BBC radio dramatisation with P. D. James' private detective Cordelia Gray online, link below. The US book cover of The Skull beneath the Skin (1982) really goes for it. Click to enlarge and see die-cut design. Credit: Victor Gadino & Gene Light

Der Hörspiel-Krimi ‘The Skull beneath the Skin‘ nach P. D. James ist online, Link unten auf der Info-Leiste. Die Romanvorlage hat auf Deutsch den etwas weniger enigmatischen Titel Ende einer Karriere (1982). Aber wir hatten schon bei anderer Gelegenheit angesprochen dass wörtliche Übersetzungen ohnehin nicht immer den Sinn oder die Anspielungen eines englischen Originaltitels wiedergeben: ‘Die Zeile ‘the skull beneath the skin‘ stammt aus einem Gedicht von T. S. Eliot, und bezieht sich auf eine Person die so von Gedanken über den Tod besessen ist dass sie, sinngemäß ausgedrückt, den Totenschädel unter der Haut von Menschen sieht. Mit solchen Anspielungen ist man natürlich in klassischem P. D. James Territorium, wobei in diesem Krimi nicht der wohlbekannte Commander Adam Dalgliesh ermittelt sondern die Privatdetektivin Cordelia Gray. Die aparte junge Dame wird angeheuert um auf eine Schauspielerin aufzupassen die mehrere Todesdrohungen erhalten hat. Das Hörspiel startet gemächlich, entwickelt sich aber zu einer spannenden Geschichte, etwas im Stil von Agatha Christie: Der Mord geschieht auf einer Insel, also mit einer überschaubaren Anzahl von Tatverdächtigen. Klassische Elemente, wie eine alte Burg, eine Kapelle, Geheimgänge und Verbindungen zu Begenheiten die Jahrhunderte zurückliegen. Ebenso wie Verbindungen zur jüngeren Vergangenheit, denn die Insel wurde im zweiten Weltkrieg  von der britischen Regierung als Vernehmungsort für Spione benutzt. Betrifft das in irgendeiner Weise einen der heutigen Inselbesucher? Dreimal dürfen Sie raten. Die Geschichte eignet sich gut für eine atmosphärische Klangkulisse mit Meeresrauschen und Seemöwengeschrei. Auch viele interessante Namen und Begebenheiten aus der Viktorianischen Epoche werden erwähnt: Künstler und Designer wie William Morris und Frederic Leighton, ebenso John Ruskin. Und da es mitunter um eine Person geht, die Artefakte aus der britischen Kriminalgeschichte sammelt, werden auch historische Begebenheiten wie der Mordfall um Constance Kent erwáhnt. Und die öffentliche Hinrichtung von Marie & Frederick Manning, die der Schriftsteller Charles Dickens im Jahr 1849 miterlebte, öffentlich kommentierte und auch in seinem Roman Bleak House (1852) verarbeitete. Aber nicht alles in diesem Krimi ist düster: Da es hier auch um Schauspieler und Musiker geht, kommt ein schöner alter Folksong im Hörspiel vor, gesungen von der jungen Detektivin Cordelia Gray persönlich. Das Lied The Ash Grove, auf Deutsch übersetzt Der Eschenhain, beruht auf einem alten walisischen Volkslied, hat jedoch auch einen englischen Text. Hier auf YouTube eine schöne Fassung von Laura Wright:

The Ash Grove

The ash grove, how graceful, how plainly tis speaking,
the harp wind through it playing has language for me.
Whenever the light through its branches is breaking
a host of kind faces is gazing on me.
The friends of my childhood again are before me,
each step wakes a memory as freely I roam.
With soft whispers laden its leaves rustle o’er me,
the ash grove, the ash grove again alone is my home.

P. D. James during the filming of 'Death of an Expert Witness'' and (on the right) together with Ruth Rendell. From the book 'Time to Be in Earnest. A Fragment of Autobiography' (1999). On the cover, see top photo, P. D. James as a child.

Danke, Baronin James, das tat wirklich gut, nach all diesen düsteren Einzelheiten über Tod und Verderben. Es ist ja ein Kernelement des Krimigenres, das Schöne und Vertraute mit den dunklen und gefährlichen Seiten der menschlichen Natur zu kontrastieren. Wir finden es eigentlich schade dass P. D. James nur zwei Krimis mit der Privatdetektivin Cordelia Gray geschrieben hat. Der bis jetzt einzige andere wurde zehn Jahre früher geschrieben und heißt - vielleicht bezeichnenderweise? - Kein Job für eine Dame (1972). Wir warfen diesbezüglich einen Blick in P. D. James autobiografisches Buch Time to Be in Earnest A Fragment of Autobiography (1999). Sie schreibt dass zu Beginn ihrer schriftstellerischen Karriere, die sie erst mit Mitte Dreißig begann, viele Leute dachten, die Initialien und der Name P. D. James stünden für einen männlichen Autor. Aber darauf hatte sie es keineswegs abgesehen, in der Tat, sie glaubt, Frauen haben im Krimigenre einige naturbedingte Vorteile gegenüber Männern, insbesonders ein Auge fürs Detail, für die minutiösen Dinge im Leben die bei der Lösung von Krimis so wichtig sind. Sie sagt auch dass Frauen weniger an der physischen Gewalt in Krimis, als an den Emotionen die dahinterstecken interessiert sind. Für P. D. James ist psychologische Tiefe und die Erkundung von moralischen Entscheidungen die Stärke von Frauen. Unser Kommentar: Das klingt plausibel, auch wenn heutzutage jegliche Verallgemeinerungen über Frauen und Männer in Frage gestellt werden. Zeiten ändern sich natürlich auch, und sie weist auf einen interessanten Unterschied zwischen heutigen Krimis und denen aus dem sog. Golden Age des Genres hin: Autorinnen wie Dorothy L. Sayers, Margery Allingham und Ngaio Marsh hatten kaum Wissen oder Interesse an forensisch-wissenschaftlichem Realismus, sondern konzentrierten sich weit mehr auf die Motive, Charakter und Handlungsstränge in ihren Romanen.

