Released 40 years ago, Desire (1976) is one of his best 70s albums. The vinyl LP above is a fairly rare edition, click for a closer look. In the blogpost we check out the photo location of the LP cover, and lots of other background information

Die Vinyl-LP von Desire (1976), links, ist eine ziemlich seltene Quadrophonie-LP die ich hier in Spanien aufgegabelt habe. Jetzt brauche ich nur noch vier, bzw. zwei zusätzliche Lautsprecher und den entsprechenden Amp, falls es so etwas noch gibt. Man kann diese Alben auch auf normalen Stereos spielen, sie klingen jedoch tatsächlich ein kleines bisschen wie eine andere Tonabmischung. Wir haben das Album natürlich auch auf CD, fürs Auto. Und als ich vor zwei Wochen an einer Tankstelle hielt, hatte ich gerade das Lied Hurricane ziemlich laut an, woraufhin ein Mann, ein irisch-stämmiger Amerikaner zu mir kam und sagte: Hey, ich bin aus Paterson, New Jersey! – also der Stadt die namentlich im Lied erwähnt wird und in der die Story des zu Unrecht verurteilten Boxers Rubin ‘Hurricane’ Carter passierte. Kosmisches Karma, oder zumindest ein ziemlicher Zufall – hier in Andalusien. Wir klönten ein bisschen und ich verabschiedete mich mit den Worten: Thanks, now I got the intro for my next article: Desire (1976) wurde manchmal ‘Dylan’s last great album‘ genannt. Finde ich nicht gerecht, aber die kommenden 80er Jahre sollten für Dylan gemischte Resultate bringen. Mit Desire (1976) hatte Dylan, damals Mitte dreißig, sich noch einmal neu erfunden, oder war – vielleicht zum letzten Mal – zu seinen Counterculture-Wurzeln zurückgekehrt, hatte einen verwegenen Look und sogar ein Protestlied.

Dylan initially tried out a lot of different musicians for Desire (1976) including Clapton, seen above, but in the end his guitar is only to be heard in the song Romance in Durango

Desire ist auch musikalisch völlig anders als der Vorgänger Blood on the Tracks (1975), oftmals Dylans bestes 70er Jahre Album genannt. Wobei ich Desire noch besser finde. Es klingt etwas wie Weltmusik, ist z. B. ansatzweise von Flamenco und anderen hispanischen Klängen angehaucht. Dylan setzt auch das in Rock seltene Instrument der Geige in einen neuen spannenden Kontext und lässt seine Band etwas wie eine Truppe von fahrenden Spielleuten klingen. Hier und da spielt auch ein Akkordeon und eine Mandoline mit. Er hatte anfangs bei Proben mit vielen Musikern experimentiert, inklusive Eric Clapton, siehe Foto von den Desire-Sessions in Studio E im 6. Stock vom CBS Studio Building in New York. Aber am Ende passte der Rockgitarren-Sound nicht zu Desire. Clapton ist nur auf dem Lied Romance in Durango zu hören. Viel hingegen hört man von der Country-Sängerin Emmylou Harris, rechts im Bild mit Rücken zur Kamera, die Dylan fast durchgehend mit Backing-Vocals begleitet. Ein Lied sang Dylan jedoch allein: Für die Aufnahme von Sara kam seine gleichnamige Ehefrau ins Studio und sah ihm durch die Glasscheibe zu, wie er sie mit dem Lied bat, bei ihm zu bleiben. Die Ehe der beiden war zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie am Ende. Desire hat einen Untertitel, der nur im Innencover zu sehen ist: Songs of Redemption. Etwa: Wiedergutmachung. Auf dem LP-Cover wirkt Dylan jedoch entspannt. Das Foto wurde in Plymouth, Massachusetts gemacht, im Memorial State Park, nahe des Monuments das auf dem Foto zu sehen ist. Im Auditorium dieses Parks spielte Dylan im Oktober ’75 erstmals öffentlich Lieder von Desire. Die Jacke die Dylan auf dem Cover trägt, ist im Indianer-Stil, ein sog. Navajo-Jacket das auf diesem Foto von Dylan und Joan Baez besser zu sehen ist.

