In this article is info about her autobiography 'The Despair of Monkeys and other Trifles' (2018), about her friendships and acquaintances with people like Dylan, Stockhausen, Nick Drake and Michel Houellebecq...and my Top-10 favourite songs by Françoise Hardy, who is 75 and still making good music

Bonjour! Ich berichte über das lesenswerte Buch The Despair of Monkeys and other Trifles (2018), das es auf Englisch, Französisch, Holländisch, Spanisch gibt, aber nicht auf Deutsch. Im Artikel ist Info über Françoise Hardys Freundschaft mit dem Autor Michel Houellebecq, über das Gedicht das Dylan für sie schrieb. Ihre Bekanntschaft mit Musikern wie Nick Drake und Stockhausen. Ein Lied das von dem Roman Die Geschichte der O (1954) inspiriert wurde. Hardys Vertonung von einem Victor Hugo Gedicht, ihre Hommage an einen Film von Ingmar Bergman. Zudem meine Top-10 Lieblingslieder von Françoise Hardy, und die Erklärung des Titels ihrer Autobiografie. Den Sinn erfährt man erst auf der letzten Seite. Es ist nichts albernes sondern etwas bewegendes, und bezieht sich auf einen Ort in Paris an dem man die Sängerin gelegentlich antreffen kann. Aber sagen Sie das bitte nicht weiter! Ihr Debütalbum erschien vor 57 Jahren. Siehe Vinyl-LP im obigen Foto. Das Album, das hauptsächlich ihre eigenen Kompositionen enthält, machte sie zu einem internationalen Star, von einer Größenordnung vergleichbar mit Taylor Swift, die ebenfalls ihre eigenen Lieder schreibt und keineswegs nur aufgrund ihres guten Aussehens Erfolg hat. Damals war Françoise Hardy 18. Mittlerweile ist sie 75 und macht immer noch Musik. Ihr neustes Lied ist beeindruckend und wird, vermute ich, einer ihrer großen Klassiker werden. Hoffentlich nicht ihr Schwanengesang, denn es klingt ein wie Abschied.

Frei übersetzt: ‘Keine banale Geschichte wird in meiner Erinnerung bleiben
Kein Piratenschiff wird mich überwältigen, keine Sternschnuppe mich im Dunkeln lassen
Ich habe keine Angst. Morgen wird alles in Ordnung sein. Alles wird weit weg sein.
Gib mir deine Hand, dort am Ende, wenn ich ins weite Meer segeln werde…’
Kommentar: Video ist Hommage an Ingmar Bergman Filmszene von Persona
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Her latest song is called Le Large - The Open Sea. It's beautiful and, like many of her songs, quite melancholic. The video is a homage to Ingmar Bergman' s movie Persona (1966)

Hardy schafft es, das Ende der Reise wie den Beginn einer Reise klingen zu lassen. Aber das wäre im Einklang mit ihrem Interesse an Themen wie Reinkarnation, Buddismus und Astrologie, auf die sie in ihrer Autobiografie eingeht. Wobei das Buch großteils von einem weiteren Charakterzug geprägt ist, nämlich dem einer bodenständigen und praktisch denkenden Person die sehr offen ausspricht was sie denkt und nicht davor zurückschreckt, über Probleme und Schwächen vor allem in ihren eigenen Liebesbeziehungen zu schreiben. Ein wiederkehrendes Thema, auch in ihren Liedern, ist das Gefühl, mehr zu lieben als geliebt zu werden. Angesichts ihres guten Aussehens, ist es erstaunlich zu lesen dass sie als Kind und weit bis in ihr Teenager-Alter fest davon überzeugt war dass sie sie hässlich sei. Ein Komplex den sie von Kind an von ihrer Großmutter verpasst bekam. Wer weiß, was die Gründe dafür waren? Aber ich kenne Frauen denen es als Kind ähnlich erging. In den Fällen waren es die Eltern die – nach der Devise: Sie soll bloß nicht eingebildet werden! – ähnliches taten. Bei Françoise Hardy kommt dazu dass sie tatsächlich nicht spezifisch den Schönheitsidealen der 50er und frühen 60er Jahre entsprach. Der Look der Nachkriegszeit war von kurvigen Frauen wie Marilyn Monroe und Brigitte Bardot geprägt. Françoise, mit ihrer dünnen, hochgewachsenen Figur und einem knabenhaften Gesicht, war regelrecht eine anti-Bardot. Hardy war gut in der Schule (La Bruyère Trinitarische Klosterschule) übersprang zwei Klassen und durfte sich mit 16 nach dem Abi von ihren Vater, der ansonsten nur durch seine Abwesenheit auffiel, ein Geschenk wünschen. Sie wählte eine Gitarre.