We also take a look at what the late great P. D. James (1920-2017) says about other female crime writers and other female detectives in her book 'A Fragment of Autobiography'

Ein post mortem wurde damals grundsätzlich von einem Mann durchführt. P. D. James sagt, erst nach dem zweiten Weltkrieg wurden Krimis realistischer, aber auch brutaler, sexuell expliziter und, in Hinsicht auf Recht und Unrecht, moralisch ambivalenter. Sie freut sich allerdings darüber dass sie heutzutage bei New Scotland Yard immer jemanden finden kann der sie in technischen und forensischen Fragen berät. Dass P. D. James dort Fans und willige Helfer hat, können wir uns gut vorstellen. P. D. James erwähnt auch namentlich moderne Krimiautorinnen wie Patricia Cornwell, Kathy Reichs und Sue Grafton, und weist auf eine weitere interessante Tatsache hin, nämlich dass, bei allem forensischen Realismus, keine von deren Detektivinnen (also: Dr. Kay Scarpetta, Dr. Temperance Brennan und Kinsey Millhone) mit solch realistischen Situationen umgehen muss, wie alleinerziehende und gleichzeitig arbeitende Mütter zu sein. Das ist nämlich nicht die Art von Realismus den Leser von Kriminalromanen wollen. Wobei P. D. James gesteht dass auch sie dafür sorgte dass Commander Adam Dalgliesh ungehindert Fälle lösen und nebenbei sogar Gedichte schreiben kann: Sie ließ seine Ehefrau noch vor Beginn des ersten Romans sterben. Was P. D. James’ Privatdetektivin Cordelia Gray anbelangt, entnehmen wir dem Buch Time to Be in Earnest. A Fragment of Autobiography (1999) einige Hinweise, warum die Autorin bisher keine weiteren Romane mit der Figur veröffentlicht hat: P. D. James war bei den TV-Verfilmungen (1997 - 2001) von An Unsuitable Job for a Woman sehr zufrieden mit der ersten Staffel und auch mit der Schauspielerin Helen Baxendale, die für uns übrigens wie eine junge P. D. James aussieht. Aber während die erste Staffel auf ihrer Romanvorlage beruht hatte, verwendete die TV-Serie ab der zweiten Staffel neue Drehbücher auf die P. D. James praktisch keinen Einfluss mehr hatte und von denen sie entäuscht war. Die Autorin bereut es bitterlich dass sie seinerzeit die Filmrechte für die Figur Cordelia Gray vergab, und unser Gefühl ist dass dies ein Mitgrund ist warum P. D. James ihr in den letzten Jahren keine Bücher mehr widmete. Um so mehr Grund, dieses Hörspiel mit der Detektivin Cordelia Gray zu genießen.

 

Ads by Google

 

 

P D James Krimi ’Ende einer Karriere’ als Hörspiel online  Das BBC-Hörspiel The Skull beneath the Skin. Mit Greta Scacchi (als Cordelia Gray), John Moffatt (als Gorringe), Norman Rodway (als Whittingham), Caroline Blakiston (als Clarissa Lisle), Patricia Garwood (als Roma Lisle), Geoffrey Whitehead (als Inspector Grogan), Richard Pearce (als Simon),  Richard Vernon (als Ralston), John Bull (als Sir James), Avril Clark (als Tolly), Richard Tate (als Mr Munter), Anna Cropper (als Mrs Munter), David Gouge (als Sgt Buckley), Christopher Scott (als Colin), Brian Miller (als Beswich), Geoffrey Brawn (Piano) u. a. Produktion von 1989.

Foto-Info Eine interessant gestaltete US-Ausgabe mit sog. die-cut Cover. Anklicken zum vergrößern!

Mehr von uns über P. D. James  Über The Children of Men: Roman und Film nach P. D. James

Könnte Sie auch interessieren Agatha Christie: ‘Und dann gabs keines mehr’ als Hörspiel online

Des Weiteren Val McDermid: ‘Echo einer Winternacht’ als Hörspiel online

Mehr Henning Mankell: ‘Mörder ohne Gesicht’ als Hörspiel online

Und Barbara Vine: ‘A Fatal Inversion’ als Hörspiel online

Avenita Kulturmagazin