The subtitle 'Songs of Redemption' is only on the inner sleeve, with liner notes by Allen Ginsberg. Added: Movie about Rubin Carter (1937-2014) who inspired Dylan's song Hurricane

Der Hippie-Cowboy-Look, inklusive Halstuch und Hut, war Dylans Stil auf der Rolling Thunder Revue Tour  von 1975, an der u. a. auch Joan Baez teilnahm. Der Look ist auch auf dem Cover von Bob Dylan Live 1975 (2002) zu sehen, ein Doppelalbum das die Tour viel umfassender repräsentiert als die Live-LP Hard Rain (1976). Interessant an dem Hard Rain LP-Cover mit weiß bemaltem Gesicht ist jedoch die Verbindung zu dem 1975 gedrehten Dylan-Film Renaldo & Clara, ein Tour-Dokumentarfilm der aber auch schauspielerische Szenen enthält. Diese Teile des Films wurden, gemäß Drehbuchschreiber Sam Shepard  von Marcel Carnés Kultfilm Kinder des Olymp (1945) inspiriert, wobei Bob Dylans Gesichtsbemalung eine Hommage an den Pantomimen Jean-Louis Barrault war. Auch andere Elemente von Renaldo & Clara, so wie die rote Blume, beziehen sich auf den französischen Film, den man kaum anders als romantisch – und einflussreich auf die 60er Jahre-Generation – beschreiben kann. Hier ein Film-Clip von Sara & Bob Dylan in Renaldo & Clara. Eine Szene die, wie Kinder des Olymp, eine zum Scheitern verurteilte Beziehung zeigt. Die Szene ist gerade durch ihre gedämpfte, ratlos wirkende end of the road Atmosphäre traurig und bewegend. Während Dylan vor dem Spiegel sein Gesicht bemalt, spielt Im Hintergrund Sad Eyed Lady of the Lowlands, ein Liebeslied für seine Frau vom Dylan-Album Blonde on Blonde (1966). 10 Jahre später, auf Desire erwähnt er die Sad-Eyed Lady wieder, diesmal in dem Lied Sara, und sagt dass er damals tagelang in einem Zimmer des Chelsea Hotels aufblieb um das Lied für sie zu schreiben. Für mich ist Desire, wenn auch nicht Dylans letztes großes Album, dennoch ein Schwanengesang, für eine Ehe und vielleicht auch eine Epoche. Mir fällt kein Album ein auf dem Dylan nochmal so optimistisch aussah wie auf Desire.

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Wussten Sie schon?  Es gibt mehrere outtakes, also Lieder die von den Desire-Sessions stammen aber nicht fürs Album verwendet wurden. Das für meine Begriffe beste dieser Lieder ist Abandoned Love, das zudem eins der wenigen Desire-Lieder ist das man auf YouTube findet. Das Desire-Lied Oh Sister gibt es als Sept. ’75 Liveversion, PBS-TV-Studio, mit Scarlet Rivera (Geige), ohne Backing-Vocals von Emmylou Harris

Gibt es den Dylan-Film Renaldo & Clara auf DVD? Leider nicht. Ich habe den 1978 veröffentlichten Film, der gute Livemusik enthält, vor Jahren mal im TV gesehen, aber mein Eindruck ist dass Dylan ihn aus dem Verkehr zog hat weil er keine Lust mehr hatte, so viel über seine Beziehung mit Sara öffentlich zu machen

Die geheimnisvolle Tarot-Karte auf dem LP-Cover Auf der Rückseite von Desire, siehe obiges Foto, ist die Karte namens The Empress, auf Deutsch Die Herrscherin zu sehen, eine Art Erdmutter-Symbol, vielleicht eine Anspielung auf seine Ehefrau Sara die ebenfalls auf dem Cover (rechts unten mit roten Haaren) zu sehen ist. Eine weitere interessante Referenz ist das Porträt von dem Schriftsteller Joseph Conrad (nahe Dylans Ohr) dessen Roman Sieg (1915) Inspiration für das Desire-Lied Black Diamond Bay war

Spielfilm über den Boxer Hurricane Oben im Foto ist auch eine spanische DVD von Hurricane (1999) mit Denzel Washington als Rubin Carter (1937-2014), der das Dylan-Lied Hurricane inspirierte. Der Film ist gut, siehe Trailer, auf Deutsch erhältlich, und hat beim deutschen Amazon viele positive Rezensionen

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