Impressive story about late 19th century mining community in Wales. In British and American literature working class culture is much more mythologized than in Germany. Same in music, think Springsteen etc. There's an amazing song called 'Pleader' inspired by 'How Green was my Valley' by British band Alt-J

‘Ich packe meine wenigen Habseligkeiten in den Schal, den meine Mutter trug wenn sie zum Markt ging. Ich verlasse mein Tal. Und diesmal kehre ich nicht zurück…’ - Eindrucksvolle Story über eine walisische Bergarbeiter-Gemeinde im späten 19. Jahrhundert. Jetzt als deutsches Hörspiel online. Link folgt am Ende des Posts. Im Bild ist meine englische Ausgabe von Richard Llewellyns Roman ‘How Green was my Valley’ (1939). Das Cover zeigt die Prämisse: Ein erwachsener Mann verlässt das Bergarbeiterdorf seiner Kindheit. Er blickt ein letztes Mal zurück und erinnert sich an all das was er und seine mittlerweile verstorbenen Kumpel und Familienmitglieder erlebt haben. Der Roman ist nicht direkt autobiografisch, aber Richard Llewellyn (1906-1983) stammte aus Wales und die Story beruht auf Nachforschungen und Interviews, die er im Bergarbeiterdorf Gilfach Goch machte. Wales war eine der Wiegen der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Damals wurden große Vorkommen von Kohle und auch Eisenerz entdeckt. Obendrein recht nah am Meer gelegen, was von enormen Vorteil für den Transport der Güter per Schiff war. Der Hafen von Cardiff wurde zu einem der größten der Welt. Aber der Boom hielt kaum mehr als ein Jahrhundert. Dann fand man Orte wo Kohle leichter abzubauen war, und Leute die für weniger Geld arbeiteten. Big Business zog weiter. So kann man es zumindest zynisch beschreiben. Andererseits gab der Bergbau einer ziemlich armen, landwirtschaftlich geprägten Bevölkerung erstmals die Gelegenheit, einen gewissen Wohlstand zu erreichen. Auch wenn der Preis dafür hoch war: Ganze Familien, inklusive Kindern, arbeiteten 12-Stunden-Tage in den Zechen. Und letztendlich waren die Arbeiter völlig den Interessen der Arbeitgeber ausgeliefert. Wer verunglückte, hatte Pech. Es gab kein Gesundheitssystem, kein soziales Netz – ein Streik bedeutete oftmals dass ganze Familien hungern mussten. Die Unterkünfte waren nicht selten Besitz der Zechenbetreiber und wurden überteuert an die Arbeiter vermietet. Wer ausstehende Gelder nicht zahlen konnte, musste mit Schuldhaft rechnen. Allen widrigen Umständen zum Trotz, schafften es die Bergbaudörfer, einen Sinn von Zusammenhalt und eine Liebe für ihre walisische Kultur, inklusive Gesang, Dichtung, Religion und starke Familienbande zu wahren. In Teilen des Landes gab und gibt es bis heute einen beträchtlichen Prozentsatz von Walisisch, einer uralten, keltischen Sprache. Obwohl diese in Schulen verpönt oder gar verboten war. Diese Dinge, und viele mehr, werden in ‘So grün war mein Tal’ thematisiert. Im Zentrum der Story steht die Familie des Erzählers Huw Morgan und seinen Geschwistern. Anfangs idyllisch, aber zunehmend von der Tragik einer untergegangenen Epoche geprägt.

‘Wenn ich meine Augen schließe, steht mein Tal so vor mir wie ich es als kleiner Junge sah. Leuchtend grün, mit den Reichtümern der Erde gesegnet. In ganz Wales gab es kein schöneres. Alles was ich als kleiner Junge lernte, sagte mir mein Vater. Und ich habe erkannt, dass nichts davon falsch oder wertlos war. Die einfachen Lehren, die er mir gab, stehen so deutlich in meinem Gedächtnis, als hätte er sie mir gestern erst gegeben. In jenen Tagen hatte die schwarze Schlacke, der Abfall aus den Kohlengruben, erst begonnen, die eine Seite unseres Hügels zu bedecken. Noch war es nicht genug, die Landschaft oder gar die Schönheit unseres Dorfes zu verderben. Das Kohlenbergwerk hatte erst angefangen, seine rußige schwarze Hand auf unser grünes Tal zu legen. Ich höre jetzt noch die Stimme meiner Schwester Angharad…’ (So grün war mein Tal’ von dem walisischen Autor Richard Llewellyn)

Gibt es eigentlich deutsche Bergarbeiter-Romane? Mir ist zumindest keiner bekannt, wobei ich mich gerne eines Besseren belehren lasse. Aber es scheint nichts mit einem internationalen Bekanntheitsgrad wie z. B. dem französischen Roman ‘Germinal’ von Zola, oder dem obigen britischen Roman ‘So grün war mein Tal’ zu geben. Erstaunlich, wenn man bedenkt was für eine große Rolle der Bergbau in Deutschland gespielt hat. Wie ich im obigen englischen Bildtext erwähne, wird Arbeiterkultur im englischen Sprachraum mehr thematisiert und mythologisiert. Das trifft auch auf Musik zu, siehe zum Beispiel Springsteen und Lieder wie ‘The River’

 

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Apropos Musik: ‘So grün war mein Tal’ in einem Song? Ein Lied das man gehört, und ein monumentales Video das man gesehen haben muss – jetzt sofort! – ist Pleader (2017) von der jungen britischen Band Alt-J. Das Lied wurde vom Roman inspiriert, und der Refrain lautet ‘How green, how green was my valley’. Wenn Sie es schaffen, das Video ohne eine Träne anzusehen, gebe ich Ihnen (und ihren Kumpels) einen aus

Roman auf Deutsch erhältlich? Auf Englisch kein Problem, dank Status eines modernen Klassikers. Es gibt jedoch kein deutsches Hörbuch – was eine Marktlücke sein könnte – und auch deutsche Romanausgaben sind nur noch im Antiquariat zu finden. Hier das Cover von Design-Guru Celestino Piatti für die dtv-Ausgabe

Der Romanklassiker als deutsches Hörspiel online Hier ist ‘So grün war mein Tal‘ als Hörspielfassung

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