A photo, from her biography, of Françoise Hardy as a young teenager (her mum on the left) during a stay in Austria, near Innsbruck, staying with a farmer's family to learn German

Hardy begann Herbst 1960 an der Sorbonne. Ihre Mutter hatte sie überredet, Politik zu studieren, ein Thema das sie nicht besonders interessierte. Sie entschied sich bald darauf für Deutsch- und Literatur-Kurse. In der Zeitung France-Soir las sie eines Tages dass die Plattenfirma Pathé-Marconi nach neuen Talenten suchte und zu Anhörproben einlud. Sie sang vor…und wurde abgelehnt. Aber das hielt sie nicht davon ab, eine andere Firma auszuchecken: Das legendäre französische Label Vogue, das 1947 von drei Jazz-Fans gegründet wurde und Musiker wie Sidney Bechet und Django Reinhardt veröffentlichte – und ab Januar 1960 auch Johnny Hallyday (1943-2017). Bei der zweiten Probe, direkt vor dem Vogue Manager Jacques Wolfsohn wurde sie von ihm auf der Stelle angeheuert. Weil sie erst 17 war, musste ihre Mutter zum Unterzeichnen des Vertrags vorbeikommen. Françoise Hardys erste Aufnahme-Session fand statt am 25. April 1962 und wurde, mit einem vierspurigen Tonbandgerät, in ein paar Stunden vollendet. Die Single 1. Tous les garçons et les filles (1962) wurde Juni 1962 veröffentlicht und erreichte im Laufe der folgenden Monate Verkäufe in Millionenhöhe. Françoise singt  ’Alle Jungs und Mädchen in meinem Alter gehen Hand in Hand auf der Straße…aber ich gehe alleine, mit einem Schmerz in meiner Seele, weil mich niemand liebt’. Musik & Text von Hardys Komposition sind unkompliziert, aber sie bringen das Gefühl – mehr zu lieben, als geliebt zu werden – gut auf den Punkt.

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They say Dylan's introverted, but he seems to do okay here. With Hardy 1966 backstage at The Olympia. He mentions her in a poem on the liner notes of 'Another Side of Bob Dylan'

In der Autobiografie sind viele Anekdoten über die ereignisreiche Anfangszeit ihrer Karriere. Sie erzählt zum Beispiel dass der deutsche TV-Produzent Truck Branss (1926-2005) sie quasi über Nacht in Deutschland berühmt machte indem er ein ultra-romantisches Video mit Hardy im weißen Kleid, auf einem weißen Pferd im Wald bei Saarbrücken drehte. Hardy besuchte auch Italien…und England. Dort waren die Swinging Sixties im Gange. Leute wie die Beatles und Stones mochten Françoise Hardy, luden sie auf Partys ein. Brian Jones und Anita Pallenberg luden sie sogar zu sich nach Hause ein. Anscheinend hielten sie Hardy für lesbisch und waren neugierig ob sie etwas von Anita oder Brian wollte – oder von beiden zusammen! Ein weiterer Star der Hardy mochte, war Dylan. Er hatte sogar ein Gedicht für sie auf der Rückseite seines Albums Another Side of Bob Dylan (1964) abgedruckt: ’for françoise hardy, at the seine’s edge…’. Am unteren linken Rand von Dylans LP-Cover (Ausschnitt) zu sehen. Auch die Modewelt hatte Hardy für sich entdeckt. August 1963 zierte sie das Cover von Vogue, und im Juli 1967 das von Elle, auf dem sie mit einem Kleid von Paco Rabanne zu sehen ist. Ein weiteres meiner Lieblingslieder aus dieser Epoche ist 2. Voilà (1967) mit Text und Musik von Hardy. Interessant am Video finde ich – neben dem harten Snare-drum-Sound – dass, anders als bei vielen Popstars, keine aufgesetzte Persönlichkeit, kein künstliches Lächeln oder Kokettieren mit der Kamera bemerkbar ist. Das Lied ist (mal wieder) an einen ehemaligen Liebhaber gerichtet den sie immer noch liebt, aber der mittlerweile ein anderes Mädchen gefunden hat. Und Hardy gibt sich (mal wieder) die totale Blöße und sagt dass sie ihn immer noch liebt. Das Wort voilà hat viele Bedeutungen. In diesem Kontext bedeutet es in etwa: Na bitte, hier bin ich mal wieder – in der gleichen Situation wie immer.

