A 2005 German radio dramatisation 'So oder so' ('whichever way') about Hildegard Knef (1925-2002) is online. A big star in post-war Germany, with a career lasting for decades, as an actress, singer & writer of books like The Gift Horse (1970)

‘So wie das Meer ist das Leben, ewige Ebbe und Flut’. Ein Hörspiel über ihr Leben. Links, ein Foto von der 21-jährigen Hildegard Knef (1925-2002) im Jahr 1947. Ein enormes Talent, und ein Stück deutsche Geschichte. Die Schauspielerin, Autorin und Sängerin wird im Hörspiel auf sympathische Weise von Gilla Cremer dargestellt. Mit Texten aus Hildegard Knefs Büchern, Liedern, Interviews und Gedichten. Anspruchsvoll und unterhaltsam gemacht. Link für die exzellente Produktion von Radio Bremen folgt am Ende des Posts. Die Lieder im Hörspiel – die mitunter von Hildegard Knef selber komponiert wurden – passen oft zum Lebensabschitt der beschrieben wird. Das Hörspiel beginnt mit Erinnerungen aus ihrer Jugend: Als sie mit 16 vor dem Filmbüro Berlin steht und Schauspielerin werden will, hören wir ein paar Zeilen von einem ihrer Klassiker:

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‘Mit sechzehn sagte ich still, ich will
Will groß sein, will siegen,
Will froh sein, nie lügen,
Mit sechzehn sagte ich still, ich will
Will alles oder nichts…’ (Textausschnitt)
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Obiger Textausschnitt ist von einer Komposition von Hans Hammerschmid und Hildegard Knef vom Jahr 1968. Die Darbietungen von Gilla Cremer im Hörspiel sind gut, klingen wie eine liebevolle Hommage. Wobei man unbedingt auch den schönen rauen Klang von Hildegard Knefs Originalstimme kennen sollte. Der Titel des Hörspiels, ein weiteres gutes Beispiel, stammt von dem Lied So oder so ist das Leben (1963), hier eine TV-Version vom Jahr 1977. Ein Grund warum sie sich ab den 60er Jahren verstärkt der Musik zuwendete, war mitunter weil sie eine Pause vom Filmgeschäft brauchte. Seit dem ‘Skandalfilm’ Die Sünderin (1951), in dem man sie ca. zwei Sekunden nackt sah, war sie fast permanent von einem Medienrummel umgeben. Das war einerseits karrierefördernd aber auch zermürbend. Im spießigen Nachkriegsdeutschland schlug ihr nicht selten Hass entgegen. Als sie im Alter von 42 ein Kind bekam, nannten manche sie eine schlechte Mutter, weil sie nicht bereit war, ihre Karriere aufzugeben. Der Vorwurf machte sie wütend, denn sie fühlte sich wie eine gute Mutter, sah aber nicht ein dass ihren Beruf dafür aufgeben sollte. Hier ein Foto von Hildegard Knef und Tochter Tinta auf dem Cover vom Magazin Der Stern in 1968. Zitat im Hörspiel: ‘Die Unterschätzung der arbeitenden Frau ist widerwärtig’. Ich glaube,ihre Hinwendung zu Musik, Komposition und zum Bücherschreiben war eine gute Entscheidung, denn diese Dinge gaben ihr mehr Kontrolle über ihre Karriere als das Filmgeschäft. Und ich glaube auch dass ihre Lieder, und Buchveröffentlichungen wie ‘Der geschenkte Gaul. Bericht aus einem Leben‘ (1970), zu ihren größten Hinterlassenschaften gehören. Das Hörspiel beginnt mit ihrem Lied Zirkus (1974), einer Showbusiness-Allegorie: ‘Treten Sie ein, meine Damen und Herren…’. Nach ein paar Strophen weicht Gilla Cremers Version vom Original ab und verwandelt sich, auf bezeichnende Weise, in eine Lawine von absurden Fragen und Vorwürfen mit denen Hildegard Knef von der Presse bombardiert wurde.
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Hildegard Knef: Hörspiel ‘So oder so’ von 2005 online Das Hörspiel von Radio Bremen. Mit Gilla Cremer (als Hildegard Knef). Regie der Hörspielfassung: Holger Rink. Regie der Bühnenfassung: Hartmut Uhlemann. Gesang: Gilla Cremer. Piano: Gerd Bellmann. Musik: Lieder von Hildegard Knef. Ton und Technik: Peter Nielsen und Claudia Jira. Regieassistenz: Wolfgang Seesko. Länge ca. 78 min. Produktion: 2005. Technischer Hinweis: Im Hörspiel gibt es für etwa eine Minute ab ca. 35:12 min. bis 36:30 min ein auffälliges Klangproblem, aber das kann man einfach überspringen und danach normal weiterhören. Nachfolgend, Infos über Lieder im Hörspiel, die meist nur auzugsweise oder in Form von Medleys vorkommen. Dargeboten von Gilla Cremer.
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Lieder im Hörspiel  Zirkus (1974), Für mich soll’s rote Rosen regnen (1968), So oder so ist das Leben (1963), Ostseelied (1966), Tage hängen wie Trauerweiden (1966), Ich bin zu müde, um schlafen zu gehn (1966), In dieser Stadt (1965), Ich brauch’ Tapetenwechsel (1970), Ohne dich (1966), Es hat alles einen Anfang (1977), Ich zieh’ mal wieder um (1974), Jene irritierte Auster (1972), Illusionen (1952), Eins und eins, das macht zwei (1963), Heimweh nach dem Kurfürstendamm (1963), Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin (1963), Wer nicht verrückt wird, der ist nicht normal (1974), Der alte Wolf (1976), Doch hör nicht auf mich (1968), Ich gebe alles auf (1974), 17 Millimeter (1999), Wird Herbst da draußen (1968). Datum zeigt Erstveröffentlichung von Knef
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