Unsere schwedische Erstausgabe von 'Mehr von uns Kindern aus Bullerbü' (1949) und andere Astrid Lindgren Bücher

Zum 104. Geburtstag der bemerkenswerten Autorin, ein Blick auf einen Aspekt ihres Werks der in heutiger Kinderliteratur kaum noch existiert: Viele Lindgren Bücher haben einen ländlichen, teils spezifisch landwirtschaftlichen Hintergrund. Wir glauben nicht dass moderne Schreiber etwas gegen die Thematik haben, sondern es gibt einfach kaum noch Autoren die, wie Astrid Lindgren, auf einem Bauernhof aufgewachsen sind. Die regelbeweisende Ausnahme (Leser können uns gerne weitere Tipps geben) wäre vielleicht ein Autor wie Erwin Moser (geb. 1954), der auf einem Hof aufwuchs und tatsächlich auch ländliches in seine Geschichten einfließen lässt, hierzu fällt uns aus dem Stehgreif Das Bett mit den fliegenden Bäumen ein. Das meiste an Landwirtschaft In Lindgrens Büchern findet man wohl in der Michel-Reihe, inklusive den Verfilmungen. Die Michel-Filme muten heute schon wie historische Zeitdokumente an. Hier kann man noch mal sehen wie Felder mit Ochsen bestellt werden. Etwas wofür das Fachwissen und die Ausrüstung heute vermutlich selten sind. Man sieht wie Gras bei der Heuernte mit Sensen geschnitten wird und wie die Magd mit Schemel zum Kühemelken hinaus aufs Feld geht. Die Michel-Filme sind fast wie ein Besuch im Landwirtschaftsmuseum. ‘Michel‘ repräsentierte für Astrid Lindgren (1907 – 2002) anscheinend die bäuerliche Kindheit ihres eigenen Vaters und spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ebenso ländlich, aber als Filme noch besser als die Michel-Reihe finden wir die  beiden Bullerbü-Filme von Lasse Hallström. 

Sie spielen später, so um 1928. In ‘Wir Kinder aus Bullerbü‘ (1986) ist eine echte Mühle am Fluss, und das Mahlen des Getreides das die Kinder vorbeibringen wird detailliert gezeigt. Man sieht Heuernten, und wie Sensen am Stein geschliffen werden. Wie die Kinder auf dem Rübenfeld Unkraut jäten oder am See Krebse fangen gehen. In ‘Neues von den Kindern aus Bullerbü‘ (1987) ist am Anfang eine alte Dreschmaschine im Gange, es werden Ställe ausgemistet, Tiere gefüttert, Wurst gemacht, Felder mit der Egge bestellt und ein schwächelndes Lamm per Nuckelflasche durchgepäppelt. Was will man mehr? Die Bullerbü-Filme von Lasse Halström sind nicht so gezielt voller Gags und Slapstick wie Olle Hellboms Michel-Filme, aber dafür romantischer. Wundervoll zum Beispiel, als Lisa erzählt dass alle drei Mädchen schon wüssten wen sie mal heiraten werden: Schon erraten? Natürlich ihre Spielkameraden Lasse, Bosse und Olle. Dies sind wundervolle Familienfilme die man unbedingt  besitzen sollte. Wir empfehlen die beiden Bullerbü-Filme im (preisgünstig erhältlichen) Doppelpack zu  kaufen. Sie wurden zusammen gedreht und erzählen eine Geschichte. Vielleicht die Geschichte um ‘Das Entschwundene Land‘, wie der Titel von Lindgrens Buch mit autobiografischen Kindheitserinnerungen lautet. Aber eigentlich ist das Land nicht völlig entschwunden. Die Orte an denen Lindgren aufwuchs und in deren Nähe die Michel und Bullerbü Filme gedreht wurden, kann man heute noch besuchen.

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Auf obigem Foto sind ein paar Sachen aus unserer Lindgren-Sammlung. Wir sammeln ihre Bücher auch in verschiedenen Sprachen, weil es da oftmals interessante Unterschiede im Design und bei den Illustrationen gibt. Im Vordergrund ist eine schwedische Bullerbü-Ausgabe vom Verlag Rabén & Sjögren aus dem Jahr 1949, also eine Erstausgabe, mit Illustrationen von Ingrid Vang Nyman. Die spanische Ausgabe (travieso heißt in etwa Lausbub) ist ein Sammelband mit allen drei Büchern und Illustrationen von Björn Berg. Unter den anderen Büchern ist auch eins mit Illustrationen von Rolf Rettich.

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