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Françoise Hardy and her husband Jacques Dutronc in 1973 with their son Thomas Dutronc - who's a successful recording artist and good guitarist - influenced by Django Reinhardt

1967 war Hardy, die mittlerweile sieben Alben veröffentlicht hatte, fertig mit dem Bau ihres Haus in Korsika. Zur Einweihungsparty kam mitunter der Sänger Jacques Dutronc. Die beiden kannten sich über die gemeinsame Plattenfirma Vogue schon Jahre, aber im Sommer ’67 funkte es. Ihre Beziehung war immer kompliziert und bestand überwiegend aus separaten Lebenssituationen aber sie sind bis heute verheiratet und haben einen Sohn, den Jazz-Gitarristen Thomas Dutronc. Als Mai 1968 die Studentenproteste anfingen, bekamen Françoise Hardy und Jacques Dutronc von ihren Pressereferenten den Rat, Paris zu verlassen. Das musste man ihnen nicht zweimal sagen, schreibt Hardy, denn sie waren froh, ein paar idyllische Wochen in Korsika zu verbringen. Zumal sich beide Sänger als unpolitisch sahen und den Ereignissen in Paris eher skeptisch gegenüberstanden. Ich denke, dass die beiden – obwohl nur ein oder zwei Jahre älter als z. B. Daniel Cohn-Bendit – zu dem Zeitpunkt karrierebedingt längst Stützen der Gesellschaft waren. Die beiden hatten schon beim einem vom Figaro organisierten Bankett am Tisch mit der Präsidentengattin Madame Pompidou gesessen. Nicht der Stoff aus dem Revolutionäre sind. Aus diesen Zeiten stammt auch meine nächste Liederwahl 3. Comment te dire adieu (1968). Obwohl Melodie und Akkordfolge typisch französisch klingen, beruht das Lied auf einem englischen Song von old-time Star Vera Lynn, deren Fassung ein anderes Tempo und teils auch eine andere Melodie hat. Die geniale Umsetzung ins Französische stammt von Serge Gainsbourg (1928-1991), berühmt für Je t’aime (1969) mit Jane Birkin. Serge und Françoise waren jahrelang Kumpel. Sie erzählt im Buch wie sie mit Serge die Bar im Hôtel Raphael besuchte, wo er gerne Lieder schrieb. Das Hotel ist seit den 1920er Jahren beliebt bei Hollywoodstars und in mehreren Filmen zu sehen.

 ’Je sais bien qu’un ex amour n’a pas de chance, ou si peu. Mais pour moi un explication voudrait mieux’ – Freie Übersetzung des gesprochenen Teils von Comment te dire adieu: ’Ich weiß dass ein Ex-Liebhaber keine Chancen hat, oder nur wenige. Aber eine Erklärung hätte ich trotzdem gerne’

The album 'La Question' (1971): Not so commercial - but iconic. Sort of like Astral Weeks. The song 'Chanson d’O' was inspired by Pauline Réage's erotic novel 'Story of O' (1954). Françoise Hardy says in her autobiography that she met the author

