Spot the connection between LPs and the book title? More in the blog, plus infos about Keith Emerson's meetings with other Progrock legends like Chris Squire & Steve Howe. The Flying piano, his motorbikes and ELP's 'communal groupie rule'

Die frühen Jahrzehnte von Rock und Pop waren vorwiegend von Gitarren geprägt: Elvis, Beatles, Stones, Hendrix etc. Die Verbindung von Rock und Elektronik, die heute von fast jeder Band, selbst ausgesprochenen Gitarren-Bands wie U2 verwendet wird, hat viel mit Keith Emerson zu tun, dem ersten Rockmusiker der live und auf LPs ausgiebig Synthesizer benutzte. Seine Band Emerson, Lake & Palmer wurde auch als ELP bekannt. Links im Bild ist ein Live-Album das ich wählte weil es, ebenso wie die Klassik-LP rechts im Bild, eine Verbindung zum Titel von Emersons Autobiografie hat. Gleich mehr dazu. Auch Infos über seine Verbindung zu anderen Prog-Legenden wie Steve Howe und Chris Squire. Infos über Keith Emersons Motorräder, sein Fliegendes Piano, sein Treffen mit H. R. Giger, und ELPs ‘communal rule’ für Groupies. Man kann den Buchtitel Pictures of an Exhibitionist (2004) mitunter als Anspielung auf Keith Emersons spektakuläre Bühnenshow und seinen extravaganten Lebensstil verstehen. Rockstars sind nun mal das moderne Äquivalent von den Gladiatoren des alten Roms. Für seine Bühnen-Exzesse hat Emerson, der seine Keyboards u. a. mit Peitsche und Messern bearbeitete, eine einleuchtende Erklärung: Die Absicht, ELPs Musik – die Elemente von klassischen Komponisten wie Tschaikowski, Bach, Bartók, Janáček, Prokofiev, Ginastera und Copland einbezog – für Rock-Fans attraktiv zu machen. Rockkonzerte hatten im Laufe der 60er Jahre Aspekte von Performance-Art bekommen: Hendrix zündet seine Gitarre an, Bands wie The Who zertrümmerten Instrumente auf der Bühne. Dagegen hatten statische Tasteninstrumente wie Piano und Orgeln à la  Hammond etwas von gepflegter Langweile an sich, man konnte damit nicht wie mit einer Gitarre herumhantieren. Teure Keyboards wurden mit Vorsicht behandelt und im Sitzen gespielt – bis Keith Emerson kam. Siehe Filmclip von ELP im Konzert, 1970.

Mussorgsky's 'Pictures at an Exhibition' was inspiration for the ELP album. Above, a classical recording conducted by Sir John Pritchard with London Philharmonic Orchestra, 1970

Keith Emersons Buchtitel Pictures of an Exhibitionist (2004) bezieht sich auch auf die klassische Komposition Bilder einer Ausstellung (1874) von Mussorgski, siehe Foto, links, mit LP der Orchesterfassung von Maurice Ravel. ELP machten daraus ein Rockkonzert und das Livealbum Pictures at an Exhibition (1971). Nachfolgend Fotos von diesem ELP-Album das man als Gatefold -LP aufklappen kann. Die leeren Bilderrahmen von der LP-Vorderseite sind im Inneren der LP mit Gemälden gefüllt. Dafür engagierte die Band den Künstler William Neal. Ein aufwendiges Konzeptalbum, das in England und Amerika die Top-10 erreichte. Durch ELP kamen auch Mussorgski und Ravel in die Rock-Charts. Die Band wurde für ihre musikalischen Experimente öfters als pompös von der Presse bezeichnet. Aber aus heutiger Sicht hat ELP entscheidend dazu beigetragen, musikalische Grenzen zu überwinden: Klassik-Fans lernten Emersons spieltechnischen Fähigkeiten zu schätzen, und Rock-Fans wurden darauf aufmerksam dass eine klassische Komposition wie z. B. die von Modest Mussorgski (1839-1881), die von den Gemälden eines verstorbenen Freunds inspiriert wurde, eine starkes Konzept, um nicht zu sagen, ein starkes Konzeptalbum sein kann. Seit Emerson die Türen öffnete, hat Luciano Pavarotti mit U2 gesungen, Philip Glass eine Sinfonie auf Basis von David Bowies Album Heroes (1977) geschrieben, und der renommierte klassische Violinist Nigel Kennedy Lieder von Jimi Hendrix interpretiert, um nur einige Beispiele zu geben. Als Keith Emerson März 2016 im Alter von 71 Jahren starb, zollten ihm reihenweise Musiker ihren Respekt, darunter David Gilmour, Steve Hackett und Brian May. Peter Gabriel sagte, er und Tony Banks von Genesis waren große Fans von Keith Emersons erster Band namens The Nice, die schon 1968 (bevor Genesis ihre erste LP veröffentlichten) Erfolg mit Rockversionen von Kompositionen wie Leonard Bernsteins America und Dave Brubecks Blue Rondo hatten. Neben Emersons Altersgenossen meldeten sich auch Musiker einer neuen Generation von Progressiven Rockbands, wie Jordan Rudess von Dream Theater, der sagte, er wäre als Student am Musikkonservatorium Juilliard ein völlig normaler Konzertpianist geworden wenn er nicht eines Tages den Prog-Klassiker Tarkus gehört hätte, hier ein Liveclip von der komplexen ELP-Eigenkomposition.

