'The spirit of her invincible heart guided her through the shadows''. The novel was first published 50 years ago, in 1967. In the blog is a photo of the house that inspired it, the typewriter 'Gabo' wrote it on...and Music inspired by the book

Der Roman mit dem Originaltitel Cien años de soledad (1967) erschien vor 50 Jahren. Das Epos um die Geschichte einer Familie, und um die Geschichte eines Landes wurde zum Welterfolg. In Dutzenden von Übersetzungen um die 40 Mio. mal verkauft. Auch in Deutschland, das bei ausländischen Autoren sonst eher zum englischen Sprachraum neigt, war und ist García Márquez erfolgreich: Hundert Jahre Einsamkeit ist, gemäß ZDF-Umfrage Das große Lesen, die auf 250.000 Stimmen von Zuschauern beruht, unter den 50 Lieblingsbüchern Deutschlands. Details dazu im folgenden Blogpost. Auch Infos über die Entstehung des Romans, Orte die ihn inspirierten. Einige Musikclips von Rockbands die von dem Roman inspiriert wurden. Und ein Foto von der Schreibmaschine auf der Hundert Jahre Einsamkeit geschrieben wurde. Vorweg ein schönes Lied von der italienischen Folkrock-Band Modena City Ramblers, das von der enigmatischen Romanfigur Remedios die Schöne in Hundert Jahre Einsamkeit handelt. Ich füge Romanpassagen hinzu die im italienischen Songtext reflektiert werden

‘In Wirklichkeit war sie kein Geschöpf von dieser Welt…Die fast
völlig erblindete Ursula blickte zu Remedios der Schönen auf, die
ihr ein Lebewohl zuwinkte, inmitten der flatternden Laken, die mit
ihr in die Luft aufstiegen, für immer in den Sphären verloren, wo
nicht einmal die Vögel der Erinnerung sie einholen konnten’
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His grandparent's house, where Gabo grew up. When they died, he decided to write a novel, originally called 'La Casa', inspired by all the stories his grandpa told him. The house in Aracataca, Columbia was rebuilt and is a museum

In solchen Passagen kommt etwas von dem sog. Magischen Realismus von García Márquez rüber. Hundert Jahre Einsamkeit spielt, anders als z. B. Der Herr der Ringe, in der realen Welt, enthält aber märchenhafte oder surrealistische Elemente. Davon gibt es viel in der Geschichte von einem Dorf namens Macondo das im 19. Jahrhundert von ein paar Dutzend Leuten im südamerikanischen Dschungel gegründet wird. Die Story um mehrere Generationen der Familie Buendía – mit Schatzsuchern, Erfindern, Bauern, Alchemisten, Wahrsagern, Revolutionären – wird folkrorehaft erzählt, als ob Leute am Lagerfeuer sitzten und Anekdoten erzählen die auf wahren Ereignissen beruhen aber Ausschmückungen und Übertreibungen enthalten, und manchmal einen unübersichtlichen Zeitablauf haben. Als ich zum ersten Mal in den Roman reinschaute, als Teenager mit 16, 17, fand ich den Stil gewöhnungsbedürftig und kam erst später darauf zurück. Gabriel García Márquez, oft bei seinem Spitznamen Gabo genannt, sagte dieser Erzählstil wurde von seinen Großeltern inspiriert, bei denen er seine ersten 8 Lebensjahre verbrachte. Siehe Foto vom großelterlichen Haus in dem er aufwuchs. Die fantastisch klingenden Geschichten die ihm seine Großvater Oberst Nicolás Márquez, Jahrgang 1864, erzählte waren meistens sogar wahr, so wie das Duel in dem er einen Mann erschossen hatte – was ihn ein Leben lang belastete. Die Idee für Hundert Jahre Einsamkeit entstand als der 23-jährige Autor nach dem Tod seiner Großeltern zusammen mit seiner Mutter zurück zu dem Haus fuhr um dessen Verkauf in die Wege zu leiten. Das stimmte ihn sehr traurig, und er wollte die Geschichten von diesem Haus in einem  Roman verewigen. In der Tat, wie er in seiner Autobiografie Leben um davon zu erzählen (2003) schreibt, war anfangs der Titel La Casa, also Das Haus für den Roman vorgesehen.

The Smith-Corona 5TE Electric on which the novel was written. Left, Gabo's medal & certificate for 1982 Nobel Prize in literature Now exhibited at National Library of Colombia, Bogotá

Hundert Jahre Einsamkeit klingt spannender als Das Haus, aber vielleicht war der ursprüngliche Titel die Inspiration für das Cover meiner englischen Romanausgabe von Penguin im oberen Bild. Es sollten über 15 Jahre vergehen bevor García Márquez den Roman begann. Vorher hatte er als Journalist gearbeitet und seinen Debütroman Unter dem Stern des Bösen (1962) veröffentlicht. Er sagte, das schwierigste für ihn sei immer der erste Absatz eines Romans, der quasi die Weichen für eine Geschichte stellt. Der Anfang von Hundert Jahre Einsamkeit kam Gabo 1965 in den Sinn, als er in seinem Opel Kapitän von Mexiko City nach Acapulco fuhr, wo er mit Frau und Kindern Urlaub machen wollte. Er wusste nicht wo der Satz herkam oder was er bedeutete, aber wusste dass es der Anfang des Romans war der ihm seit Jahren vorschwebte.

