German radio dramatisation online of the novel 'The Great Bagarozy' (1997), about a young man who is obsessed with Maria Callas. A female psychologist tries to find out more. Above, my Blu-ray of the documentary Maria by Callas (2017)

Anspruchsvolle Story, bei der es im Kern um die ikonische Opernsängerin Maria Callas (1923-1977) geht. Der Stoff wurde mit Til Schweiger verfilmt. Das Hörspiel von 1999, in dem einiges an Musik von Callas vorkommt, kann online gehört werden. Link folgt am Ende Posts. Ich habe des Weiteren ein Deutschlandfunk-Feature über den Mythos Callas hinzugefügt. Im Foto ist ein Dokumentarfilm von 2017 über Callas, den ich empfehlen kann. Info dazu folgt gleich. Mit der Romanvorlage Der große Bagarozy (1997) hat der Schriftsteller und Komponist Helmut Krausser offensichtlich über ein Thema geschrieben das ihm sehr am Herzen liegt. Im Laufe der Story um eine Psychologin und ihren geheimnisvollen Patienten, erfährt man interessante Details aus dem Leben von Callas. Die Story beginnt damit dass ein 30-jähriger Mann einer Psychologin von einem Schlüsselmoment erzählt, der vor Jahren sein Leben veränderte. Dabei wirkt er ehrlicher und sympathischer als die 40-jährige Psychologin Cora Dulz, deren Gedanken bei dem Gesprächen in alle möglichen privaten Sorgen und Probleme abdriften. Da in dieser Szene beide Stimmen zu hören sind, wirkt das Hörspiel anfangs etwas collagenhaft. Der junge Mann erzählt dass er eine ganz normale Vorstadt-Jugend hatte, ohne nennenswerte Probleme mit seinen Eltern, ohne Drogen, ohne Neurosen…aber auch ohne irgendein besonderes Talent. Das änderte sich in der Sommernacht vor zehn Jahren, als jemand im Garten bei der Party für seinen 20. Geburtstag eine Musikkassette einlegte:

Die Gespräche setzten kurz aus, es kam klassische Musik – Soprangesang. Viele waren damit nicht einverstanden. Ich machte eine Handbewegung, sie sollten ruhig sein, es sei doch egal, was da liefe, schließlich sei ich der Gastgeber. Einen Augenblick später ging in mir etwas vor, schwer zu beschreiben, eine Art Scham, für das was ich eben noch gesagt hatte. Es saßen hübsche Mädchen im Garten – dennoch, ich konnte niemandem mehr zuhören – als bohre sich diese Stimme in mein Gehirn und durchleuchte es mit einer Sonde aus Licht und Klang. Ich fühlte mich in hauchdünne Schichten zerteilt, zwischen denen kühle Luft zirkulierte. Ich weiß, Sie denken…aber nein, keine Drogen. Nur ein paar Bier, sonst nichts. Was diese Stimme sang – keine Ahnung, vielleicht Verdi. Alle um mich herum, gingen mir plötzlich auf die Nerven. Ich stand auf, nahm den Kassettenrecorder und lief ans andere Ende des Gartens. Niemand kam mir nach. Sonst wäre ich vielleicht noch weiter gelaufen. Es war eine Liveaufnahme. Diese Stimme…so unsagbar zauberhaft. Ich fühlte mich so allein und so gut. Kennen Sie das?  Und plötzlich…sie war da, stieg aus der Finsternis und stand vor mir, keine zehn Schritte entfernt. In einem weißen Kleid. Ihr Haar war schulterlang, die Lippen dezent geschminkt. Sie sang nicht, sie stand einfach nur da. In der Sekunde da sie erschien, wusste ich genau wer sie war…Maria

Maria Callas (1923-1977) and her black poodle - who's part of the story of Helmut Krausser's novel. Adapted into a movie by Bernd Eichinger with Til Schweiger in the mysterious title role

Die Psychologin wird erst richtig aufmerksam als der junge Mann, der sich Stanislaus Nagy nennt, ihr erzählt dass er damals Maria Callas in Person gesehen hat. Die allerdings verschwand als die Musik zu Ende war. Obwohl Cora glaubt, dass er an Wahnvorstellungen leidet, verliebt sie sich in Nagy, der behauptet der biblische Teufel zu sein und völlig in Callas vernarrt ist. Nagy erzählt Cora dass er – wohl in Anlehnung an den Pudel in Goethes Faust – Callas nahe kam, indem er sich in einen schwarzen Pudel verwandelte. Diese Prämisse wirkt bizarr, aber die Sängerin hatte tatsächlich einen schwarzen Pudel der, wenn man genau hinsieht, auch im Foto zu sehen ist. Der Teufel hat scheinbar keine Lust mehr, ein Bösewicht zu sein. Mitunter weil die menschliche Fantasie mehr an Horror und Gewalt interessiert ist als der Teufel selber. Das wird in der Story anhand von Coras Ehemann Robert verdeutlicht, der permanent Zeitungsausschnitte von bizarren Gewalt-verbrechen sammelt. Der Teufel ist quasi überflüssig geworden und will zur Abwechslung als Mensch leben. Deshalb hat den Körper eines jungen Mannes übernommen. Er schlägt sich als Kaufhausdetektiv und als Zauberkünstler namens Der große Bagarozy durch. Und er will sich verlieben, was das ihm immer schwerfiel. Außer bei Maria Callas. Ich wünsche gute Unterhaltung beim Hörspiel und bei den Dokus über die Sängerin

 

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Helmut Krausser: ‘Der große Bagarozy’ als NDR-Hörspiel vom Jahr 1999 online Das NDR-Hörspiel mit Christian Berkel (als der mysteriöse Stanislaus Nagy), Andrea Sawatzki (als Psychologin Cora Dulz), Gerd Baltus (als ihr Ehemann Robert Dulz), Katharina Zapatka (als Tammie), Edgar Bessen (als Mulder/Besucher), Klaus Dittmann (Nachtpförtner/Kommissar). Musikalische Beratung: Jürgen Kesting. Hörspielbearbeitung & Regie: Norbert Schaeffer. Eine Produktion vom Norddeutscher Rundfunk. Spieldauer ca. 89 Min.

Dokumentarfilm Ein Trailer für den exzellenten Film ‘Maria by Callas‘ (2017). Siehe meine Blu-ray-Ausgabe im obersten Foto. Produziert von dem französischen Filmemacher Tom Volf. Spieldauer 1 Stunde 53 Min.

Radio-Dokumentation Deutschlandfunk-Feature über den Mythos Callas (2019) hier Teil 2. Von Claudia Wolff

Wussten Sie schon? In 2013 gab es ein Google-Doodle zum 90. Geburtstag von Maria Callas (1923-1977)

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