Phil Lynott (1949-1986) died 30 years ago. In the blog is info about the biography by his mum (book pictured above), his interest in Celtic mythology, his poems, connections to Ritchie Blackmore, singer Sade, U2...and Phil's places in Dublin

Der irische Musiker Phil Lynott (1949-1986) starb vor 30 Jahren. Er war Liederschreiber, Sänger, Bassist von Thin Lizzy. Vor U2 waren sie die erste international erfolgreiche Rockband aus Irland. Es gab natürlich klasse Musiker wie Rory Gallagher und Van Morrison, aber die waren ziemlich introvertiert. Thin Lizzy hingegen, und speziell Phil Lynott, liebten und lieferten Hits, Arena-Rock, Bühnenshow und Lieder zum Mitsingen. Klassiker wie The Boys are back in Town, Alben wie Jailbreak (1976) und Live and Dangerous (1978), siehe Vinyl-LP, waren der Zenit ihrer Karriere. Aber mir gefallen auch die früheren, von Folkrock angehauchten Sachen. Nachfolgend einige Geheimtipps, Infos über die Biografie, über Phils Interesse an keltischer Mythologie, seine Gedichte, und Orte in Dublin, darunter Pubs, mit Verbindungen zu ihm. Seine Mutter war die zentrale Person in Phils Leben, und er widmete ihr mehrere Lieder. Sie war mit 17 auf Jobsuche von Irland nach England gegangen, arbeitete dort am Fließband der Austin-Autofabrik von Birmingham. Ihre Beziehung mit dem aus Südamerika stammenden Cecil Parris führte zur Schwangerschaft. Im England der 40er Jahre war es für unverheiratete und alleinerziehende Mütter nicht leicht. Philomena Lynotts Leben ist an sich schon eine interessante Geschichte, in mancher Hinsicht vielleicht exemplarisch für Arbeiterfrauen der Nachkriegszeit. Die heute 85-jährige Philomena (Foto) ließ sich nicht runterkriegen. Sie kommt als starke, sympathische Person rüber. Im folgenden Live-Clip sagt Phil Lynott dass seine Mutter im Publikum ist und dass er das Lied für sie spielt.

Konzert: Dublin, 10. Dezember 1975
Studioversion: Zu finden auf Nightlife (1974)
Live-Version auf Album: Live and Dangerous (1978)
Phil Lynott (Bass & Gesang) und Scott Gorham (Gitarre)
Brian Robertson (Gitarre) und Brian Downey (Drums)
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Thin Lizzy turned into one of the biggest rock bands of the 70s, exemplified by albums like Live and Dangerous (1978). Phil Lynott also published a book of poems, above. Check out this link with a remarkable spoken version of 'Dublin'

Interessanterweise gibt es von Still in Love with you eine Coverversion von der Sängerin Sade, was zeigt dass Phil Lynott nicht nur Fans in der Hardrock-Community hat. Tatsächlich gehen die frühen Alben von Thin Lizzy zum Teil in Richtung Folkrock, mit poetisch angehauchten Texten und akustischen Gitarren. Phil Lynott, dessen Name Leih-nott ausgesprochen wird, veröffentlichte 1971 sogar einen Gedichtband (links).Das Buch hatte ein Vorwort von Kult-DJ John Peel, einem frühen Unterstützer von Thin Lizzy. Hier eine BBC-Aufnahme von einem Gedicht über die Stadt in der Phil ab dem Alter von 3 aufwuchs.

