It's the 100th birthday of the self-sufficiency author John Seymour (1914-2004). Bit surprised there's no mention on his publisher's websites. Oh, well. Sic transit gloria mundi. The book left has a foreword by E F Schumacher who wrote Small is Beautiful: a study of economics as if people mattered

Es is der 100. Geburtstag von John Seymour (1914-2004), Autor von Das große Buch vom Leben auf dem Lande (1976), links eine englische Originalausgabe. Ich bin etwas überrascht dass Seymour heute nicht auf den Websites seiner Verlage erwähnt wird. Sic transit gloria mundi. Andererseits zeigt ein Check bei Amazon dass sich Seymour-Bücher wie Selbstversorgung aus dem Garten: Wie man seinen Garten natürlich bestellt und gesunde Nahrung erntet (1978) bis heute gut verkaufen, auf Platz 7 sind, und viele positive Rezensionen haben. Mit solchen Büchern etablierte John Seymour den Begriff self-sufficiency oder Selbstversorgung. Wobei dies im Grunde keine neue Idee war. Vor zweihundert Jahren gab es massenhaft Leute die einen guten Teil ihres Essens aus dem eigenen Garten oder einem kleinen Stück Land holten, sich vielleicht ein Schwein oder ein, zwei Kühe hielten. Das war zum Beispiel in der Familie der Autorin Jane Austen der Fall: Der Vater war Pfarrer und nahm in seiner Freizeit an Pflugwettbewerben teil. Während diese Art von Lebensstil im Laufe des 19. und vor allem im 20. Jahrhundert zunehmend verschwand, waren es ironischerweise die Hippiesin den 1960er Jahren die ein back to the land Revival bewirkten.

Ich habe meine Kindheit in England auf dem Lande verbracht – das liegt fünfzig Jahre und noch länger zurück. Damals gab es dort eigentlich nur Nutzgärten, denn die Landbevölkerung war auf diese einfach angewiesen. Frühmorgens wurde man vom Krähen de Hähne geweckt, weil nahezu jeder Hühner hatte. Auf dem Heimweg von der Schule rupften die Kinder ganze Arme voll Grünfutter für ihre Stallhasen, und fast jede Familie fütterte ein Schwein. Die Gärten auf dem Lande quollen fast über vor Fruchtbarkeit. Gemüse zu kaufen, wurde gar nicht erwogen, und es war auch völlig unnötig. Aber dann wurden die Leute wohlhabender und die Lebensmittel billiger. Nach und nach verschwanden diese wunderbaren Gärten fast gänzlich. (Aus John Seymours ‘Selbstversorgung aus dem Garten’)

Events wie Woodstock und ein Misstrauen gegenüber dem Establishment, der sog. Konsumgesellschaft schafften ein Verlangen nach Unabhängigkeit, nicht nur in künstlerischer und politischer Hinsicht sondern auch in praktischen, alltäglichen Dingen. Inklusive Ernährung. Die Eltern der Hippies – eine Generation die ansatzweise von Figuren wie Don Draper in der TV-Serie Mad Men dargestellt wird – hätten es peinlich gefunden, einen Stall auszumisten oder auf den Knien im Garten herumzurutschen. Hippies waren sich dafür meist nicht zu schade. Dass obiges Buch ein Vorwort von E F Schumacher, dem Autor von Small is Beautiful: a study of economics as if people mattered (1973) hat, zeigt wie einflussreich die Selbstversorger-Bücher von Seymour waren – und in gewisserweise noch sind. Nur dass viele ihrer Leser heute wahrscheinlich mehr Geld in den Tank ihres Range Rovers stecken als das was sie durch Eigenanbau im Garten einsparen.

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Dokumentarfilm über John Seymour online Auf Youtube ist ein ca. 8 Min. langer Clip mit Filmaufnahmen von John Seymours Bauernhof namens Fachongle Isaf in Pembrokeshire, Wales, vom Jahr 1975

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