Hardy hatte 1970 ihre eigene Produktionsfima gegründet und wollte mehr Freiheit, musikalisch zu experimentieren. Sie hatte 1969 in der Nähe von Nizza eine Aufführung von Stockhausen in den Gärten des Museums Fondation Maeght besucht. Sie war fasziniert, wie Stockhausen die mediterrane Atmosphäre einbezog indem er auf eine Art musikalischen Dialog mit dem Klang der Zikaden einging. Hardy interviewte Stockhausen für einen Dokumentarfilm, und die beiden wurden Freunde, nicht zuletzt weil sie eine gewisse esoterische Sichtweise teilten. Zur Geburt von Hardys Sohn Thomas schickte Stockhausen ihr einen mystisch angehauchten Brief den sie im Buch zitiert. Die erste LP die Hardy durch ihre eigene Produktionsfirma veröffentlichte war kommerziell nicht besonders erfolgreich, wird aber heute als eins ihrer einflussreichsten Werke angesehen. Das Album La Question (1971), siehe obiges Foto, wird mitunter von Suzanne Vega und Kultbands wie Cigarettes after Sex als Inspiration erwähnt. Mich persönlich erinnert La Question etwas an Astral Weeks (1968) von Van Morrison. Beide Alben bestehen hauptsächlich aus akustischen Gitarren und Kontrabass, untermalt von orchestralen Klängen und teils surrealistisch anmutendem Gesang. Das Lied 4. Chanson d’O wurde von dem Skandalroman Die Geschichte der O. (1954) inspiriert und besteht aus gehauchten Seufzern anstatt Worten. Hardy sagt in ihrer Autobiografie dass sie den Roman faszinierend fand und sogar die Autorin besuchte, die zu dem Zeitpunkt noch anonym war weil sie das Buch unter dem Pseudonym Pauline Réage veröffentlicht hatte.

Title song of Message Personnel (1973) is a classic. English version is good too. See clip further down paragraph. Also info about Françoise Hardy meeting British singer Nick Drake

Für ihre nächste LP If You Listen (1971) traf Hardy wieder eine ungewöhnliche Auswahl von Liedern – von Musikern der jungen britischen Folk-Szene die damals selbst in England als Geheimtipp galten. Leute wie John & Beverley Martyn. Von der britischen Band namens Trees die, mit Progressive Folk à la Pentangle, als Geheimtipp kaum zu überbieten ist, wählte Hardy 5. The Garden of Jane Delawney (1971), auf dem sie von Fairport Convention Gitarrist Richard Thompson begleitet wird. Das Lied wurde Jahre später von Gothic-Rock Bands wie All About Eve und Dark Sanctuary gecovert, Aber Hardy war die erste die das Potential erkannte das vom Mainstream ignoriert wurde. Eine weitere interessante Episode aus dieser Zeit auf die Hardy in ihrer Autobiografie eingeht ist ihre Bekanntschaft mit dem Sänger Nick Drake, der heute ultra-kultig ist, mit Fans wie Brad Pitt, der über ihn sogar ein Doku für BBC-Radio präsentierte. Anfang der 70er hatte Nick Drake jedoch keinen kommerziellen Erfolg und war so gut wie unbekannt, Um so erstaunlicher, dass Hardy sich für ihn interessierte, ihn sogar traf. Er hatte mitbekommen dass Hardy ihn in Interviews erwähnt hatte, und überraschte sie eines Tages mit einem Besuch bei ihr in einem englischen Studio, wo sie an Aufnahmen arbeitete. Sie sagt, er war extrem schüchtern und saß stundenlang schweigend im Studio und hörte ihr nur zu. Als Hardy wieder Zuhause war, rief Nick sie an und sagte dass er gerade in Paris sei. Hardy hatte für den Abend schon ein Essen im Eiffelturm-Restaurant mit Freunden, mitunter der Sängerin Véronique Sanson gebucht (die später Stephen Stills heiratete), und lud Nick ein, mitzukommen. Er kam, war aber wieder völlig still. Der Gedanke, dass Nick sich vielleicht in sie verliebt hatte, kam ihr erst Jahre später. Gemäß Joe Boyd – der zwei von den drei LPs produzierte die Nick Drake aufnahm bevor er 1974 mit 26 Jahren starb – gab es eine Vereinbarung, dass Nick Lieder für Hardys englische LP schreiben würde. In Foren kursiert die nicht ganz unplausible Story dass die Lieder die Nick für Hardy schrieb, letztendlich – vielleicht aufgrund einer Entscheidung seiner Plattenfirma – auf seinem eigenen Album Pink Moon (1972) veröffentlicht wurden. Das nächste Lied meiner Top-10 von Françoise Hardy ist die englische Version von 6. Message personnel (1973). Das Lied erschien später in dem erfolgreichen Kinofilm 8 Frauen (2002), wo es von Isabelle Huppert gesungen und liebevoll auf die Schippe genommen wird.