‘Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendía sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennen zu lernen’.

Der damals 38-jährige Autor wendete das Auto, fuhr zurück, und arbeitete 18 Monate in seinem damaligen Haus in San Ángel, Mexico City, nonstop an dem Roman der ihn weltberühmt machen sollte. Zwischenzeitig war Geld knapp und der weiße Opel Kapitän im Pfandhaus. Das Flashback-Element des obigen Satzes zeigt wie der Autor Zukunft und Vergangenheit verknüpft, etwas das oft im Buch vorkommt und zu seinem teils psychedelisch anmutenden Stil beiträgt. Ich bezweifle dass dieser ungewöhnliche Roman, wenn er in den 50er Jahren erschienen wäre, solch einen Erfolg in Europa und Nordamerika gehabt hätte. Aber Gabos Magischer Realismus erschien in einer Zeit deren Popkultur von psychedelisch angehauchten Ikonen wie Dylans Blonde on Blonde (1966) und Beatles’ Sgt. Pepper (1967) geprägt war. Eine neue Jugendkultur die hungrig auf alternative Ausdrucksweisen war. In Italien und Frankreich erschienen Übersetzungen in 1968, in Deutschland in 1970. Beim Erfolg des Romans spielt auch seine, den Zeitgeist treffende Kapitalismus-Skepsis eine Rolle. Das einst wild-romantisch isolierte Dorf Macondo wird zu einer von ausländischen Unternehmen kontrollierten Bananenplantage, in der protestierende Arbeiter von Maschinengewehren umgemäht werden. Das Masacre de las Bananeras gab es wirklich. Der Name Macondo ist in Südamerika zu einem Begriff wie Absurdistan geworden. Es ist ein Kontinent in dem die Folgen von Kolonialismus und Kapitalismus oft absurder waren als der Magische Realismus - der vielleicht ein künstlerisches Refugium, ein Gegenentwurf zur politischen Realität darstellt. Etwas wovor man sich in dieser Welt nicht retten kann, sind Ruhm und Erfolg: Seit 2016 ist Gabriel García Márquez (1927-2014) auf Kolumbiens 50.000 Peso Schein (ca. 16 Euro) zusammen mit den magischen gelben Schmetterlingen die im Roman vorkommen. Macondos Einsamkeit, Lateinamerikas Einsamkeit ist auch im 21. Jahrhundert allgegenwärtig.

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Reisen auf den Spuren von García Márquez  Macondo ist zwar ein erfundener Name aber der zentrale Handlungsort von Hundert Jahre Einsamkeit basiert auf dem Geburtsort des Autors, der Stadt Aracataca in der karibischen Region von Kolumbien, ein Ziel für Literatur-Tourismus. Das Haus in dem Gabo geboren wurde und aufwuchs ist restauriert worden und heute ein Museum. In der Stadt ist auch die Eisenbahn die im Roman vorkommt. Die Schreibmasche, die Smith-Corona 5TE Electric auf der Gabo den Roman schrieb, ist zu sehen in Kolumbiens Nationalbibliothek in Bogota, siehe YouTube-Clip mit der Stimme des Autors

Warum gibt es noch keine Verfilmung? Gabo machte es Leuten nicht einfach: Produzent Harvey Weinstein wollte Hundert Jahre Einsamkeit mit Cinema Paradiso Regisseur Giuseppe Tornatore verfilmen. Aber Gabo forderte dass nach dem Dreh jedes Jahr, 100 Jahre lang, nur ein 2 min. langes Segment des Films gezeigt werden dürfte. Wobei ich vermute dass er einfach nicht überzeugt war, dass der Stoff gut zu filmen wäre. Aber das dachte auch Tolkien vom HDR-Roman, der erst viele Jahre nach seinem Tod verfilmt wurde

Popstar Shakira & García Márquez  Gabo war Musik-Fan, hörte Beatles und Debussy während er Hundert Jahre Einsamkeit schrieb. Er und die ebenfalls aus Kolumbien stammende Shakira waren Freunde, siehe schönes Foto von den beiden. Gabo besuchte auch ein Konzert von ihr, siehe Clip. Und Shakira schrieb ein Lied für Garcia Marquez, es enthält Elemente kolumbianischer Volksmusik, heißt Despedida, also Abschied 

Lied von russischer Indie-Rockband Bi-2 über Hundert Jahre Einsamkeit  Last not least, ein schönes Lied mit Thematik und Titel Macondo, dem Handlungsort des Romans, siehe Youtube-Clip. Frei übersetzt: ‘Der Regen fiel auf Macondo, mitten im Jahrhundert. Wenn du es nicht erwartest, dann wirst du es sehen. Niemand in dieser Welt kann die Dinge ändern die auf Flügeln des Windes getragen werden’

Buch & Foto-Info  Ich benutzte die englische Übersetzung von Gregory Rabassa, die übrigens von Gabo geschätzt wurde. Auf Deutsch ist der Roman auch als 13-CD Hörbuch, Buch und E-Book erhältlich. Auf dem Schwarzweißfoto ist Gabo mit 1967-Erstausgabe, Verlag Editorial Sudamericana, heute Teil von Penguin

García Márquez unter den 50 Lieblingsbüchern Deutschlands  Die Liste ist von Büchern aus Deutschland, England, Amerika geprägt, aber Gabo und zwei andere lateinamerikanische Autoren sind immerhin dabei

Avenita Kulturmagazin

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