Englische Übersetzung von Otfried Preußler (1923 - 2013)

Ich habe keine Statistiken ausgecheckt aber vom Eindruck her, so was man bei Leuten zuhause in Bücherregalen sieht, haben es deutsche Autoren nicht immer einfach im englischsprachigen Raum. Aber Otfried Preußler (1923 – 2013), der vor einigen Tagen starb, war ein Kinderbuchautor von dem man öfters mal Bücher in England sieht. Links im Bild meine englische Ausgabe von Das Kleine Gespenst (1966), ein Buch das viele Leser kennen werden, mittlerweile vielleicht sogar ihren eigenen Kindern vorgelesen haben. Preußlers Bücher haben sich gut gehalten, haben etwas zeitloses an sich. Wir selber haben vor ein paar Monaten mit unseren Kindern die Hotzenplotz Bücher durchgelesen. Jemand hatte uns den 3-Box-Set mit Farbillustrationen geschenkt. Unsere Lieblingsbücher von Preußler sind Der Kleine Wassermann (1956), Die Kleine Hexe (1957), Krabat (1971) und natürlich Der Räuber Hotzenplotz (1962), dieser erste Band ist bei weitem der beste. Was deutsche Bücher im Ausland betrifft, scheint es, dass es einige wenige Mega-Erfolge gibt, wobei mir spontan hauptsächlich Michael Ende und Cornelia Funke einfallen – aber dann kommt erst mal sehr wenig. Es gibt in England nicht so dieses breite Feld von deutschsprachigen Autoren die mittleren aber stetigen Erfolg haben. Ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, jemals ein Buch von Janosch in England gesehen zu haben, auch wenn ein paar englische Ausgaben im Internet zu finden sind. Ähnlich ist es auch bei dem österreichischen Autor Erwin Moser, von dem wir Bücher wie Der Rabe Alfons (1990) super gut finden. Aber auch Moser scheint in England und Amerika kaum bekannt zu sein. Im Vergleich zu Moser und Janosch ist Otfried Preußler wohl im soliden Mittelfeld, was den Bekanntheitsgrad in England angeht. In dieser Hinsicht liegt er allerdings deutlich hinter Cornelia Funke und Michael Ende, der mit Die Unendliche Geschichte (1979) einen Volltreffer landete.

Wie sehr er damit den Zeitgeist traf – ohne dass er darauf spekuliert zu haben scheint – zeigt nicht nur die international erfolgreiche Verfilmung, sondern auch ein Hit von Giorgio Moroder und dem Kajagoogoo-Sänger Limahl. The Never Ending Story von Michael Ende wurde wirklich Popkultur, es gibt sogar eine spanische Popband namens Auryn, offensichtlich nach dem Amulett in der Unendlichen Geschichte benannt. Insgesamt werden jedoch viel mehr englischsprachige Bücher ins Deutsche übersetzt als umgekehrt. Warum, ist schwer zu sagen, aber es hat definitiv nichts damit zu tun dass man es deutschen Autoren in England oder Amerika irgendwie schwer macht. Wenn jemand Stoffe schreibt die Anklang haben, wie z. B. Michael Ende und zu einem gewissen Grad auch Otfried Preußler, dann werden die Sachen gerne gelesen. Wie schreibt man Stoffe die Anklang finden? Das ist wahrscheinlich so geheimnisvoll wie der Stein der Weisen. Wir vermuten dass es hilfreich ist wenn man vermeidet, allzu didaktisch rüberzukommen, etwas das deutsche Schreiber manchmal mehr an sich haben als englischsprachige. Dinge wie Erziehung, politische Bildung und Gesellschaftskunde sollte man unserer Meinung nach Eltern und Schulen überlassen. Auch wenn man es sehr gut meint. Das sympathische an Otfried Preußler war dass er, soweit uns bewusst ist, selten mit erhobenen Zeigefinger den Erzieher spielte, sondern sich darauf konzentrierte, abenteuerliche, fantasievolle Geschichten zu erfinden. Und einige davon wird man wohl noch in hundert Jahren lesen.

 

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Otfried Preußler Klassiker ‘Krabat’ als Hörspiel online Das WDR-Hörspiel mit Stars wie Michael Mendel

Interview Ein YouTube Clip in dem Otfried Preußler darüber spricht mit welchen Büchern er aufwuchs

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