 ’Auf dem Anrufbeantworter ist der Klang deiner Stimme, mit Worten die ich nie sagen könnte und nie sagen werde. Worte vor denen Leute Angst haben, weil man sie zu oft in Büchern, Liedern und Filmen gehört hat. Ich würde sie gerne sagen, ich würde diese Worte gerne leben. Aber ich kann sie einfach nicht aussprechen. Ich sterbe vor Einsamkeit…aber ich kann nicht mit dir sprechen, ich kann nicht zu dir kommen. Denn ich habe Angst, dass ich mir wieder die Blöße gebe, dass du mir gegenüber wieder taub sein wirst, und dich nicht binden willst…’ (Freie Übersetzung von Message Personnel

Thought you never see him smile? Françoise Hardy and the novelist Michel Houellebecq - who's been a fan of hers since he was a kid. They met during a TV show about astrology

Natürlich knickt Françoise Hardy gegen Ende des obigen Lieds wieder ein und will den Abtrünigen doch wiederhaben. Es ist quasi Die Geschichte ihres Lebens. Das nächste Lied ist eins der relativ wenigen die sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem Musiker und Schauspieler Jacque Dutronc geschrieben hat. 7. Partir quand même (1988) klingt mit Synthi-Sounds à la Yamaha DX7 sehr nach den 80er Jahren. Ihre Haare trug sie mittlerweile kurz, weil sie sehen wollte ‘ob es meinem Mann auffallen würde‘, sagt sie im Buch. Das sagt eigentlich alles über ihre Ehe. Ich könnte jetzt über Dutroncs Affairen mit Frauen wie Romy Schneider schreiben, die er auf dem Filmset von Nachtblende (1975) kennenlernte, aber das können sie selber im Buch nachlesen, oder im Songtext: ‘Ich werde ihn auf jeden Fall verlassen, während er schläft, während ich noch stark genug bin mich von den Ketten zu befreien, bevor er meine Flügel stutzt, bevor es zu spät ist, bevor ich sage, Ich liebe dich… ‘ Et cetera. Ihr 21. Album Décalages (1988) wurde seiner Zeit als Hardys ‘Abschieds-Album’ präsentiert, und in der Tat sollten acht Jahre vergehen bis sie ein neues Album veröffentlichte. In der Zwischenzeit hatte sie sich ihren anderen Interessen gewidmet. Sie schrieb Artikel und Bücher über Astrologie und präsentierte auch im Radio und im Fernsehen Programme zu dem Thema. In diesem Zusammenhang traf sie Michel Houellebecq, den Schriftsteller der mittlerweile durch Romane wie Elementarteilchen (1999), Karte und Gebiet (2011), und Unterwerfung (2015) weltberühmt ist. Sie hatte das erstgenannte Buch gelesen und sie war berührt von der Einsamkeit die durch die Zeilen schimmerte. Sie fragte, ohne echte Hoffnung auf eine Antwort, bei seinem Verlag nach, ob Houellebecq Interesse hätte, an einer TV-Show teilzunehmen, in der Hardy mit Gästen über ihre Sternzeichen redete. Zu ihrer großen Überraschung meldete sich eines Tages eine flüsternde Stimme an ihrem Telefon. Es stellte sich heraus dass Houellebecq, Jahrgang 1956, seit seiner Kindheit Fan von Françoise Hardy war. Offenbar hatte er auch nichts gegen Astrologie. Ich hatte Zweifel an der Story, bis ich den Clip von der TV-Sendung mit Michel Houellebecq und Hardy fand. Bizarrerweise singt Houellebecq (ab 4:36 min) sogar ein Lied mit einer Rockband. Und das Lied ist obendrein nicht schlecht.

