Wham, bam thank you Bram: On the 100. anniversary of Bram Stoker's death we look at the homage to 'Dracula' that is Stephen King's 'Salem's Lot (1975)

Heute vor 100 Jahren, am 20. April 1912, starb Bram Stoker. Mit seinem Hauptwerk Dracula (1897) schaffte Stoker es, alte Mythen in einen damals sehr modernen Kontext zu setzen. Auf so prägnante Weise dass der Stoff heute noch das Horrorgenre prägt. Stephen Kings Roman ‘Salem’s Lot (1975) ist eine Art Hommage an Stokers Dracula und wurde auf Deutsch als Brennen muss Salem veröffentlicht. Ein neues Vorwort von King für die 2005-Ausgabe, erschien auch auf Deutsch. Aber Kings umfangreiches Vorwort für die Neuausgabe vom Jahr 1999 (siehe meine englische Taschenbuchausgabe im Foto) ist, soweit ich sehe, nicht auf Deutsch erschienen. King erzählt darin dass er Stokers Dracula zum ersten Mal im Alter von neun oder zehn Jahren las, so um das Jahr 1957. Möglicherweise hatte ein Schulfreund die Geschichte erwähnt. Seine Mutter besorgte ihm das Buch aus der Stratford Public Library, in Connecticut wo die Familie damals lebte. Stephen merkte dass es ein oft ausgeliehener Band war: umgeknickte Seiten, hier und da ein Whiskyfleck. Etwas das ihm gefiel. King findet, dass nichts so sehr die Macht von guten Geschichten veranschaulicht wie Leihbücher – die Art wie gute Geschichten bestehen bleiben, während wir Menschen dahinaltern. Dracula war auch Kings erste Bekanntschaft mit der Form des Tagebuch- oder Briefromans. Er fand an dem anfangs etwas fragmentarisch wirkenden Stil jedoch Gefallen, weil es etwas detektivhaftes an sich hat. Er liebte die Geschichte, speziell die Art wie die furchtlosen Vampirjäger dem Grafen Dracula hinterhersetzten. Als King zehn Jahre später, also mit 19 ode 20 Jahren, Tolkiens Der Herr der Ringe entdeckte, kam ihm diese Trilogie vor wie eine etwas weniger düstere Version von Stokers Dracula: mit Frodo in der Rolle von Jonathan Harker. Gandalf als Van Helsing und Sauron als Quasi-Vampirgraf. Aber noch vor der Bekanntschaft mit Tolkien lernte King, im Alter von etwa 11 Jahren, eine neue, sehr amerikanische Version von Vampiren kennen. Nämlich in Form von EC Comics. Speziell die Tales from the Crypt Reihe. Die blutrünstigen Illustrationen von Graham Ingels ließen Bram Stokers Vampir-Beschreibungen regelrecht delikat erscheinen. Die EC-Vampire fuhren in Autos herum, betrieben Restaurants…hingen ihre Opfer kopfüber an die Decke und befestigten Zapfhähne an ihren Hälsen. Eine Gemeinheit! Seine nächste Begegnung mit Dracula kam im Jahr 1971 als der 24-jährige Stephen King Lehrer war und einen Kurs über Fantasy und Science Fiction gab. King hatte befürchtet dass Dracula ihn nach so vielen Jahren und bei genauerem Hinsehen entäuschen würde, so wie es bei Lieblingsbüchern aus der Kindheit oft der Fall ist. Aber ihm gefiel Dracula sogar noch besser als vorher: Große Bücher, meint King, werden mit der Zeit größer, Eines Abends dachte King in Anwesenheit seiner Ehefrau Tabitha laut darüber nach, wie es wäre wenn Dracula, anstatt im London des 19. Jahrhunderts ins New York der 1970er Jahre gekommen wäre? Die Ehefrau fand es aber spannender wennder Graf bei ihnen zuhause im nördlichen und ziemlich ländlichen ‘Kiefern-Staat’ Maine auftauchen wúrde, denn hier wäre Dracula, aus dem ländlichen Transylvanien stammend, mehr in seinem Element.

We also have this interestingly designed 70's edition of Stephen King's 'Salem's Lot as a Signet paperback

Stephen King sah in diesem Blickwinkel auf einmal eine Fülle von Möglichkeiten: Ein aristokratischer Dracula der es schafft, die einfache Landbevölkerung unter seine Kontrolle zu bekommen – darin sah King anscheinend auch eine Metapher für ein Amerika in dem die Reichen immer reicher werden, und die Armen – wenn sie Glück haben – Wohlfahrtsgelder kriegen. King wollte zudem Bram Stokers Viktorianisch geprägten Optimismus, bei dem Vampire mit modernen, wissenschaftlichen Methoden bezwungen werden, auf den Kopf stellen. Kings Vampirgraf sollte nicht an der Moderne scheitern sondern in ihr gedeihen. Während er an dem Roman arbeitete, stellte sich dann heraus dass die Romanfiguren, speziell sein Held Ben Mears, eine eigene Dynamik entwickelten und sich Kings schwarzmalerischen Absichten nicht fügten. Etwas das ich interessant finde – und das vermuten lässt dass viele Autoren die Erfahrung von einer Verselbstständigung ihrer Figuren machen. Als King die Rohfassung von ‘Salems Lot fertig hatte, war seine Mutter – die ihm Bram Stokers Klassiker damals aus der Bücherei mitgebracht hatte – schon zu sehr von Krankheit geschwächt um zu lesen. Die Veröffentlichung der Dracula-Hommage im Jahr 1975, die den damals 28-jährigen Autor in die Superstar-Liga beförderte, konnte Ruth Pillsbury King – die Stephen und seinen Bruder David als alleinerziehend großgezogen hatte – leider nicht mehr miterleben. Ich wünsche spannende Unterhaltung beim Hörspiel.

 

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Stephen King: ‘Salem’s Lot’ als Hörspiel online  Das BBC-Hörspiel Salem’s Lot. Mit Stuart Milligan (als Ben Mears), John Moffatt (als Richard Straker), Doug Bradley (als Kurt Barlow), Gavin Muir (als Matt Burke), Theresa Gallagher (als Susan Norton), Nigel Anthony (als Pater Callahan), Danny Cannaba (als Mark Petrie), Kerry Shale (als Jimmy Cody), Matt Zimmerman (als Larry Crockett), Harry Towb (als Bill Norton), Shelley Thompson (als Ann Norton), Peter Whitman (als Weasel Craig), Frances Jeater (als Eva Miller), Don Fellows (als Parkins Gillespie), David Jarvis (als Tony Glick), David Fried (als Danny Glick), Peter Yapp (als Father Gracon), Musik: Elizabeth Parker. Bearbeitung: Gregory Evans. Regie: Adrian Bean. Produktion von 1994

Foto-Info Mein Taschenbuch von Salem’s Lot (Simon & Schuster), und Dracula Ausgabe (Arrow)

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