Clip vom Gedicht Dublin von Phil Lynott
‘How can I leave the town that brings me down
That has no, jobs, is blessed by God
And makes me cry?
Dublin’
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Schon diese kurzen Zeilen bringen ein Jahrhunderte altes irisches Dilemma auf den Punkt. Iren mussten zu Millionen ihr Land verlassen um Armut und Hungersnöten zu entfliehen. Hier ist Dublin als Lied auf dem Debütalbum Thin Lizzy (1971), das Lied mit dem Glockenspielklang einer sog. Celesta, ist als Bonusmaterial auf neuen CD-Versionen, stammt aber von der damals separat veröffentlichten EP-Single New Day. Eine irische Thematik sollte der Band im folgenden Jahr auch die erste Hit-Single bescheren, mit dem November 1972 veröffentlicheten Lied Whiskey in the Jar, hier ein Clip von Thin Lizzy im Musikladen mit ihrer starken Version von dem alten irischen Folksong. Irische Geschichte und auch irische Mythologie sollten öfters eine Rolle in Liedern und auch beim LP-Design von Thin Lizzy spielen. Wenn man genau hinsieht, sieht man auf dem Cover des dritten Albums Vagabonds of the Western World (1973) keltische Symbole auf Steinen die von Irlands steinzeitlichem Newgrange-Monument inspiriert wurden. Von diesem Album stammt auch eins meiner Lieblingslieder A Song For While I’m Away, auch Inspiration für den Titel des obigen Gedichtbands.
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Philomena Lynott's book is a good read, plus nice pics, like this one of her and son Phil. Also worth checking out: Album Jailbreak (1976) with hit single 'The Boys are back in town'

Als Gitarrist Eric Bell nach dem dritten Album abrupt die Band verließ weil ihm Touren und zunehmender Erfolgsdruck zu schaffen machten, suchte Phil Lynott zwei neue Gitarristen um zukünftig mehr Backup zu haben. Gary Moore spielte eine Weile mit der Band, aber im Endeffekt sollten die beiden Gitarristen Brian Robertson und Scott Gorham Teil der klassischen oder zumindest kommerziell erfolgreichsten Besetzung von Thin Lizzy werden. Auf ihrem ersten gemeinsamen Album Nightlife (1974) war mitunter oben erwähnter Lizzy-Klassiker Still in Love with you. Das nächste Album Fighting (1975) hatte noch mehr kritischen und kommerziellen Erfolg. Mein Lieblingslied davon ist  Wild One, hier ein schönes Video das den Twin-Guitar-Sound  von Gorham & Robertson veranschaulicht. ‘Robbo’, im hellblauen Hemd, spielt hier übrigens eine seltene Les Paul Goldtop aus den frühen 50er Jahren mit P-90-Pickups und einer Trapez-förmigen Kombination von Saitenhalter und Brücke. Das einzige was mir an dem Album nicht gefällt ist das dubiose LP-Cover, eine ‘clevere’ Idee der Plattenfirma. So peinlich dass für Amerika ein alternatives Cover verwendet wurde. Im darauffolgenden Jahr trafen Thin Lizzy musikalisch, und auch vom coolen Design her, endlich voll ins Schwarze. Das Album Jailbreak (1976), siehe das von Marvel-Comics inspirierte LP-Cover, knackte die Charts in England und Amerika. Ebenfalls die Single The Boys are back in Town, siehe Livevideo, ein Klassiker der die Band in die Stadion-Liga katapultierte. In diesem Liveclip ist übrigens Gary Moore (1952-2011) zu sehen, links auf der Bühne, mit silbernem Jackett und Goldtop Gibson. Brian Robertson hatte die Band Juli 1978 verlassen. Thin Lizzy waren bis Ende der 70er Jahre auf einer Erfolgswelle, auch mit obiger Live Doppel-LP Live and Dangerous (1978). Wie so oft, brachte der Erfolg jedoch alle möglichen Probleme mit sich, darunter der zunehmende Gebrauch von harten Drogen und ein Schwarm von Drogendealern. Phil Lynotts Mutter schreibt dass ihr erst wenige Tage vor Phils Tod bewusst wurde, wie sehr Heroin ihrem Sohn zugesetzt hatte. Er hatte die Einstiche bis zuletzt vor ihr verborgen und starb sprichwörtlich in ihren Armen. Er war 36. Wie bei es bei vielen Rockstars der Fall ist, war Phil Lynott zur Zeit seines Todes schon nicht mehr in Mode. 70er Jahre-Gitarrenrock war Mitte der Achtziger Jahre vorerst mal out. Manchmal dauert es eine Weile bis man merkt, was man verloren hat.

