Orwell says: '...political and sociological writers are nearly always haunted by the notion that Latin or Greek words are grander than Saxon ones...'. He's not being patriotic in that matter, but sees it as a prop for hollow, pretentious texts. He shows it by comparing Ecclesiastes to modern writing

In dem Buch Collected Essays, Journalism and Letters von George Orwell, siehe Foto, gibt es viel interessantes zum Thema Sprache. Orwells Zitat im Bildtext sagt sinngemäß: ‘… politische und soziologische Schreiber sind fast immer von der Vorstellung besessen dass lateinische und griechische Wörter besser sind als solche von angelsächsischer Herkunft…’. Dies ist Teil von einem ca. 12 Seiten langen Essay namens ‘Politics and the English Language’ von 1946. Wir wollten mal ein anderes Thema als seinen Romanklassiker ’1984′ aufgreifen. Obwohl wir nicht widerstehen konnten, im unteren Bildtext eine kleine Anspielung darauf einzubauen. Orwells Kritik am unnötigen Gebrauch von Fremdwörtern beruht übrigens nicht auf Sprachpatriotismus. Sein Argument ist dass lateinische und griechische Wörter oft benutzt werden um Texte die im Kern wenig Aussage haben, aufzupäppeln und wichtig erscheinen zu lassen. Obwohl dies auch als Werkzeug für propagandistische Texte dient, sieht Orwell dahinter nicht immer hinterlistige Absichten, sondern einfach gedankliche Leere oder Leute die unter wirtschaftlichem Druck Artikel schreiben und Rubriken füllen müssen. Man ist geneigt, Orwell zuzustimmen, aber kurz bevor man mit erhobenem Zeigefinger den Sprachkritiker spielen will, merkt man plötzlich dass man selber irgendwelche dubiosen Worte oder Floskeln verwendet hat anstatt, wie Orwell fordert, gründlich darüber nachzudenken Was versuche ich zu sagen? Welches Wort drückt das aus? Welche Metapher oder Redewendung verdeutlicht das? Sind diese Stilmittel frisch genug um einen Effekt zu haben? Kann ich es kürzer machen?…um nur einige Orwell-Regeln zu nennen. Und Schreiber die sie immer alle erfüllt haben, werden wir auf den Schultern durch die Straßen tragen und als Genie ausrufen.

Victory Gin: We love to joke about the guy who 'learned to love Big Brother' in the Chestnut Tree Cafe. But we don't see the world as bleakly as Orwell in 1984. With power shifting in media, it'll be harder to impose opinions in the future. We wrote a thing he'll see from on high. He died Jan. 21st. 1950

Orwell war nun mal ein Kulturpessimist, und man braucht nicht automatisch zu allen seinen Standpunkten Ja und Amen zu sagen. Schreiben kann nicht immer ein verbissener Kampf gegen den Untergang des Abendlandes sein. Es gibt ja auch so Dinge wie Spaß, Humor und Unterhaltung. Und solange es neben den trivialeren Dingen im Leben auch Ansichten von Denkern wie Orwell auf dem Marktplatz der Ideen zur Auswahl gibt, regen wir uns nicht auf. Überflüssige Fremdwörter haben zudem oft etwas von unfreiwilligem Humor: Das Wort redundant scheint unter Schreibern von renommierten Tageszeitungen in Mode zu kommen. Wir lasen es in ein, zwei Rezensionen. In einem Zusammenhang etwa wie: ‘Das neuste Album dieser Band ist redundant’. Herrgott, wir haben schon viel schlimmeres verbrochen, aber das ulkige ist dass redundant hier nichts anderes als überflüssig bedeutete, und dann ist dieses Wort, genau genommen, selber redundant. Klingt aber etwas schlauer. Aber die Sache mit Orwells überflüssigen Fremdwörtern trifft keineswegs bei allen Worten lateinischer Herkunft zu. Manche davon bedeuten zwar das gleiche wie ein deutsches Wort, setzen es aber in einen anderen Kontext: Über Industrieprodukte kann man sagen dass sie produziert oder hergestellt werden, aber im Zusammenhang mit Musik klänge es merkwürdig oder missverständlich zu sagen: Brian Eno war der Musikhersteller, anstatt Musikproduzent von U2. Nur ein spontanes Beispiel, es gibt bestimmt bessere und vor allem sehr viele Fälle wo ein lateinisches oder auch griechisches Fremdwort einen echten Nutzen hat. Ganz abgesehen von all denen die schon lange in den alltäglichen Sprachgebrauch eingeflossen sind. Aber auch wenn wir Orwell nicht immer zustimmen, sind seine Essays und Artikel eine Goldgrube an Gedankenanstößen. Der Mann hat neben seinen weltbekannten Klassikern 1984 und Farm der Tiere viele andere lesenswerte Sachen geschrieben – über Gott und die Welt, wie ein Blick ins Stichwortverzeichnis zeigt. Hunderte von Einträgen über Politik, Geschichte, Literatur, Personen der Gegenwart und Vergangenheit. Der Mann hatte zu so gut wie allem und jedem eine Meinung. Und es ist wunderbar dass ein streitbarer Mensch wie Orwell durch seine Schriften weiterexistiert. Er starb am 21. Januar 1950.

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Wussten Sie schon? Gemäß seinem Sohn Richard Blair, nahm George Orwell (echter Name: Eric Blair) seinen Künstlernamen von dem Fluss namens Orwell in der Grafschaft Suffolk wo seine Eltern lebten. Grund, den Namen zu ändern war dass seine Eltern nicht seine politischen Ansichten teilten und anonym bleiben wollten. Den Vornamen George wählte er weil es ein sehr gängiger Name war, nicht zuletzt durch den damaligen König Georg VI. Privat nannten ihn zeitlebens alle die ihn persönlich kannten weiterhin Eric

Weitere Infos  Der Penguin-Verlag feiert den 21. Januar als jährliches Event namens Orwell Day, daran beteiligen sich Medien, u. a. The Guardian und BBC Radio. Obenerwähntes Essay ‘Politics and the English Language‘ gibt es kostenlos bei der Website The Orwell Prize, und übrigens auch hier bei Wikipedia.

Foto & Buch Auf obigem Band ‘The Collected Essays, Journalism and Letters of George Orwell. Volume 4. In Front of Your Nose. 1945-1950‘ ist ein Foto von Orwell und seinem Sohn Richard aus dem Jahr 1946.

Biografie George Orwell (2003) von Gordon Bowker, ist auf Englisch erhältlich. Doku  The Real George Orwell (The South Bank Show. 2003, presented by Melvyn Bragg) auf YouTube.

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