The Tell Monument in Altdorf, commemorating the man who shot the apple from his son's head. Tell became a central part of Switzerland's origin myth. Like other origin myths, from the Bible to King Arthur, he's today often viewed as unhistorical

‘Eine Grenze hat Tyrannenmacht.’ Eins von Schillers bekanntesten und ewig aktuellen Zitaten stammt aus seinem Theaterstück ‘Wilhelm Tell’ (1804). Das darauf basierende Hörspiel, eine exzellente Produktion mit Musik, renommierten Sprechern, spannender Klangkulisse und kristall-klarer Tonqualität, können Sie online hören. Link folgt am Ende des Post. Links im Bild ist der Titelheld, der von einem Tyrannen gezwungen wird, mit der Armbrust einen Apfel vom Kopf seines Sohns zu schießen. Eine Schlüsselszene in einer Geschichte, die zu einer berühmten Oper, vor allem aber zum Gründungsmythos einer unbeugsamen, freiheitsliebenden Schweiz wurde. Die historische Basis von Wilhelm Tell wird heute angezweifelt, aber so verhält es sich auch bei anderen Gründungsmythen – von der Bibel bis zu König Artus. Das Telldenkmal ist in Altdorf, dem Schauplatz des Apfelschusses. Darauf steht das Datum 1307: Das Jahr des Rütlischwurs und Geburtsstunde der Eidgenossenschaft. Die Geschichte von Tell enthält, neben dem Apfelschuss, weitere symbolträchtige Szenen, wie die vom Gesslerhut, dem Hut auf dem Stock, der in den Sprachgebrauch eingegangen ist. Warum sind solche Geschichten und Begriffe nach Jahrhunderten immer noch bekannt? Vermutlich weil es in jedem Zeitalter neue Arten von Tyrannen und neue Arten von Gesslerhüten gibt. Vor dem Hörspiel, hier ein paar Zeilen von Gesslers Hochmut vor dem Fall:

Ich hab’ den Hut nicht aufgesteckt zu Altorf
Des Scherzes wegen, oder um die Herzen
Des Volks zu prüfen, diese kenn ich längst.
Ich hab ihn aufgesteckt, dass sie den Nacken
Mir lernen beugen, den sie aufrecht tragen –
Das Unbequeme hab ich hingepflanzt
Auf ihren Weg, wo sie vorbeigehn müssen,
Dass sie drauf stoßen mit dem Aug, und sich
Erinnern ihres Herrn, den sie vergessen.
(Friedrich Schiller – Dritte Szene ‘Wilhelm Tell’)

Hörspiel: ‘Wilhelm Tell’ als BR-Produktion von 1951 online Das Hörspiel vom Bayerischen Rundfunk. Mit Hanns Stein (als Wilhelm Tell), Fritz Benscher (als Hermann Gessler, Reichsvogt in Schwyz und Uri), Kurt Stieler (als Werner, Freiherr von Attinghausen, Bannerherr), Horst Reichel (als Ulrich von Rudenz, sein Neffe), Hans Cossy (als Werner Stauffacher), Albert Hörrmann (als Walter Fürst), Marianne Brandt (als Hedwig, Tells Ehefrau, Fürsts Tochter), Ernst Schlott (als Rösselmann, der Pfarrer), Alois Maria Giani (als Arnold von Melchtal), Fritz Rasp (als Konrad Baumgarten), Liane Kopf (als Gertrud, Stauffachers Ehefrau), Marianne Kehlau (als Herta von Bruneck, eine reiche Erbin), Ingeborg Hoffmann (als Armgard, Bäuerin) u. a. Musik: Johannes Weissenbach. Nach Friedrich von Schiller. Hörspielbearbeitung & Regie: Hannes Küpper. 103 Min.

 

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Was Goethe über Schillers Arbeit an ‘Wilhelm Tell’ in Weimar sagte: ‘Er fing damit an, alle Wände seines Zimmers mit soviel Spezialkarten der Schweiz zu bekleben, als er auftreiben konnte. Nun las er Schweizer Reisebeschreibungen, bis er mit Weg und Steg des Schweizer Aufstandes auf das genaueste bekannt war.’

Radio-Dokumentationen Adrian Marthaler – der 2010 in Zürich Rossinis ‘Guillaume Tell’ inszenierte – spricht über den Mythos von Wilhelm Tell, der, ob er nun wahr ist oder nicht, das Schweizer Geschichtsbild prägt. Und ein Feature von Manfred Mai über Schillers ‘Wilhelm Tell’ aus ‘Geschichte der deutschen Literatur’ (2009)

Apropos Oper Wer meint, Rossinis ‘Guillaume Tell’ (1829) nicht zu kennen, kennt dennoch diese Melodie

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