Solid wood: ELP's live album charted in 1971 and created an awareness of classical music among listeners who might otherwise not have heard of composers like Mussorgsky

Emerson scheint Pictures of an Exhibitionist (2004) ohne Ghostwriter geschrieben zu haben, und er schreibt gut. Rockstars der 70er Jahre haben interessante Geschichten zu erzählen, nicht zuletzt über Treffen mit anderen Rockstars der 70er Jahre. Keith Emerson hatte mit The Nice beträchtlichen Erfolg gehabt, aber er war zunehmend mit den musikalischen Fähigkeiten der anderen Bandmitglieder unzufrieden. Obwohl Februar 1970 noch ein Nice-Konzert in Londons Royal Festival Hall stattfand, machte sich Emerson schon ein, zwei Monate vorher auf die Suche nach Musikern für ein neues Projekt. Er wandte sich zuerst an Chris Squire von Yes den er auf ein paar Cognacs in Londons legendärem Rockclub Speakeasy traf. Squire war jedoch nicht überzeugt dass er, außer als Bassist, auch noch als Sänger für Emersons neue, als Trio geplante Band taugen würde, denn er war in Yes nur für Backingvocals zuständig. Dennoch ein interessantes Gedankenspiel für Prog-Fans, wenn es anstatt ELP die Band ESP gegeben hätte. Keith Emerson hatte einige Zeit vorher auch Gitarrist Steve Howe für eine Musikprobe eingeladen, zu dem Zeitpunkt noch als Ersatz für Nice-Gitarrist David O’List. Emerson fand Howe talentiert und bat ihn, Mitglied von The Nice zu werden. Howe stimmte anfangs zu, überlegte es sich dann aber anders und wurde später ebenfalls mit Yes berühmt. Als Yes dann im Jahr 1974 Rick Wakeman als Mitglied verloren, boten sie Emerson den Job an, der dann seinerseits dankend ablehnte. Ein weiterer Kandidat für Emersons Projekt war Jack Bruce von Cream, der jedoch darauf bestand dass seine eigenen Kompositionen von der neuen Band gespielt werden müssten. Um diese Zeit herum, Anfang 1970, hörte Emerson in einem Londoner Plattenladen zum ersten Mal einen Moog Synthesizer. Das Album das gerade im Laden spielte, enthielt Stücke von Bach als Synthesizer-Version, gespielt von Wendy Carlos, einer US-Komponistin die auch Soundtracks für Stanley Kubrick Filme machte. Auf dem LP-Cover von Switched-On Bach (1968) war ein Moog zu sehen, hinter dem Mann der mit Klamotten im Stil des 18. Jahrhunderts J. S. Bach darstellen sollte.

Gatefold glory: While the the LP cover had empty frames, ELP commissioned artist William Neal to create full size paintings which were photographed for the inside. Click to enlarge

