BBC Radio-Dokumentation über den walisischen Barden Robert ap Huw und sein Manuskript für Harfenmusik. Bild: Ein Ausschnitt von Thomas Jones' Gemälde 'The Bard' (1774)

Wir haben gerade eine recht interessante musikwissenschaftliche BBC-Radiosendung gehört, Link am Ende des Blogposts. Es geht darin um den walsischen Barden Robert Ap Huw (ca. 1580 – 1665) und sein Musik-Manuskript. Die Noten die der Mann aufschrieb und die als Originaldokument erhalten sind, bilden seit etwa 400 Jahren die Basis für keltische Harfenmusik. Dabei denkt man heute meist an sanft plätschernde Töne im Stil von Alan Stivell – den wir übrigens gut finden – aber Frühe Musik, so aus dem Mittelalter, mit Wurzeln die noch viel weiter zurückgehen, klingt harscher und etwas gewöhnungsbedürftig für moderne Ohren. Das Gemälde The Bard (1774) das wir, mangels eines Huw-Porträts für diesen Artikel wählten, zeigt nicht spezifisch Robert ap Huw, aber der Maler Thomas Jones stellt hier eine von walisischer Geschichte inspirierte Szene dar auf die wir gleich zurückkommen. Aus der BBC-Sendung geht hervor dass die Barden eine wichtige, angesehene Rolle in Wales spielten, etwas das sich bis heute noch in der walisischen Tradition der Eisteddfod, einem jährlichen Festival für Musiker & Dichter spiegelt. Das Bardentum war im Mittelalter ein Beruf der auf der umfangreichen Ausbildung eines Lehrlings durch einen Meister beruhte. Walisische Barden reisten durchs Land und spielten an den Höfen des walisischen Adels. Wenn man noch weiter zurück in die Vergangenheit geht, hatten die Barden selber einen quasi-adeligen Status: Bevor das Christentum sich vollends durchgesetzt hatte, waren die walisischen Barden an erster Stelle eine Art Priesterkaste, die aber auch für Dichtung und Musik zuständig war. Schon als die Römer nach Britannien kamen, merkten sie dass diese Priesterkaste, zu diesem Zeitpunkt noch die sog. Druiden, eins der größten Hindernisse für eine erfolgreiche Besetzung war. Auch im 13. Jahrhundert, zu Zeiten des englischen Königs Edward I. wurden die walisischen Barden als Problem für die englische Vorherschaft gesehen und verfolgt. Die Barden hatten, ähnlich wie die Druiden vor ihnen, den Ruf, lieber zu sterben als sich zu unterwerfen. Das Gemälde The Bard von Thomas Jones stellt sich eine Szene vor, in der der letzte echte Barde am Abhang des walisischen Berges Snowdon steht. Im Hintergrund,kaum auf dem Foto zu erkennen, rücken die Soldaten vom englischen König Edward I. an. Um den Waliser herum liegen seine toten Barden-Brüder. Auch der letzte Barde will nicht lebend in die Hände der Engländer geraten. Er spielt sein letzten Lied, um dann vom heiligen Berg Snowdon in den Tod zu springen. Die Tatsache das der Maler das Stonehenge-Monument mit ins Bild geschmuggelt hat, ist natürlich romantischer Natur. Was der Maler zu dieser Zeit nicht wissen konnte, ist dass die Quader des inneren Steinkreises von Stonehenge tatsächlich aus Wales kamen. Was die walisische Musik anbelangt, war auch Robert ap Huw in mancher Hinsicht, einer der letzten seiner Art: Der Grund warum er die walisische Harfenmusik – die vorher nur mündlich von Meister zu Lehrling weitergegeben wurde – auf einem Dokument verewigte, war weil er merkte dass die walisische Musik damals dabei war verdrängt zu werden, u. a. von neuen Liedern und neuen Musikern die von anderen Teilen der Britischen Inseln nach Wales kamen. Wir vermuten dass, ähnlich wie heute, auch damals Musik zunehmend zu einem Unterhaltungsprodukt wurde. Etwas das man nur zu gut aus der heutigen Popkultur kennt: Leute kommen und gehen, bevor man sich ihren Namen merken kann. Aber der Waliser Robert ap Huw hat es immerhin geschafft, nach ca. 400 Jahren immer noch im Radio gespielt zu werden.

Ads by Google

 

Info  BBC Radio-Doku über das walisische Harfen-Manuskript / Teil eines YouTube Doku über mittelalterliche Harfen (Bray Harps) mit Musiker Paul Dooley der auch im Radioprogramm interviewt wird, das Robert ap Huw Manuskript ist in diesem Doku ebenfalls zu sehen / Besuchstipp für Harfen-Fans: The Harp Centre of Wales, in Llandysul in Südwestwales. Sendung verpasst? Die Sachen werden gelegentlich wiederholt und wir machen in unserem Blog darauf aufmerksam.

Avenita Kulturmagazin