My English edition of the French classic 'The Water of the Hills (1963) by Marcel Pagnol. The two parts of the novel, 1. Jean de Florette and 2. Manon of the Springs, were adapted beautifully in 1986 by Claude Berri. Featuring, above, Emmanuelle Béart

‘Wasser gab es in einer Quelle, die zwei Stunden Fußmarsch vom Hof entfernt war.’ – Die in der Provence spielende Familien-Saga wurde 1986 mit Stars Yves Montand, Gérard Depardieu und Emmanuelle Béart verfilmt. Sie ist als Titelfigur Manon des Sources – das Quellenmädchen – im Bild zu sehen. Meine englische Romanausgabe enthält wie üblich beide Teile der Story 1. Jean de Florette und 2. Manon des Sources. Zusammen als ‘Die Wasser der Hügel’ (1963) veröffentlicht. Jetzt kann ein deutschsprachiges SRF-Hörspiel (Schweizer Radio und Fernsehen) online gehört werden. Link folgt am Ende des Blogposts. Das Hörspiel heißt ‘Manon des Sources’, bezieht aber beide Teile der Story mit ein, indem die Ereignisse des 1. Teils im Rückblick erzählt werden. Es gibt also kein vorheriges Hörspiel und in der Tat keine andere deutschsprachige Hörspielproduktion. Der Roman spielt in den Zeiten kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Damals, sogar mehr noch als heute, war eine funktionierende Quelle der Unterschied zwischen einer Existenzgrundlage und dem Ruin eines Bauern. Der aus Südfrankreich stammende Autor Marcel Pagnol (1895-1974) verbrachte viel Zeit auf dem Land und kannte die Wasserproblematik. Dies ist der Kontext der Story. Die zentrale Figur Manon ist ein 16-jähriges Mädchen. Sie ist die Tochter von Jean de Florette. Im Film gespielt von Gérard Depardieu, wird Jean de Florette wegen einer körperlichen Behinderung ‘der Bucklige’ genannt. Im ersten Teil wird er durch das gehässige und intrigante Verhalten von Dorfbewohnern – speziell von einem Mann namens César, der im Film von Yves Montand gespielt wird – in den Ruin getrieben.

Ugolin dachte ganz perplex, diese Leute hätten sich wohl verirrt, und er wollte gerade hingehen, um ihnen zu raten, doch schleunigst umzukehren, als der Mann, der das kleine Mädchen auf dem Rücken trug, dem Fahrer zurief: ‘Da ist es! Halten Sie auf dem Weg direkt über dem Haus!’ Dann schlug er den Pfad ein, der steil zum Bauernhof hinunterführte, und rannte springend zu der zerstörten Terrasse von Pique-Bouffigues Hof. Die an sein Haar geklammerte Reiterin lachte aus vollem Hals. Da sah Ugolin entsetzt den Buckel, der dem kleinen Mädchen als Sitz gedient hatte. Er war es also, der Bucklige, der Erbe, der Besitzer! (‘Die Wasser der Hügel’ – Manon kommt als Kind mit ihren Eltern auf dem Hof an)

Why not on Netflix or Prime? Emmanuelle Béart plays Manon, a girl seeking revenge for her father Jean de Florette, whose water supply - and life - was destroyed by village intrigues

César Soubeyran hat nämlich, zusammen mit seinem simplen Neffen Ugolin Soubeyran, die Quelle des ahnungslosen, aus einer Stadt stammenden Neuankömmlings Jean de Florette blockiert und seine Lebensgrundlage zerstört. Schlimmer noch, Florette ist beim Versuch, durch eine Sprengung eine neue Quelle zu erschließen, ums Leben gekommen. Manon lebt nun als Halbwaise mit ihrer Mutter und einer alten Frau namens Baptistine in einer Höhle in den Hügeln über dem Dorf. Manon ist jedoch zu einem gewitzten Landmädchen geworden und schafft es, als Ziegenhirtin, Kräutersammlerin und Fallenstellerin zu überleben. Eines Tages findet sie sogar einen Weg, den Tod ihres Vaters zu rächen. Dabei spielt wieder das Thema der Wasserversorgung im Dorf eine Rolle. Besonders César ‘Le Papet’ Soubeyran, der als Blumen-züchter viel Geld verdient, ist davon betroffen. Im Laufe der Story werden Familienverbindungen enthüllt, die den Ereignissen eine zusätzliche tragische Dimension, aber gleichzeitig auch ein unerwartetes Happy End verleihen. Dieser Roman ist, auch aufgrund der detaillierten und oftmals sehr schönen Beschreibungen von der Provence und ihren Traditionen, für mich ein französisches Äquivalent von einem anspruchsvollen und bewegenden Heimatroman. Das kommt als Spielfilm mit idyllischen Drehorten sehr gut rüber – und ist gleich-zeitig ein Aspekt bei dem ein Hörspiel nicht so leicht mithalten kann. Auch mit dem Versuch, in den ersten 15 Min. Teil 1 der Geschichte (Jean de Florette) als Gespräch unter Dorfbewohnern in einer Bar zu rekapitulieren, hat sich das Hörspiel vielleicht etwas zu viel vorgenommen. Aber die folgende Schweizer Produktion findet dann zunehmend interessante Wege, die Beweggründe und Beziehungen der Figuren darzustellen

