Liverpool-Akzent hatten, begannen regionale Akzente in Mode zu kommen. Auf einmal fingen selbst Internatsschüler wie z. B. der legendäre DJ John Peel an, mit working class Akzenten zu sprechen. Der Schauspieler und Bond-Darsteller Sean Connery, der wirklich aus einfachen Verhältnissen stammte, machte seinen starken schottischen Akzent zu einem Markenzeichen. Ähnliches tat die Rockband Oasis mit ihrem Manchester-Akzent in den 90er Jahren. Und die seit über 25 Jahren erfolgreiche TV-Serie EastEnders hat viel dazu beigetragen, das Leben und auch die Sprache ‘einfacher Leute’ in London kultig zu machen. Der Trend, den man vielleicht den Kumpel-Kult nennen könnte, setzte sich in den letzen Jahren so weit fort dass in Filmen, im Fersehen, in der Werbung und selbst im englischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk regionale Akzente mittlerweile in der Mehrheit sind. Ich persönlich liebe regionale Akzente & Dialekte. Ob sich Sprachgewohnheiten – vielleicht aufgrund eines größeren Drucks, bei Job-Interviews geschniegelt aufzutreten – wirklich nachhaltig ändern werden, bleibt abzuwarten. In Amerika ist der Kumpel-Trend praktisch zum Status Quo geworden. Schwer reiche Politiker sind am erfolgreichsten wenn sie wie einfache Jungs vom Lande sprechen. Ob Kurse für korrekte Aussprache merkwürdiger sind, sei dahingestellt.

 

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George Bernard Shaw: Pygmalion als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel BBC-Hörspiel mit Imelda Staunton (als Eliza Doolittle) und Simon Cadell (als Professor Higgins), James Grout (als Alfred Doolittle), Rachel Gurney (als Mrs Higgins), Edward Hardwicke (als Colonel Pickering), Brenda Peters (als Mrs Pearce), Pauline Letts (als Mrs Eynsford Hill), Elaine Claxton (als Clara Eynsford Hill), Richard Clifford (als Freddy Eynsford Hill),  Anne Pearson (Mrs Higgins’s maid) u. a. Regie: John Tydeman. Produktion 1994

Foto  Meine DVD von My Fair Lady (1964). Ist auch auf YouTube, wobei man sich diesen Klassiker in guter Qualität gönnen sollte. Und neben dem englischen Original, vielleicht auch die deutsche Synchronfassung auschecken möchte. Anstelle von Hepburns Londoner Cockney Dialekt ist hier Berliner Schnauze. Viel Spaß

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