Good to hear that the Mary Shelley biopic A Storm in the Stars will be directed by the female director Haifaa al-Mansour. Our blogpost is largely inspired by Maurice Hindle's lengthy introduction in the Penguin Classics edition of Frankenstein (1818), looking at influences like the French Revolution

Die junge Schauspielerin Elle Fanning, bekannt als Dornröschen in Maleficent (2014), wird demnächst Mary Shelley in dem biografischen Spielfilm A Storm in the Stars darstellen. Die Autorin war 19 Jahre alt als sie den Roman begann, der das Sci-Fi Genre begründete. Ihre eigene Lebensgeschichte, inklusive ihrer Bekanntschaft mit dem Dichter Lord Byron und ihrer Ehe mit dem Dichter Percy Shelley ist ebenso interessant wie ihre Romanfiguren. Mary Shelleys Ideen waren visionär. Selbst ihr weniger bekannter Roman The Last Man (1826), der im 21. Jahrhundert spielt und von einer Virusepidemie handelt die fast die gesamte Menschheit auslöscht, hat Resonanz mit aktuellen Themen. Heute sind wir durch Sci-Fi Klassiker wie Blade Runner an Geschichten gewohnt, die von Androiden und anderen künstlichen Wesen handeln die in Konflikt mit ihren menschlichen Erfindern geraten. Aber vor zweihundert Jahren war das ein neues Konzept – auch wenn Mary Shelley mythologische Elemente wie die Sage von Prometheus einbezog. Aber auch hier kam sie Ridley Scott und seinem Film Prometheus – Dunkle Zeichen (2012) um fast zweihundert Jahre zuvor. Woher kamen diese Konzepte, etwa zur gleichen Zeit als jemand wie Jane Austen noch über Brautwerbung unter dem britischen Landadel schrieb? Ich las zur Vorbereitung für diesen Blogpost die umfangreiche Einführung (36 Seiten) von Maurice Hindle für die englische Penguin Classics Ausgabe. Er hat mehrere interessante Ansätze: Er bringt die Entstehung von Frankenstein (1818) mit den Nachwirkungen der Französischen Revolution in Verbindung. Mary Shelley beschäftigte sich mit der Frage warum diese Revolution, die aus idealistischen Ideen entstanden war, zu einem napoleonischen Despotismus geführt hatte, quasi zu einem Monster geworden war?

Als ich siebzehn Jahre alt war, entschlossen sich meine Eltern, mich auf die Universität Ingolstadt zu schicken. Ich wäre gern auf der Genfer Hochschule geblieben, aber mein Vater hielt es für nützlicher, mich auch mit den Sitten und Gebräuchen anderer Länder vertraut zu machen. Mein Professor in Ingolstadt, ein etwa fünfzig Jahre alter Mann namens Waldmann, war eindrucksvoll. Er begann seine Vorlesung mit einer Rekapitulation der Geschichte der Chemie und ihrer Entwickelung, indem er von den berühmtesten Entdeckern sprach. Dann kam er auf den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft zu sprechen: ‘Die Alten versprachen Unmögliches und leisteten nichts. Heutige Gelehrten versprechen nichts, denn sie wissen, dass die Metalle nicht ineinander verwandelt werden können. Aber diese Philosophen deren Augen über Schmelztiegeln und Mikroskopen trüb werden, haben wahre Wunder vollbracht. Sie haben den Kreislauf des Blutes entdeckt und die Natur der Luft, die wir atmen, dargelegt. Sie haben neue, fast unbegrenzte Kräfte entfesselt.’ So die schicksalhaften Worte des Professors. Als er wegging, hatte ich nur noch einen Gedanken: Ich wollte unbekannte Kräfte entdecken und vor der Welt die tiefsten Geheimnisse der Schöpfung ausbreiten. (Gekürzte Romanpassage, Frankenstein)

Elle Fanning in the title role of the biopic Mary Shelley (2017). Above, Mary leaning at the grave of her mother Mary Wollstonecraft. Percy Bysshe Shelley is played by Douglas Booth, and Lord Byron by Tom Sturridge. Trailer below