‘Les Bastides Blanches war eine Gemeinde von hundertfünfzig Einwohnern auf einem der letzten Ausläufer des Etoile-Massivs, etwa zehn Kilometer von Aubagne entfernt. Dorthin führte eine ungepflasterte Landstraße mit so abrupter Steigung, dass sie von weitem senkrecht wirkte. Auf der Gebirgsseite setzte sie sich nur als Maultierpfad fort, von dem einige Fußwege Richtung Himmel strebten. Dazwischen säumten etwa fünfzig Häuser die ungeteerten Straßen – enge Straßen, der Sonne wegen gekrümmt, um den Mistral abzufangen. (‘Die Wasser der Hügel’ von Marcel Pagnol)

Eine sehenswerte Verfilmung Vor dem Hörspiel lohnt es sich, einen Blick auf ein oder zwei Ausschnitte von Claude Berris Filmklassiker ‘Die Wasser der Hügel’ (1986) zu werfen, um ein Bild vom ländlichen Hintergrund der Story zu bekommen. Der Film ist auf Deutsch synchronisiert erhältlich, wenn auch nur als Blu-ray. Höchste Zeit, dass Netflix oder Prime den Film in ihr Programm aufnehmen! Bis dahin, hier der kurze deutsche Trailer ‘Manons Rache’, ein längerer französischer Trailer für Teil 1. Jean de Florette (1986) mit Gérard Depardieu, und Teil 2. Manon des Sources (1986) mit Emmanuelle Béart (Manon), Yves Montand (César), Daniel Auteuil (als Neffe Ugoli) und Hippolyte Girardot als Bernard Olivier, ein junger Lehrer der sich mit Manon anfreundet

 

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Pagnol: ‘Das Wasser der Hügel’ als Hörspiel online Das SRF-Hörspiel mit Maria-Magdalena Thiesing (als Manon), Werner Leonhard (als César ‘Le Papet’ Soubeyran), Heinz Voss (als Ugolin), Eva Portmann (Elodie, Ugolins Schwägerin), Franz Matter (der junge Lehrer Bernard), Hanna Frohwein-Heller (Mme de Florette), Walburga Gmür (Baptistine), Joachim Ernst (Bürgermeister Philoxène), Horst Michael Rappold (Polyte, ein Bauer dessen Avancen Manon abwehrt ), Thea Poras (Nathalie, Mutter des Polyte), Johannes von Spallart (als Belloiseau, Notar), Felix Klee (Ange, Brunnenmeister), Siegfried Süssenguth (Massicard, Ingenieur), u. a. Musik: Friedrich Scholz. Bearbeitung: Urs Helmensdorfer. Regie: Amido Hoffmann. 1964. Dauer 1 St. 15 Min.

Auf den Spuren des Romans in der Provence In meiner englischen Romanausgabe ist eine Einleitung mit einer Landkarte und dem Hinweis, dass der Handlungsort Les Bastides Blanches im Roman auf dem Dorf La Treille beruht. Hier verbrachte Marcel Pagnol als Kind in dem Haus Bastide Neuve seine Sommerferien, hier schöpfte er Inspiration für sein Werk, und hier ist er begraben. Hauptdrehorte der Verfilmung von 1986 waren jedoch in und um Mirabeau, weil Regisseur Berri fand dass La Treille mittlerweile etwas zu groß geworden war

Radio-Dokumentation DLF-Sendung von 2020 zum 125. Geburtstag von Marcel Pagnol, der neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller, auch als Dramatiker & Regisseur Erfolg hatte. Sendung von Maike Albath. 4:59 Min.

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