Romanthema: Die schottischen Inseln St. Kilda waren noch im 19. Jahrhundert von moderner Zivilisation völlig unberührt

Die erste Auswahl für den renommierten Buchpreis Orange prize for fiction ist bekannt gegeben worden. Mit dabei ist Island of Wings (2011) von der schwedischen Romanautorin und Archäologin Karin Altenberg. Der Roman beruht auf einer wahren Geschichte. Auf der schottischen Inselgruppe St. Kilda gab es noch im 19. Jahrhundert eine Bevölkerung die von der modernen Zivilisation praktisch unberührt war. Auf St. Kildas Hauptinsel, namens Hirta, lebten um 1830 noch ca. 150 gälisch sprechende Menschen. Das Leben war hart und die Leute lebten, selbst nach damaligen Maßstäben, in extremer Armut. Die Insel war allerdings seit prähistorischen Zeiten bewohnt worden, und die Leute lebten im 19. Jahrhundert noch nach alten Gesellschaftsformen und religiösen Bräuchen, waren also noch nicht christianisiert worden. Kenneth Macauley berichtete in 1764 sogar von ‘druidischen Altären’. Für heutige Anthropologen wäre das eine Traumvorlage für Forschungsarbeiten. Aber in 1830, vor 180 Jahren war St. Kilda aus Sicht der Kirche reif um zum Christentum bekehrt zu werden. Es ist leicht, darüber heute seine zynischen Bemerkungen zu machen, aber man darf nicht vergessen dass christliche Missionare ihren Job mit guten Absichten machten, und oftmals auch mit guten Resultaten. Denn zivilisatorische Isolation bedeutete ja in vielen Fällen nicht nur den sog. Aberglauben sondern auch oft die Abwesenheit von Erkenntnissen wissenschaftlicher, technischer und medizinischer Art. So hatte St. Kilda zum Beispiel eine sehr hohe Säuglingssterblichkeit. Der Roman Island of Wings handelt davon wie der christlichen Missionar Neil MacKenzie, den es wirklich mal gab, mit seiner Ehefrau im Jahr 1830 nach St. Kilda kommt und jahrelang versucht die Bewohner zum Christentum zu konvertieren: Mit Schwieigkeiten und gemischten Resultaten. Die Geschichte von St. Kilda im 19. und 20 Jahrhundert ist eher etwas traurig und endete im Jahr 1930 mit der Evakuation der letzten verbleibenden 36 Einwohnern. Durch zunehmenden Kontakt mit der Außenwelt, begannen die Inselbewohner Handel mit ihren Produkten zu treiben, was jedoch dazu führte dass sie ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung verloren. Was bleibt, ist eine aus heutiger Sicht idyllische Insel mit faszinierenden Überresten und Ruinen von einer, Berichten gemäß, recht zufriedenen aber auch sehr harschen Lebensart. Eine Lebensart die man heute, wo fast jeder über wirtschaftliche Härte stöhnt, vielleicht nicht allzu sehr romantisieren sollte. Hier ein alter Film-Clip von einer Hilfsaktion bei der Lebensmittel von Glasgow nach St. Kilda gebracht wurden. Manche Einwohner verstecken sich weil sie noch nie eine Kamera gesehen haben. So geht es uns hier wenn die Google-Fotoautos kommen!

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Weitere Infos  Ein Wiki-Artikel über die schottische Inselgruppe St.Kilda