On the back of her autobigraphy is a nice quote from David Bowie about Françoise Hardy. By the way: Her favourite Bowie LP is 'Outside' (1995). He was happy when she told him

Eins der Highlights von Hardys Album Clair-obscur (2000) ist ein Instrumentalstück von Eric Clapton für das Hardy einen Text schrieb. Sie hatte sich in einem Plattenladen die Clapton-Single My Father’s Eyes (1998) gekauft und auf der B-Seite das Stück Theme from a Movie That Never Happened gefunden. Clapton hatte es, sprichwörtlich, für einen Film (mit Michelle Pfeiffer) geschrieben der nie gedreht wurde. Sie brauchte erst das OK von der Publishing Company die Claptons Komposition verwaltete (und die wollte erst das fertige Lied von Hardy hören wollte bevor sie einwilligte) aber eines Tages rief Clapton sie persönlich an, sagte ihr dass er 8. Contre vents et marées mochte und lud sie ein zu seinem Konzert im Zénith Paris. Dort spielte er, als Geste die nur Hardy erkennen konnte, zu Beginn des Konzerts ein paar Noten von dem Lied. Hardys Titel bedeuted Gegen den Wind und die Gezeiten. Oder sinngemäß: Allen Widrigkeiten zum Trotz. Die gezupfte Gitarre wird von ihrem Sohn Thomas Dutronc gespielt.

Schmerz ist niemals nutzlos, er webt die unsichtbaren Fäden der Wiedergeburt, Schau auf das ruhige Meer, die Sonne in den Bäumen. Trockne deine Tränen, Bleibe am Leben, und dir selbst gegenüber ehrlich…im Wind und in den Gezeiten (Contre vents et marées. Frei und auszugsweise übersetzt)
Hier ist das Instrumentalstück von Clapton, das auch ohne Text ziemlich gut klingt. Anfang 2004 wurde bei Françoise Hardy Lymphdrüsenkrebs festgestellt. Sie unterzog sich einer Chemotherapie die gut wirkte – und machte weiter mit Musik. Das nächste Lied meiner Auswahl ist 9. Noir sur blanc von der LP La Pluie sans parapluie (2010), Regen ohne Regenschirm. Ihre Stimme klingt am Anfang etwas brüchig und es wunderte mich erst dass dies nicht (z. B. mit mehr Hall) ausgebügelt wurde. Aber wahrscheinlich wollte sie es so. Wie es in den Zeilen des Lieds lautet: ’Schwarz auf weiß schreibe ich über meine Schmerzen, über meine Ängste. Ohne Sicherheitsnetz, ohne Beschönigungen…aber oft fehlen mir die Worte’.
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The title 'The Despair of Monkeys and other Trifles' (2018) has to to with a special tree in the Parc de Bagatelle, Paris. Besides the book, her 1962 classic debut LP is also a must have

Zum 50. Jubiläum ihrer Karriere veröffentlichte sie das Album L’Amour fou (2012). Die Vertonung eines Gedichts von Victor Hugo, dem Autor von Les Misérables und Der Glöckner von Notre-Dame gehört zu den besten ihren Aufnahmen. In 10. Si vous n’avez rien à me dire, begleitet von kaum mehr als Piano, untermalt vom Macedonian Radio Symphonic Orchestra, singt sie – wenn ich wieder frei übersetzen darf – Zeilen wie diese:

