German radio feature online about the Medusa myth. There's something incredibly brutal about the story of her decapitation. Cellini's 'Perseus with the Head of Medusa' (1554) reminds me of the terror of the French Revolution...and modern terrorism

‘Seit der Antike dargestellt in Skulpturen und Gemälden, hat Medusa über Jahrtausende ihren Weg bis in die moderne Popkultur gefunden’ – So wird die berüchtigte Frau mit Schlangenhaaren in einem Radiofeature vom Bayerischen Rundfunk vorgestellt. Die Sendung mit der Althistorikerin  Giulia Grossi und dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Volker Mergenthaler kann momentan online gehört werden. Link folgt am Ende des Posts. Ich werde vorher kurz die Sache mit der Popkultur auschecken: Zwei Beispiele wären Medusas Rolle in Filmen, wie in dieser Szene mit Uma Thurman in Percy Jackson: Diebe im Olymp nach dem Jugendroman von Rick Riordan. Was Musik betrifft, finde ich den Song Medusa (2020) von der Britin Nina Tribus ganz gut. Die Figur der Medusa ist heute wohl irgendwo in der Grauzone zwischen angsteinflößend und sexy angesiedelt. Ich bin nicht versessen darauf, jede zwiespältige weibliche Figur der Antike – mittels feministischen Argumenten – als Opfer einer männlichen Verschwörung zu deuten. Aber wenn man sich allein mal die Darstellung der Medusa in der Kunst ansieht, wie in der berühmten Skulptur ‘Perseus mit dem Kopf der Medusa’ (1554) von Cellini, unten im Bild, spricht daraus im Kern schiere Erdiedrigung. Wie auf den Schafotts der Französischen Revolution…und in Videos von Terroristen.

Wie bei den meisten Mythen liegt der Ursprung der Geschichte der Medusa im Dunklen. Was von Medusa rein mündlich erzählt wurde, vermag niemand zu sagen. Doch schon in einem der ältesten schriftlich fixierten fiktionalen Werke Europas, Homers Ilias, zu datieren auf etwa das 8. Jahrhundert vor Christus, findet die Medusa Erwähnung. (Zitat aus dem Radiofeature über den Medusa-Mythos)

Joseph Campbell thought the legend of Perseus' beheading of Medusa symbolized that 'the Hellenes overran the goddess's shrines and stripped her priestesses of their Gorgon masks'

Es ist insofern kein Wunder, dass die brutal behandelte Figur der Medusa von der #MeToo-Bewegung aufgegriffen wurde, mitunter in Form des Wortspiels #Me(dusa)too. Wobei die Medusa keine historische, sondern eine mythische Figur ist – voilà - sollte man ihre Story also nicht wörtlich, sondern symbolisch interpretieren? Der Literaturprofessor Joseph Campbell (1904-1987) deutete die Dekapitation der Medusa dahingehend, dass einst ‘die Hellenen die Schreine von Göttinnen stürmten und deren Priesterinnen die Gorgonen-Masken vom Kopf rissen’. Das klingt etwas vage, aber vom Ansatz her interessant. Auffällig ist auch, dass Mythen von einem Sieg über Schlangen oder (in einer größeren, übertriebenen Form) Drachen, immer die Dominanz von männlichen Helden feiern, so wie die Drachentöter Siegfried und Saint George. Dabei wurde die Schlange ursprünglich mit Heilkunst in Verbindung gebracht: Das Zeichen des griechischen Gottes der Heilkunst ist ein Stab um den sich eine Schlange windet. Interessanterweise deutet sein Name, Äskulap, auf eine vorgriechische Gottheit. Woher kam also die Umdeutung vom Schlangen-Mythos? Gab es vor Jahrtausenden so etwas wie einen erzwungenen Wechsel von matriarchalischen zu patriarchalischen Machtstrukturen in Europa? Ist die Medusa Teil einer größeren Geschichte, die noch nicht völlig entschlüsselt wurde? Ich wünsche spannende Unterhaltung beim folgenden BR-Radiofeature über den Medusa-Mythos.

 

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Radiofeature zum Thema Das BR-Radiofeature ‘Die Medusa – Schlangenhaar und tödlicher Blick’ (2024). Sendung von Frank Halbach. Interviews mit der Althistorikerin  Giulia Grossi und dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Volker Mergenthaler. Redaktion: Andrea Bräu. Regie: Frank Halbach. Länge: 23:44 Min.

Roman über den Medusa-Mythos Prämisse des mythologisch basierten Romans Medusa’s Sisters (2023) von Lauren J.A. Bear: Bevor sie sich in Gorgonen verwandelten, besuchten die drei Schwestern Medusa, Stheno und Euryale aus Neugier die Welt der Sterblichen. Eine gefahrvolle Reise. Nur auf Englisch erhältlich

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