A BBC radio play of the Hermann Hesse's novel The Glass Bead Game is online starring Derek Jacobi. Link below. Set in the 23th century. Topic: the synthesis of art & science. The Wachowskis could make an good movie of it

Dass scheinbar kein deutsches sondern nur ein englisches Hörspiel von Hermann Hesses Romanklassiker Das Glasperlenspiel (1943) existiert, ist merkwürdig. Oder wäre es Hesse vielleicht recht gewesen dass man ihn international mehr zu schätzen weiß als in dem Land in dem er geboren wurde? Wie dem auch sei, das Link für das BBC-Hörspiel aus dem Jahr 2010 ist am Ende des Blogposts. Mit renommierten Sprechern wie Derek Jacobi, bekannt aus zahlreichen Hollywood-Filmen wie Gladiator. Hesses Roman ist weltbekannt, der englische Titel ist The Glass Bead Game. Die Story spielt im 23. Jahrhundert, das Hörspiel beginnt mit Musik und auch mit dem Thema Musik. Der 12-jährige Schüler Josef Knecht fällt seinen Lehrern als begabter junger Musiker auf. Man sieht in ihm einen zukünftigen Kandidaten für das sog. Glasperlenspiel, eine intellektuelle Disziplin die in einer Gelehrtenrepublik namens Kastalien betrieben wird. Der junge Joseph Knecht hat einen Freund namens Plinio der Kastalien und das Glasperlenspiel weltfremd findet. Diese Figur ermöglicht Hesse, verschiedene Sichtweisen über Kultur, Wissen und Lernen darzustellen. In dieser von mir leicht gekürzten Romanpassage erklärt der Musikmeister dem Schüler Josef:

‘Unsere Bestimmung ist, die Gegensätze richtig zu erkennen, erstens nämlich als Gegensätze, dann aber als die Pole einer Einheit. So ist es auch mit dem Glasperlenspiel. Die Künstlernaturen sind in dieses Spiel verliebt, weil man darin phantasieren kann; die strengen Fachwissenschaftler verachten es…weil ihm jener Grad der Strenge in der Disziplin fehle, den die Einzelwissenschaften erreichen können. Du wirst diese Gegensätze kennenlernen und wirst mit der Zeit entdecken, dass es nicht Gegensätze der Objekte sind, sondern der Subjekte, dass zum Beispiel ein phantasierender Künstler die reine Mathematik oder Logik nicht deswegen meidet, weil er etwas von ihr erkannt und auszusagen hätte, sondern weil er instinktiv anderswohin neigt.’ (Das Glasperlenspiel, 1943)

Das Glasperlenspiel ist ein meditativer, kollaborativer Prozess bei dem die Teilnehmer versuchen, Verbindungen zwischen verschiedenen Bereichen von Kunst, Wissenschaft und Philosophie zu ergründen. Man könnte sagen dass Hermann Hesse in diesem Roman, den er schon 1931 begann, moderne Konzepte wie Metawissen erkundet. Manche Leute meinen sogar dass der Roman eine Vorahnung vom Internet darstellt. Ein weiteres Wort das mir einfiel als ich nach einer halbwegs griffigen Beschreibung für das Glasperlenspiel suchte, war Interdisziplinarität. Das Schöne an Romanen von Hermann Hesse ist dass derlei Betrachtungen nicht durch Fachbegriffe sondern im Rahmen einer ziemlich romantischen Geschichte vermittelt werden. Schön wäre auch wenn das Hörspiel ein erster Schritt in Richtung einer zukünftigen Verfilmung wäre. Sicher kein leichtes Unterfangen, aber Leuten wie den Geschwistern Wachowski traue ich zu, eine spannende moderne Darstellung von einem Glasperlenspiel im 23.Jahrhundert zu erschaffen. Aber erst mal viel Spaß beim Hörspiel.

 

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Wussten Sie schon? Das Glasperlenspiel spielt im 23. Jahrhundert. Ursprünglich hatte Hesse jedoch ein anderes zeitliches Konzept für den Roman. Der amerikanische Literaturwissenschafftler Theodore Ziolkowski schrieb im Vorwort zur US-Ausgabe von 1969 dass für Hesse ursprünglich das Konzept der Reinkarnation eine zentrale Rolle im Roman spielte. Es sollte um einem Mann gehen der in verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte wiedergeboren wird, von prähistorischen Zeiten bis in die ferne Zukunft. Die posthum veröffentlichten Lebensläufe wie Der Regenmacher sind Spuren von diesem Konzept.

Hermann Hesses Glasperlenspiel als Hörspiel online Das Hörspiel mit Markus Meyer (jüngerer Erzähler), Burghart Klaußner (älterer Erzähler), Samuel Weiss (als junger Josef Knecht), Ulrich Matthes (als älterer Josef Knecht), Konstantin Graudus (als Plinio Designori, Petrus aus Monteport, Plinios SohnTito), Barbara Nüsse (Einführungen in das Glasperlenspiel), Rudolf Wessely (als Magister Musicae, Dion Pugil, Magister Ludi, Herr Dubois, Pater Jakobus, Abt von Mariafels, Meister Alexander), Ulrich Pleitgen (Archivar des Glasperlenspiels, Reisender, Älterer Bruder, Fritz Tegularius, Plinio Designori), Christoph Grund (Klavier und Samples), Christoph Ogiermann (Geige) u. a. Produktion: Radio Bremen / Hessischer Rundfunk 2002

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