Hey, Mrs. Tambourine Lady: Singer and songwriter Sandy Denny (1947- 1978) was in Fairport Convention, in Fotheringay and a solo artist as well. On her birthday we look at the songs she played and recorded by one Mr. Bob Dylan - who we've seen in concert here in Andalusia a few years ago

Sie ist unter Folkrock-Fans als Solokünstlerin bekannt und als ehemalige Sängerin der Gruppen Fairport Convention und Fotheringay. Sandy Denny (1947- 1978) schrieb schöne Lieder wie Who knows where the Time goes und viele andere. Aber durch ihre gesamte, leider viel zu kurze Karriere sang sie auch eine ganze Reihe von Dylan-Liedern. Mitte der 60er Jahre, als Sandy um die achtzehn war und eine Ausbildung als Krankenschwester machte, hatte Bob Dylans Musik sie inspiriert, Gitarre zu lernen, zu singen und selber Lieder zu schreiben. Sandy trat anfangs solo in kleinen Folkclubs in und um London auf, wo ihre Stimme und markante Persönlichkeit Aufmerksamkeit fand. Im Jahr 1968 wurde sie Mitglied von Fairport Convention und nahm mit der Band drei Alben auf die als Folkrock-Klassiker gelten, in vieler Hinsicht sogar als Begründer des Genres, zumindest in England. Auf ihren frühsten Aufnahmen klingt sie etwas wie Joan Baez, einer Sängerin die damals mit Dylan spielte und zeitweise auch liiert war. Wir wollten an ihrem Geburtstag versuchen die meisten von Sandys Dylan-Liedern ausfindig zu machen. Manche davon gibt es nur als Liveversionen, nicht unbedingt in besonderer Klangqualität. Selbst bei Studioaufnahmen wurden viele der Cover, wie damals üblich, ziemlich spontan und schnell eingespielt, hauptsächlich zum Spaß und ohne ausgefeilte Produktion. Einige davon sind im Prinzip Demos die es damals nicht auf die begrenzte Länge von LP-Veröffentlichungen schafften und erst später als Bonus Tracks und Radiosessions veröffentlicht wurden. Demgemäß ist einiges davon nicht unbedingt besser als Dylans Originale, aber der Mann ist ohnehin nicht leicht zu übertrumpfen. Andererseits nahmen Sandy Denny und Fairport hauptsächlich unbekanntere Lieder von Dylan auf. Lieder die teils nicht auf den damaligen Studio-LPs erschienen sondern erst Jahre später auf Kompilationen veröffentlicht wurden. Eins das uns besonders gefällt ist Percy’s Song, hier eine Fassung von Sandy und Fairport. Dylan hatte das Lied ursprünglich für die Sessions von The Times They Are A-Changin’ (1964) aufgenommen, es aber nicht für das Album verwendet. Als offizielle Dylan-Veröffentlichung erschien es erst in den 80er Jahren auf seinem Kompilations-Album Biograph (1985), hier ist eine alte Dylan-Fassung. Percy’s Song beruht zum Teil, wie es bei Dylan hin und wieder der Fall ist, auf alten Volksliedern wie The Wind and Rain, hier eine irische Fassung. Aber diese Form von Adaption ist in Folkmusik üblich. Dylans Text handelt von einem Autounfall bei dem vier Leute sterben, woraufhin der Fahrer, Percy, zu 99 Jahren Knast verurteilt wird. Das Lied bekam für Fairport Convention eine traurige Signifikanz: ihr Tourbus verunglückte schwer, der Schlagzeuger und die Freundin des Gitarristen kamen ums Leben. Der Fahrer bekam aufgrund achtlosen Fahrens allerdings nicht 99 Jahre sondern 6 Monate Gefängnis.

Ein weiteres Dylan-Cover von Sandy und Fairport ist I’ll keep it with mine, ein Lied dessen Originalaufnahmen mitunter von den Sessions für Blonde on Blonde (1966) stammen, unserem persönlichen Lieblingsalbum von Dylan übrigens. Auf Dylans Probeaufnahmen sind faszinierende Momente von den Sessions verewigt, zum Beispiel die Stimme von Produzent Bob Johnston mitten im Take. Dylan scheint sich sehr bemüht zu haben, dieses Lied hinzukriegen, er nahm zehn Versionen davon auf, aber letztendlich schaffte der Song es nicht auf sein Album. Eine Art Kuriosum von einem Dylan-Cover ist Si Tu Dois Partir, eine mehr oder weniger in Französische übersetzte Version von Dylans If You Gotta Go, Go Now, das ursprünglich von seinen Sessions für das Album Bringing It All Back Home (1965) stammte aber nicht veröffentlicht wurde. Sandy Denny und Fairport spielten das Lied, aus oben erwähntem Spaß an der Freude, im Stil alter französisch-amerikanischer Cajun-Musik. Für unsere Begriffe ist das Akkordeon tonlich nicht im Einklang mit den anderen Instrumenten und klingt so schief wie der Turm von Pisa. Aber erstaunlicherweise war dies die einzige größere Hit-Single der Band. Fairport kam mit diesem just for fun Dylan-Cover sogar auf die TV-Chart-Sendung Top of the Pops, wovon leider keine Filmaufnahmen erhalten sind. Weitere Coverversionen von Fairport sind Dear Landlord, von dem Dylan-Album John Wesley Harding (1967), hier Dylans Original. Und Down in the Flood, hier als ziemlich rau klingende Liveversion von Fairport, ursprünglich auf Dylans Basement Tapes als Crash on the Levee veröffentlicht. Es gibt noch ein paar andere Dylan-Cover von Fairport, wie Million Dollar Bash und Open the Door, Homer, darauf singt allerdings der Gitarrist und Sandy ist nur auf Backing vocals. Gleichfalls auf den Fotheringay-Versionen von den Dylan-Liedern Too much of nothing und I don’t believe you. Das letzte Dylan-Lied das wir heute von Sandy hören ist Tomorrow is a long time, das Dylan Anfang der 60er Jahre aufnahm, hier seine Version, und das erstmals auf der Kompilation Bob Dylan’s Greatest Hits Vol. II (1971) veröffentlicht wurde. Sandy Dennys Version erschien, im Stil eines Country-Lieds auf ihrem Soloalbum Sandy (1972). Tomorrow is a long time war außerdem eins der allerletzten Lieder das sie sang: bei einem Konzert Ende 1977, nur wenige Monate bevor sie im Alter von 31 Jahren starb.

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Damit schließt sich in gewisser Weise ein Kreis. Dylan war ihre erste Inspiration und anscheinend auch ihre letzte. Wir persönlich haben Dylan vor einigen Jahren hier in Andalusien gesehen, in Granada. Es war ein gutes Konzert, und wir finden es sympathisch wie der Mann unbeirrt und jenseits der Mode seinen Weg geht. Als Landkarte dient ihm dabei scheinbar hauptsächlich jene uralte und mysteriöse Kunst des Liedermachens.

Avenita Kulturmagazin