There's a wonderful 2017 BBC radio dramatisation of Elizabeth Barrett Browning's 'Aurora Leigh' (1856) online. Link below. The novel in the form of unrhymed blank verse is the story of two women going their own way in a male-dominated world

‘Shine on, Aurora, dearest light of souls,
which rules for evermore both day and night!’ – Der Versroman ‘Aurora Leigh’ (1856) von der viktorianischen Dichterin Elizabeth Barrett Browning hat hier und da Parallelen zu dem Roman ‘Jane Eyre’ (1847) von Charlotte Brontë. Die anspruchsvolle BBC-Hörspielproduktion ‘Aurora Leigh’ (2017) kann jetzt online gehört werden. Link folgt am Ende des Posts. Ebenfalls ein aufschlussreiches BBC-Feature, in dem die Hintergründe von ‘Aurora Leigh’ erörtert werden. Die zentralen Figuren der Story sind zwei sehr verschiedene Frauen, Aurora und Marian, die in einer von Männern dominierten Welt ihren eigenen Weg gehen. Weil das umfangreiche Gedicht in sog. Blankvers geschrieben ist – also reimlos – klingen die Stimmen der Hauptfiguren nicht gestelzt sondern ziemlich natürlich, wenn auch inhaltlich sehr dicht. Die Geschichte, die in Florenz, England und Paris spielt, würde sich gut für eine Verfilmung eignen. Bis dahin ist das einstündige Hörspiel mit Musik und mehreren Sprechern (eine ungekürzte Lesung würde etwa drei Stunden dauern) für meine Begriffe fast die optimale Art, den Stoff kennenzulernen. Ich glaube, selbst wenn man nicht perfekt Englisch spricht, bekommt man einen Eindruck von der Romantik – und dem Elend – des 19. Jahrhunderts.

Die Zeit verging und es kam ein Morgen, kurz vor meinem zwanzigsten Geburtstag, da blickte ich zurück und sah nach vorne. Hier stand ich, als Frau und Künstlerin – beides noch unvollkommen, aber voller Glaube, dass ich beides sein werde. In dem Moment hielt ich die gesamte Schöpfung in meiner kleinen Tasse und lächelte mit durstigen Lippen, bevor ich trank. ‘Auf deine und meine Gesundheit, lieber Nachbar, und auf die, aller anderen Menschen.’ Der Juni war in mir, in seiner ganzen Pracht, mit dem Gesang der Nachtigall im Dunkeln und Rosenknospen, die im Blumenkelch reiften. Ich fühlte mich so stark und so sicher, im Glauben an Gott. (Freie Übersetzung einer Passage aus ‘Aurora Leigh’ 1856)

EBB: I would say that Elizabeth Barrett Browning (1806-1861) actually looked more like the dark-haired Marian Erle in the novel, rather than the blonde heroine Aurora Leigh

‘Aurora Leigh’ hat autobiografische Züge: Die Dichterin Elizabeth Barrett Browning (1806-1861) war, ebenso wie die Titelfigur, eine sehr gebildete Frau, die schon mit sehr jungen Jahren Griechisch und Latein lernte – per Hauslehrer, wie es bei wohlhabenden Familien damals öfters der Fall war. Ihr Vater betrieb Plantagen in Jamaika und verdiente damit, aus heutiger Sicht auf extrem unmoralische Weise, ein Vermögen. Das er später übrigens wieder so gut wie komplett verlor. Wie andere viktorianische Autoren à la Charles Dickens, George Eliot und Elizabeth Gaskell, hatte auch Elizabeth Barrett Browning viel Empathie für die damals harschen Lebensverhältnisse der Unterschicht. Was EBB jedoch nicht daran hinderte, die männliche Hauptfigur der Story, den Sozialisten Romney Leigh, wie einen naiven Idealisten darzustellen, der von den Leuten, denen er selbstlos helfen will, letztendlich zerstört wird. Ihre Heldin ist hingegen die aus höllisch armen und zerrütteten Verhältnissen stammende Marian Erle, die es schafft, aus eigenem Antrieb dem Elend zu entkommen. Beide Figuren, Aurora und Marian, verwirklichen sich ohne die Hilfe von Männern, und leben letztendlich sogar miteinander. Ich glaube, das war im viktorianischen Zeitalter ungewöhnlich. Zu Beginn des Hörspiels erklärt Aurora ihre Absicht, als Künstlerin und Dichterin zu leben. Ich habe diese Passage, mangels offizieller deutscher Übersetzung, oben frei ins Deutsche übersetzt. Hier die Originalversion:

Times followed one another. Came a morn
I stood upon the brink of twenty years,
And looked before and after, as I stood
Woman and artist,—either incomplete,
Both credulous of completion. There I held
The whole creation in my little cup,
And smiled with thirsty lips before I drank,
‘Good health to you and me, sweet neighbour mine,
And all these peoples.’
I was glad, that day;
The June was in me, with its multitudes
Of nightingales all singing in the dark,
And rosebuds reddening where the calyx split.
I felt so young, so strong, so sure of God!

Elizabeth Barrett Browning: Viktorianischer Klassiker ‘Aurora Leigh’ als BBC-Hörspiel von 2017 online Das BBC-Hörspiel mit Joanna Vanderham (als Aurora Leigh), Emily Pithon (als die aus armen Verhältnissen stammende Marian Erle), Bryan Dick (als Auroras Cousin Romney Leigh), Rosina Carbone (als intrigante Lady Waldemar, die Romneys Hochzeit mit Marian verhindern will), Toby Hadoke (als Lord Howe), Emily Pithon (als Susan). Hörspielbearbeitung: Michael Symmons Roberts. Regie: Charlotte Riches. Länge: 57 Min.

 

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BBC-Radiofeature Umfangreiches BBC-Feature von 2017 über Elizabeth Barrett Brownings Versroman ‘Aurora Leigh’ (1856). Melvyn Bragg spricht mit Karen O’Brien, Professor of English Literature at King’s College London, Margaret Reynolds, Professor of English at Queen Mary, University of London, und Daniel Karlin, Winterstoke Professor of English Literature, University of Bristol. Produktion: Simon Tillotson. (41 Min.)

Musik: Wie Elizabeth Barrett Browning ein Lied von John Lennon & Yoko Ono inspirierte Auf deren LP ‘Milk and Honey’ (1984) ist das Lied ‘Let Me Count the Ways‘, eine Komposition, die von Gedichtzeilen von Elizabeth Barrett Browning (1806-1861) inspiriert wurde. John und Yoko waren beide Verehrer der Dichterin

Radiosendung vom Bayerischen Rundfunk BR-Sendung von 2010 über Elizabeth Barrett Browning (4 Min)

Englischer Originaltext von ‘Aurora Leigh’ (1856) online Der komplette Versroman bei Project Gutenberg

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