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Wussten Sie schon? Ritchie Blackmore wollte Ende 1972 mit Phil Lynott eine Band gründen, mitunter weil sich Ian Gillans Abgang von Deep Purple abzeichnete. Für die Gruppe, provisorisch Baby Face genannt, war Phil als Bassist / Sänger, und Purple-Mitglied Ian Paice als Schlagzeuger vorgesehen. Es gab einige Sessions aber Phil machte in Endeffekt den Rückzieher und blieb bei Thin Lizzy. Ironischerweise nahmen Lizzy bald darauf, weil sie Geld brauchten, eine LP mit Purple-Coverversionen auf die, quasi anonym, unter dem Namen Funky Junction (1973), siehe Clip, veröffentlicht wurde. Vocals sind von einem Sessionsänger aber alle drei Lizzy-Mitglieder spielten die Backingtracks und bekamen 1000 Pfund dafür. Das Album war übrigens – man staune – ein Projekt von David L. Miller, Gründer der Kinderhörspielfirma Europa.

Phil Lynott und U2  Thin Lizzy waren in den 70ern die größte Band Irlands und inspirierten auch U2. Beim Slane Castle Concert 1981 traten U2 als Vorgruppe von Thin Lizzy auf. Bono erwähnte das 20 Jahre später beim Slane Concert 2001, hier ein Clip in dem er sagt dass er Phil Lynott vermisst. Dann folgt als Hommage eine kurze improvisierte U2-Coverversion von Thin Lizzys Hit Dancing in the Moonlight. Hier die Thin Lizzy-Originalversion. Besonderheiten: Phils Bass mit Flanger-Effekt, und Supertramp John Helliwell am Saxofon

Auf den Spuren von Phil Lynott in Dublin  Wer die irische Hauptstadt besucht kann sich, wie viele Lizzy-Fans es tun, vor der Bruxelles Bar in Harry Street fotografieren lassen, neben der lebensgroßen Statue von Phil. Außer Thin Lizzy – von denen es hier einiges an Memorabilia gibt - feierten hier Musiker wie die Eagles und Guns ‘N’ Roses. Schönes Filmmaterial von Phil Lynott in Dublin ist in seinem Song und Video Old Town, mit Phil auf der berühmten Ha’penny Bridge, im Boot auf dem Fluss Liffey und spazierend in Grafton Street

Phil Lynotts Bass Das Model auf dem LP-Cover von Live and Dangerous (1978) war ab Mitte der 70er sein Hauptinstrument. Er hatte mehrere dieser schwarzen Fender Precision Bässe, teils mit Model P DiMarzios als Neck-Pickups. Hälse entweder aus hellem Ahorn oder mit Griffbrett aus dunklem Rosenholz. Phils Bass ist wegen dem custom-made Plektrumschutz aus Chrom, als Mirror Bass bekannt und kann im Irish Rock `n’ Roll Museum in Dublin besichtigt werden, neben Artefakten von U2, Rory Gallagher u. a. irischen Musikern

Foto-Info  Das oberste Foto ist ein bisschen von Pink Floyd in Pompeii inspiriert. Im Hintergrund von LP und Buch ist – wenn auch perspektivisch schwer ins Bild zu kriegen – das 2000 Jahre alte römische Theater hier in Málaga, darüber die 1000 Jahre alte arabische Festung Alcazaba. Das Buch ‘My Boy: The Phil Lynott Story‘ von Phil Lynotts Mutter ist als englisches Taschenbuch und Kindle-Edition erhältlich

Mehr von uns über Albumklassiker der 70er  Unser Blogpost Bob Dylan vor 40 Jahren: Hurricane, die Rolling Thunder Tournee, der Tour-Film Renaldo & Clara…und Desire (1976)

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