Good 1999 German radio dramatisation online of Frankenstein. Production from public broadcasters WDR (Westdeutscher Rundfunk). Above, my Legacy Edition of the 1931 movie and an audio book of Mary Shelley's novel from Penguin Classics

Aufwendige Produktiom mit renommierten Sprechern wie Jens Wawrczeck, Sylvie Rohrer, Peter Liek und Hansa Czypionk. Letztgenannter in der Titelrolle von Viktor Frankenstein. Link für das Hörspiel folgt am Ende des Posts. Im Foto ist meine Legacy Edition von dem fast neunzig Jahre alten Filmklassiker Frankenstein (1931) und ein 3-CD-Set vom Penguin Verlag mit einer Lesung des Romans der 1818 das Sci-Fi Genre gründete. Mary Shelleys Ideen waren visionär. Selbst ihr weniger bekannter Roman The Last Man (1826), der im 21. Jhr. spielt und von einer Virusepidemie handelt die fast die gesamte Menschheit tötet, hat Resonanz mit aktuellen Themen. Heute sind wir durch Sci-Fi-Filme wie Blade Runner mit Storys vertraut, die von künstlichen Wesen handeln, die in Konflikt mit ihren menschlichen Erfindern geraten. Aber vor 200 Jahren war das ein neues Konzept, auch wenn Shelley mythische Elemente wie die Sage von Prometheus einbezog. Aber auch hier kam sie Ridley Scott und seinem Film ‘Prometheus – Dunkle Zeichen’ (2012) um fast zweihundert Jahre zuvor. Woher kamen diese Konzepte – etwa zur gleichen Zeit als jemand wie Jane Austen noch über Brautwerbung unter dem britischen Landadel schrieb? Ich las zur Vorbereitung für diesen Post die Einführung von dem Anthropologen Maurice Hindle für die Penguin Classics Ausgabe von Frankenstein. Er bringt die Entstehung des Romans mit den Nachwirkungen der Französischen Revolution in Verbindung. Aus seiner Sicht beschäftigte Mary Shelley sich in Frankenstein u. a. mit der Frage, warum diese Revolution, die aus idealistischen Ideen entstanden war, zu einem napoleonischen Despotismus geführt hatte, quasi zu einem Monster geworden war? Das Thema bewegte sie, weil die ursprünglichen Ideale dieser Revolution, und Ideale von Leuten wie Jean-Jacques Rousseau, ihren eigenen Idealen ähnelten.

Als ich siebzehn Jahre alt war, entschlossen sich meine Eltern, mich auf die Universität Ingolstadt zu schicken. Ich wäre gern auf der Genfer Hochschule geblieben, aber mein Vater hielt es für nützlicher, mich auch mit den Sitten und Gebräuchen anderer Länder vertraut zu machen. Mein Professor in Ingolstadt, ein etwa fünfzig Jahre alter Mann namens Waldmann, war eindrucksvoll. Er begann seine Vorlesung mit einer Rekapitulation der Geschichte der Chemie und ihrer Entwickelung, indem er von den berühmtesten Entdeckern sprach. Dann kam er auf den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft zu sprechen: ‘Die Alten versprachen Unmögliches und leisteten nichts. Heutige Gelehrten versprechen nichts, denn sie wissen, dass die Metalle nicht ineinander verwandelt werden können. Aber diese Philosophen deren Augen über Schmelztiegeln und Mikroskopen trüb werden, haben wahre Wunder vollbracht. Sie haben den Kreislauf des Blutes entdeckt und die Natur der Luft, die wir atmen, dargelegt. Sie haben neue, fast unbegrenzte Kräfte entfesselt.’ So die schicksalhaften Worte des Professors. Als er wegging, hatte ich nur noch einen Gedanken: Ich wollte unbekannte Kräfte entdecken und vor der Welt die tiefsten Geheimnisse der Schöpfung ausbreiten. (Gekürzte Romanpassage, Frankenstein)