‘Wenn Sie mir nichts zu sagen haben, warum kommen Sie so nah zu mir? Warum geben Sie mir ein Lächeln das einem König den Kopf verdrehen könnte?…Wenn Sie wollen dass ich weggehe, warum kommen Sie hier vorbei? Wenn ich Sie sehe muss ich zittern, und das ist meine Freude und meine Sorge zugleich…’
Ihre traurigen Lieder sind oft ihre schönsten. Auch die Wahl von Victor Hugo – irgendwo zwischen Romantik und Realismus – passt zu ihr. In der Autobiografie The Despair of Monkeys and other Trifles (2018) sagt sie dass sie am liebsten Klassiker liest, Autoren wie Henry James, Edith Wharton und Collette. Sie erwähnt keine spezifischen Romantitel von ihnen, aber deren berühmtesten Romane sind respektive Bildnis einer Dame (1881), Zeit der Unschuld (1920) und Gigi (1944). Was mich zum mysteriösen Titel von Hardys eigenem Buch bringt, mit dem Originaltitel Le Désespoir des singes… et autres bagatelles. Auf der letzten Seite schreibt sie dass sie gerne in einem ruhigen Park von Paris spazieren geht und die Blumen und Bäume kennenlernt. Ihr Lieblingsbaum ist einen Andentanne, deren Äste mit Stacheln bedeckt sind, so dass, wie man sagt, selbst Affen nicht hochklettern können. Der Baum wird umgangssprachlich lé désespoir des singes, also die Verzeiflung der Affen genannt. Hardy sagt, sie weiß ncht genau, ob der stachelige Baum sie an sich selbst erinnert oder an die Männer die sie zur Verzweiflung gebracht haben? Der Ort wo sie diesen Baum antrifft und manchmal vorsichtig umarmt, befindet sich – und diese Anspielung ist nur im Originaltitel erkennbar – im Parc de Bagatelle. Aber das muss ein Geheimnis zwischen mir und Ihnen und Françoise Hardy bleiben.
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Wussten Sie schon?  Françoise Hardy verbrachte als junger Teenager acht Wochen auf einem Bauernhof namens Plumeshof in Österreich um Deutsch zu lernen. Der Hof war in der Nähe von Innsbruck, in der Gemeinde Natters. Sie wohnte bei der Witwe Hedwig Welser – von der sie Franziska genannt wurde – und deren Kindern Gunni und Gertrud. Allesamt zu sehen auf dem Foto oben im dritten Absatz. Sonntags besuchten sie die Pfarrkirche von Natters, und einmal die Woche gingen sie nach Innsbruck ins Kino. In Österreich lernte ‘Franziska’ auch Rezepte wie Zwetschkenknödel und Apfelschmarrn kennen und lieben.
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Jimmy Page auf einem Lied von Françoise Hardy?  Ja, bevor er Led Zeppelin gründete, war er Session-Gitarrist auf Hunderten von Liedern von anderen Musikern. Mitunter Marianne Faithfull, Shirley Bassey, Petula Clark und Donovan. Für Françoise Hardy spielte Page das Proto-Metal-Riff auf dem Lied Je N’Attends Plus Personne (Ich warte auf niemanden) das sie Februar 1964 im Studio von Pye Records, London aufnahm
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Françoise Hardys Lieder in Filmen  Erwähnenswert finde ich ‘Jeune et Jolie‘ mit Marine Vacth. Deutscher Titel Jung & Schön (2013). Darin kommen vier Lieder von Hardy vor und spielen eine gewisse symbolische Rolle in Verbindung mit den Jahreszeiten Sommer, Herbst, Winter, Frühling: 1. L’amour d’un garçon (1963),   2. À quoi ça sert (1968), hier mit einigen Filmszenen, 3. Première rencontre (1973) und 4. Je suis moi (1974)
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Musik von Françoise Hardys Ehemann Jacque Dutronc Wenn ich seine Musik nicht gut fände, würde ich sie unerwähnt lassen. Aber ich finde ein Lied wie Et moi, et moi, et moi (1966) ein starkes Stück französische Popmusik, die keineswegs nur eine Kopie von englischer Musik ist. Es war in diesem Fall umgekehrt: Das Lied wurde von Mungo Jerry unter dem Namen Alright, Alright, Alright gecovert und Top-3- Hit in England
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Musik von Françoise Hardys Sohn Thomas Dutronc  Auch der 1973 geborene Gitarrist und Sänger macht keine 0815-Popmusik, sondern ist von seinem Interesse an der Musik von Django Reinhardt geprägt. Das Lied Demain (2011) und auch das Video mit mediterraner Atmosphäre gefällt mir gut
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Foto-Info Warum der selbe Artikel mit zwei verschiedenen Fotos? Sorry, ich konnte mich nicht entscheiden: Zur Überschrift passt das Foto mit dem Buch besser. Aber als Vinyl-Fan wollte ich auch ein schönes LP-Foto
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Avenita.net
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