Bring back ponytails for men - but please not the guillotine! Above, my Signet edition of A Tale of Two Cities (1859), with 200 million books, most sold novel of all times. Topic: French Revolution. Inspiration for: The Dark Knight Rises (2012)

Wie aktuell ist Charles Dickens’ historischer Roman über die Französische Revolution? Nun, er inspirierte immerhin Chris Nolans Batman-Film The Dark Knight Rises (2012). Gleich mehr dazu. Das Hörspiel, das werkgetreu im 18. Jahrhundert spielt, kann online gehört werden. Aufwendige Produktion mit vielen guten Sprechern. Link folgt am Ende des Posts. Im Foto, meine DVD von der BBC-Verfilmung von 1980 und meine englische US-Romanausgabe ‘A Tale of Two Cities’ (1859). Auf dem Cover, das vielsagende Bild von einer Hinrichtung per Guillotine. Auf der DVD ist Sally Osborne als Romanfigur Lucie Manette, und Paul Shelley als Romanfigur Darnay…oder ist es Carton? Ein zentraler Aspekt der Story ist nämlich dass Darnay und Carton gleich aussehen. Aus Liebe für eine Frau, nimmt einer von ihnen den Platz des anderen auf dem Schafott ein. Charles Dickens macht Zeitgeschichte zur persönlichen Geschichte. Für den Leser, und vielleicht auch für sich selbst. Oder ist es Zufall dass die Initialen C und D. (Carton und Darnay) auch die Initialen von Charles Dickens sind? Vielleicht suggeriert er dass Menschen das Potential haben, über sich selbst hinauszugehen. Über das persönliche hinaus, ist ‘Eine Geschichte aus zwei Städten’ - deren Titel sich auf die zwei Handlungsorte London und Paris bezieht – auch eine Warnung oder gar eine Prophezeiung: Wenn politische und soziale Missstände nicht verändert werden, folgen fast unweigerlich Revolutionen. Nicht nur in Frankreich. Gesellschaftliche Umbrüche bringen – und hier manifestiert sich wieder die Doppelgänger-Thematik der Story – sowohl das Beste und das Schlechteste in Menschen zum Vorschein:

Es war die beste Zeit, es war die schlimmste Zeit, es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit, es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche des Misstrauens, es war die Zeit des Lichts, es war die Zeit der Dunkelheit, es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung, wir hatten alle Hoffnung, wir hatten keinerlei Hoffnung, wir alle würden geradewegs in den Himmel kommen, wir alle würden geradewegs in die Hölle kommen – kurz gesagt, die Zeit war der unsrigen sehr ähnlich…(Gekürzte Anfangszeilen des Romans ‘Eine Geschichte aus zwei Städten’)

I did my best to photograph this from the 1980 BBC adaptation, which I like. The lady grimly knitting away is the darkly iconic Mme Defarge, referenced by Bane in the 2012 Batman film

Die Romanfigur Lucie und speziell ihr langjährig inhaftierter Vater Dr Alexandre repräsentieren Menschen die unschuldig zwischen die Fronten der turbulenten Zeiten in Frankreich geraten sind. Eine weitere Schlüsselfigur ist Madame Defarge, links im Bild. Die Frau, die meist grimmig beim Stricken zu sehen ist, hat ikonischen Charakter, in der Tat, der Batman-Film The Dark Knight Rises enthält eine Anspielung auf sie, gleich mehr dazu. Sie repräsentiert die verbitterte Bevölkerung in Paris um die Zeit der Französischen Revolution und dem von Dickens thematisierten Sturm auf die Bastille im Juli 1789. Vor allem repräsentiert Madame Defarge den Hass auf die Aristokratie, und die Rachsucht, die zu den fürchterlichen, scheinbar endlosen Hinrichtungen führte, die immer weitere Kreise zogen, und ganz Europa, speziell England in Angst versetzten. Als Dickens den Roman schrieb, lagen die Ereignisse ca. 70 Jahre zurück, waren also noch präsent, so wie es heute zum Beispiel der Zweite Weltkrieg ist. Vor allem zogen sich die Nachwirkungen der Französischen Revolutionen jahrzehntelang ins 19. Jahrhundert hinein. Man bedenke, 1848 wurde fast ganz Europa von Revolutionen erschüttert. Die möglichen Folgen der Französischen Revolution hingen wie eine Damoklesschwert über dem Establishment. Die Brisanz des Themas wird mitunter dadurch verdeutlicht dass ’Eine Geschichte aus zwei Städten’ (1859), mit 200 Millionen Exemplaren, der meistverkaufte Roman aller Zeiten ist. Ich wünsche gute Unterhaltung bei einer epischen Story die über einen Zeitraum von 36 Jahren, zwischen 1757 und 1794 spielt

 

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Charles Dickens ‘Eine Geschichte aus zwei Städten’ als BBC-Hörspiel online Das BBC-Hörspiel ’A Tale of Two Cities’. Mit Andrew Scott (als Charles Darnay), Paul Ready (als Sydney Carton), Lydia Wilson (als Lucie Manette), Karl Johnson (ihr Vater Dr Alexandre Manette), Alison Steadman (Miss Pros, Lucies Gouvernante), Jonathan Coy (Bankmanager Jarvis Lorry), Carl Prekopp (Jerry Cruncher, Bote für Tellson’s Bank), Adjoa Andoh (Mrs Cruncher), Daniel Cooper (Natty Cruncher), Simon Bubb (Anwalt Mr Stryver), Tracy Wiles (Madame Thérèse Defarge), James Lailey (Ernest Defarge), Simon Bubb (Gaspard), Rikki Lawton (Joe), Gerard McDermott (Informant Barsad), Clive Merrison (Marquis St Evremonde), Adam Billington (Gabelle), Paul Moriarty (Staatsanwalt), Christopher Webster (als junger Manette). Erzähler Charles Dickens: Robert Lindsay. Musik: Lennert Busch. Bearbeitung: Mike Walker. Regie: Jessica Dromgoole, Jeremy Mortimer 2011 Hinweis: Auf Youtube wird das Hörspiel als ‘Teil II’ betitelt, aber der 3 St. 39 min. Clip enthält alle 5 Teile

Verbindung von Charles Dicken’s Roman zu ‘The Dark Knight Rises’ (2012) Dass der Batman-Film von ‘Eine Geschichte aus zwei Städten’ inspiriert  wurde, ist kein Geheimnis, es wurde von Regisseur Christopher Nolan bestätigt. Die Revolution der Unterschicht findet hier in Gotham anstatt in Paris statt. Und Nolan lässt Polizei-Commissioner Jim Gordon, gespielt von Gary Oldham, Zeilen direkt aus dem Roman zitieren: ‘Es ist etwas weit, weit Besseres, was ich tue, als was ich je getan habe…’. Und Finsterling Bane – der durchaus Gründe für seinen Hass hat – sieht man im Film, als Hommage an Madame Defarge, sogar beim Stricken. In den Strickmustern von Mme Defarge ist übrigens, per Geheimcode, eine Liste von Todeskandidaten versteckt

Wussten Sie schon? Das Hörspiel beginnt mit technischen Informationen über die Enthauptung durch eine Guillotine und, bizarrerweise, auch der Erwähnung dass ein abgetrennter Kopf noch 2 bis 3 Sekunden nach der Hinrichtung bei Bewusstsein ist - ’Think of what these two or three seconds must be like’ - was offenbar heutigen wissenschaftlichen Ansichten, und auch überlieferten Berichten von Scharfrichtern entspricht

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