BBC documentary on YouTube about the Irish Famine. Link below. It's from 1995, when there were still people alive whose grandparents had lived through the famine. Pic: Famine by Liam O'Flaherty, probably the best novel about the subject

Auf YouTube ist ein interessantes Doku, siehe Link unten, über die Irische Hungersnot, bei der zwischen den Jahren 1845-1852 eine Million Menschen starben und zwei weitere Millionen notgedrungen auswanderten. Heute ist ein Tag an dem diese Dinge in Erinnerung gerufen werden. Das Doku ist von 1995, also 150 Jahre nach dem Beginn der Great Famine, wie man auf Englisch sagt. Zur Zeit des Dokus gab es noch Leute deren Großeltern die Hungersnot überlebt hatten. Was einsinken lässt dass diese Zeiten nicht ganz so weit zurückliegen wie es einem auf Anhieb vorkommt. Zudem verständlicher macht wie diese Ereignisse die Geschichte Irlands prägten, nicht nur für den Rest des 19. Jahrhundert sondern auch für das 20. Jahrhundert. Darüber hinaus hat die Hungersnot einen beträchtlichen Einfluss auf Amerika gehabt, wo heute etwa 36 Millionen Einwohner irischer Abstammung leben. Eine Nachwirkung der Hungersnot unter Iren ist bis zum heutigen Tag eine erhöhtes Bewusstsein und Mitgefühl für Opfer von Hungersnöten in aller Welt. Wir glauben jedenfalls nicht dass es Zufall ist dass der Organisator von Live Aid ein Ire war, nämlich Bob Geldof aus County Dublin. Die Gründe von Hungersnöten sind komplex. Auch damals im 19. Jahrhundert gab es Leute die, ohne es gezielt böse zu meinen, sagten dass man den Mächten der freien Marktwirtschaft erlauben müsse, in Irland ihren Lauf zu nehmen um so zukünftige, noch schlimmere Krisen zu vermeiden. Andere sagten, wenn Leute in Not sind, brauchen sie Hilfe und keine Vorträge über Volkswirtschaft. Dazu kommt dass Irland damals genau genommen nicht einmal Ausland war sondern, unfreiwilligerweise, ein Teil des englischen Königreichs. Das BBC-Doku beschäftigt sich mit einer Vielzahl an Details, von politischen, religiösen bis zu landwirtschaftlichen Aspekten. Warum existierte in Irland zum Beispiel solch eine weitverbreitete und riskante Monokultur der Kartoffel? Dafür gibt es, wie für die meisten Fragen zur größten europäischen Katastrophe des 19. Jahrhunderts, mehrere Antworten. Zum Beispiel, weil die Kartoffel in Irlands Klima und Erde viel besser wuchs als Getreide. Aber ein weiterer Grund war ein den Iren aufgezwungenes Pachtsystem von extrem spekulativen Charakter, bei dem Landbesitzer, die oft gar nicht in Irland lebten, das Land von Pächtern verwalten ließen die es, um den Gewinn zu maximieren, wiederum in so viele kleine Parzellen aufteilten und weiter verpachteten dass die Kartoffel die einzige Pflanze war die auf so wenig Erdboden eine Familie ernähren konnte. Soweit unser Erklärungsversuch, aber es empfiehlt sich diese Zusammenhänge genauer im folgenden Dokumentarfilm zu sehen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Uns erscheint es als tiefschürfendes Doku das nicht versucht, die Katastrophe auf eine simplistische Formel wie ‘Liebe irische Katholiken, und böse englische Protestanten’ zu reduzieren.

 

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Info  Der erste, ca. 50 min. lange Teil des BBC-Dokumentarfilm The Great Famine, auf YouTube, befasst sich mit der damaligen Situation in Irland, während der 2. Teil vorwiegend von der irischen Emigration handelt. Weitere infos im deutschen Wiki-Artikel über die Große Hungersnot in Irland. Photo  Das Buch Famine von Liam O’Flaherty, auf Deutsch als Zornige grüne Insel. Eine irische Saga (1937) vom Diogenes Verlag erhältlich und weitgehend als der beste Roman zum Thema angesehen.

Avenita Kulturmagazin