Trucking good: The Mobile Recording Studio belonged to the Stones but many bands rented it, like Led Zeppelin (above), Bob Marley, Iron Maiden...even a Krautrock band. Clips & infos in the blogpost. This truck, of course, also turned up in a song

Der Lastwagen von der Marke BMC (British Motor Corporation) wurde von den Stones zu einem mobilen Studio umgebaut und diente für Aufnahmen von mehreren LP-Klassikern der Rolling Stones und von anderen Bands, die das Mobile mieteten. Zum Beispiel Led Zeppelin, die auf dem Foto links zu sehen sind. Die Zahl der Alben die im Rolling Stones Mobile Recording Studio aufgenommen wurden, geht in die Hunderte. Nachfolgend, eine Auswahl von zehn besonders interessanten Bands und LPs. Inklusive einem Klassiker von Bob Marley, einem Album von Iron Maiden…und einem Krautrock-Album. Sogar ein berühmtes Lied in dem das Mobil-Studio namentlich erwähnt wird. Allein schon die Tatsache dass ein mobiles Studio an ungewöhnlichen Orten verwendet werden kann, hat Potential für Abenteuer. Der Besuch eines normalen Studios ist ein bisschen wie der Gang ins Büro, dagegen waren Aufnahmen im Mobil-Studio eher von kreativem Chaos geprägt. Obiges Foto erzählt in dieser Hinsicht einiges: Mikrofone stehen im Garten, Gitarren liegen auf dem Boden, Robert Plant lehnt sich zurück und scheint die Sonne zu genießen, während Jimmy Page, links im Bild, gerade ins Haus geht. Es ist Stargroves, ein Jahrhunderte alter Landsitz den Mick Jagger 1970 gekauft hatte. Led Zeppelin machten hier einen Großteil der Aufnahmen für das Album Houses of the Holy (1973). Sie hatten das Mobile schon mal zuvor gemietet, für die Aufnahmen von Led Zeppelin IV (1971) in dem abgelegenen Landhaus Headley Grange. Aus den Aufnahme-Sessions in Stargroves und Headley Grange gingen auch viele Song-Outtakes hervor die auf dem sechsten Zeppelin-Album Physical Graffiti (1975) erscheinen sollten. Somit spielte das Mobil-Studio in der kreativsten Phase von Led Zeppelin eine gewisse Rolle. Zum Beispiel insofern dass Jimmy Page mit den ungewöhnlichen Klangeigenschaften der alten Häuser und ihren großen, hohen Räumen experimentieren konnte. Der Klang wurde dann mit Mikrofonen und Kabeln nach draußen in das Mobil-Studio geleitet und mit den dortigen Mischpulten und Tonbandmaschinen aufgenommen.

Inside the Mobile. Bands would normally record in another room or concert venue, with cables of microphones etc. going into the truck to be mixed and recorded. Many classic album were made with he Mobile, click the links to see some examples

Das Mobile wurde von Aufnahmetechnikern der Bands betreut und war nach dem neusten Stand der Technik ausgerüstet, 16-Track Recording etc. Links im Bild eine Innenansicht. Aber das Spezielle am Mobile war die sprichwörtliche Mobilität, die Möglichkeit an verschiedenen Orten mit ungewöhnlichen Gegebenheiten zu arbeiten. Hier ein YouTube-Clip der Jimmy Page bei einen Besuch in Headley Grange zeigt – das Mobil-Studio ist bei 1:03 min. zu sehen. Auch bei den Stones wurde das Mobil-Studio ein Faktor bei abenteuerlichen Aufnahmesessions und mindestens zwei ihrer besten Alben: Sticky Fingers und Exile on Main St wurden primär im Mobile aufgenommen. Gemäß der Biografie Old Gods Almost Dead (2001) von Stephen Davis, stand der Verstärker von Stones-Gitarrist Mick Taylor bei Aufnahmen für Sticky Fingers (1971) in einem großen offenen Kamin von Stargroves, während das Aufnahme-Mikrofon im Schornstein hing – das Mobil-Studio machte es möglich. Und es leuchtet ein dass solche Aufnahmen anders klingen als heutzutage, wo man Instrumente oftmals direkt ins Mischpult stöpselt, und Details wie ‘Atmosphäre’ später per künstlichem Hall hinzufügt. Mit dem Mobile konnten Bands auch England verlassen und Alben in anderen Ländern aufnehmen. Der Stones-Klassiker Exile in Main St entstand großteils in Frankreich. Die Lage der Villa Nellcôte, in Villefranche-sur-Mer, nahe Nizza war idyllisch – die Zustände der Stones jedoch chaotisch, mit Dealern und anderen ‘Freunden’ der Band permanent am ein- und ausgehen. Der Musik scheint das jedoch nicht geschadet zu haben, im Gegenteil, die Doppel-LP Exile in Main St (1972)  ist für viele Leute das ultimative Stones-Album, inklusive seiner abenteuerlichen Entstehungsgeschichte. Hier ein YouTube-Clip über die Aufnahme-Sessions in Frankreich, das Mobil-Studio ist 1:12 min. zu sehen, samt Mick Jagger und Kindern von der Band.