Emerson interessierte sich für das schrankartige Gerät das damals soviel kostete wie ein Haus und schwer zu spielen war. Um überhaupt einen Ton aus einem Moog zu bekommen, brauchte man etwas elektrotechnisches Wissen, musste eine Gewirr von Kabeln umstöpseln etc. Gängig in Rock wurden Synthesizer erst Jahre später, als sie billiger und benutzerfreundlicher waren. Zudem gab es viele Jahre lang Musiker die Synthesizer – im Gegensatz zu Gitarren – nicht als ein ‘echtes’ Musikinstrument ansahen. selbst die ziemlich experimentierfreudige Band Queen hatte auf ihren Alben in den 70er Jahren den ausdrücklichen Hinweis ‘No synthesizers!‘ Diese eiserne Disziplin gaben Queen erst mit dem Album The Game (1980) auf. Im Jahr 1970 gab es in England nur eine Handvoll Leute die einen Synthesizer hatten. Einer davon war der Manfred Mann Keyboarder Mike Vickers, der seinen Moog noch zu Hause herumstehen und kaum benutzt hatte. Emerson besuchte Vickers und überredete ihn, ihm den Moog für das Nice-Konzert Februar 1970 in der Royal Festival Hall zu leihen – welches somit das erste Rockkonzert mit Synthesizer wurde. Aber die Tage von The Nice waren gezählt, die Band löste sich März 1970 auf. Keith Emerson und Greg Lake, der Sänger und Bassist von ELP werden sollte, hatten sich schon 1969 kennengelernt als Greg noch mit King Crimson spielte und im Fillmore West, San Francisco bei einem Konzert auftrat bei dem auch The Nice spielten. Emerson mochte Greg Lake, fand dass er ein guter Bassist war, ein gute Gesangsstimme hatte und Songs schreiben konnte. Er beschreibt Greg Lake als einen Perfektionisten mit wohlmeinend kontrollsüchtigen Tendenzen. Greg sagte Keith schon bei ihrem ersten Treffen, was er alles besser machen müsse. Gregs Rat, die neue Band Triton zu nennen, nahm er allerdings nicht an. Als Keith auf Nachnamen bestand, kritisierte Greg Lake dass der Bandname mit Emerson anstatt Lake begann. Aber davon ließ sich Keith Emerson nicht beirren. Ich glaube, er hat rundum, auch mit der Wahl von Schlagzeuger Carl Palmer, gute Entscheidungen getroffen und mit ELP – anstatt LEP – eine der besten Progrock-Bands der 70er Jahre in die Wege geleitet.

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Wussten Sie schon?  Bei der Rockkultur der 70er Jahre, kommt man irgendwann zum Thema Groupies. ELP waren keine Ausnahme. Höchstens in einer Hinsicht: Emerson schreibt in Pictures of an Exhibitionist (2004) dass ELP, anders als zum Beispiel Led Zeppelin, hauptsächlich männliche Fans hatten. Grund? ELP waren zwar keine schlecht aussehende Band, machte aber eher technische als romantisch gefärbte Musik. Jedenfalls gab es nach Konzerten relativ wenige Groupies die, ähm, engeren Kontakt mit der Band suchten. Deshalb teilten ELP das Wenige was sie hatten und nannten es die ‘communal rule’ für Groupies.

Keith Emersons Motorräder  Er hatte eine Kawasaki z1100, eine Suzuki GS1000 (die ihm sein Freund Barry Sheene empfohlen hatte) und eine Harley 1300, mit Brain Salad Surgery Logo auf dem Tank, die ihm geklaut wurde. Seine größte Liebe war Norton, er hatte u. a. eine 850 Norton Commando die ihm ebenfalls, quasi vor seinen Augen gestohlen wurde, obwohl er im Pub einen Platz wählte an dem man durchs Fenster einen Blick aufs Bike hatte. Er drehte sich einmal um…und das Bike war weg. Led Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page bat Keith einmal darum, ihn per Motorrad nach Hause zu fahren. Aber Jimmy war so vollgedröhnt dass Keith Angst hatte, er würde vom Bike fallen. Robert Plant überredete Jimmy, lieber ein Taxi zu nehmen. Noch eine schöne Motorrad-Anekdote? Als Emerson mal der Sprit aussging und er sein Bike am Straßenrand entlangschob, erkannten ihn Fans und holten per Schlauch Sprit aus ihrem Autobenzintank für Keith.

Emersons Fliegendes Piano  ELP setzten von Anfang an auf spektakuläre Konzert-Shows. 1973 besuchte Keith Emerson den Special-Effects-Mann Robert E. McCarthy, der später an TV-Produktionen wie Twin Peaks und auch für Bands wie Yes und Genesis arbeitete. Emerson war von McCarthys Vorführung beeindruckt und engagierte ihn für die Stage Produktion der Brain Salad Surgery Tour 1973-74, hier ein Konzert-Clip vom Fliegenden Piano, ein Stunt bei dem sich Emerson manchmal verletzte, z. B. mit dem Kopf gegen das Piano knallte. Sein Freund, Take Five Komponist Dave Btrubeck, riet Keith den Stunt zu beenden

Keith Emerson und Alien-Designer H. R. Giger  Emerson und ELP trafen ihn persönlich in der Schweiz, lesen Sie unseren Artikel H. R. Gigers Albumcover für Emerson Lake & Palmer dazu, inklusive Fotos

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