Roman ist auf Deutsch erhältlich, das Sachbuch auf Englisch

Vor nicht allzu langer Zeit konnten landwirtschaftliche Katastrophen in Europa den blanken Tod bedeuten. Die Irische Hungersnot wird selten von den Medien erwähnt, deshalb wollten wir heute am 13. Mai, dem Tag an dem der Tragödie dieses Jahr in Irland und Amerika gedacht wird, auf zwei sehr verschiedene Bücher zum Thema hinweisen. Das Buch The Great Irish Famine (1995) von Cathal Poirteir ist ein exzellentes Sachbuch. Schon der erste Satz fasst es kurz und trocken zusammen: Im späten Sommer des Jahres 1845 schlug der Pilz phytopthora infestan in Irland zum ersten Mal ein und löste Kartoffelfäule aus. Wiederholte Ernteausfälle führten zum Tod von 1 Million Menschen in den nächsten fünf Jahren und 2 Millionen weitere Einwohner flohen Irland in den 10 Jahren nach dem Beginn der Großen Hungersnot. Text von uns frei aus dem englischsprachigen Original übersetzt. Hinter solchen Zahlen stecken viele Geschichten und dieses Buch, mit Essays von 16 renommierten Fachleuten, enthält viele Details über die Hungersnot und ihre Verbindungen mit Folklore, Literatur, Medizin, Politik und natürlich Landwirtschaft. Ein Grund warum Irland so abhängig von der Kartoffel wurde, lag darin dass sie so gut zu den irischen Verhältnissen passte: Säurehaltige Böden, ein feuchtes, sonnenarmes Klima dessen relative Milde gut gegen Frost, den bis dahin größten Feind der Kartoffel half. Die Kartoffel eröffnete armen Leuten neue Möglichkeiten denn die Kartoffel benötigte keine Maschinerie zur Weiterverarbeitung (wie Korn z. B. mechanische Mühlen benötigt) und konnte, mit viel Handarbeit, an vorher unbebaubaren Orten, wie Abhängen und felsigen Böden gepflanzt werden. Weil Gelände dieser Art meist unmöglich für den Pflug war, gibt es, und solche Details finden wir faszinierend, noch heute in Irland eine so große Vielfalt von Spatentypen. Weil dieses Buch einen so sachlichen eher als emotionalen Ton hat, ist es, trotz der Thematik, kein düsteres sondern ein sehr interessantes Buch, das wir englischkundigen Lesern sehr empfehlen. Das andere Buch das wir zum Thema haben, ist der Jugendroman Under the Hawthorn Tree (1990) von Marita Conlon-McKenna, auf Deutsch als Folgt immer dem Fluss veröffentlicht. Die Geschichte handelt von den drei Kindern Eily (12), Michael (9) und Peggy (7) im Irland der 1840er Jahre, zur Zeit der Hungersnot. Ihr Vater ist auf Arbeitssuche gegangen und verschollen. Die Mutter geht ihn suchen. In ihrer Abwesenheit werden die drei Kinder vom Hausbesitzer rausgeschmissen und sollen ins Armenhaus geschickt werden. Aber die Kinder folgen stattdessen dem Fluss um sich nach Castletaggart durchzuschlagen, wo zwei Großtanten von ihnen wohnen. Daher der deutsche Titel Folgt immer dem Fluss. Der Hawthorn Tree des englischen Titels ist der Ort an dem Bridget, die verstorbene Babyschwester von den drei Kindern begraben ist. Folgt immer dem Fluss ist das erste Buch der preisgekrönten Trilogie Children of the Famine. Die drei Romane sind auf Deutsch als Gesamtband namens Sturmkinder: Eine irische Familiensaga veröffentlicht worden und bei Amazon.de erhältlich. Ebenso das vorher erwähnte Sachbuch The Great Irish Famine von Cathal Poirteir.

Info Exzellenter Dokumentarfilm (u. a. mit Ted Kennedy) namens Famine to Freedom: The Great Irish Journey auf YouTube.

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