The Mobile, above, was mentioned by Deep Purple in the song Smoke on the Water (’we all came out to Montreux on the Lake Geneva shoreline, to make records with a mobile…'). There was a fire and the Mobile almost burned down with it

Abenteuer hatten auch diese fünf Gentlemen links im Bild, siehe Deep Purple mit dem Rolling Stones Mobile Recording Studio, in dem ihr bekanntestes Album aufgenommen wurde. Wobei das Mobile fast abbrannte, weil es neben dem Casino stand das bei einem Frank Zappa Konzert Feuer fing. Die Story wurde in dem Lied Smoke on the Water auf dem Album Machine Head (1972) verewigt. Das Mobile wird in den Anfangszeilen erwähnt: ”We all came out to Montreux on the Lake Geneva shoreline, to make records with a mobile…We ended up at the grand hotel It was empty cold and bare. But with the Rolling Stones truck thing just outside, making our music there…”. Das Lied erzählt die ganze Story und ist weltberühmt. Aber hier noch einige Songs und Alben deren Verbindung mit dem Mobile weniger bekannt sind. Zum Beispiel wurde der Rockklassiker Won’t Get Fooled Again von The Who mit dem Mobile aufgenommen, eine Top-10-Single die auch auf der Studio-LP Who’s Next (1971) erschien. Ein Bereich für den sich das Mobile optimal eignete waren Konzertaufnahmen. Wie die von der Band Ten Years After und dem Album Recorded Live (1973), mit einem Foto vom Inneren des Mobiles und einer guten Version vom Klassiker Going Home aus der Festhalle Frankfurt. Ein weitere Live-LP die mit dem Mobile aufgenommen wurde – für viele Leute das erste Reggae-Album das sie hörten – war Bob Marley & the Wailer Live (1975) mit der Hit-Single No Woman, No Cry, die live noch besser klingt als die Studioversion. Auch die Liveaufnahmen von Santanas Moonflower (1977) wurden mit dem Mobile gemacht, ebenso Live Dates (1973) von Wishbone Ash. Erfreulicherweise wurde auch ein Krautrock-Album mit dem Stones Mobile Studio aufgenommen, die LP Doldinger Jubilee Concert (1974) von Klaus Doldingers Jazzrockgruppe Passport, mit dem exzellenten, leider zu früh verstorbenen Gitarristen Volker Kriegel (1943-2003), hier ein Video-Clip vom Albumtrack Schirokko auf dem man Volker Kriegel mit seiner Framus BL-15 Gitarre sieht. Eine der letzten großen Bands die das Stones-Mobile benutzten, waren Anfang der 90er Iron Maiden, interessanterweise für ein Lied das ihre bisher einzige No. 1-Single in England war. Hier ein Blick auf das Sensenmann-Plattencover mit Eddie, und hier ein YouTube-Clip von dem Maiden-Song Bring your Daughter to the Slaughter. Auch für das Stones-Mobile war langsam Sense: Die digitale Revolution machte es zunehmend schwerer für große, kostspielige Studios wie das Mobile rentabel zu bleiben. Aber in Songs und LP-Klassikern bleibt das Rolling Stones Mobile Recording Studio als Teil der Rockgeschichte erhalten.

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Wussten Sie schon? Das Rolling Stones Mobile Studio wurde nie verschrottet sondern 1996 von Bonham’s versteigert. Es hatte zu dem Zeitpunkt leider nicht mehr die abenteuerlich aussehende Tarnfarbenbemalung (denn es wurde von Bill Wyman für ein Musikprojekt namens AIMS verwendet und blau angemalt) aber im Inneren ist immer noch das Original-Equipment. Das Mobile befindet sich heute in dem kanadischen NMC Museum (National Music Centre) in Calgary und wird diesen Sommer 2016 für Besucher geöffnet, hier ein YouTube Clip mit Infos über die Ausstellung und einem Blick auf die Studiotechnik vom Stones-Mobile.

Mehr von uns über die Stones und Led Zeppelin  Die Story hinter dem Zeppelin LP-Cover Houses of the Holy. Und unser Artikel über eine große Stones-Ausstellung in 2016

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