Snow White is one of the most iconic but also mysterious fairy tales. Some elements, like an envious stepmother, seem possible - but who do the dwarves represent? Some evidence points to a connection with child labour in medieval mines

‘Hätt’ ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz!’ - Es ist eines der ikonischsten aber auch mysteriösesten aller Märchen. Teile davon, zum Beispiel die Zwerge, scheinen völlig aus dem Reich der Fantasie oder aus uralten Sagen zu entstammen. Andere Teile, wie die Eifersucht der eitlen Stiefmutter auf die schöne Stieftochter, sind aus psychologischer Sicht zumindest ansatzweise nachvollziehbar. Ein Radiofeature vom Deutschlandfunk berichtet jetzt über die bemerkenswerten Entdeckungen des hessischen Heimatforschers Eckard Sander in Verbindung mit dem Schneewittchen-Mythos. Link für die Sendung folgt am Ende des Posts. Sander war ursprünglich nicht an Schneewittchen interessiert, sondern an hessischen Bergwerken, in denen vor hunderten von Jahren aufgrund der engen Gänge oftmals Kinder zur Arbeit eingesetzt wurden. Mit tragischen Folgen: Die Arbeits-bedingungen in den Minen, in denen zum Beispiel Kupfererz abgebaut wurde, waren so schlimm, dass die Kinder im Wachstum zurückblieben und vorzeitig vergreisten. Als Arbeitskleidung trugen die Kinder eine Art Zipfelmütze. An diesem Punkt bekommt man schon eine Ahnung, wohin die Story führen wird. ‘Zwerge’ mit Zipfelmützen sind zu allgemein bekannten Figuren in Bildern und Filmen geworden. Oftmals – wie in der klassischen Disney-Verfilmung – als ‘süß’ dargestellt. Die neuen Theorien über die Herkunft der Zwergen-legende geben dem Märchen eine traurige neue Komponente. Haben Menschen seit Jahrhunderten intuitiv gespürt, dass in dem Märchen ein Stück unserer Geschichte, nämlich die Ausbeutung und Zerstörung von Kinderleben, repräsentiert wird? Aber damit enden die historischen Verbindungen von Schneewittchen noch nicht. In Archiven fand Sander auch etwas über die Schwester von einem der Bergwerksbesitzer heraus:

‘Da lese ich dort, dass die Mutter im Kindbett verstorben ist, also ähnlich wie in dem Märchen Schneewittchen. Und dann lese ich weiter, dass sie am Brüsseler Hof war, und das ist ja von hier aus gesehen genau über dem Siebengebirge. Das war also die nächste Parallele, die ich herausgefunden habe. Und dann lese ich, dass sie aufgrund einer Intrige vergiftet wurde.’ (Eckard Sander im Interview)

Dabei kommen einem die Zeilen ‘Schneewittchen über den sieben Bergen bei den sieben Zwergen‘ in den Sinn. Heimatforscher Sander hält es für möglich, dass das Schicksal der Grafentochter Margaretha von Waldeck (1533-1554) – die außerordentlich schön war und eine strenge Stiefmutter hatte – Vorlage für die mündliche Überlieferung des Märchens war, das von den Brüder Grimm aufgeschrieben wurde. Nachfolgend können Sie die komplette Deutschlandfunk-Sendung über diese faszinierende Story online hören

 

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Deutsche Romanfassung & Verfilmung des Stoffes? Es erstaunt mich, dass diese Story hier noch nicht aufgegriffen wurde. Hier wäre ein Stoff, der (mal außerhalb von Themen um den Zweiten Weltkriegs) auch internationales Interesse haben könnte. Um zu vermeiden, dass der Stoff zu dröge oder schulmeisterhaft umgesetzt wird, empfehle ich Folgendes: Das BKM, der ÖRR oder das Land Hessen könnten einen gut dotierten Literaturwettbewerb für junge Autoren veranstalten, um aus der Story der Grafentochter Margaretha von Waldeck (1533-1554) einen Roman zu machen. Daraus könnte ein Drehbuch und ein Film entstehen

Radiofeature zu Thema Die Deutschlandfunk-Sendung ’Schneewittchen als Grafentochter – Recherchen eines Heimatkundlers’ (2024). Eine Sendung von Matthias Reiche. Mit Eckard Sander. Sendedauer: 5:11 Min.

US-Verfilmung des Stoffes als Fantasy-Film Deutscher Trailer für ‘Snow White and the Huntsman’ (2012)

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