István Szabó’s Oscar-winning movie 'Mephisto' (1981) with Klaus Maria Brandauer. Based on Klaus Mann's 1936 novel about an ambitious actor who doesn't let the Third Reich come in the way of achieving huge success on stage and in films

Klaus Maria Brandauer brillierte in der Verfilmung ‘Mephisto’ (1981). Jetzt ist ein anspruchsvolles Hörspiel von 1999 und Feature von 2019 online. Links folgen am Ende des Posts. Die Story über einen Schauspieler der tut, was die meisten Leute im Kulturbetrieb immer getan haben und – so sicher wie das Amen in der Kirche – immer tun werden: Sich mit dem jeweiligen System zu arrangieren. What’s new, Pussycat? Neu war in ‘Mephisto – Roman einer Karriere’ (1936) dass Klaus Mann, neben der Satire von, und der Kritik an der deutschen Windfähnchen-Mentalität, eine spezifische Person vorführte: Den Schauspieler Gustaf Gründgens (1899-1963), der im Roman Hendrik Höfgen genannt wird. Dass Klaus Mann sich ausgerechnet Gründgens vorknöpfte, hatte eine persönliche Vorgeschichte: Gründgens war Klaus Manns Schwager, war vor Beginn der NS-Zeit mit dessen Schwester Erika Mann verheiratet Im Roman heißt sie Barbara Bruckner. Im Film hatte sie eine prominente Rolle. Im Hörspiel kommt sie nicht vor. Im Hörspiel kommt jedoch, im Gegensatz zum Film, die sadomasochistische Beziehung der Romanfigur Höfgen mit einer Domina namens Juliette zur Geltung. Autsch!* Klaus Mann (1906-1949), Thomas Manns ältester Sohn, nannte Mephisto ’ein kaltes und ein böses Buch’ das ‘vielleicht den harten Glanz des Hasses’ habe. Nun, wie Goethes Mephisto erläuterte, erzielen böse Absichten manchmal bessere Resultate als gute Absichten. Aber es ist nachvollziehbar, dass Gründgens nicht begeistert war, und dass später wenn auch erst posthum in 1971, Gründgens Erbe Peter Gorski vor Gericht ein Verbot des Romans (im Bild, meine Rowohlt-Ausgabe) erreichte das, in Theorie, wenn auch nicht in Praxis, bis heute in Deutschland gilt. Ob das weises Vorgehen oder Beispiel für den Streisand-Effekt war, ist fraglich. Andererseits – Ironie des Schicksals – könnte man fragen: Wie viele deutsche Schauspieler aus Gründgens Generation sind heute noch im Gespräch, geschweige denn Thema von einem weltberühmten biografischen Spielfilm und einem interessanten Hörspiel?

Auf welchen Tag aber wartet Hendrik Höfgen? Er wartet immer nur auf die neue Rolle. Seine große Rolle in der Saison 1932/33 wird der Mephisto sein: Hendrik spielt ihn in der neuen ‘Faust’-Inszenierung, die das Staatstheater zu Goethes 100. Todestag herausbringt. Mephistopheles, ‘des Chaos wunderlicher Sohn’: große Rolle des Schauspielers Höfgen – für keine andere hat er jemals so viel Eifer aufgebracht. Der Mephisto soll sein Meisterstück werden. Schon die Maske ist sensationell: Hendrik macht aus dem Höllenfürsten den ‘Schalk’…Er spielt ihn als den tragischen Clown, als den diabolischen Pierrot…Mit der Anmut des Tänzers gleitet Hendrik-Mephisto im eng anliegenden Kostüm aus schwarzer Seide über die Szene; mit einer spielerischen Akkuratesse, die verwirrt und verführt, kommen die verfänglichen Weisheiten, die dialektischen Scherze von seinem blutig gefärbten Munde, der immer lächelt. Wer zweifelt daran, dass der schaurig elegante Spaßmacher sich in einen Pudel zu verwandeln vermag, Wein aus dem Holz des Tisches zaubern kann und auf seinem ausgebreiteten Mantel durch die Lüfte fährt, wenn er irgend Lust dazu spürt? Diesem Mephisto wäre das Äußerste zuzutrauen. Alle im Saale fühlen: Er ist stark – stärker selbst als Gott der Herr, Den er von Zeit zu Zeit gerne sieht und mit einer gewissen verächtlichen Courtoisie behandelt. (Aus ’Mephisto’, 1936)

Klaus Mann: ‘Mephisto’ BR-Hörspiel von 1999 online Das Hörspiel mit Ignaz Kirchner (als der Schauspieler und spätere Intendant Hendrik Höfgen), Christiane Roßbach (als Juliette Martens, Höfgens Tanzlehrerin und Domina), Juliane Köhler (als Schauspielerin und Höfgens Kollegin Nicoletta von Niebuhr, in der Pamela Wedekind erkennbar ist), Helmut Stange (als Propagandaminister, in dem Joseph Goebbels erkennbar ist), Thomas Holtzmann (als Dramatiker Theophil Marder, in dem Carl Sternheim erkennbar ist), Thomas Thieme (als Ministerpräsident, in dem Hermann Göring erkennbar ist). In weiteren Rollen: Stefan Wilkening, Michael Lucke, Eva Gosciejewicz, Eva-Maria Strien. Erzähler: Axel Milberg. Musik: Klaus Buhlert. Gesang: Max Raabe. Technik: Peter Urban, Susanne Herzig. Assistenz: Christiane Klenz. Dramaturgie: Herbert Kapfer. Bearbeitung: Michael Farin. Regie: Klaus Buhlert. 1999. Bayerischer Rundfunk / Mitteldeutscher Rundfunk

 

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*Autsch! Warum die explizite Darstellung von SM-Vorlieben der Romanfigur Höfgen? Sie ist merkwürdig, wirkt fast als ob Klaus Mann ihm irgendetwas andichten wollte. Gustaf Gründgens Homosexualität war ein offenes Geheimnis, bereitete ihm aber selbst im Dritten Reich keine besonderen Probleme. Hat Autor Klaus Mann, der selber homosexuell war – vielleicht sogar einst in Gründgens verliebt? – deshalb das Thema Homosexualität vermieden und stattdessen versucht, Gründgens etwas anderes aufs Auge zu drücken?

Radio-Dokumentation Das DLF-Feature ‘Klaus Mann: Mephisto – Ein kaltes und böses Buch’ (2019) von Martin Krumbholz. Aus der Sendereihe Büchermarkt. Deutschlandfunk. Sendedauer: 7:33 Min.

Film Fan-Trailer für István Szabós starken Spielfilm ’Mephisto’(1981), der auch auf Deutsch erhältlich ist

Neu – ‘Mephisto’ als Hörbuch online Die Lesung Teil 1 des Romans, hier Teil 2 und Teil 3 von drei Teilen

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