Es bewegte sie, weil die ursprünglichen Ideale dieser Revolution, und denen von Leuten wie Jean-Jacques Rousseau, ihren eigenen Idealen ähnelten. Hindle erwähnt auch eine marxistische Interpretation des Monsters, als Repräsentant des damals enstandenen industriellen Proletariats. Er zieht sogar Parallelen zur heutigen Zeit indem er fragt ob wir nicht selber, zu einem gewissen Grad, Kreaturen oder manipulierte Wesen sind die den Interessen von Wirtschaft und Technologie dienen? Das Essay stammt zwar von 1991 aber seit der Entstehung von allgegenwärtigen Technologie-Konzernen die im Netz unsere Existenz definieren, hat diese Sichtweise mehr Prägnanz bekommen. Was die Interpretation vom Erfinder des Monsters anbelangt, stimmt Hindle der weitgehend anerkannten Interpretation zu, dass Viktor Frankenstein zu einem großen Teil auf Marys eigenem Ehemann Percy Shelley beruht. Sie liebte den Dichter über alles, hatte aber, gemäß Hindle, auch eine gewisse Skepsis gegenüber seinem uneingeschränkten Idealismus und Fortschrittsglauben. Der Roman Frankenstein gibt also kein simples, einseitiges Bild von der Moderne, sondern erkundet gleichermaßen die Faszination und die Problematik einer Epoche die sich zu Mary Shelley Zeiten ankündigte und in der heute noch leben. Wir sind gespannt auf den neuen Spielfilm. Der Stoff wurde ansatzweise schon mal von Ken Russell als Horrorfilm namens Gothic (1986) gedreht, gefiel mir in seiner effekthascherischen Art allerdings nicht sehr. Die Tatsache dass die kommende Produktion A Storm in the Stars von Haifaa al-Mansour, einer Regisseurin aus Saudi-Arabien gedreht wird, verleiht dem Projekt einen begrüßenswerten neuen Blickwinkel.

 

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Biografischer Spielfilm Ein Trailer für Mary Shelley (2017. Mit Elle Fanning (als Mary Shelley), Douglas Booth (als Percy Shelley), Tom Sturridge (als Lord Byron), Ben Hardy (als John William Polidori) u. a

Stones-Connection Da Mary Shelleys Ehemann Percy Bysshe Shelley eine der Hauptrollen in dem Film spielt, wollte ich kurz daran erinnern dass der Dichter auch in der modernen Popkultur auftaucht. Beim Hyde Park Festival, am 5 Juli 1969, auch bekannt als The Stones in the Park, las Mick Jagger vor 250.000 Konzertbesuchern Shelleys Gedicht Adonais vor, in Andenken an den verstorbenen Brian Jones

Mary Shelley: Frankenstein als deutsches Hörspiel online Das WDR-Hörspiel Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Mit Hansa Czypionka (als Viktor Frankenstein), Peter Liek (als Frankensteins Geschöpf), Jens Wawrczeck (als Kapitän Robert Walton), Sylvie Rohrer (als Elisabeth Lavenza), Christian Redl (als Lieutenant), Eva Maron (als Justine Moritz), Ernst August Schepmann (als Vater), Marianne Rogee (als Mutter), Werner Wölbern (als Henri Clerval), Hanns Jörg Krumpholz (als Professor Krempe), Mike Hoffmann (als William Frankenstein), Alf Marholm (als Priester) u. a. Produktion von 1999

Frankenstein als BBC-Hörspiel von 2012 online Das Hörspiel mit Jamie Parker (als Victor Frankenstein), Shaun Dooley (Das Monster), Susie Riddell  (als Elizabeth), Alun Raglan (als Kapitän Walton), Sam Alexander (als Henry Clerval), Christine Absalom (als Mutter), Patrick Brennan (als Professor Waldman), Emma Hook (als Justine/Agatha), Joe Sims (als Seemann/Felix), Robert Blythe (Vater), Don Gilet (Leutnant) u. a. Hörspielbearbeitung: Lucy Catherine. Musik /Gitarre: Colin Guthrie. Regie & Produktion: Marc Beeby. 2012

Foto-Info Meine Special Edition von der klassischen Verfilmung mit Boris Karloff und ein Hörbuch vom Roman

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