Elle Fanning in the title role of the biopic Mary Shelley (2017). Above, Mary leaning at the grave of her mother Mary Wollstonecraft. Percy Bysshe Shelley is played by Douglas Booth, and Lord Byron by Tom Sturridge. Trailer below

Hindle erwähnt im Vorwort auch eine marxistische Interpretation des Monsters als Repräsentant des damals enstandenen industriellen Proletariats. Er zieht sogar Parallelen zur heutigen Zeit indem er fragt, ob wir nicht selber, zu einem gewissen Grad, Kreaturen oder manipulierte Wesen sind die Interessen von Wirtschaft und Technologie dienen? Das Essay stammt von 1991, aber seit dem Erfolg von allgegenwärtigen Tech-Konzernen die im Netz unsere Existenz definieren, hat diese Sichtweise mehr Prägnanz bekommen. Was die Interpretation vom Erfinder des Monsters betrifft, glaubt Maurice Hindle dass die Figur von Viktor Frankenstein auf Marys Ehemann Percy Shelley beruht. Sie liebte den Dichter über alles, hatte aber auch eine gewisse Skepsis gegenüber seinem Idealismus und Fortschrittsglauben. Mary Shelleys Roman ‘Frankenstein oder der moderne Prometheus’ (1818) um den kompletten Titel zu nennen, präsentiert also kein einseitiges Bild von der Moderne, sondern erkundet gleichermaßen die Faszination und die Problematik einer Epoche die sich zu Shelley Zeiten ankündigte und in der heute noch leben. Vielleicht hat die Langlebigkeit des Romans damit zu tun, dass jeder Leser und jedes Zeitalter in Viktor Frankenstein und dem Monster etwas Neues erkennt. Ich wünsche spannende Unterhaltung beim Hörspiel.

 

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Mary Shelley: ‘Frankenstein’ als WDR-Hörspiel von 1999 online Das WDR-Hörspiel ’Frankenstein oder Der moderne Prometheus’. Mit Hansa Czypionka (als Viktor Frankenstein), Peter Liek (Frankensteins Geschöpf), Jens Wawrczeck (Kapitän Robert Walton), Sylvie Rohrer (als Elisabeth Lavenza), Christian Redl (Lieutenant), Eva Maron (als Justine Moritz), Ernst August Schepmann (Vater), Marianne Rogee (Mutter), Werner Wölbern (als Henry Clerval), Hanns Jörg Krumpholz (Professor Krempe), Mike Hoffmann (William Frankenstein), Alf Marholm (Priester). In weiteren Rollen: Tom Zahner, Roland Jankowsky, Pjotr Olev, Matthias Ponnier, Gunda Aurich, Malte Schrage, Caroline Willenbrink. Übersetzung: Barbara Rojahn-Deyk. Technik: Ilse Sieweke, Barbara Göbel  Regieassistenz: Alexandre Powelz. Bearbeitung: Nick McCarty. Regie: Annette Kurth

Stones-Connection Da Mary Shelleys Ehemann Percy Bysshe Shelley eine Hauptrolle im biografischen Spielfilm Mary Shelley (2017) – Trailer folgt – spielt, weise ich darauf hin dass der Dichter auch in der modernen Popkultur auftaucht. Beim Hyde Park Festival, am 5 Juli 1969, las Mick Jagger vor 250.000 Konzertbesuchern Shelleys Gedicht Adonais vor, in Andenken an den verstorbenen Brian Jones

Biografischer Spielfilm Ein Trailer für Mary Shelley (2017). Mit Elle Fanning (als Mary Shelley), Douglas Booth (als Percy Shelley), Tom Sturridge (als Lord Byron), Ben Hardy (als John William Polidori) u. a.

Radio-Dokumentation Das BR-Feature ‘Mary Shelley – Die Frau, die ‘Frankenstein’ schrieb’ (2016) von Renate Kiesewetter. Mit dem Literaturwissenschaftler und Herausgeber Alexander Pechmann
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